Der Lauf der Dinge
von Bodo Bodenstein


Gott schuf Himmel und Erde,
das Wasser und das Licht.

Das ewige Gestein,
es währt auch nicht ewig,
denn Wasser und Wind
zermahlen es zu Sand.

Schon in feinster Erde
wohnt zierlichstes Getier,
welches die Speise von
vielerlei Gewürm ist.

Nach dem Wurm trachtet
der schnelle Vogel,
um damit sich und seine
Jungen zu füttern
und der die Welt und die Lüfte
mit seinem Gesang erfreut.

Dem kleinen Sänger
lauert die Katze auf,
und gibt er nicht acht,
schnell ist es um ihn geschehen.

Das Katzentier muss sich hüten
vor dem Hund in Nachbars Garten,
zu gerne läuft er ihr nach,
um ihr in das Hinterteil zu beißen.

Der Hund muss gehorchen
seinem menschlichem Herrn,
und hört er nicht,
so wird er gescholten
und es setzt Schläge.

Der Mensch wiederum dient seinem Herrn,
sei es in Schule, Werkstatt oder Büro,
und der Chef wird schnell unbehaglich,
wenn man nicht macht, was man soll.

Den Chefs sitzt die Regierung im Nacken
und sie schwängert die Luft
mit Gesetzen und Vorschriften,
die kein normaler Mensch je versteht.

Noch stärker als der Staat
ist die Macht des Marktes und der Meinung
und die Diener der Politik
achten peinlich darauf,
sich nicht mit dieser Kraft anzulegen.

Doch wo ist der höchste Herr?
Was ist der letzte Sinn?
Ein dickes Bankkonto alleine
macht keinen glücklich.

Dass jeder an seinem Platz das Rechte tut,
das er vor seinem Gewissen verantworten kann.
Dass er den Nachbarn leben lässt wie seine Kinder.
Dass er die Katze pflegt wie seinen Hund.
Dass er auch den geringsten Wurm am Boden
achtet als wäre es der eigene Sohn.

Und dass er Natur Natur sein lässt,
die Natur der Welt
wie die Natur seiner eigenen Seele,
denn mit Gewalt erreicht man nur das Gegenteil.


© Mai 2008 Bodo Bodenstein

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