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Tagebuch einer Psychose

Selbsthilfe-Archiv Psychose Nr.1


32
Subject: leserforum
Date: Mon, 6 Sep 1999 15:02:08 +0100

Hallo alle zusammen !
Vielen Dank an Melanie fur die ausfuhrlichen Jahr-2000-Uberlebenstips, auch wenn's zur Anregung etwas zu pompos ist. Da habe ich dann eher dazu geneigt, vieles zu uberfliegen, was vielleicht wichtig ware. Zur Beruhigung kann ich aus meiner Firma, einer Softwarefirma, berichten, da? die Jahr-2000-Checks sehr sorgfaltig durchgefuhrt werden, und so tragisch nicht sind. Bei gro?eren Firmen ist das sicher komplexer, aber da gibt's dann sicher auch mehr Leute die daran arbeiten. Ich wollte einen kleinen Beitrag zur Jahrhundertausstellung liefern, die gerade und bis zum Januar 2000 in 6 Berliner Museen lauft. Also da kann man einen guten Uberblick uber die Moderne Kunst unseres Jahrhunderts bekommen. Wenn man sie als Spiegel der Realitat nimmt, und in einigen Ausstellungsraumen steht dieses Motto explizit, dann wird der 'ganz normale Wahnsinn' unserer Zeit reflektiert., so da? sich mir als Psychiatrie erfahrener die Frage aufgedrangt hat, warum meine 'Wahnvorstellungen' als krankhaft interpretiert wurden, etwa weil ich nicht die Lobby hatte, sie als normal darzustellen ? Als Beispiel mochte ich eine Videoinstallation anfuhren, die im Hamburger Bahnhof zu sehen ist, wo Einer mit Messern Selbstverletzung vor Publikum auffuhrt.
Aber auch ein Raum, wo dicht gedrangt verschiedenste Kleidungsstucke aufgehangt sind, (ebenfalls im Hamburger Bahnhof) hat mich an die Kleiderkammer in Herzberge erinnert, wohin die Klein- und Wenigverdiener unter den Patienten gefuhrt wurden, um aus den abgelegten Kleidungsstucken der Arzte und des Personals sowie anderer Kleiderspender sich etwas auszusuchen.
Summa summarum gibt die Ausstellung jedoch Mut zum eigenen Selbstverstandnis.

Viele Gru?e
   Jana

jana_akl@web.de


31
Date: Sun, 05 Sep 1999 02:14:39 +0200
Subject: Leserforum

Hallo, liebes Forum !

Ich habe gerade den Text Nummer 30 gelesen. Ich finde, das Y2K-Problem wird hier doch etwas überschätzt. Nun gut, es können tatsächlich etliche Rechner ausfallen. Aber ich sehe alles nicht so düster. Die Logistik-Rechner sind schon mal völlig unwichtig, weil man auch eine Logistik manuell aufbauen kann.(Dann wird eben mal kurzfristig eine ungünstigere Logistik mit mehr Personal und mehr Benzinverbrauch gemacht.) Die Finanzrechner sind auch nicht so wichtig. (Es existiert genügend Bargeld.) Ähnlich Bedeutungslos sehe ich den Ausfall von Rechnern in Maschinen.(Die werden einfach gegen neue Rechner ausgetauscht, falls sie vorher vergessen wurden) Das Einzige Problem dürfte der Ausfall von mehreren Kraftwerken gleichzeitig sein. Ohne Strom hätten wir dann doch einiges zu befürchten.

Nun zum eigentlichen Thema: Ich finde, der Y2K-Text spiegelt gut eine problematische Seite einer psychosegefährdeten Person wieder. Da ist zum Einen die typische Grössenordnung der Gedanken. (Es geht um mystisches, religiöses, ums Universum, oder wie hier um die Welt. Und das in ganz grossem Stil.) Dazu kommt dann die Neigung, alle, und auch wirklich alle Eventualitäten berücksichtigen zu wollen. Und dazu kommt noch der Versuch, dies alleine tun zu wollen. Das war bei meiner Psychose genau so. Nun finde ich, dass man nicht unbedingt auf solche Gedanken verzichten sollte. Vielmehr ist es ratsam, zu versuchen, solche Gedankengänge selbständig zu beenden, um sie später (vielleicht in einer kleineren Grössenordnung) vorsichtig wieder aufzunehmen. Hilfreich hierbei sind natürlich die Neuroleptika. Man sollte versuchen, die Dosis auf ein erträgliches Mass "herunterzufahren". ABER: Niemals ganz absetzten !!! UND: Bei anfangenden Verwirrungszuständen SOFORT die Dosis etwas erhöhen !!!

Tipps beim Gespräch mit dem Arzt:

Ein guter Arzt kennt normalerweise die Problematik einer Psychose. Also sollte man sich auf das Wesentliche konzentrieren: -Anzeichen innerer Unruhe genau beschreiben. -Derzeitige Medikamentendosis genau angeben. -Versuchen, selber abzuschätzen, wie hoch die neue Medikamentendosis sein sollte. -Inhalte und Art der Gedanken interessieren den Arzt nicht. (Sind sowieso alle ähnlich) brauchen also nicht berichtet werden. -Wichtig ist für den Arzt, zu erkennen, ob man noch den Bezug zur Realität hat. (ansonsten droht Einweisung oder massive Dosiserhöhung des Medikaments) -Man sollte korrekte und exakte Sprache verwenden (Keine Redewendungen, die eventuell nur im Bekanntenkreis benutzt werden), um Missverständnisse auszuschliessen.(Beispiele: "Das Ding", oder "das Zeugs" wären z.B. nicht korrekt.)

Alle oben genannten Punkte sollten innerhalb 20 Minuten erledigt sein.

Viele Psychoseerfahrene möchten gerne etwas über Psychosen als Buch lesen. Auch da möchte ich meinen Tipp aus eigener Erfahrung loswerden:

Das Buch handelt zwar nicht primär von Psychosen, es wird aber auch die Psychose darin beschrieben (Seite 127, Abb 33). Die Lektüre des Buches war eine der interessantesten Lernerfahrungen meines Lebens.

Es heisst: "Ich bin o.k. Du bist o.k."
Verfasser: Thomas A. Harris
Verlag: Rowohlt (Sachbuch Nr.6916)
ISBN: 3 499 169169

Es handelt sich hierbei um die Transaktionsanalyse.
Wer mit der Transaktionsanalyse Erfahrungen gemacht hat, schreibe mir doch mal ´ne mail.

Viele Grüsse:

Stephan.Mischnick@t-online.de


30
Subject: Leserforum
Date: Sat, 28 Aug 1999 14:32:13 +0200

Melanie und das Jahr-2000-Problem - (auf ihren Wunsch wieder gelöscht)


29
Subject: Bodo und die Sonnenfinsternis
Date: Fri, 20 Aug 1999 18:00:00 +0200

Ich habe die "Sofi" gesehen! Und zwar ohne Wolken!
In München, Tierpark Hellabrunn am 11.August 1999 12:37 Uhr.
Wer sich dafür interessiert, hier das Foto.


28
Subject: Leserforum
Date: Wed, 14 Jul 1999 15:36:15 +0200

Ich hatte 94 durch berufliche und familiäre Belastung eine Psychose, bei der gleichzeitig ein "Spielgeist" die Kontrolle und Steuerung über mich übernahm und ich mir besonders gut vorgekommen bin, da ich mit Überirdischen Kontakt hatte. Leidergottes hat dieses Geistwesen über 3 Jahre mit mir nur gespielt, bis mich ein Medium davon befreite. An dessen stelle trat dann mein Schutzgeist, der noch immer bei mir ist, mich aber nicht stört und den ich über das Zifferblat (1-12) jederzeit über Ja/Nein Antworten alles Fragen kann. Interessanterweise findet meine Psychotherapeutin das nicht besonders ungewöhnlich, da es anscheinend ähnlich wie beim Pendeln funktioniert, nur das mein Schutzgeist leicht meine Augen steuern kann. Die Diagnose die ich momentan habe heißt "Morbus Bleuler" und ich weiß nicht, was das bedeutet. Vielleicht könnten Sie mir eine E-Mail darüber schicken und mich aufklären.

mfg. Christian


27
Date: Wed, 07 Jul 1999 21:22:35 +0200
Subject: Leserforum

Ich bin jetzt etwa ein Jahr in Behandlung und bis jetzt läuft alles recht gut. Ich habe nur die Sorge, daß ich irgendwann vielleicht doch mal in stationäre Behandlung muß und hab jetzt hier von dieser Elektro Therapie gehört und hab ehrlich gesagt SCHRECKLICHE Angst davor. Kann mich irgendjemand aufklären? Wird das wirklich noch praktiziert?

Mailt an: S.Baldin@t-online.de

Zur Elektrokrampftherapie (EKT) siehe Linkseite Externe Links


26
Date: Tue, 22 Jun 99 23:51 +0200
Subject: Kind und Psychose/Leserforum

Hallo,

ich bin durch gezielte Suche auf die Internet-Seite von Pahaschi und "Bodo"s Leserforum gestoßen. Da habe ich nun Deine Info gelesen (Nr. 22 ) und will Dir aus meiner Sicht etwas zum Thema Kind und Psychose sagen. Als ich das erste Mal psychotisch diagnostiziert wurde, fühlte ich mich nur überarbeitet und tief depressiv, weil ich keinen Job nach dem Studium bekommen hatte und mein Land gerade in die Brüche gegangen war (DDR). Dennoch wurde ich mit Haloperidol behandelt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 2 Kinder im Alter von 5 und 2 Jahren. Den Krankenhausaufenthalt habe ich in keiner guten Erinnerung, weil ich große Sehnsucht nach meinen Kindern hatte und ich mich auch in meinen Bedürfnissen mißverstanden fühlte, ich wollte mich lieber um meine Familie kümmern und arbeiten gehen, als die Zeit im Krankenhaus zu "verplempern". Natürlich wollte ich auch von meinen Zukunftsängsten loskommen, aber nicht durch Vollpumpen mit Medikamenten, sondern durch gelassene Einsicht. Ich kam dann nach 6 Wochen wieder raus und nach einem halben Jahr fühlte ich mich dann auch wieder besser, voller Pläne und Kraft. In dieser Zeit bekam ich dann einen Job. Die Option für ein weiteres Kind wollte ich mir offenhalten, sprach aber nicht offen darüber, sondern tat nur alles, um keine Medikamente mehr nehmen zu müssen. Da meine Situation soweit stabil war, habe ich dann unter Aufsicht meines Arztes das Medikament ausschleichen lassen. "Dummerweise" hatte ich noch immer Verständnisprobleme mit meinem damaligen Mann (jetzt sind wir geschieden) und verliebte mich obendrein noch in einen anderen. Dann wurde ich schwanger,und ich wollte das Kind auch haben. Nun nahmen die Probleme zu, weil nach der Geburt dieses dritten Kindes doch mehr Haushalt an mir kleben blieb als vorher bei den anderen beiden, als mein Mann auch noch studierte und wesentlich flexibler mithalf. Nun hatte er aber einen Job, und kam oftmals erst spät abends nach Hause. Gleichzeitig wollte ich aber auch noch an der Uni promovieren, wo ich meinen Job hatte. Und diese Überforderung führte dann wieder in eine Krise, die abermals als Psychose diagnostiziert wurde. Diesmal kam ich hoch dramatisch ins Krankenhaus, weil mein Mann den sozial-psychiatrischen Dienst alarmiert hatte, die nach einem kurzen Hausbesuchsgespräch mit mir und einem fehlenden Besuch meinerseits im Amt ( wie sollte ich das managen, wo ich froh war, den Haushalt, das Stillen und meine Arbeit auf die Reihe zu bekommen) mit 5 Mann Polizei vor der Wohnungstür standen und so die Zwangseinweisung vornahmen. Wieder wurde ich mit Haldol behandelt und wieder kam ich mir fehl am Platze vor, weil mir aus meiner Sicht nur etwas mehr Unterstützung in der Bewältigung meiner Aufgaben gefehlt hatte. Große psychische Probleme bekam ich auch dadurch, daß ich Zwangsabstillen mußte, weil die Medikamenta ja in die Muttermilch eingehen. Und gerade beim dritten Kind hatte das Stillen so gut geklappt. Mein jüngster Sohn war gerade 5 Monate alt, als dies geschah. Nun dachte ich, nie wieder in die Psychiatrie und schon gar nicht mit Zwangseinweisung, aber "aller guten Dinge sind 3" - vor 1 1/2 Jahr, als die Kinder nun 3,9 und 12 waren, hatten sich wiederum etliche Probleme angehäuft, übermäßige Bevormundung durch die eigenen Eltern, Streß mit dem Ehemann, Jobverlust und Endphase der Promotion und der Geliebte für längere Zeit im Ausland und zu entlastenden Gesprächen nicht erreichbar, so daß ich eine Psychose bekam, vergleichbare Symptome, wie sie "Bodo" beschreibt, aber doch auch wiederum eher als Ergänzung zum realen Leben, denn beispielsweise der Verfolgungswahn war nicht permanent und nach einer Nacht allein auf dem Gartengrundstück wie weggeblasen. Gespräche mit der Telefonseelsorge halfen leider nicht, den Verfolgungswahn als irreal abzutun. In gewisser Weise war er ja auch berechtigt, denn sowohl mein Ex-Mann als auch meine Eltern und meine Ex-Schweigereltern drangen geradezu in mich, mich in Behandlung zu begeben, nach meinen traumatischen letzten Erlebnissen aber fand ich dazu keinen Zugang. Zumal dieselbe Ärztin vom psychiatrischen Dienst wie oben wenig Verständnis für meine Lage aufbrachte, und mein Ex-Mann mir eine Dame vom Jugendamt ins Haus schickte. Summasummarum war ich froh, als ich dann mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus fuhr, den meine Eltern gerufen hatten. Warum das dann wieder als Zwangseinweisung gelten mußte, war mir jedoch nicht klar. Dann war ich ein halbes Jahr im Krankenhaus. Während dieser Zeit eröffnete mein Ex-Mann das Scheidungsverfahren. Er besuchte mich mit den größeren Kindern nur ein- oder zweimal, was nicht zu meiner Gesundung beitrug, weil ich die Trennung von meinen Kindern nur schwer ertragen konnte. Den jüngsten sah ich öfter, da er sich bei meinen Eltern aufhielt. Aber ich mußte mich erstmal an den Gedanken gewöhnen, mit ihm allein eine neue Familie aufzumachen. Nun lebe ich seit gut einem Jahr mit meinem jüngsten Sohn in einer eigenen Wohnung, sehe meine großen Kinder alle 3 Wochen und telefoniere in der Zwischenzeit mit ihnen, habe einen neuen Job. Die Promotion verfolge ich am rande und weiß auch noch nicht, ob ich sie zu Ende bringen werde, weil ich jetzt weiß, daß ich nicht übermäßig Streß haben darf. Und ich nehme jetzt freiwillig die Medikamente mit allen entsprechenden Nebenwirkungen in Kauf. Zusammengefaßt, Kindern können zur Genesung unheimlich gut beitragen, aber es besteht auch die große Gefahr sie durch die Krankheit zu verlieren.

Ich hoffe, Dir geht es gut und Du schreibst mir eine Reaktion auf meinen Bericht.

Alles Gute
Jana

E-Mail: jana_akl@web.de


25
Date: Tue, 15 Jun 1999 14:37:50 +0200
Subject: Leserforum

>
> Hallo,
> ein chinesisches Sprichwort sagt: "Wenn Du etwas über eine
> Krankheit wissen willst, frage nicht den Arzt, sondern den
> Kranken."
> Aus meiner Erfahrung möchte ich sagen, dies trifft bei der Psychose
> absolut zu. Denn ein Arzt oder
> jeder andere Gesunde, der noch keine Psychose durchlebt hat, kann
> diese Krankheit absolut nicht nachvollziehen. Deshalb ist die Meinung
> von Ingo (s.u. Nr. 16), daß "Wahngedanken" zur Persönlichkeit
> oder Natur des Menschen gehören, nicht die meinige. Denn vor
> der Psychose oder in meinem jetzigen wieder gesunden Gesundheitszustand
> (in der Realität) komme ich nicht auf diese abwägigen Szenen,
> die sich während der Psychose in meinem Kopf abgespielt haben.
> Psychose ist schon krankhaft, denn hier werden Informationen
> die im Gehirn gespeichert sind und aus der Umwelt
> falsch verarbeitet und daraus entsteht der Wahn.
>
> Zum o.g. Sprichwort möchte ich noch hinzufügen, daß ich dieses
> Leserforum Klasse finde, denn hier kann ich mich mit Betroffenen
> austauschen
> , feststellen, daß ich nicht alleine mit der Krankheit dastehe
> und Antworten bekommen, die mir bisher kein Arzt geben konnte.
>
> Gruß Susanne


24
Date: Sat, 12 Jun 1999 16:13:22 +0200
Subject: Leserforum

Hallo »Bodo«,

bei meinen Streifzügen durch das Netz bin ich auch auf deine Site gestoßen. Auch mein Leben verlief - natürlich! - nicht problemlos: in der Kindheit sexueller Mißbrauch, Armut, Hunger, Haß und Wut, sexuelle Nötigung bzw. Ausbeutung bis ich 17 Jahre alt war. Depressionen waren für Jahre meine treusten Begleiter, die ich dann mit Alkohol und Drogen in den Griff bekommen wollte; es folgte eine 20 Jahre währende Odyssee durch die Drogenhölle, die mich immer wieder in den Suicid-Versuch trieb. An meinem 28. Geburtstag unternahm ich den letzten Selbstmordversuch; seitdem bin ich schwer gehbehindert, habe eine Leberzirrhose - und bin aufgewacht. Ab da begann ich, mein Leben zu hinterfragen, zu suchen, meinen Weg zu finden - was noch einmal 10 Jahre dauerte…

Während meiner ersten Drogenjahre habe ich viele Experimente mit psychoaktiven Stoffen wie LSD und Brom und einige mit sogenannten Hexengiften unternommen. Die Phänomene, die dabei auftraten, kann man wohl als "künstliche" Psychose bezeichnen. Künstlich deshalb, weil ja aufgrund der veränderten Chemie durch die Droge dieser Zustand hervorgerufen wurde. Auch gab's in den 60er Jahren einige Psychiater, die mit ähnlichen Drogen "experimentelle" Psychosen hervorriefen, wie sie es nannten. Ich schreibe das nur, weil mein ursprüngliches Problem nicht unbedingt primäre Psychosen waren, sondern durch Drogen potenzierte latente Neurosen mit z.T. psychoseähnlichen Zuständen, will sagen: ich glaube, dich gut zu verstehen.

Heute habe ich eine eigene Praxis, die »Psychologische Beratung bei Selbstwert-, Angst- und Suchtproblemen«. Und ich denke, daß ich recht gut bin in der Hilfe an meinen Mitmenschen, weil mir die meisten Probleme meiner Klienten bestens bekannt sind - aus eigener Erfahrung; und das ist aus meiner Sicht wichtiger als viele bekannte Theorien. Ganz im Gegenteil habe ich auf meinem langen Weg der Selbstfindung gelernt, daß die gefährlichsten Scharlatane oft die »Halb-Götter in weiß« sind: welcher hilfesuchende Mensch wagt es schon, deren Integrität anzuzweifeln?!? Aus meiner Sicht ein verhängnisvoller Fehler; denn aufgrund meiner ganz persönlichen Erfahrungen mit »akademischen« Helfern behaupte ich, daß mehr als die Hälfte davon den Menschen in seiner Komplexität nie hat begreifen können, ihn stattdessen zerstückelt, zerkleinert, begradigt, ihn in das Denkschema einer bestimmten Schule zwängt und dann in ein Leben zurückschickt, vor dem er geflohen ist - ohne ihm zu zeigen, wie. Wie heißt es doch so schön im Patienten-Brief der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein: Die realistischen Therapieziele heißen Problembewältigung und Hilfe zur Selbsthilfe. Psychotherapie kann dazu beitragen, das Schwimmen zu lernen, aber sie kann niemandem das Schwimmen abnehmen. Auch ich sage meinen Klienten ganz klar: selbst wenn ich die Gabe hätte, sie durch Handauflegung zu heilen, würde ich es nicht tun; denn alles, wirklich alles im Leben gehört zu einer ganz persönlichen Reifung, so schlimm es auch scheinen mag. Alles hat seinen Sinn, auch wenn wir ihn vielleicht nicht oder nicht sofort verstehen. Und würde ich da durch Handauflegung eingreifen, nähme ich dem Klienten ja die Möglichkeit zu seiner eigenen Entwicklung. Um aufgrund dieses Beispiels evt. Unklarheiten zu beseitigen: ich bin kein Okkultist - oder, wie es neudeutsch heißt, um die Gefahr zu vertuschen: kein Esoteriker -, kein Scientologe, ich gehöre ganz einfach weder einer außerkirchlichen Gemeinschaft (allgemein als Sekte bezeichnet) an noch irgendeiner spezifischen politischen Richtung. Ich halte mich einfach für einen Menschen, der weitgehend gelernt hat, frei zu sein und dieses Abenteuer Freiheit gern weitervermitteln möchte.

Auch habe ich einige Bücher veröffentlicht (http://websurf.pcom.de/propagamma/autor3.html), in denen ich mein Leben, meine Drogenkarriere und meine Befreiung beschreibe. Und zusammen mit zwei Kollegen - einer ist Dipl.-Soziologe, also ein echter akademischer Helfer :-); der andere leitet ein Haus für Obdachlose - geben wir in Schulen Aufklärungsunterricht über Drogen und nehmen dabei auch Stellung zu vielen aktuellen persönlichen Problemen der Schüler - grundsätzlich im gesamten deutschsprachigen Raum, meistens aber zwischen Stuttgart und Lörrach.

Natürlich muß auch ich immer wieder mit dem Vorwurf der Scharlatanerie leben, was mich aber immer weniger tangiert; schließlich sehe ich die Erfolge bei meinen Klienten, und auch nicht einer von ihnen hat sich bisher über meine Beratung beklagt, ganz im Gegenteil kommen viele unregelmäßig immer wieder einmal zu einem Gespräch, oder ich werde auf der Straße angesprochen und wir trinken einen Kaffee zusammen. Außerdem beschreibe ich an verschiedenen Stellen meiner HomePage, daß ich selbst eine Menge eigener Erfahrungen mit dem Elend dieser Welt hatte und habe. Ich habe also grundsätzlich kein Problem damit, mich zu öffnen, zu meiner Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft zu stehen. Natürlich wird das den einen oder anderen Klienten abhalten, Verbindung mit mir aufzunehmen, aber das ist dann sein Pech; schließlich bin ich ein lebender Beweis - wie auch du -, daß es trotz und alledem einen Sinn hat, nicht aufzugeben. Und daß man seinem Leben immer wieder neu anfangen kann, um ihm Qualität zu geben.

Sollten dich meine »Honorare« stören: ich kann dir versichern, daß diese für die entsprechende Klientel gedacht sind. Ich arbeite vormittags fest angestellt im örtlichen Krankenhaus, um so meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das und die großzügigen Honorare einiger Klienten erlauben es mir, auch für einen Bruchteil der Gebühren zu arbeiten, sodaß ein sozial wenig begüterter Hilfesuchender durchschnittlich eine Monatspauschale entrichtet (das entspricht 4-5 Sitzungen à 90 Minuten), die ich einem gutsituierten Menschen für eine Sitzung berechne; wenn du wollst mein persönliches Robin-Hood-Spiel: von den Reichen nehmen, um den Armen geben zu können. Auch habe ich schon einigen arbeitslosen Klienten geholfen, die meine Leistungen nicht zu bezahlen hatten, weil ich immer eine bestimmte Anzahl kostenloser Plätze dafür bereitstelle, andere reinigten z.B. meine Praxis, statt zu zahlen. Grundsätzlich kann ich sagen: jeder, der wirklich Hilfe von mir wollte, hat sie auch erhalten. Aber diese Hilfe gebe ich nur persönlich, d.h. ich glaube nicht, daß ich einem Menschen per eMail helfen kann. Zwar beantworte ich jede Anfrage und versuche auch, Hinweise auf weitere Hilfen zu geben, die beim Betreffenden evt. vor Ort sind; aber grundsätzlich will ich die Person sehen, hören, riechen - die non-verbalen Aspekte sind ganz einfach zu wichtig.

Nun hast du ein wenig von mir erfahren, und bin auch gern bereit, weitere Fragen zu beantworten. Sieh dir doch einmal meine Site an (http://websurf.pcom.de/fmf/) und überlege dir, ob du aus deiner Sicht mein Hilfs-Angebot nicht mit deiner Site verlinken willst. Grundsätzlich darfst du natürlich auch diese Mail als »Einführung« verwenden, falls du willst. Wie gesagt: ich halte mich für frei genug, mein Leben öffentlich zu leben!

Und eine ganz persönliche Frage habe ich noch. Du schreibst:

Mir war plötzlich klar, daß ich unter geheimer Beobachtung stand. Und es war eine Ost-West-Problematik, um die es sich dabei drehte.

Warum gerade Ost-West-Problematik? Wäre nett, wenn du mir das beantworten würdest…

Mit freundlichen Grüßen

Frank

Warum Ost-West-Problematik? Ich bekam die BZ am Abend zu Gesicht, die Boulevardzeitung von Ostberlin (heute Berliner Kurier). Wie alle Ost-Zeitungen hatten sie natürlich auch die obligatorische Auseinandersetzung mit dem "Klassenfeind" auf den ersten Seiten. Da ging es dann um Drogentote in Westberlin, um die NATO-Aufrüstung, um die Arbeitslosigkeit in der BRD, um den bösen USA-Imperialismus und natürlich um die DDR-Heldentaten.
Hier ein Beispiel:

BZ am Abend DDR-Computer

CDU in Südafrika


23
Subject: Leserforum
Date: Fri, 28 May 1999 11:05:08 -0000

Hallo Bodo,

also ersteinmal ein großes Lob an Deine detaillierte Schilderung der Psychose.

Meine (damalige) beste Freundin hatte 1994 eine Psychose bekommen, ich war damals damit völlig überfordert und wußte nicht, wie ich mit ihr umgehen soll. Kleine Erläuterung: wir waren damals erst 17 Jahre alt. Ich kann mich nur noch erinnern, daß sie wohl dachte, sie sei Maria - und alle möglichen Männer auf der Straße waren ihrer Meinung nach Joseph oder Jesus oder so! Leider hat sie nachdem sie in der Berliner Kinder- und Jugendpsychatrie "Wiesengrund" war (kennt jemand von Euch die Klinik?) nie mit mir so detailliert über ihre psychotische Episode gesprochen, daß ich mir richtig was unter dieser Krankheit vorstellen konnte. Auf jeden Fall weiß ich jetzt Bescheid, um was es sich eigentlich handelt!
Ich weiß nicht, ob ich es merken würde, wenn ich eine Psychose bekommen würde...ich glaube, man hat so einen enormen Realitätsverlust, daß man es gar nicht merkt.
Auf jeden Fall wurde sie nach dem Klinikaufenthalt noch medikamentös behandelt, und sie hat dadurch auch sehr zugenommen und konnte sich nie so richtig bewegen!
Ich habe jetzt leider keinen Kontakt mehr zu ihr - aber soweit ich gehört habe, soll es ihr wieder gut gehen!

Also, nochmals ein großes Lob für Deinen ausführlichen Bericht und alles Gute weiterhin

Marina aus Berlin

eMail: Yyvonna@aol.com


22
Date: Wed, 26 May 1999 22:33:06 +0200
Subject: Leserforum Psychose

Ich möchte gern meine Info veröffentlichen, denn endlich habe ich mal nach dem Artikel in der Com!Online ein Forum und brauchbare Infos zu Psychose gefunden.

Meine 1. von 3 Psychosen hatte ich vor 4 Jahren. Erstaunlich ist, daß diese Wahngedanken in den Psychosen so einprägsam waren, daß ich sie heute noch aufschreiben könnte. Die Erinnerung ist absolut frisch.

Psychische Krankheiten sind wirklich ein Tabuthema. Ich selbst hatte das Wort Psychose das erste mal gehört, nachdem ich den Arzt in der Klinik fragte, was denn eigenartiges mit mir passiert ist. Ich kann von meinen Wahngedanken auch "Horror-Szenen" berichten. Aber nachdem ich (wie ich von anderen Betroffenen lesen konnte) nach kurzer Zeit (4 Wochen) jedesmal entlassen werden konnte, beschäftigte mich und meinen Partner die Frage: Können wir jemals ein Kind bekommen. Ich war damals 27 und hatte es für das nächste Jahr eigendlich geplant. Nun hatte ich erstmal mit mir zu tun und das Thema Kind wurde verschoben.
Wir haben es aber nicht aus den Augen verloren. Ich kaufte mir Bücher und besuchte Ärtzte (Psychiater, Gyns, Humangenetiker). Wichtig war für uns, ob wir trotz Einnahme von Medikamenten (Zyprexa) ein gesundes Kind bekommen konnten. Nachdem wir alles abgecheckt hatten ... bin ich jetzt schwanger.
Ich wünsche mir Kontakt zu Müttern, die trotz Psychose auch ein Baby bekommen haben oder sonstigen Erfahrungen, Tips von allen anderen.

Susanne


21
Date: Tue, 25 May 1999 16:54:31 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Bodo!

Schön daß Du Deine Krankheit in den Griff bekommen hast. Leider schaut es bei meinem Freund M. anders aus. Er hat ständig das Gefühl, das Gott ihm Befehle gibt, meist beschimpft und beleidigt er irgendwelche Passanten. Nachts schlägt er sich mit Wortspielen und Sprachforschungen herum. Wenn ich ihn sanft oder auch mal deutlich darauf hinweise, das es Auswirkungen seiner Krankheit sind, spricht er nicht mehr mit mir über dieses Thema, und ich weiß dann nicht, was ihn beschäftigt. Medikamentös ist er auf ein extrem hohes Level eingestellt (500 mg Leponex), aber die Symptome verschwinden nicht. aber vielen Dank für deinen Bericht, er macht einem Mut.

anselm


20
Date: Fri, 21 May 1999 12:00:00 +0200
Subject: In eigener Sache

Das Internet-Infomagazin com! online hat in seiner neuesten Ausgabe 06/99
auf Seite 50 einen Artikel über Selbsthilfe im Netz zum Thema Psychisch Kranke:

Zuerst hast du nur körperliche Symptome, dann bekommst du plötzlich neue Erkennt-
nisse über die Welt. Von einer Minute auf die andere bist du Mittelpunkt einer geheimen Konspiration der Weltmächte."
So schildert Bodo unter http://ourworld.
compuserve.com/homepages/Pahaschi/
tagebuch.htm
, "wie man verrückt wird". Mit 25 schien für den damaligen Informatik-
Studenten die Welt noch in Ordnung zu sein - bis er kurz nach Abschluß seiner Diplomarbeit ein "unangenehmes Gefühl am Hals" bekam. Was mit körperlichen Symptomen begann, wuchs sich zu einer schweren Psychose mit Verfolgungswahn aus. Erst nach sechs Jahren psychiatrischer Behandlung mit allen Höhen und Tiefen konnte Bodo 1993 wieder arbeiten... Bodo steht nicht allein...
Titelbild

Ich bin ja ganz stolz, daß so eine vielgelesene Zeitschrift über mein Tagebuch berichtet.
Wer ganz genau mein Tagebuch liest, wird aber feststellen, daß ich schon nach 6 Monaten Krankenhausbehandlung wieder arbeiten gehen konnte (erst mal Schonarbeit). Aber trotzdem: Vielen Dank com!

Bodo


19
Date: Mon, 10 May 1999 12:41:10 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

gerade habe ich Dein Tagebuch gelesen, es hat mich sehr beeindruckt, Hut ab!

Ich kann mir gut vorstellen, dass es oft alles andere als einfach fuer Dich war, sich den Erinnerungen und den damit verbundenen Schmerzen und Aengsten zu stellen - vor allem vielleicht der berechtigten Angst, durch die Reflexion wieder tiefer hineingezogen zu werden. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber auch, dass es auf Dauer ungemein wichtig sein kann, so etwas wie einen "Roten Faden" zu haben, der durch diese Episode(n) fuehrt und es einem ermoeglicht, das Geschehen fuer sich und andere wenn schon nicht erklaerbar, dann doch wenigstens nachvollziehbar zu machen. Umso besser, wenn es Menschen gibt, die einen dabei unterstuetzen.

Ich finde, es ist Dir ausserordentlich gut gelungen, Deine Vorstellungen detailliert und als in sich schluessig zu schildern, Dich aber gleichzeitig von Ihnen zu distanzieren und - wenn moeglich - ihre Bedeutung aus heutiger Sicht zu interpretieren. Das Einflechten der Arztberichte (gruen), die fussnotenartigen Erlauterungen (braun) und das Hervorheben zentraler Wahrnehmungen (blau & violett) machen sich dabei stilistisch sehr gut!

Dass ich mich hier zum Schreiben entschlossen habe, liegt auch daran, dass auch ich im Sommer 1988 eine psychotische Episode durchlebte und ebenfalls einige Monate mit Haldol im Krankenhaus verbrachte. Einige Dir widerfahrene Erlebnisse (z.B. die Katatonie und die Elektrokrampftherapie) sind mir dabei erspart geblieben, ansonsten gibt es sehr viele Parallelen, sowohl in der Wahrnehmung als auch im Ablauf. Allerdings fuehlte ich als "Wessi" mich u.a. von der Stasi verfolgt und haette beinahe den dritten Weltkrieg ausgeloest. Schon eigenartig, wie das Bewusstsein in der Psychose mithilfe von "Standard-Feindbildern" (je nach Gesellschaft) das ungeheure Gefuehl der Bedrohung zu erklaeren versucht.

Was fuer mich also uebrigbleibt ist vor allem die Einsicht, wie duenn das Eis doch sein kann, auf dem sich das "normale Alltagserleben" bewegt; und wie dankbar ich dafuer bin, dass dieses "normale Erleben" doch wieder zum Dauerzustand fuer mich geworden ist! Wenn es fuer mich etwas Positives im Durchleben einer Psychose gibt, dann vielleicht das bewusst erlebte "Abklingen" von Wahnvorstellungen, die kurz vorher noch eine allumfassende bedrohliche Bedeutung hatten und die dann wiedergewonnene Faehigkeit, zu kommunizieren, einen Witz zu verstehen und drueber lachen zu koennen und - vor allem - mal wieder in Ruhe und ohne Angst zu sich kommen zu koennen.

Alles Gute,
Laurent


18
Subject: Leserbrief
Date: Thu, 22 Apr 1999 17:11:05 CEST

Hallo Ihr Leute

Ich hatte vor etwa einem Jahr selbst eine Psychose. Seitdem werde ich mit dem Medikamt Zyprexa behandelt. Eigentlich vertrage ich dieses Medikament gut, bis auf den Punkt, dass ich 30kg zugenommen habe. Also, ich wiege jetzt 80kg bei einer Grösse von 1,57m. Gerne möchte ich mit Leuten Kontakt aufnehmen, welche auch Zyprexa verschrieben bekommen haben und bei denen ähnliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Es sind aber auch alle anderen E-Mail-Schreiber eingeladen, sich zu melden.

struniger@hotmail.com

Ich freue mich auf Eure Nachricht


17
Date: Fri, 16 Apr 1999 15:22:42 +0200
Subject: Leseforum

Hallo Bodo!

Danke fuer Deinen tollen Artikel. Ich habe ihn im internet aufgespuert, als ich ein Internet-Cafe fuer Frauen besucht. Ich bin sehr an den Thema "Psychose" interessiert, weil ich bereits den dritten Freund habe, der darunter leidet. Dein Artikel ist wirklich sehr verstaendlich geschrieben. Ich dachte zuerst, er sei von einem Arzt. Heute habe ich mir dann die Autorinfo angesehen und war eigentlich erstaunt, dass Du selbst ein Betroffener bist. Ich wuerde gerne Kontakt haben zu Menschen, die mit Psychoseerkrankten zu tun haben (mit ihnen befreundet od. verwandt) sind, um vielleicht Erfahrungen auszutauschen. Ich stehe der Krankheit meines Freundes leider oft hilflos gegenueber. Er ist oft sehr gereizt u. schreit mich dann grundlos an. Ich bin psychisch auch nicht sehr stabil (war vor 4 Jahren wegen Panikattacken in der Psychiatrie) u. daher geht es mir natuerlich momentan nicht gut.

Freue mich ueber jedes Mail.

Viele Gruesse Michaela

mail: mschulte@at.dhl.com


16
Subject: Leserforum
Date: Tue, 13 Apr 1999 09:20:25 +0200

Hallo,

was mir auf dieser Seite (und auch auf allen anderen Seiten dieses Inhalts, die ich bisher gesehen habe) fehlt, ist die Suche nach den Ursachen einer Psychose.

Der einzige Hinweis, den ich gefunden habe, ist der auf eine Überlastung des Gehirns mit Sinneseindrücken.
In dieser Gesellschaft (ebenso wie in den meisten westlichen Gesellschaften) herrscht die Überzeugung vor, daß der menschliche Körper (auch das Gehirn) eine Art komplizierter Maschine sei, die die Grundlage des Geistes bildet. In dieses Bild paßt auch die Vorstellung einer "Überlastung" des Gehirns, die eine anschließende "Fehlfunktion" oder "Krankheit" zu Folge hat.

Meiner Erfahrung nach (Ich hatte selbst vor Jahren eine Psychose) sind aber die Wahnvorstellungen von Gotteserscheinungen, höheren dunklen Mächten, die in unser Leben eingreifen, und dem Gefühl einer Fremdbestimmung des eigenen Körpers gar nicht so "wahnsinnig", sondern liegen tatsächlich in der Natur des Menschen, ebenso wie die Neigung, sich selbst als Konglomerat verschiedener "Persönlichkeiten" zu sehen.

Die Frage ist nun, warum entsteht bei manchen Menschen aus der alltäglichen Situation heraus eine Psychose?
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, daß in unserer "aufgeklärten" Gesellschaft die meisten übersinnlichen und anderweitig spirituellen Erfahrungen tabuisiert werden, was sich ganz konkret in einer versachlichten und rationalitätsbetonten Kindererziehung niederschlägt, die die übersinnlichen Neigungen und Sehnsüchte eines jeden von uns radikal unterdrückt.

Meiner Meinung nach (die sich aus Anschauung meiner selbst gebildet hat) schaffen es diejenigen, die später psychotisch werden, nicht, diesen (übersinnlichen) Teil ihrer Persönlichkeit aus den Fesseln der Gesellschaft zu befreien, z.B. indem sie Übersinnliche Erfahrungen in ihr Weltbild einbauen. Dieser unterdrückte Teil der Persönlichkeit kann dann selbstzerstörerische Wirkung entfalten.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die Heilung einer Psychose nicht möglich ist, ohne solche Teile der Persönlichkeit zu versöhnen und zu integrieren.

Noch ein Gedanke zum Schluß:
Es wird gesagt, daß eine Psychose einen Menschen für sein Leben zeichnet, ihm praktisch bleibenden Schaden zufügt. Wenn man aber diesen Schaden, der meist nur darin besteht, das man Erfahrungen als existent akzeptieren muß, die über das eigene Begriffsvermögen und das der Gesellschaft hinausgehen, nicht als Schaden sieht, sondern als - wenn vielleicht auch teilweise gewaltsame - Persönlichkeitsentwicklung erkennt, dann ist ein erster Schritt zur Überwindung der Psychose getan.

Gruß
Ingo


15
Subject: Leserforum
Date: Mon, 12 Apr 1999 12:12:42 +0200

Hallo,
ich möchte Dir ganz einfach danken fuer Dein Tagebuch, und den Mut
öffentlich dazuzustehen.
Ich kann viel Lernen davon, überhaupt die ganze Homepages ist super.
Das mit den Lichteffekten bei Dunkelheit erlebe ich auch, spreche aber selten
mit jemandem darüber. Mir hilft es wenn ich weiss, dass dies andere Menschen
auch erleben.
Ich glaube auch, an eine solche Auslösung bei Ueberbelastung.
Schlafen und Entspannen meine ich, ist überhaupt bei psychischen Problemen
sehr hilfreich.
Nochmals vielen Dank, alles Gute.
Mit freundlichen Grüssen

Lorenz


14
Date: Sun, 7 Mar 1999 19:49:23 EST
Subject: An Bodo u. das Leserforum

Hallo,
erstmal danke ich für die informative, interessante und für mich hilfreiche Homepage. Vor allem imponiert mir, dass Du soviel Initiative zeigst und von Deinen eigenen Erfahrungen so ausführlich berichtest. So ist für mich das Internet eine gute Ergänzung zu den ansonsten erhältlichen Fachbüchern.

Ich bin 31 Jahre alt. Vor 10 Jahren hatte ich meine erste Psychose. Ständig hatte ich am Arbeitsplatz das Gefühl, dass hinter meinem Rücken über mich geredet wurde, konnte keine Kritik vertragen (brach dann immer in Tränen aus) und war schicksalsgläubig. Ich war der festen Überzeugung, dass eine höhere Macht über mich bestimmt und mir deutlich machen will, dass es besser wäre, wenn ich tot bin. So fühlte ich mich wie ein Roboter und dachte immer "äußerlich bin ich schon tot, nur innerlich noch nicht". Ich sah es dann ein, dass es besser wäre,wenn ich endlich tot wäre ("ich müsste mich beseitigen, es wäre besser für alle Beteiligten") und besorgte mir Schlaftabletten. Als ich den Entschluss gefasst hatte, fühlte ich mich besser. Da ich jedoch einen Teil der Tabletten wieder im Halbschlaf erbrach, kam ich mit Vergiftungen ins Krankenhaus und man pumpte mir den Magen aus. Danach war mir alles nur noch peinlich. Nach einer Woche kam ich dann in die Psychiatrie( insgesamt 6 Monate). In den Jahren danach machte ich immer wieder den Anlauf zur Therapie. Die Diagnose lautete ursprünglich "neurotische Depression",wurde erst `98 bei der 2. Psychose (Verfolgungswahn) revidiert. Da ich mich für diese Zeit schämte (wie konnte ich nur sowas mir und meinen Angehörigen antun?), versuchte ich das Ganze zu vergessen. In den späteren Therapieanläufen war dies dann auch kein Thema mehr. Die Diagnoseänderte sich dann in "narzistische Störung", unter anderem auch, weil ich ein schwaches Selbstwertgefühl hätte und ständig alles auf mich beziehen würde und zwar vor allem alles Negative. Privat war ich bis jetzt nicht in der Lage, eine normale Partnerschaft zu führen und mich vom Elternhaus richtig abzunabeln. Ich habe zwar ab dem 25. Lebensjahr gelernt, Kontakte zu knüpfen, lebe jedoch einzelgängerisch, weil mich das häufige Zusammensein mit anderen Menschen anscheinend überfordert, zumindest habe ich danach das Bedürfnis, mich zu erholen. Daher habe ich auch bis jetzt nur 2 kurze Beziehungen gehabt, die allerdings sehr chaotisch verliefen. Seit 3 Jahren habe ich keine Beziehung mehr.

Nachfolgend eine Kurzfassung der 2. Psychose:
Vor ca. 1,5 Jahren fing das Gefühl an, dass ich mich (ich war umgezogen) von den Nachbarn kontrolliert und beobachtet fühlte. Auch am Arbeitsplatz war ich sehr gestresst. Dies eskalierte nach und nach in diverse Wahnideen, die, wenn neue "Erkenntnisse" dazukamen, in neue Wahnideen umschlugen. Dies beanspruchte mich sehr und kostete viel Kraft, gleichzeitig liess ich anderen nach Möglichkeit nichts anmerkten. Sie sollten ja nicht wissen, dass ich längst "Bescheid" weiss. So wähnte ich mich im Vorteil. Nur meiner Mutter gegenüber erzählte ich ständig neue Geschichten, die meiner Meinung nach Realität waren. Diese hörten sich an wie Krimis. Die "Hochphase" dauerte ca. 3 Monate. Es wurde immer schlimmer. Meine Mutter war mit den Nerven am Ende und verständigte meinen Vater, sie wüsste nicht, was mit mir los ist. Sie kamen dann zu dem Schluss, dass ich zum Arzt muss. Meine Mutter versuchte ich zu überzeugen, dass ich Recht hatte und nicht krank bin. Nach einer Woche war ich dann soweit, dass ich dachte, das Ganze nur mit Hilfe von Psychopharmaka durchzustehen. Wegen der Observation konnte ich jedoch nicht zum Arzt, weil ich dachte, dass denen das sicher nicht recht wäre. Am darauffolgenden Sonntag - ich hatte endlich mal wieder länger geschlafen, was ich die Wochen zuvor nicht mehr richtig konnte - sah ich keine Verfolger und war irritiert. Wurde die Aktion zu teuer? Waren die Ermittlungen abgeschlossen? War es, weil Wochenende war? So entschloss ich mich zur Klinik zu fahren, um mir ein Medikament verschreiben zu lassen. Zu meinem Entsetzen liess man mich jedoch nicht mehr gehen und wies mich in die Geschlossene ein. Da ich wusste, dass man gegen Ärzte nicht ankommt, verhielt ich mich später ruhig und möglichst gefasst und dachte nur, dass die sich wundern würden, wenn sich am nächsten Tag alles aufklären würde. Dies war jedoch nicht der Fall und ich wartete die nächsten Tage ab. Nichts geschah.
Anfangs empfand ich die Medikamente (Taxilan u. Atosil) als angenehm, ich hatte zu meiner Überraschung gute Laune. Als die Medikamente allmählich erhöht wurden - ich wusste das nicht-, bekam ich die Nebenwirkungen drastisch zu spüren, so dass man mir dann Fluanxol u. Atosil gab. Auch das machte mir anfangs nichts aus, erst viel später bekam ich auch da die typischen Nebenwirkungen, von denen ich jedoch zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung hatte. Durch diese Nebenwirkungen (unerträgliche Sitz-, Geh- u. Stehunruhe, gebundene Körperhaltung, Steifheit u.a.) wurde der Aufenthalt u. die Einnahme zu einem Alptraum. Man gab mir dann zusätzlich Akineton. Ich hatte auch Ausgang in Begleitung. Wegen der Nebenwirkungen hatte ich jedoch später Angst, zufällig auf Bekannte zu treffen, die mir das ansehen würden. Auf der Offenen stellte man mich auf Zyprexa ein. Zu diesem Zeitpunkt drängte ich nur noch auf meine Entlassung. Insgesamt war ich 3 Monate in der Klinik. Diese Zeit hat jedoch - wie bereits vor 10 Jahren- einen tiefen Einschnitt in mein Leben bewirkt. In guter Erinnerung sind mir die Menschen - Patienten und Pfleger(innen) insbesondere auf der Geschlossenen geblieben. Ich denke oft an sie. Schlimm finde ich, dass die Erkrankung so vertuscht werden muss. Muss sie das wirklich? Die Diagnose "paranoide Schizophrenie leichterer Art" habe ich erst nach ein paar Tagen in der Klinik zufällig erfahren und Näheres dazu von meiner Mutter, die zum Glück ein Gespräch mit einer Ärztin hatte. Dies war vonnöten, da sie durch Unwissenheit grosse Schuldgefühle (!) bekam und dachte, sie wäre meine Erkrankung schuld. Ich hielt die Diagnose zunächst für einen grossen Irrtum und fand das schon beinahe lustig. Auch innerhalb der Station wurde über die Psychose als solche kaum gesprochen. Wenn man bedenkt, wie oft u. ausführlich sonst über Krankheiten erzählt wird. Daran sieht man wohl auch, wie gross das Tabu ist.

Nach der Klinikentlassung fühlte ich mich zunächst völlig depressiv und unfähig, selbst die einfachsten Dinge fielen mir schwer. Daraufhin bekam ich dann das Dogmatil verschrieben. 1 Monat später fasste ich mir Mut, und schaute mich in einer grösseren Buchhandlung zu diesem Thema um. Ich schämte mich zwar an der Kasse, kaufte mir aber trotzdem mehrere Bücher. lm Januar/Februar machte ich mich als Neuling im Internet kundig, was es denn zu diesem Thema so gäbe. So habe ich bereits einen Psychoseerfahrenen schriftlich kennengelernt, der viel weiss. Dies hilft mir sehr. Zunächst wollte ich das Thema ganz abhaken und hatte Angst, dass jemand etwas von der Psychose erfährt. Mit und mit baue ich diese Sorge ab, denn anscheinend sind viel mehr Leute direkt oder indirekt betroffen. Umso schlimmer finde ich, dass man normalerweise sowenig davon weiss und falsche Vorstellungen mit sich herumträgt. Das gilt auch für das Bild von geschlossenen Stationen. Zumindest war das bei mir so gewesen. In den allgemeinen Medien wird über psychisch Kranke meist nur in Verbindung mit Straftaten berichtet. Ich wusste eigentlich gar nichts darüber und hatte vollkommen falsche Vorstellungen, die mich ängstigten.
Vor allem im privaten Kreis müsste es doch möglich sein, relativ normal darüber reden zu können (natürlich nicht unbedingt mit jedem und ständig). Solange man das nicht kann, versteckt man sich und grenzt sich selbst leicht aus. Erst wenn man anderen etwas von sich darüber erzählt, erfährt man auch etwas über andere, vielleicht sogar ähnliches. Es ist halt immer die Frage, wer den ersten Schritt tut. Da Krebs früher auch ein Tabuthema war, hoffe ich, dass man irgendwann auch über Psychosen in den Medien normaler berichtet und man sich auch offener darüber unterhalten kann. So habe ich den Entschluss gefasst, wenn sich ein Moment ergibt, wo ich vertuschen oder die Wahrheit erzählen muss, ich davon berichte (aber nur privat!). Ansonsten trage ich ja zur Tabuisierung bei. Meine Mutter hat das auch einer weitererzählt, die dann zum grossen Erstaunen von den psychiatrischen Erfahrungen (Psychosen) in ihrer Familie erzählte und die meinte, noch nie mit jemanden darüber gesprochen zu haben. Auch ein Bekannter, dem ich von mir erzählte, erzählte mir daraufhin von jemanden, den er gut kennt, der ebenfalls eine Psychose hatte und danach aber wieder normal arbeiten konnte, nachdem er seine Lebenssituation (viel Stress) durch Arbeitsplatzwechsel änderte. Eine andere, die selber Psychosen hatte, meinte, dass es wichtig ist, sich so gut wie möglich kennenzulernen (Therapie machen), um zumindest den Beginn von Psychosen frühzeitig erkennen und besser damit umgehen zu können.

Wie ich zufällig gelesen habe, kommt in Kürze in einer allgemeinen Zeitschrift ein Artikel über psychisch Kranke im Internet. Vielleicht ist dies auch ein Weg, einer breiteren Masse einige Informationen zu geben. In der örtlichen Tageszeitung war ebenfalls am 05.01.99 ein objektiver, informativer Bericht über schizophrene Psychosen.
Mittlerweile sehe ich meine Psychosen als Hinweis, dass ich einige Denk- u. Verhaltensweisen ändern muss. Bei mir spielen offenbar auch Ängste, infantiles Denken, Religion und Esoterik eine grosse Rolle. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wieder voll leistungsfähig bin und ob ich nochmal eine Psychose bekomme oder nicht. Nichtsdestotrotz haben die Psychosen mich verändert. Die erste hatte mich in meiner Entwicklung vorangebracht. Deswegen war vielleicht auch die 2. Psychose erst soviele Jahre später und verlief ganz anders. Einige Ideen waren jedoch identisch. Deswegen denke ich schon, dass ich einiges zur Vorbeugung versuchen kann. Meine Theorie ist auch, dass ich mich gedanklich in einer Sackgasse verrannt hatte und die Psychose für mich ein Fluchtpunkt war. Leider fühle ich mich nicht mehr so leistungsfähig und muss mit meinen Kräften gut haushalten. Manches -wie Sport- ist nicht mehr so möglich wie vor der Psychose. Ich brauche auch mehr Schlaf. Arbeitsfähig bin ich jedoch meiner Meinung nach schon.

Da ich soviel geschrieben habe, überlasse ich es Dir, ob und wieviel Du hiervon im Leserforum veröffentlichst. Wie gesagt, kostet mich dies leider viel Mut, aber ich denke, ich sollte zu meiner Erkrankung stehen (vielleicht habe ich sonst immer Angst vor Kontrollen gehabt und dass jemand etwas von mir erfährt). Ist eine Psychose denn so schlimm, dass man das nicht zugeben darf? Natürlich will ich nach wie vor nicht, dass mein Arbeitgeber davon erfährt.

Ich wünsche Dir und allen Leser(innen) alles Gute und möglichst keine Rückfälle.
Viele Grüße
Maerinja@aol.com

P.S: Ich hatte auch schon an eine eigene Homepage gedacht, wüsste aber derzeit nicht, wie ich dies ordentlich auf die Beine stellen soll. Ausserdem sollte sie sich ja dann auch von den anderen zu diesem Thema unterscheiden und ergänzen. Ich bin mir daher noch nicht sicher, ob ich dies zu einem späteren Zeitpunkt machen werde.
(Für meine Geschichte gibt es auch ein Copyright).


13
Subject: Leserforum
Date: Mon, 1 Mar 1999 12:37:45 +0100

Hi, Leute!
Ich bin auch Betroffene und was mich mal wirklich interessieren würde, das wären die Forschungen, die zu unseren Gunsten geführt werden. Die Krankheit ist, wie amerikanische Wissenschaftler festgestellt haben, z.T. genetisch bedingt. Wir wissen auch alle, daß der Dopamin-Spiegel verrückt spielt, wenn wir ausklinken. Weiß vielleicht einer von Euch mehr über Therapieformen, die ganz neu sind oder aus Amerika oder so? Vielleicht lassen wir uns demnächst einfach mit irgendwas bestrahlen und dann haben wir Ruhe für beispielsweise 10 Jahre. Wär doch toll, oder.

Input bitte an mgell@gmx.de


12
Date: Wed, 10 Feb 1999 16:51:19 +0100
Subject: Leseforum

Hallo Bodo,

ich möchte Dir zu der Schaffung und Gestaltung dieser Homepage gratulieren. Ich bin selbst Psychose-Erfahrener und habe bisher keine Darstellung über das Thema ´ Psychose - u.a. krankhafte Geiseszustände` gelesen, die so gelassen, nüchtern und objektiv gewesen wäre. Das macht Mut!
Die Präsentation dieses Themas im Internet trägt auf ideale Weise dazu bei, sich über diese Krankheit zu informieren, auszutauschen und einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ich selbst habe zu dieser Homepage über eine sogenannte Suchmaschine unter Verwendung des Suchbegriffes `Psychose´ gefunden. Um die Kenntnis von der Krankheit und das Wissen darüber einer noch größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wäre es hilfreich, wenn Deine Homepage - soweit nicht schon vorhanden - von anderen Homepages aus (auch großen Anbietern mit weit gefächertem Themen-angebot) angeklickt werden kann.

Die Unaufgeregtheit mit der über dieses Thema berichtet und geantwortet wird macht Mut:
Ich selbst bin 31 Jahre alt und lebe in München. Ich habe nach dem Abitur Zivildienst gemacht und dann zum Studieren angefangen. Im Verlauf des Studiums erlitt ich mit 25 Jahren die erste Psychose (Oktober 1993). Das Studium habe ich daraufhin nicht wieder aufgenommen und eine Lehre angefangen. Zum Ende dieser Ausbildung ereilte mich die zweite Psychose (Februar 1997). Trotz großer Schwierigkeiten habe ich die Ausbildung zu Ende gemacht. Ein Arbeiten im erlernten Beruf konnte ich mir aber - nach mühsam abgeschlossener Lehre - nicht mehr vorstellen.
Vorübergehend konnte ich im Büro meines Vaters mitarbeiten, wo ich mittlerweile fest angestellt bin.

Über die Ursache und die Gründe für meine Erkrankung bin ich heute noch im grübeln:
So grübel ich, mal mehr, mal weniger. Einen Zustand von subjektiv empfundener 100 %iger Gesundheit ("ich habe die Psychose überwunden"), habe ich seit dem Erstenmal nicht erlangt. Ich bin schon zufrieden (halbwegs), wenn ich nachts schlafen kann und tagsüber die Arbeit und Freizeit nicht allzu stark vom Grübeln getrübt wird. Am Besten abschalten kann ich, wenn ich Sport treibe.

Von einer Dauermedikamentierung halte ich übrigens nichts. Ebensowenig von der pauschalen Empfehlung bei Arbeitgebern und Nachbarn zu verschweigen oder zu lügen.

Gruß an Dich und die Leser dieser Homepage
Rüdiger

E-Mail: RuedigerFrey@t-online.de


11
Date: Sat, 12 Dec 1998 12:51:29 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

ich habe lange im Internet gesucht, um etwas zum Thema Psychose zu finden. Nun habe ich seit einer Woche zu Hause auch einen Internetanschluß und kann Dir auch zum Thema Leserforum schreiben.

Ich habe schon sechs- oder siebenmal eine Psychose gehabt. Das kann den Grund haben, daß ich zu schwache Medikamente bekommen habe oder daß sich einfach zu große Veränderungen ergeben haben, denn da bin ich immer besonders anfällig. In meinen Psychosen war ich teilweise paranoid, depressiv und auch manisch. Ich fühlte mich immer verfolgt und beobachtet, sogar in meiner eigenen Wohnung. Ich dachte, daß nahe Angehörige von mir bei der Stasi sind und ich sozusagen mein Leben lang von ihr "gezüchtet" worden bin, um dann mal etwas ganz Großes zu werden, daß ich praktisch für etwas vorbestimmt worden sei. Die Aufenthalte in den Krankenhäusern, vor allem in den geschlossenen Abteilungen waren nicht sehr angenehm. Einmal war ich sogar über längere Zeit angeschnallt und erhielt starke Medikamente (Haliperidol). Ich denke aber, daß mich jede Psychose einwenig verändert hat. Ich bin heute nicht mehr so streitsüchtig und aggressiv wie früher. Es hat aber immer große Einschnitte in mein Leben gegeben, wenn ich erkrankt war.

Ich habe aber insgesamt Glück gehabt. Vor drei Jahren konnte ich trotz zwei Erkrankungen meine Umschulung zum Industriekaufmann erfolgreich abschließen und bin jetzt seit ca. zwei Jahren psychosefrei, weil ich auch hochpotentere Medikamente bekomme und auch seit einem Jahr regelmäßig in Arbeit bin. Die Arbeit spielt eine große Rolle, daß ich einem geregeltem Tagesablauf habe und abgelenkt bin. Meistens geht es mir in meiner Freizeit schlecht. Da habe ich z.T. Depressionen und Ängste. Die kann man aber mit mehr Beschäftigung bekämpfen. Deshalb habe ich jetzt auch mir zu Hause das Internet installieren lassen, daß ich mich mehr mit dem Computer beschäftige und nicht so oft ausgehe (was ein großes Hobby von mir ist).

Ich hatte schon die Idee, meine mir zur Verfügung gestellte Homepage als Kontaktseite für eine Selbsthilfegruppe für Betroffene einzurichten. Als ich aber dann Deine Seite gefunden habe, kam mir der Gedanke, daß wir ja Dein Leserforum dazu nutzen können. Ich will hiermit alle auffordern, die diese Seite lesen und betroffen sind über Email Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Ich würde mich natürlich auch sehr darüber freuen, wenn mir jemand auf meinen Beitrag hin schreiben würde.

Ich wünsche Dir Bodo und allen Betroffenen viel Gesundheit und den Mut, mit der Krankheit fertig zu werden.

Siegmar           E-Mail: frank.sigmar@dn1.de


10
Subject: Für_Bodo_und_das_Leserforum
Date: Sat, 21 Nov 1998 10:36:24 +0100

Ein herzliches Hallo an Bodo
und alle anderen von einer Psychose betroffenen Menschen

Ich habe mich sehr darüber gefreut Bodo, die Erfahrung zu machen, daß ein Betroffener im Internet die Inhalte seiner psychotischen Episode schildert. Es tut gut, von anderen Betroffenen ihre Geschichte zu hören, weil man sich dann nicht mehr so einsam auf der Welt fühlt, wenn man erkennt, daß auch andere ähnliche Probleme hatten bzw. haben.

Deine Homepage finde ich sehr gut gelungen, auch die Informationen über die Krankheit, die Du den Lesern zur Verfügung stellst. Ich wäre froh gewesen, wenn ich diese Informationen bekommen hätte, als ich akut erkrankt war. Es ist eine traurige Tatsache, daß man von den Ärzten kaum verständliche Informationen über die Erkrankung bekommt. So mußte ich mir selbst mühsam die Informationen in der Bücherei zusammensuchen. Ich würde jedem Betroffenen und Interessierten Deine Homepage weiterempfehlen.

In diesem Zusammenhang kann ich auch das Buch von Dr. med. Hans-Jürgen Luderer weiterempfehlen "Schizophrenien - Ratgeber für Patienten und Angehörige." In diesem Buch finden sich weitere wertvolle Informationen über die Erkrankung und es ist auch gut verständlich geschrieben.

In einer psychiatrischen Klinik wird man ja leider sehr alleingelassen mit dem Thema Psychose, zumindest war das meine Erfahrung. Alles konzentriert sich auf die Medikamentendosierung, aber nicht auf die seelische Problematik während des Aufenthalts. Man kommt sich vor wie ein Versuchskaninchen, daß sich nicht wehren darf. Die Qualen, die man bei manchen Medikamenten erleidet, lassen einen Patienten kaum zu der Schlußfolgerung kommen, daß die Ärzte einem helfen möchten. Aus diesem Grund kann ich verstehen, daß manche Patienten die Einnahme verweigern, wenn sie merken, daß es ihnen ja immer schlechter geht. Am Ende schaden sie sich wohl leider selbst damit.

Desweiteren halte ich es von den Ärzten für ziemlich verantwortungslos, wenn sie einen nicht darüber aufklären, was nun Nebenwirkungen der Medikamente, und was die Symptome der eigentlichen Erkrankung sind. Man bekommt durch diese Unwissenheit sehr viel Angst und Depressionen, was man mit einem einfachen aufklärenden Gespräch eigentlich verhindern könnte. Es ist schade, daß die Ärzte anscheinend so wenig Zeit für so etwas haben.

Desweiteren fand ich es sehr gut, wie Du das Phänomen Psychose als Falle beschrieben hast. Auch ich erlebte die Psychose als eine Art Test. Man weiß in einem solchen Zustand wirklich nicht, ob man auf den Verstand oder auf seine Gefühle hören soll. Zeitweise war ich ja während der akuten Psychose noch in der Lage zu erkennen, daß irgendetwas falsch lief, doch ich wußte nicht mehr welchen Weg ich einschlagen sollte. So entschied ich mich dazu meinem Herzen zu folgen, und mit meinem Messiasbewußtsein die Welt zu retten, vielleicht um meinem bisherigen Dasein einen wirklichen Sinn zu geben. Ich habe gelernt, daß es falsch sein kann, seinen Gefühlen zu vertrauen.

Eines möchte ich noch erwähnen. Auf mich hatten die Farben Rot und Schwarz auch eine besonders starke Wirkung, allerdings bedeuteten bei mir beide Farben etwas Negatives. Die Bedeutung der Farben scheint also nicht bei jedem gleich zu sein. Allerdings scheinen sich diese beiden Farben von den anderen in irgendeiner Form zu unterscheiden.

Ich hoffe, daß die Mail nicht zu lang geworden ist und wünsche Dir Bodo, und den anderen Betroffenen alles Gute für die Zukunft.


9
Date: Sat, 17 Oct 1998 21:22:58 +0100
Subject: Leserforum

Hallo!
Ich habe nicht so viel zu sagen wie die Leute im Leserforum, aber eins wollte ich kurz los werden: Erstmal danke für die Informationen. Ich war gestern in der Uni - Klinik, Psychosenfrüherkennungsstation, und hatte eigentlich überhaupt keine Ahnung. Auch dachte ich "Das ist so selten, das hast Du nicht" (scheint ja eben nicht der Fall zu sein, wie das mit der Resonanz hier aussieht). Was mir allerdings Angst gemacht hat, war die Schwere (kann man das so sagen?) der Medikamente. Gestern kam mir das alles noch recht harmlos vor! Auch bin ich noch ein sehr junger Mensch, gehe noch zur Schule, und die Aussichten, alles versaut zu bekommen, gefällt mir nicht (von wegen Resozialisierung).
Sarah


8
Subject: Psychose (für das Leserforum)
Date: Thu, 3 Sep 1998 01:23:12 +0200

Hi Bodo,

Deine Homepage ist allerste spitze Klasse !! Ein dickes Lob für Dein Tagebuch !! Ich habe mich so stark in Deinem Text wiedergefunden, vieles davon kenne ich aus eigenen Psychosen. Meine erste Psychose hatte ich 1990 in Westberlin, damals fühlte ich mich von der Stasi verfolgt. Dabei waren die Zigaretten mit LSD versetzt, und die Stasi sprühte nachts Giftgas durch mein Fenster in mein Schlafzimmer (Steglitz). Ich sah sogar einen Doppelgänger von mir. In der Klinik (Zehlendorf) bestrahlte man mich in der Dusche mit atomaren Strahlen, und mein Körper war überseht mit blauen Flecken. Einmal fühlte ich mich als Jesus, und versuchte mit meinem Speichel Kranke zu heilen. Das Fernsehen und Radiohören drehte sich nur um mich. Auf meiner Flucht durch Berlin vor der Stasi wich ich Kaugummiresten auf dem Boden aus, weil sie mit falschem LSD getränkt waren. Ich könnte noch viel erzählen, ich habe ungefähr 6 Psychosen hinter mir, ich zähle sie nicht mehr. Mittlerweile kenne ich die Symptome so gut, das ich frühzeitig bei meinem Doc eine Ciatyl-Z-Acuphase bekomme, ohne immer wieder in die Klinik zu müßen.

Gruß Daniel


7
Date: Tue, 25 Aug 1998 16:00:12 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,
durch die Erkrankung meiner Mutter bin ich zum ersten Mal direkt in Kontakt mit dem Phaenomen Psychose gekommen. Das war 1992. Seither ruehrt sich in mir der Gedanke, dass wir Angehoerigen die Krankheit schon sehr viel frueher erkannt haetten, wenn es eine Art gesundheitlicher Aufklaerung gaebe. Auch ein anderes gesellschaftliches Klima, das die psychischen Erkrankungen nicht einfach tabuisiert, sondern genauso annimmt wie Lungenentzuendungen, Herzinfarkte oder Magen-Darm Krebs, haette die Bereitschaft meiner Mutter, fruehzeitig aktiv gegen die Krankheit vorzugehen, sicherlich verbessert. Insgesamt waeren vielleicht 7 Monate stationaeren Aufenthaltes mit heftigen medikamentoesen Nebenwirkungen, weitere 7 Monate Tagesklinik und seit 5 Jahren staendige therapeutische Begleitung ueberfluessig gewesen. Wenn man bedenkt, dass bei Erkennen von Schizophrenien vor der Chronifizierung gute Heilungschancen bestehen und auch bei Psychosen eine fruehe Intervention besser ist, als jedes Medikament, ist das Fehlen einer Aufklaerung ein Skandal. Das Erkennen von psychotischen oder depressiven Zustaenden in meiner Umwelt hat mich 6 Jahre intensiver Beschaeftigung gekostet. Dafuer kann ich an meinen Zaehnen den Karies selbst feststellen und weiss auch diesen zu verhindern. Auch eine Bronchitis erkenne ich an mir selbst und kann sie sogar weitestgehend selbst behandeln. Jeder Mensch weiss bescheid ueber unterschiedlichste Krebsformen und deren Behandlungsmoeglichkeiten, doch ist offensichtlich niemand bereit, weder bei sich selbst noch bei anderen eine psychische Erkrankung zu erkennen geschweige denn sie zu akzeptieren. Daher ist Dein Tagebuch ein sehr wichtiges Dokument und eigentlich Pflichtlektüre fuer jeden Menschen. Denn nur die Normalitaet des "Irreseins" fuehrt zu fruehzeitiger Erkennung, guten und schonenden Behandlungen, und zu einer Steigerung der Aufmerksamkeit bei Freunden und Angehoerigen.

Mir schwebt schon seit laengerem vor, eine gesundheitliche Aufklaerung in diesem Bereich zu initiieren, scheitere aber momentan noch am Faktor Zeit und natuerlich am Faktor Geldquellen.

Wer also gute Ideen hat, oder sich berufen fuehlt eine Net-Aktionsgruppe mitaufzubauen, der melde sich bei mir unter heinricr@uni-duesseldorf.de. Gesucht sind also Selbsterkrankte, AertztInnen, PsychologInnen, Angehoerige, Freunde und Interessierte (keine Wertung in der Reihung!)

Lieber Bodo, Ich bewundere Deinen Mut und Deine Kraft diese Krankheit zu ueberstehen und danke Dir fuer dieses Zeugnis, das leider viel zu wenige zu lesen bekommen (warum habe nicht ich diese 35 Millionen im Lotto gewonnen???!!)

Liebe Gruesse
Ruth


6
Date: Thu, 06 Aug 1998 21:07:36 +0200
Subject: Leserforum

Lieber Bodo,

Dein Psychose-Tagebuch habe ich gelesen, während ich für ein halbes Jahr in der Fachklinik Heiligenfeld weilte (wegen manisch-depressiver Psychose), wo ich gestern entlassen wurde.

Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen und habe durch Deine Schilderungen so vieles miterleben können, daß ich Dir jetzt einfach nur danken möchte. Der Kontrast zu den medizinisch-psychiatrischen Sichtweisen und eigenem, persönlichem Erleben ist Dir voll gelungen.

Den Ausdruck Deiner Seite hatte mir ein Freund mitgebracht, weil ich selbst während meines Klinikaufenthaltes offline war. Ich habe Dich aber gleich heute in meiner - mittlerweile berühmt-berüchtigten - Kuckucksnest-Seite gelinkt, und zwar unter dem Icon "Erfahrung". Das "Kuckucksnest" erreichst Du unter: http://kuckuck.solution.de. Ich hoffe, es ist Dir recht.

Mich würde mal interessieren, was Dich bewegt hat, Deine Geschichte aufzuschreiben und in die Welt hinaus zu schreien, bzw. wann bei Dir das Bedürfnis dazu aufkam. Wie auch immer, beim Lesen Deines Psychose-Tagebuches konnte ich buchstäblich das Leben pulsieren spüren. Du schreibst fesselnd und ergreifend. Bravo!

Gern würde ich bei Gelegenheit mal von Dir hören.

Liebe Grüße

Marianne

Marianne Kestler                E-Mail: mkestler@team.solution.de
http://kuckuck.solution.de

"Das gefährlichste Unterfangen der Welt ist, einen Abgrund mit zwei Sprüngen zu überqueren." David Lloyd George


5
Subject: Leserforum
Date: Fri, 22 May 1998 21:26:50 +0200

HAT MEINE (EINE) "PSYCHOSE" EINEN SINN?

Gedanken und Erfahrungen von Wini

"Der Mensch trägt das letzte grundlegende Geheimnis in sich, und es ist ihm auf die unmittelbarste Weise zugänglich; deswegen kann er hoffen, nur dort den Schlüssel zum Rätsel der Welt zu finden, um einen Einblick in das Wesen aller Dinge zu gewinnen." Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Als ich mein erstes psychotisches Erlebnis hatte (1965, ich war siebzehn), wußte ich von solchen Gedanken noch nichts. Und auch in meiner letzten psychotischen Phase (1991) hatte ich von diesen Überlegungen keine Ahnung. In diesem langen Zeitraum meines Lebens hatte ich vier sogenannte manischer Episoden. In meinem Bewußtsein (oder ist es die Seele?) spielten sich unvorstellbare Dinge ab. Von der gängigen Psychiatrie wird dies als Größenwahn, Halluzination oder gar als Schizophrenie abgetan und als Stoffwechselstörung des Gehirns größtenteils medikamentös behandelt und damit unterdrückt. Fachlicherseits wurde mir das irgendwann einmal als endogene Psychose erklärt. Die Unterbezeichnung hieß "manisch-depressiv". Hilfreich sind solche Bezeichnungen nicht. Ich möchte kurz ein paar solcher schwer vorstellbarer Gedanken mit anführen, obwohl es nicht einfach ist, so etwas in Worte zu fassen. Richtig etwas damit anfangen kann nur jemand, der das selbst schon einmal in ähnlicher Weise erlebt hat. Ich zeigte innerhalb relativ kurzer Zeit, d.h. in wenigen Tagen ein völlig verändertes Verhalten in meinen Charaktereigenschaften. Soweit mich das 1965 das erste Mal betraf, war ich davon vollkommen begeistert und der Meinung, daß ich jetzt erst richtig leben konnte. Ich war für meine Umwelt aber nicht mehr die Person, die ich einmal war. Meine Eltern und die anderen nächsten Verwandten und Bekannten waren ratlos, auch ein Arzt konnte zum Schluß nur eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt empfehlen. Meine Eltern stimmten zu, sie konnten nicht anders entscheiden. In dieser Klinik wurde ich ausschließlich und intensiv mit Psychopharmaka behandelt. Nachdem ich danach zwei Jahre ziemlich mißmutig vor mich hin gelebt hatte (daß das eine depressive Phase war, wußte ich nicht), tauchten die gleichen Symptome wieder auf. Ich wollte die Welt verbessern und hatte auch im Gefühl, wie ich das anstellen wollte. Es wurde aber wieder für die Beteiligten sehr chaotisch und ich landete wieder in der Klinik. Mit Psychopharmaka konnte ich aber nicht mehr in den "normalen" Zustand gezwungen werden. Ich bekam zusätzlich eine Serie Elektroschocks. Jetzt war 19 Jahre relative Ruhe. Mein beschädigtes Gehirn benötigte wegen dieses aggressiven Eingriffs eine längere Zeit der "Reparatur". Noch intensivere Erfahrungen hatte ich im Sommer 1986. Eine Vision dieser Zeit war, daß ich sah, oder besser gesagt ich fühlte, daß es auf unserem Planeten zu einer größeren Katastrophe kommen würde, die einer Reinigung gleichkam. Die Erde wurde zu einem paradiesischen Ort. Industrie war nicht mehr wahrnehmbar. Die Erde war ein Planet, auf dem eine wunderbare Harmonie herrschte. Ich sah unseren blauen Planeten in hellen, lichtgrünen Farben. Die Fortbewegung erfolgte nur durch Muskelkraft oder mittels natürlicher, erneuerbarer Energiequellen, wie z.B. Solar, Wasser- und Windenergie bzw. mit Energien, die noch gar nicht bekannt sind. Ich sah einen "Urlaubsplaneten". Ich wollte die Zeitdauer bis zu diesem fast unvorstellbaren schönen Leben selbst noch verkürzen, indem ich nachhalf, die herkömmlichen Energien schneller zur Neige gehen zu lassen. Ich drehte am Gasherd alle Brenner an, ließ das heiße Wasser aus der Therme laufen und brannte alle Lampen an. Man kann sich vorstellen, daß solch eine Aktion bei meinen Mitmenschen schon Besorgnis auslöste, zumal zu diesem Zeitpunkt hochsommerliche Außentemperaturen herrschten. Heute kann ich über diese Vorgehensweise lächeln, damals war es mir sehr Ernst damit. Die zweite, für mich sehr wichtige, Vorstellung war, daß ich glaubte oder besser gesagt wußte, daß das, was Jesus Christus zu seiner Zeit vollbracht hat, mir ebenfalls möglich ist. Die dritte Problematik, die ich bewältigen wollte, war die Schaffung eines neuen Bildungssystem, welches auf ganz anderen, als auf den zu dieser Zeit bekannten Prinzipien beruhte. Meine Grundüberzeugung war, daß das Gute im Menschen schließlich die Oberhand gewinnen würde. Ich ging in meinen Vorstellungen sogar soweit, daß ich behauptete, ich könne den schlimmsten Verbrecher zum Guten bekehren. Das alles paßte wieder nicht in die Normalität und durch mein Verhalten landete ich wieder in der Psychiatrie mit ihren unveränderten Behandlungsmethoden. Danach fiel ich in ein tiefes Loch. Ich war verzweifelt. Ich wußte nicht mehr, worauf ich mich verlassen sollte. Auf der einen Seite hatte ich nichts von meinen Visionen vergessen, andererseits wurde mir gesagt, daß es sich dabei um eine schlimme, unheilbare Geisteskrankheit handele. Was sollte ich nun glauben? Das, was mir erzählt wurde, oder das, was ich selbst erlebt habe. Diese schwierige Situation brachte mich letzten Endes in eine schwere Depression, welche fast fünf Jahre andauerte. Im tiefsten Inneren sehnte ich mich nach dem zurück, oder besser gesagt, nach vorn, was den Inhalt meiner Vorstellungen von einer besseren Welt ausmachte. Daß ich krank sein sollte, wollte ich auch jetzt nicht glauben. Ich litt sehr an diesem tiefen Zwiespalt und hatte auch keine Vorstellung davon, wie ich da wieder herauskommen konnte. Fünf Jahre bekam ich ein Lithiumpräparat (es sollte eine neue manische Phase mildern, was Gott sei Dank nicht gelang) und die verschiedensten Antidepressiva mit all ihren Nebenwirkungen. Das Wunder gelang noch einmal. Im Dezember 1991 war es wieder soweit, alle Symptome hatte ich wieder und intensiver als je zuvor. Einzelheiten darüber würden allerdings den Rahmen dieser Zeitschrift sprengen. Glücklicherweise ließ mich meine damalige Psychiaterin etwas im Stich und ich mußte einige Entscheidungen selber treffen. Es wurde alles wieder sehr chaotisch und für meine Familie extrem belastend, so daß ich zuletzt wieder in einen Klinikaufenthalt einwilligte. Ich wurde aber sofort wieder mit HALDOL behandelt und hatte keine Lust mehr auf einen mehrmonatigen Eingriff in meine Freiheit. Ich entzog mich nach vier Stunden durch Flucht über die Mauer der geschlossenen Station jeder Behandlung. Nach und nach setzte ich alle Medikamente ab und versuche seit dieser Zeit mein Leben mit Gottes Hilfe selbst zu gestalten. Große Hilfe habe ich hierbei durch meine Frau, die Beteiligung in mehreren Selbsthilfegruppen, die Mitgliedschaft im Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen und durch eine innere Kraft, die nicht zuletzt aus meinen psychotischen Erfahrungen schöpft. Die wichtigsten Erkenntnisse aus meinen Erfahrungen ist, daß solche "Krankheiten" heilbar sind. Es ist unumgänglich, den Sinn seiner Psychose zu erforschen und jede Psychose hat einen Sinn, wenn dieser auch nicht so leicht zu erkennen ist. Ich versuche das für mich herauszufinden und das jeden Tag aufs Neue. Sollte sich jemand von meinen Gedanken und Vorstellungen angesprochen fühlen, läßt sich sicher in einer Selbsthilfegruppe ein Erfahrungsaustausch organisieren. Ich bin fast jeden Mittwoch in der Selbsthilfegruppe erreichbar. Auch über das Labyrinth läßt sich in anderem Rahmen eine Begegnung organisieren.

Da ich meinen Bericht mit einem Zitat begonnen habe, möchte ich auch an das Ende eins setzen: "Wenn du an den Tag bringst, was in dir ist, wird, was du hervorbringst, dich retten. Wenn du nicht an den Tag bringst, was in dir ist, wird, was du nicht hervorbringst, dich verderben." Aus dem Thomas Evangelium (Was ich hiermit bestätigen möchte.)

a Wini a

E-Mail: winiw@gmx.de


4
Subject: Leserforum
Date: Tue, 14 Apr 1998 17:21:10 +0200

Hallo Bodo,

Ihre Seite zeugt von Mut, ist sehr informativ und gut lesbar aufgebaut. Es wäre zu wünschen, daß sich dieses Leserforum zu einer weithin bekannten Selbsthilfegruppe entwickelt.
Das Anliegen, das ich hiermit publizieren möchte mag etwas ungewöhnlich sein und schon gar nicht jedermanns Beifall finden. Der Wunsch nach Informationen entstand aus einer persönlichen Erfahrung: Ein mir nahestehender Mann ist betroffen und ebenso einer aus dem Freundeskreis. Also, zum Kern: Eines meiner Hobbys ist die Astrologie und ich habe in den Horoskopen der beiden betroffenen Menschen jeweils eine bemerkenswerte Konstellation gefunden.

Um diese Erkenntnis zu einer Aussage verdichten zu können (oder auch zu verwerfen), benötige ich die persönlichen Geburtsdaten (Tag, Geburtsminute, und den Geburtsort) von möglichst vielen Erkrankten. Datenschutz ist selbstverständlich, ein Pseudonym würde völlig genügen. Im weiteren Verlauf der Arbeit geht es darum, das Wissen zu vermitteln, wie Betroffene die zugrundeliegende Konstellation in eine Stärke umzuwandeln in der Lage sind und damit der Psychose die Nahrung zu entziehen.

Sollte Ihnen dieses Anliegen nicht zu suspekt klingen, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie meinen Wunsch publizieren würden.

Vielen Dank und herzliche Grüße Karin Montag

Bleiben Sie auf dem eingeschlagenen Weg!

E-Mail: tintling@gewerbenet.de


3
Date: Thu, 26 Mar 1998 01:39:48 +0100
Subject: beitrag

Hallo,
Erstmal finde ich es gut im Internet etwas über Psychosen zu finden und auch recht gut erklärt
und außerdem noch aufklärend. Schade das ich erst der 124. Besucher bin, die Öffentlichkeit
müßte noch viel breiter über diese Krankheit informiert werden.
Ich bin selbst Betroffener und leide seit 16 Jahren unter, ja hauptsächlich unter diesem Versteckspiel,
das meiner Meinung das größte Übel dieser Erkrankung ist.
Weiter so.

E-Mail: awowra@cww.de

Der Zähler befindet sich nur in "Wissenswertes". Das "Tagebuch" an sich kann praktisch auch separat
gefunden werden.


2
Date: Wed, 4 Feb 1998 11:48:28 EST
Subject: tagebuch +++GUTE SEITEN+++ (Leserforum)

hallo,
leider gehts mir nich besonders, mehr klagen moechte ich nicht...
endlich habe auch ich dein tagebuch einer psychose gelesen.
gestern abend, konnte mal wieder nicht schlafen.
bis zum bitteren ende habe ich es gestern nicht gelesen, zu anstrengend...
jedoch "HUT AB!". find ich toll, das du dich traust, so etwas zu veröffentlichen.
gut gelungen ist auch die erzaehlweise.
gestern hab ich mir auch noch den text von deinem leserforum zuschicken lassen.
als ich heute den stubenfliegen-versuch von stephan.mischnick las, habe ich
endlich mal wieder so richtig befreiend gelacht.

Ewu5@aol.com


1
Date: Sat, 27 Dec 1997 01:42:11 +0100
Subject: Leserforum

      (auf Wunsch des Absenders wieder gelöscht)



... weitere Artikel auf www.pahaschi.de Vielen Dank an Markus für die Unterstützung!




Ergreift die Welt
mit beiden Händen,
bleibt nicht allein -
ganz ohne Mut,
teilt den Schmerz
der wunden Seele,
denn nur wer fühlt,
dem geht es gut.






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