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Tagebuch einer Psychose

Selbsthilfe-Archiv Psychose Nr.3

104
Date: Sun, 04 Feb 2001 17:34:48 +0100
Subject: Leserforum

Liebe S.
erstmal Dank für Deine Grüße und Wünsche - sie haben geholfen, wie
vieles andere auch ;-) Es geht wieder aufwärts...
Die Depression danach ist mit Sicherheit keine Verbesserung des
Zustands, ich denke nicht einmal, daß sie überhaupt direkt etwas mit der
Psychose/Neurose/dem Ver-rückt werden zu tun hat (s. Beitrag 100 von
Melanie, dem ich mich voll und ganz anschließen kann.) Und nach allem,
was ich so darüber höre, verschlimmern die Medikamente die Depression
noch zusätzlich, da die damit ausgelösten Empfindungen mit denen der
"normalen" Depression fast identisch sind. Zum Glück ist mir das alles
genauso erspart geblieben wie auch die Zwangseinweisung. Aber wie es
aussieht, hatte ich lediglich Glück. Wie auch Diagnosen reine
Glückssache zu sein scheinen...

Ich arbeite seit ein paar Wochen wieder, und das, wie auch die Menschen,
die ich hier und anderswo im Netz kennengelernt habe, helfen mir, wieder
auf die Beine zu kommen. Es fällt schwer, wieder einen Einstieg zu
finden, ich muß alles neu lernen - aber ich habe Menschen, die an mich
glauben, und das hilft mir, auch Rückschläge nicht so schwer zu nehmen.
Nach meiner Erfahrung gibt es einen Auslöser (kein Schlüsselerlebnis -
das ist für mich die Ursache, warum es zu solchem Ausklinken kommt) für
ein Ver-rückt werden. Bei mir war es beide Male eine ziemlich
existenzielle Gefahr. Das bewirkt, daß ich meine Ängste überwinde, und
das schlagartig. Im ver-rückten Zustand war ich völlig frei von
irrationalen Ängsten. Für die Depression gab es einen solchen klaren
Auslöser nicht, die kam beim erstenmal langsam und schleichend (es
dauerte etwa ein halbes Jahr), und ich empfand sie auch nicht als
solche. Ich schlidderte lediglich in den Zustand, in dem ich bis dahin
mehr oder weniger ständig gelebt hatte - emotional verschlossen, voller
Unsicherheiten und in mir selbst gefangen. Unfähig, meine Gefühle
zuzulassen. Beim zweitenmal war der verrückte Zustand viel ausgeprägter
- und der Absturz auch. Ich hatte keine Ahnung, wie tief ich sinken
kann...

Tatsache ist aber, daß die Neurose mein Kindheitstrauma zutage gefördert
hat, das mir im Absturz dann bewußt wurde. Das kam Stück für Stück, und
das hat immer noch nicht aufgehört. Jedesmal, wenn es mir besser geht,
kommt der nächste Schub, die nächste Erkenntnis, die nächste Ladung
Scheiße. Kein Wunder, wenn man depressiv wird... das nimmt kein Ende.
Und da ich niemanden finde, der wirklich "Schuld" an allem ist, weiß ich
nicht wohin mit meiner Wut und Trauer. Letztlich sind auch meine Eltern
nicht die Schuldigen - sie wissen, wie so viele, nicht, was sie tun. Sie
versuchen, irgendwie in dieser Welt zu funktionieren, und sie haben
"nur" versucht, auch mich zum Funktionieren zu bringen - zum
Funktionieren in einer Leistungs"gesellschaft", in dem der Daseinszweck
eines Menschen "Arbeit" heißt. Muß ich das eigentlich noch irgendwie
kommentieren?...

Zuviel Phantasie, zuviel Gefühl, zuviel Einfühlungsvermögen ist nicht
gerade hilfreich in so einer Un-Kultur - es sein denn, man ist Künstler
und hat somit einen Freifahrtschein.
Ich weiß nicht, worin die Ursache für das Ver-rücktwerden Deines Bruders
liegt, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, warum er keine
"Behandlungseinsicht" zeigt. Wäre ich an Leute geraten, die bei mir
Schema F versucht hätten - ich hätte sofort und auf der Stelle das Weite
gesucht. Und wäre nie wieder auf die Idee gekommen, daß ich in der
Psychologie irgendwelche Hilfe finden kann. Ich bin nicht in Therapie,
um meine Neurose zu bekämpfen, und meine Therapeutin weiß das auch. Mir
geht es einzig und allein darum, das Trauma zu verarbeiten, und dafür
nehme ich ihre Hilfe in Anspruch. Das ist alles. Könnte ich mit meinen
Eltern reden, würde ich das tun - das ist aber schlichtweg unmöglich,
das habe ich schmerzlich immer wieder erfahren müssen und letztendlich
eingesehen. Von dort kann ich keine Hilfe erwarten. Und anderen kann und
will ich das nicht zumuten, zumal den meisten das Verständnis fehlt.
Auch Dein Bruder hat ja offenbar Hilfe gesucht - und nicht gefunden. In
der Psychose ist man nun mal (entgegen anderslautenden Behauptungen)
sehr einsichtsfähig - leider stimmen die Einsichten oft nicht mit dem
überein, was diese ehrenwerte "Gesellschaft" von einem erwartet. Was
erwartet denn die Gesellschaft von Menschen wie uns? Daß wir einsehen,
daß unsere Persönlichkeit, zu der nun mal auch solche ungewöhnlichen
Zustände gehören, nicht funktionstüchtig und somit unbedingt zu
reparieren ist. Sollte es aber so sein, wie etliche von uns glauben, daß
das Verrücktwerden ein Genesungsprozeß ist, dann ist es kaum
verwunderlich, daß wir uns dagegen wehren, daß diese Genesung verhindert
wird, indem wir gezwungen werden, wieder "normal" zu sein.
Ich konnte beide "verrückten" Zustände ausleben, und ich habe die
Erfahrung gemacht, daß das Zwang- oder Wahnhafte - das auch ich kenne,
wenn auch nicht so ausgeprägt - irgendwann aufhört. Bevor ich wieder
zusammengebrochen bin, war ich vollkommen glücklich mit meinem Zustand,
ich hatte die neue Welt, die Andere Welt, akzeptiert und für mich
angenommen und in mein alltägliches Leben integriert. Ohne Probleme
übrigens. Ich bin überzeugt, daß man durchaus lernen kann, mit einem wie
auch immer gearteten sechsten Sinn zu leben, selbst in dieser Kultur.
Allerdings muß man lernen, die Klappe zu halten... Das fiel mir anfangs
sehr schwer, die andere Welt ist schon schwer beeindruckend. Aber man
eckt eben immer wieder an, und das artet dann in sowas wie einen
Überlebenskampf aus. Für mich war (und ist) das alles real, und ich war
überhaupt nicht gewillt, darüber zu diskutieren, ob das so ist. Niemand
kann beurteilen, was ich wahrnehme. Und niemand hat das Recht, mir zu
sagen, was davon "erlaubt" oder "verboten" ist, das ist eine Einmischung
in meine inneren Angelegenheiten. Es ist für mich total unlogisch, etwas
verbieten zu wollen, was angeblich ja gar nicht existiert...

Mein krassestes Erlebnis hatte ich, als ich zu meiner letzten
Amtshandlung in meiner nunmehr Ex-Firma war - und niemand hat etwas
davon mitbekommen. Ich war in der Lage, beide Welten gleichzeitig
wahrzunehmen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren - im
Gegenteil, ich war nicht mal besonders aufgeregt. Also geht es, ist bloß
eine Frage der Gewöhnung, ein Lernprozeß. Allerdings "übersetze" ich das
alles nicht in Bilder, das macht es etwas leichter, glaube ich.
Heute ist die andere Welt wieder hinter der Realität verborgen, mir
fehlt die Kraft, sie wahrzunehmen. Und sie fehlt mir, wie mir auch die
Leichtigkeit und Energie fehlt, die ich während meiner Verrücktheit
hatte. Und ich stelle fest, daß es noch anderen so geht, Psychotikern,
Schizophrenen, Manisch-Depressiven... Krank werden wir nicht von jener
anderen Welt, krank macht uns diese hier, mit ihrer Intoleranz, ihrer
Agressivität allem Andersartigen gegenüber.

Psychose ist wie Kino - wenn du beim (Horror)Film immer vor dem Ende
flüchtest, wirst du nie erfahren, daß es auch da ein Happy-End gibt. Ich
hab in meiner Neurose das Prinzip Hoffnung entdeckt, und ich glaube
daran, daß es auch bei mir ein Happy-End geben wird. Allerdings glaube
ich nicht, daß Zwangs"behandlungen" dabei helfen... Was man braucht ist
Liebe, Akzeptanz, Vertrauen - und nicht das Gefühl, andersartig, krank,
abartig zu sein. Daß wir anders sind als die anderen Kinder, das wissen
wir ja meistens selber - und leiden darunter, denn wir wissen, daß das
eigentlich gar nicht so ist. Jeder hat diese Tür zur anderen Welt in
sich, aber nicht jeder hat den Mut, da mal reinzugucken. Die anderen
gehen eben lieber ins Kino, das erscheint ihnen ungefährlich...

Liebe Grüße, Heike


103
Subject: Leserforum
Date: Sat, 03 Feb 2001 20:22:32 +0100

Liebe Leute,
was es hier über die Nebenwirkung Gewichtszunahme durch Zyprexa zu lesen
gibt, ist ja ziemlich erschreckend.  Ich finde, die massive Gewichtszunahme
ist wirklich ein Problem. Durch eine Psychose ist man ja eh schon vollkommen
irritiert und oft ist nichts mehr so, wie es einmal war. Alles scheint
ziemlich durcheinander und es fehlt an einer Unbedarftheit, die einen
seelisch leicht sein läßt. Wenn dann noch eine körperliche Schwere
hinzukommt ist es wirklich schwer zu ertragen.
 

Ich habe vor sechs Jahren nach der ersten Psychose Risperdal genommen und
auch sehr stark an Gewicht zugenommen. Allerdings führe ich das nicht nur
auf das Medikament zurück. Ich hatte nach der psychotischen Episode sehr
starke Depressionen und für mich war eine sehr lange Zeit der einzige Genuß
das Essen. Ich habe mich in der Zeit kaum bewegt und meistens ziemlich
teilnahmslos herumgesessen. Damals habe ich innerhalb von knapp zwei Jahren
insgesamt 28 kg an Gewicht zugelegt. Die Fettschicht habe ich zwar zum Teil
als eine Art Schutzschicht empfunden, aber auch als sehr deprimierend und
hinderlich. In den letzten 3 Jahren habe ich mit Rückgang der Depression
(und dadurch wieder vermehrte Aktivität und Bewegung), sowie durch ganz
langsame Reduktion des Risperdals insgesamt 13kg wieder abgenommen.
Vor drei Monaten hatte ich einen erneuten psychotischen Schub, der aber
relativ glimpflich ablief und ich habe die Medikation auf Zyprexa
umgestellt. Zugenommen habe ich davon bislang nicht, aber ich achte sehr
darauf, dass ich nicht zu viel esse und mich viel bewege
( ich jogge drei bis viermal die Woche und gehe ab und zu schwimmen).
Natürlich geht das nur, wenn man nicht depressiv ist -  ich weiß nur zu gut,
dass manchmal der Antrieb fehlt.

Trotzdem will ich allen Mut machen, die sich durch die Gewichtszunahme kaum
noch wieder erkennen. Es kann auch wieder weniger werden mit dem Gewicht und
der Geist bleibt trotz äußerlicher Rundheit beweglich.
Gerade bei Zyprexa verspüre ich bislang keine Nebenwirkungen, aber ich nehme
es ja auch noch nicht lange. Zum Glück stehe ich in Kontakt mit einer
Psychiaterin, die ebenso wie ich an einer möglichst raschen Reduktion der
Medikamente interessiert ist, so bald eine Krise überstanden ist. Wie lange
(und ob überhaupt) dann eine geringe "Erhaltungsdosis" von Nöten ist, weiß
ich auch nicht. Es ist mein Ziel, es irgendwann ganz abzusetzen. Wann der
Zeitpunkt dafür gekommen ist, werde ich selbst am Besten wissen und niemand
sonst!

Viele Grüße von Beate
 


102
Date: Fri, 2 Feb 2001 11:24:19 +0100
Subject: Leserforum

Subject: 94    Erfahrungsaustausch zu "Zyprexa"

Liebe(r) S.

Hiermal kurz die Erfahrung meiner Tochter mit Zyprexa, die an einer Angst
und Zwangsneurose leidet.

Der Neurologe empfahl ein "Einschleichen" von 5mg auf 10 mg/tgl. im Zeitraum von 2 Monaten.
Es zeigten sich hierbei auch keine nennenswerten Nebenwirkungen in diesem Zeitraum.
Nach Einnahme von 10 mg haben wir wieder auf 7.5 mg reduziert, da starke Schläfrigkeit und
Händezittern sich störend bemerkbar machte.
Die 7.5 mg Dosis hält sie jetzt über 20 Monate, mit deutlicher Besserung ihrer Symptome, aber leider
starker Gewichtszunahme ( 18 kg ). Auch der Prolaktinspiegel steigt bekannterweise sehr hoch.

Die Gewichtszunahme ist schon eine Belastung für eine 19 jährige, die vorher schon gelegentlich
als Modell gejobt hat,
Obwohl die Gewichtszunahme sicherlich zweitrangig stehen sollte, und Zyprexa ein Mittel erster Wahl ist,
halten wir uns ständig nach Alternativen auf dem Laufenden, und sind dabei auf "Seroquel" gestoßen,
das bzgl.  Gewichtszunahme und Prolaktinspiegel deutlich besser abschneidet
 .
Recherchen im Internet brachten allgemein viel Positives zu Tage, sodaß wir mit dem Neurologen über
einen Wechsel sprechen werden.
Hol dir auch mal Infos aus dem WEB

Anm.:  30mg erscheinen mir deutlich zu hoch dosiert..

Grüße     von  HJF
 


101
Date: Thu, 1 Feb 2001 13:33:59 +0100
Subject: Leserforum

Hallo S.

ich nehme seit gut 2 Jahren Zyprexa und will gerne von meinen
Erfahrungen berichten. Vorneweg so ganz glücklich bin ich mit
Zyprexa, aus Gründen die ich nachfolgend dann noch erläutern werde,
nicht und würde, wenn es was besseres gibt sofort umsteigen, aber
es ist meiner Meinung nach das Medikament das wahrscheinlich das
beste und aktuellste Medikament ist, das die Pharmaentwicklung derzeit
bietet.

Zunächst was gab es vorher, die ca. 20-30 Jahre verwendeten klassischen
Neurolepitka hatten Nebenwirkungen, die für den der sie bekam sehr schlimm
waren. Da waren die extrapyramidalen Störungen, die ich sehr stark hatte,
es handelt sich um eine Art Bewegungsunruhe, aber ist etwas was so qüälend
war, dass man es jemand der es nie erlebt hatte, nicht beschreiben kann wie
schlimm es war. Eine Dauertherapie mit Medikamenten die diese Nebenwirkung
hätten, hätte für mein Gefühl mein Leben zerstört.
Deshalb sind Menschen wie ich auf die neueren atypischen Neuroleptika wie
Zyprexa angewiesen. Die zweite Nebenwirkung, war die Möglichkeit bleibender
Nervenschäden (Spätdysiknesien) die bei klassischen Neuroleptika auch bei
Patienten auftreten kann, die sie sonst lange Zeit gut vertragen haben.
Deshalb ist eine Langzeittherapie mit klassischen Neuroleptika wie Haldol
nach meiner Meinung unter den Möglichkeiten die inzwischen moderne Pharmaprodukten bieten eigentlich heute ein ärztlicher Kunstfehler.

Atypische Neurolepitka wie Zyprexa haben diese Nebenwirkungen nicht und
sind deshalb das Beste was heute angewandt werden kann.

Die üble Nebenwirkung die ich, wie auch Andere, unter Zyprexa über die Jahre hatten, ist eben eine starke Gewichtszunahme (ca 15 kg) von der ich es auch nicht schaffe wieder runterzukommen und darunter leide ich sehr.
Diese Gewicht ist nicht gesund und Dicke sind sozial in unterschiedlicher
Weise stigmatisiert.
Das zweite ist die Müdigkeit morgens, nur mit Mühe (und nur im Bewusstsein
das man jetzt unbedingt aufstehen muss, um zur Arbeit zu kommen ) ist durchaus auch eine wesentliche Verschlechterung des Lebensgefühls.
Der dritte Nachteil ist der hohe Preis, in Zeiten der Kostendeckelung
braucht man schon Glück um einen Arzt zu finden, der die Verordnung dieses
Medikaments noch möglich macht.

Soviel von meinen Erfahrungen mit Zyprexa.

Gruss

Ron
 


100
Subject: Leserforum
Date: Wed, 31 Jan 2001 16:37:34 +0100

Zu  Beitrag Nr.67 (Leserforum Nr. 2)

Hallo Jan,

doch ja, natürlich. Es gibt sie!!     Es gibt sogar welche, die sich vorsätzlich reinversetzen, wenn sie erst mal ihre persönlichen Auslöser kennen. Nur darf man das nicht so öffentlich zugeben, weil es nicht salonfähig ist. Auch ist das Wiederaussteigen ein bißchen schwierig und außerdem sollte auch die "Anderswelt" nicht allzu dominant gegenüber dem ersten Weltbild werden, wenn es damit nicht vereinbar ist.

Bei etlichen Beiträgen ist es ja auch schon angeklungen, daß Psychoseerfahrungen von Betroffenen selbst nicht ausschließlich negativ gesehen werden, sofern sie auch noch etwas anderes erlebt haben, als "Beziehungswahn"-Erfahrungen und Zyprexa dazu.

Da Du schon mal Stanislav Grof erwähnt hast, möchte ich auch gleich noch ein paar Sätze von ihm herauspicken:

"Die verbal orientierten Psychotherapien tragen nicht gerade zu dramatischen Veränderungen des klinischen Bildes bei, und die dämpfenden Medikamente stören aktiv die weitere Entwicklung des als krankhaft angesehenen Prozesses, wobei die Gefahr besteht, ihn zum Stillstand zu bringen.
Die Relativität eines solchen Vorgehens wird aber offenkundig, wenn in der Therapie mit Psychedelika oder anderen hochwirksamen Selbsterfahrungstechniken gearbeitet wird. Dies führt zu einem Fluß der Symptome, so daß der Patient gelegentlich innerhalb von Stunden ein völlig anderes klinisches Bild bietet. So wird deutlich, daß das, was die Psychiater als voneinander getrennte diagnostische Kategorien beschreiben, Ausdruck eines Umwandlungsprozesses ist, der in verschiedenen Stadien angehalten wurde."
"So werden in der traditionellen Psychiatrie Prozesse der Heilung und der spirituellen Öffnung als pathologische Erscheinungen abgestempelt, die es unter allen Umständen mit Hilfe verschiedener drastischer Maßnahmen zu unterdrücken gilt. Als Resultat dieser seltsamen therapeutischen Strategie befindet sich die gegenwärtige Psychiatrie in einer tragikomischen Situation: der größte Teil der gemeinsamen Anstrengungen von Psychiatern, Psychologen, Neurophysiologen Biochemikern und anderer Fachleute ist einseitig gegen diese Prozesse gerichtet, die ein einzigartiges therapeutisches und transformatives Potential besitzen."
 

Damit könnte er recht haben. Schließlich ist schon lange bekannt, daß psychische Beschwerden aller Art, die sonst als "Neurose" gehandelt werden, auch Phobien, Zwangserkrankungen oder psychosomatische Krankheiten mit der Psychose wieder verschwinden können. Natürlich nur mit ausgelebten und nicht mit abgebrochenen und festzementierten Psychosen. Und auch nur mit sogenannten "akuten" Psychosen und nicht mit flach verlaufenden Dauerpsychosen, in denen sich einer jahrelang vom Nachbarn verfolgt fühlt und sein ganzes Leben damit verplempert, mit ihm herumzuprozessieren. So etwas wird wohl niemand etwas nützen. Und für erstere fehlen sämtliche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Nur wenn die "Medikamente" einmal nicht mehr greifen, müssen Psychosen zwangsläufig doch ausgelebt werden und dann steht Klinikpersonal daneben, das nur gelernt hat, mit willenlos gemachten "kooperativen" Zombis umzugehen und sich an deren chemisch bedingter Dankbarkeit und "Anhänglichkeit" hochzuziehen.

Gibt es eigentlich noch neuere Bücher von Stanislav Grof? Mir ist nur in grauer Vorzeit einmal "Geburt, Tod und Transzendenz" und "Topographie des Unbewußten" in die Hände gefallen.

Viele Grüße

Melanie
 


99
Subject: Leserforum
Date: Wed, 31 Jan 2001 16:47:22 +0100

    Zu Beitrag Nr. 74

    Wenn sich schon mal eine der Koryphäen herabläßt, hier einen Beitrag zu reinzustellen, oder ihre Zustimmung dazu gibt, sollte es doch bevorzugt in einer Form sein, die in irgendeiner Weise die Teilnehmer dieses Forums anspricht. Gelegenheit hätte es ja schon gegeben. Im letzten Jahrtausend hat ein Teilnehmer in Beitrag Nr. 28  gefragt, was denn die Diagnose  "Morbus Bleuler" bedeutet. Da ich keine Fachfrau für psychiatrische Diagnosekreationen bin, gehört es auch für mich bis heute zu den ungelösten Rätseln der Psychiatrie, was das denn nun wieder für eine mysteriöse Geisteskrankheit ist.

    Obwohl ich krankheitsbedingt gegen alles, was nach Psychiatern riecht, allergisch bin und sich mein Koryphäenkillersyndrom seit Jahren nicht bessern will, konnte ich doch einige Sätze finden, denen ich nicht widersprechen kann.   Auch ich bin der Meinung, daß denjenigen, die nach Kenntnis aller Risiken die ach so modernen atypischen Neuroleptika verlangen, diese nicht vorenthalten werden sollten. Wenn ich allerdings Begriffe wie "vorenthalten" lese, fällt mir sofort wieder jener Psychiater ein, der in einer Fernsehdiskussion unter "nicht vorenthalten" Zwangsbehandlung verstanden hat und überhaupt nicht verstehen konnte, warum ihm von einer Psychiatriegeschädigten Zynismus vorgeworfen wurde. Wie gut oder schlecht die "modernen" Neurolptika waren, werden wir im Übrigen in zwanzig Jahren wissen. Die früheren waren auch mal "modern" und Todesfälle und Dauerschäden gibt es auch schon bereits bei den jetzt gerade "modernen".

    In Beitrag Nr. 92 hat Bodo gefragt, wie lange eine Langzeitprophylaxe dauern soll. Das hätte mich ja auch einmal interessiert. Als Laie kann ich nicht wissen, in welcher Situation ein anderer gerade mal ist. Ob überhaupt eine Prophylaxe angesagt ist. Ob er völlig überflüssig mit Medikamenten sein Gehirn und seine Organe ruiniert, weil er auch ohne Medikamente keinen Rückfall bekommen hätte, was er aber nie erfahren wird. Die einen bekommen einmal in ihrem Leben eine Psychose und danach auch ohne Medikamente nicht mehr und andere eben mehrmals. Als Laie kann ich auch nicht wissen, ob bei einem anderen in drei Jahren ein Ereignis kommen wird, das ihn wieder aus der Bahn wirft oder erst in  zehn Jahren, während er vorher jahrelang sein Gehirn an "Medikamente" gewöhnt hat, bis sie dann, wenn es drauf ankommt, auch in höchsten Dosen nicht mehr wirken und gleich serienweise Psychosen zwangsweise ausgelebt werden müssen, die umso extremer sind und überhaupt nicht mehr verarbeitet werden können. Dafür hatte dann wenigstens die Psychiatrie, die Familie oder sonstige Umwelt die Bequemlichkeit, nicht darüber nachdenken müssen, welchen Anteil sie an den Rückfällen hat und was sie vielleicht einmal ändern könnte.

    Ansonsten kann ich in diesem Posting nur eines jener sattsam bekannten Statements erkennen, in denen sich Psychiater unentwegt um unsere biochemische Befindlichkeit bzw. die kurzfristigen, vordergründigen Scheinerfolge ihrer "Medikamente" sorgen, aber nie um die katastrophalen Schäden, die sie selbst anrichten.
    Z.B. mit ihrer Falschpropaganda, in der sie jeden, der aus zwar nicht oberflächlich erkennbaren, aber dennoch nachvollziehbaren Gründen ausflippt, mit Alzheimerkranken oder sonstigen Hirnorganikern in einen Topf werfen und dafür auch noch mit der größten Dreistigkeit, die durch ihre "Behandlung" selbst verursachten Hirnschäden als "Beweise" heranziehen.
    Neuerdings sind wir auch noch so etwas ähnliches wie Creutzfeldt-Jakob-Kranke. Ich bin jetzt zufällig über Links zum Thema "Rinderwahnsinn" hier reingekommen.

    Ich weiß zwar recht genau, welches Spektrum an Beeinträchtigungen, positiven und negativen Psychoseerlebnissen bis hin zu Extremerlebnissen, aber auch wertvollen Erfahrungen ich mir unter dem Begriff "Psychose" vorzustellen habe. Aber d i e Schizophrenie als eigenständige "Geisteskrankheit" oder "geistige Störung" kenne ich immer noch nicht.

    Überhaupt nicht verstanden habe ich, wieso ein Schizophrener 25 000.-DM/Jahr kosten soll. Welcher Schizophrene war denn das, der da meine Krankenkasse jährlich 25 000.-DM gekostet hat?? Ich kann das nicht gewesen sein.
    Könnte es vielleicht sein, das da ein x-beliebiger Gesamtbetrag auf eine x-beliebige Anzahl schizophren Etikettierter umgelegt wurde? Wenn ja, wurden in diesen Gesamtbetrag auch die Gelder eingerechnet, die nebst Vergünstigungen seitens der Pharmaindustrie gleich noch doppelt sowohl vom Krankenkassenbeitragszahler als auch vom Steuerzahler abkassiert wurden, für "Forschung und Lehre" und für unzählige Studien, in denen sich Psychiater immer noch zu beweisen versuchen, daß ihre Vorstellungen von einer eigenständigen, erblich bedingten "Geisteskrankheit" keine Hirngespinste sind?
    Und auf welche Anzahl wurde der Betrag umgelegt? Sind auch die 200000 Ausgedienten, die mit Psychosen auf den Straßen herumirren und angelegentlich mal mit ein paar Billigneuroleptika abgespeist werden, auch eingerechnet? Oder nur die "achzigtausend Schizophrene in der Bundesrepublik", auf die der Börsenwerbesender n-tv unsere Zahl im Herbst 99 schon mal dezimiert hatte?

    Interessanter als irgendwelche, für welchen Zweck auch immer gerademal getürkten Statistiken ist für mich, daß meine Krankenkasse 600.- DM/Tag bezahlen soll, wie ich vom Hörensagen weiß. Wenn es nicht stimmt, lasse ich mich gern korrigieren.

    Ich habe bis heute nicht herausgefunden, was da auch nur 100.-DM/Tag wert sein sollte.
    In jeder billigen Absteige wird mir wenigstens mal ein Zimmer geboten, in dem ich ungestört schlafen kann. Ich stelle mir nicht vor, daß man meine Schlafstörungen damit behandelt, daß man mir jede Rückzugsmöglichkeit stiehlt, mich mit Patienten zusammenpfercht, die mich mit ihren Waschzwängen, Besuchersippen, Umtriebigkeit etc.Tag und Nacht zwangsweise wachhalten, um das nach tagelanger Übermüdung mit Schlaftabletten und noch höheren Neuroleptikadosen ausgleichen zu wollen. Wie schön, daß es für alles und jedes billige Pillen gibt.
    Über die sonstigen "Leistungen", wie Beschäftigungsmöglichkeiten auf der Station oder das Pflegepersonal möchte ich mich  jetzt nicht auslassen. Vielleicht kommen dazu noch andere Beiträge.

    "Die Gesellschaft" hält es ja speziell dann, wenn wir eine Krankenversicherung haben und nicht obdachlos sind, für nötig, uns zwecks Bettenbelegung bei jedem für andere unverständlichen Satz mit Hilfe "unabhängiger" Einweisungsbeschlüsse ein Gefahr für uns selbst und andere zu attestieren.So ähnlich wie bei den Kampfhunden. Also hat sie auch für artgerechte Unterbringung zu sorgen.
    (Ich weiß nicht, wer "die Gesellschaft" ist. Ich sehe nirgendwo eine "Gesellschaft". Allenfalls sehe ich ein Ansammlung von Interessengruppen, die den Sinn ihres Lebens darin sehen, sich auf Kosten möglichst wehrloser Opfer Vorteile zu verschaffen).

    Ich fordere für meine Unterbringung ein Zimmer in der vorgeschriebenen Mindestgröße für Hundezwinger. Das sollte problemlos in meiner Nähe möglich sein. Die ganze Bundesrepublik ist überzogen mit leerstehenden Betonbunkern von steuersparenden Ärzten und anderen Hungerleidern, bei denen wir nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch noch die Leerstände mitfinanzieren mußten. Balkone haben sie i.d.R. auch schon, die man problemlos vergittern könnte, so daß wir wenigstens mal nicht mehr im Mief psychiatrischer Zombiestationen ersticken müßten, weil für uns bis hin zu den untauglichen Kippfenstern überall das Billigste gerade gut genug war.

    Vielleicht kann mir auch mal jemand sagen, was ich in einem ausgedienten Gemäuer am Arsch der Welt soll, bei dem meine Angehörigen 5 Stunden Fahrtzeit aufwenden müssen, wenn sie mich mal für eine Stunde besuchen wollen. Ich möchte mal wissen, wie viele von denen, die heute auf der Straße liegen, ursprünglich von ihren Angehörigen verschleppt und dann auf diese Weise entfremdet wurden. Oder wieviele den vollständigen inneren Rückzug angetreten haben, nachdem man ihnen während der Psychose jede äußere Rückzugsmöglichkeit gestohlen und anstatt Hilfen nichts als zusätzliche Belastungen von allen Seiten zu bieten hatte, deren "Endzustände" aber immer noch frohgemut der "Geisteskrankheit" zugeschoben und als Vergleichsmaßstab für den "Fortschritt" und das heutige High Management Low Quality herangezogen werden.

    Ich brauche auch kein Krankenhausambiente. Weder habe ich eine Infektionskrankheit noch will ich operiert werden. Auch brauche ich keine medizinische Pflege. Mein Gehirn kann auch in extremsten Psychosen meine Organfunktionen immer noch besser steuern, als das Pflegepersonal und weiß auch selbst am Besten, wo seine Grenzen sind, solange es von unerwünschten Störungen und Eingriffen unbehelligt bleibt.

    Ich weiß auch nicht das Geringste mit diesen Medizinern da anzufangen, die die Gewaltherrschaft über mich an sich gerissen haben und mit der Kompetenz von Pillenautomaten heroisch gegen just jene Erfahrungen ankämpfen, die ich mir um keinen Preis mehr nehmen lassen wollte.

    Nett, daß auch noch gleich juristische Ratschläge dabei sind, wie ich mir die Pillen erstreiten darf, die ich nicht haben will und über viele Jahre auch nicht gebraucht habe. Ein trauriges Armutszeugnis für die Psychiatrie sind allerdings die Beratungen über Patientenverfügungen gegen Übergriffe, die andernorts zu lesen sind.

    Und daß da heute noch serienweise Patienten, die nichts weiter machen, als sich in nachvollziehbarer Weise über die Art ihrer Zwangsverschleppung und "Behandlung" aufzuregen, fixiert und sogar noch der Gang zur Toilette verwehrt wird, ist allerunterste Schublade.

    Ich wüßte wirklich nicht, was da auch nur eine müde Mark wert ist.

    Viele Grüße an alle Psychiatrieerfahrenen
    Melanie
 



98
Date: Tue, 30 Jan 2001 09:07:43 EST
Subject: Leserforum

Liebe Heike!

Irgendwie fehlen mir momentan die richtigen Worte, um auszudrücken, was ich
empfinde. Leider muß ich zugeben, daß ich manchmal das berühmte Licht am Ende
des Tunnels nicht so richtig sehen kann. Doch Dein Brief aus dem Leserforum
war sowas wie ein "Tunnellichtblick". Dafür möchte ich Dir aufrichtig danken.
Leider schreibst Du nicht, wie Du aus dem psychotischen Zustand
herausgekommen bist. Gab es da ein Schlüsselerlebnis? Du schreibst unter
"87", daß Du danach in eine tiefe Depression verfallen bist. Ist eine schwere
Depression überhaupt eine Verbesserung des Zustandes und ist die Grenze nicht
eher fließend?
Sowohl der "psychotische" als auch der "depressive" Zustand sind doch oft aus
Ängsten entstanden. Ich hätte natürlich lieber gelesen, Dir ginge es bestens,
aber leider ist es wohl so, daß die meisten Menschen immer anfällig sind.
Mein Bruder ist auch ein sensibler und intelligenter Mensch, wie wohl die
meisten von "Euch"
( wenn ich das so sagen darf, ist eher ein Kompliment). Da muß man ja quasi
an der
Welt erkranken. Wie auch immer, alles Gute für Dich, Heike.
Grüße, S.

Lieber Michi!

Eigentlich bin ich nicht die Richtige, um Dir zu antworten, da ich noch zu
wenig Erfahrungen mit der Thematik gemacht habe. Unter "91" kannst Du
nachlesen, in wie fern ich mit dem Thema "Psychose" vertraut (oder eher
nicht) bin. Wie sehr man sich mit solch einem Thema überhaupt vertraut machen
kann, ist noch die Frage. Trotzdem sehe ich einige Parallelen zwischen meinem
Bruder und Dir, in erster Linie meine ich damit diesen "Verfolgungswahn".
Deine Frage, ob Du Hilfe benötigst, hast Du Dir doch schon selbst
beantwortet, indem Du Dich an das Leserforum gewendet hast. Bei meinem Bruder
war es so, daß er sich immer weiter in diesen Wahnhaften Strudel hat ziehen
lassen. Er wußte auch, daß er Hilfe brauchte und ist zu einem Psychiater
gegangen. Der hat ihm dann eine "soziale Problematik" attestiert, was nicht
nur untertrieben war, sondern schlicht und einfach auf die totale Inkompetenz
dieses Mannes schließen läßt. Ich wünschte, wir hätten eher reagieren können,
denn jetzt fehlt meinem Bruder die Behandlungseinsicht. Ich weiß natürlich
nicht, wie weit sowas bei Dir gehen würde, aber ich kann mir vorstellen, daß
es einige Forum-Leser gibt, die Dir gute Adressen von Selbsthilfegruppen in
Deiner Nähe geben können, die Dir mit Sicherheit weiterhelfen werden.


97
Date: Sat, 27 Jan 2001 16:09:19 EST
Subject: Leserforum - Bodo's Hinweis zu Fluanxol - Langzeitprophylaxe

Lieber Bodo, liebe Freunde,

die Thematik Langzeitprophylaxe beschäftigt mich auch seit einiger Zeit.
Leider.

Bei einem einmaligen psychotischen Schub soll man 2 Jahre lang Neuroleptika
als Prophylaxe einnehmen. Bei 2 oder mehrmalig aufgetretenen psychotischen
Schüben dann 5 Jahre. Diese Faustregel ist ja allgemein bekannt. Woher kommen
nun diese Zahlen ?

In der empirischen Psychiatrie hat man - in den 80er und 90er Jahren - für
Zeiträume zwischen 2 und 5 Jahren entsprechende überwachte Studien gemacht.
Für die Zeiträume danach gibt es wohl einfach keine überwachten und
abgesicherten Langzeitstudien mehr.

Tja, in der Praxis bedeuten die ominösen 5 Jahre bei mehrmaligen
psychotischen Schüben wohl eher deutlich länger, wahrscheinlich
lebenslänglich. Ich habe mal bei Psychiatern die seit langem in der
Psychoseforschung arbeiten nachgefragt. Nach übereinstimmender persönlicher
Erfahrung dieser Ärzte schaffen es leider nur zwischen 10 und 15% der
Patienten nach Ablauf der 5 Jahre Langzeitprophylaxe auch tatsächlich für
immer ohne Neuroleptika auszukommen. Generelle Aussagen sind wohl trotzdem
nur schwer möglich, da jeder Patient verschieden ist.

Für mich als Betroffenen bleibt da ja immer noch das Prinzip Hoffnung. Ich
muß halt versuchen mich mit Neuroleptika einigermaßen einzurichten. Mit
Fluanxol habe ich eigentlich auch ganz gute Erfahrungen gesammelt. So ähnlich
wie Du halt' (siehe Bodo's Beitrag 92). Ich kann sogar einigermaßen
erfolgreich in einem qualifizierten Job arbeiten. (:-)

Es gibt da eigentlich nur ein Neuroleptika-typisches Problem mit dem ich
nicht so gut klarkomme: dem deutlich erniedrigten Testosteronspiegel im Blut.
Das ruft leider die berühmten sexuellen Störungen hervor. Solian und Seroquel
sollen in der Beziehung ja etwas weniger Störungen bewirken. Würde mir
vielleicht jemand dazu etwas schreiben ???

Alles Gute,

Jan
 


96
Subject: Leseforum
Date: Thu, 25 Jan 2001 22:27:01 +0100

Auf Wunsch wieder gelöscht ...


95
Date: Wed, 24 Jan 2001 17:34:49 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

ich muß Dir sagen Deine Homepage ist zu meinem täglichen Begleiter
geworden. Jeden Tag schaue ich hinein und finde interessante Beiträge.
Dafür wollte ich einfach "danke" sagen.

Freue mich über e-mails an: anita@h-e-s.de



94
Subject: Erfahrungsaustausch zu "Zyprexa"
Date: Sun, 21 Jan 2001 20:14:16 +0100
 

Hallo (Was originelleres ist mir nicht eingefallen)!

Ich bin echt erfreut, das es diese Seite gibt, denn allein das Wissen, das es noch mehr Menschen mit ähnlichen Erfahrungen gibt, hilft ein bißchen. Ich selbst bin allerdings nicht betroffen, sondern jemand, der mir sehr nahe steht. Dementsprechend komme ich mir bisweilen sehr hilflos vor und da kann ich nur hoffen, das mir hier jemand etwas Wissenswertes zukommen lassen kann. Nun aber meine Frage/Bitte an Euch. Es geht um das Medikament "Zyprexa". Ich würde gerne wissen, was für Erfahrungen Ihr damit gemacht habt (sowohl im positiven als auch im negativen Sinne). Er ist noch in der Akutphase und bekommt derzeitig 30mg. Vorher hat er 25mg bekommen, was mir schon sehr viel erschien. Da er noch eher wenig Behandlungseinsicht zeigt, schätze ich, haben die Ärzte "Zyprexa" hochgefahren. Wer kann mir weiterhelfen?

Alles Gute für Euch und bunte Grüße in dunklen Zeiten.
                              S.


93
Date: Sun, 21 Jan 2001 14:26:57 +0100
Subject: Leserforum

Liebe Schwester,
ich bin auch eine Schwester, bloß liegt der Fall bei uns umgekehrt.
Allerdings bin ich nicht in der Klinik, näheres kannst du unter der 87
hier lesen.
Ich kann mir vorstellen, daß ihr alle geschockt seid - am meisten aber
mit Sicherheit dein Bruder. Du schreibst nicht, wie und warum er in der
Klinik gelandet ist, aber ich vermute mal, nicht so ganz freiwillig.
Aber eins ist ziemlich sicher - kein Mensch, der nicht glaubt, krank zu
sein, findet das in irgendeiner Weise erfreulich. Und "Verrückte"
glauben nun mal nicht, daß sie krank sind. Ob sie das sind, darüber läßt
sich ja auch streiten...
Aber ihr scheint ein gutes Verhältnis zu haben, das haben mein Bruder
und ich auch, und trotzdem gelingt es ihm nicht, mit mir zu reden. Er
hat nicht die Kraft dazu. Die brauchst du, soviel ist sicher. Leicht ist
das nicht, wenn du ihm wirklich helfen willst.
Rede mit ihm. Und viel wichtiger: Hör ihm zu, versuche, dich in seine
Welt einzufühlen. Das ist schwer - und das ist auch sehr anstrengend und
vielleicht auch beängstigend. Und das dauert, auf jeden Fall länger als
zwei Wochen, auch wenn das für dich ein schwacher Trost sein wird. Was
auch immer in deinem Bruder vorgeht, du kannst davon ausgehen, daß seine
Welt zusammengebrochen ist. Nichts ist mehr, wie es war nach einer
Psychose, und du selbst bist auch nicht mehr, wie du warst. Und das ist
ziemlich verunsichernd. Und du bist nach einer solchen Episode
überempfindlich. Und eins weißt du auch ganz sicher: kein Mensch, der
das nicht erlebt hat, kann das so richtig begreifen. Und egal was du
sagst, dir haftet immer das Etikett "verrückt" an. Du weißt selbst, wie
verrückt das alles klingt, und du wartest schon auf jede 'falsche'
Reaktion.
Wenn du mit ihm redest, rede um Gottes Willen nicht ÜBER ihn. Über das,
was er sagt, erlebt hat, tut. Bewerte ihn nicht, sondern versuche
herauszufinden, wie er das alles sieht. Ich denke, wenn er das GEFÜHL
hat, daß du ihn verstehst, zumindest ihn verstehen willst, wird er dir
auch wieder vertrauen. Aber das wird mit Sicherheit eine Weile dauern.
Seine Reaktionen kenne ich nur zu gut. Das einerseits wollen, aber nicht
können genauso wie das Mißtrauen. Ich kann dir ungefähr sagen, woher das
kommt, zumindest was mich betrifft. Während der "Psychose" habe ich mich
zum erstenmal als ich selbst gefühlt. Ich hatte keine Angst mehr, vor
nichts und niemandem, und da mir zum Glück niemals die Realität abhanden
gekommen ist, war das auch eine ziemlich gute und erfolgreiche Zeit für
mich. Und dann gibt es plötzlich Leute, die dir erzählen, du wärst jetzt
durchgedreht. Ich war ziemlich konfliktfreudig damals, und das paßte
ihnen natürlich nicht - und so kannten sie mich auch nicht... Jedenfalls
war ich wohl fest entschlossen, endlich mein Leben gründlich aufzuräumen
- ohne richtig zu wissen, was daran eigentlich schief läuft. Zumindest
was mich betrifft, war das auch höchste Zeit. Woran ich aber arg
knabbere ist die Erkenntnis, daß ich nicht nur damals für verrückt
erklärt wurde - und das für ein Verhalten, was vollkommen normal ist.
Konfliktfähigkeit ist nicht verrrückt, hab ich mir sagen lassen... Daß
aber dieser Knacks, den manche Psychose zu nennen belieben, in jedem
Falle als krank oder zumindest von der Norm abweichend definiert ist.
Ich bin also doch verrückt, egal wie ich es drehe oder wende.
Und damit muß auch ich erstmal fertigwerden, genauso wie mit der
Erkenntnis, daß wirklich alles anders ist und ich mich neu kennenlernen
muß. Ich kann diese Episode nicht aus meinem Leben radieren, und ich
schleppe das jetzt mit mir rum. Und ich reagiere anders als früher. Das
ist ein Bruch in deinem Leben, der dich mindestens genauso verändert wie
die Pubertät. Und von außen ist das weder zu sehen, noch kann sich das
jemand so richtig vorstellen.
Du mußt Geduld haben. Und du solltest ehrlich sein. Es bringt nichts,
ihm zu verheimlichen, daß du verletzt bist, wenn er seinen Koffer packt.
Das weiß er sowieso. Aber versuche ihm begreiflich zu machen, daß du ihn
liebst und nicht willst, daß er geht. Und daß du nicht verstehst, warum
er so denkt. Vielleicht erklärt er es dir. Mein erstes "richtiges"
Gespräch mit meinem Bruder war dramatisch... Erwarte nicht, daß er dir
halbwegs sachlich und vernünftig und nachvollziehbar irgendwas erklären
kann. Eins ist er mit Sicherheit, nämlich total durcheinander.
Vielleicht nicht im Kopf - man kann ziemlich klar und logisch denken,
selbst der kühnste Trip hat eine innere Logik. Bloß nicht unbedingt
etwas mit der allgemeinen "Realität" zu tun... Aber sein Gefühlsleben
ist vermutlich komplett auf den Kopf gestellt. Und er wird vielleicht
ein paar total weltbewegende Erkenntnisse über das Leben, die Welt und
das Universum im Allgemeinen und über sich im Speziellen haben. Das
haben Psychosen oft so an sich... Vielleicht redet ihr darüber. Das ist
immer etwas unverfänglicher als die aktuelle Situation. Die ist alles
andere als erfreulich, und das weiß er mit Sicherheit auch.
Ich hoffe, du schaffst es, deinem Bruder zu helfen.
Viele Grüße, Heike
 


92
Subject: Ein Hinweis von Bodo zu Fluanxol
Date: Fri, 19 Jan 2001 18:18:56 +0100

Fluanxol ® - Typisches oder atypisches Neuroleptikum?

Liebe Leser,
ich habe neulich einen Artikel ¹ zu Fluanxol (Wirkstoff Flupentixol) gelesen, in dem folgendes sinngemäß drinstand:
Die Rehospitalisierungsdauer unter depotneuroleptischer Langzeitprophylaxe mit Flupentixol ist nur etwa halb so lang wie unter oraler Behandlung mit "atypischen" Neuroleptika. Anders gesagt: Mit Fluanxol im Hintern ist man nur halb so oft in der Klinik als mit Zyprexa im Magen. Nach neueren Untersuchungen unterscheidet sich Flupentixol in seinen spezifischen Wirkungen von den klassischen "typischen" Neuroleptika, zu denen es bisher gezählt wurde. Es wirkt zwar genausogut antipsychotisch, aber auch die "Minussymptome" werden beeinflußt durch antidepressive und stimmungsaufhellende Effekte. Hinsichtlich der Beeinflussung komplexer kognitiver Aufgaben ist es eher mit den atypischen Neuroleptika vergleichbar, wobei es vom Preis her wesentlich günstiger ist als z.B. Zyprexa oder Risperdal, also das Arzt-Budget nicht so belastet.

Meine Erfahrung mit Fluanxol ist eigentlich keine schlechte: Keine Müdigkeit, keine Angst, keine Herzbeklemmungen, keine Gewichtsprobleme. Das einzige Negative was man nennen könnte, ist die emotionale Dämpfung (ist aber bei jedem Antipsychotikum so) und daß beim Nachmittagsschläfchen der rechte große Zeh manchmal unwillkürlich hin und her wackelt. Woher letzteres kommt, weiß ich nicht, vermute aber, daß es vom Fluanxol kommt, man hat ja schon von Dyskinesien gehört. Solange es aber in diesem kleinen Rahmen bleibt, kann ich es noch akzeptieren.

Soviel zu den Drogen...
(Kann hier an dieser Stelle mal ein kompetenter Mediziner darlegen, wie lange so eine "Langzeitprophylaxe" eigentlich dauert? 2 Jahre, 5 Jahre, 10 Jahre oder lebenslänglich? - Ich bitte sehr darum.)

Viele Grüße an die Leser zum neuen Jahr
Bodo

¹) Quelle: Typisches oder atypisches Neuroleptikum - in: Neurologie Kolloquium S. 18, Verlagsbeilage zur Medical Tribune Nr. 49 vom 8.12.2000


91
Subject: Leserforum
Date: Fri, 19 Jan 2001 13:47:56 +0100

Hallo.
Ich bin die Schwester eines Bruders mit "Schwierigkeiten" (gelinde gesagt, ich weiß). Ich will es nicht werten, da es mir egal ist, wie die Probleme meines Bruders letztendlich genannt werden. Die erlesene Ärztschaft hat uns "Angehörige"mit "Ihr Sohn/Bruder hat eine Psychose" abgehen lassen. Dementsprechend gibt es natürlich ein Informationsdefizit, das ich gerade mit entsprechender Literatur und "Dumm-Schlau-Fragen" ("Wie hieß doch gleich das Medikament, das mein Bruder bekommt?") auszugleichen suche. Da mein "kleiner" Bruder (und wir gleich mit) erst seit 2 Wochen im Club sind, ist es dementsprechend schwer, den richtigen Weg zu finden. Ich denke, es ist ja auch für jeden "Erkrankten" ein individueller Weg. Derzeit verhält es sich so, das mein Bruder sich seit fast 2 Wochen in einer psychatrischen Klinik befindet. Er weiß nicht so recht, was er dort soll und hat Angst vor körperlichen Repressalien. Diese Angst können wir ihm leider nicht nehmen. Der Arzt ist sehr nett und bemüht, aber jung und nicht einfühlsam genug. Zudem habe ich das Gefühl, das sie bei jedem Patienten ihr "Schema F" abziehen und keine individuelle Behandlung erfolgt. Zwischendurch war er mal wieder zu Hause, aber er glaubt, wir würden ihn nicht haben wollen. So ist es mit allen Dingen. Er möchte Sport treiben, tut es aber nicht, er möchte Gespräche mit dem Arzt, bricht diese aber einfach ab u.s.w. Er möchte gerne ein neues Leben anfangen, seine Sorgen vergessen, nur leider weiß er noch nicht um seine "Erkrankung". An dieser Stelle erhoffe ich mir Hilfen, Tips und einen Informationsaustausch mit Betroffenen und Angehörigen. Ich würde gerne wissen, wie jemand, der auch so ruhelos war wie mein Bruder ist, wieder Vertrauen gefasst hat, oder ob es eine Möglichkeit gibt, ihm irgendwie klar zu machen, das wir ih gerne mit nach Hause nehmen würden, es aber nicht möglich ist, weil er es boykottiert. Als er die Tage zwischendurch zu Hause war, hat er jede Stunde seine Koffer runter geschleppt und gesagt, wir würden wollen, das er ginge. Er sagte, er wolle draußen schlafen (bei - 10 Grad), weil er uns zur Last viele.
Ich würde ihm so gerne helfen, nur leider ist er allein in seiner Welt und ich finde den Zugang nicht. Wer kann mir helfen?

Ein Gruß an Alle, denen es nicht so besonders gut geht.
Eine besorgte Schwester.


90
Date: Thu, 11 Jan 2001 16:54:08 +0100 (MET)
Subject: Leseforum

Auf Wunsch wieder gelöscht ...


89
Subject: Leserforum
Date: Thu, 11 Jan 2001 16:06:24 +0100

Hallo Nadia,

ich möchte auf deine Zuschrift zu deinem Kummer mit deiner Schwester etwas sagen. Also zunächst ich persönlich hatte das Glück, dass bei meinen Psychosen Neuroleptika wirkten und ich aus der Psychose rauskam.

Bei deiner Schwester ist es schon schwieriger, ich denke man kann nur versuchen immer wieder in vernünftigen Worten auf sie einzuwirken, allerdings kann man niemand zu einer Therapie zwingen (jedenfalls solange keine Selbst-oder Fremdgefärdung vorliegt). Also erst wenn deine Schwester erkennt, dass sie Hilfe braucht, ist auch Hilfe möglich.

Es gibt allerdings in manchen Städten ein Angebot für psychisch Kranke, dass in deinem Fall vielleicht hilfreich sein könnte. Und zwar gibt es hier in Stuttgart sogenannte ambulante sozialpsychiatrische Dienste, die sich um psychisch angeschlagene Menschen kümmern. Dort sind Sozialarbeiter tätig, was ein Vorteil ist, wenn man Menschen erreichen will, die vielleicht Angst, aufgrund negativer Erfahrungen, vor der Psychiatrie oder Psychiatern haben. Die Sozialpädagogen können übrigends auch jemand zuHause besuchen, was ja auch von Vorteil ist, wenn jemand sich von sichaus schwer aufraffen kann zu einem solchen Dienst zu gehen.

Ich denke, dass diese Sozialpädagogen auch Erfahrung mit Menschen haben, die in der Gefahr stehen in einer gewissen Verwahrlosung zu leben. Ein solcher Ansprechpartner wäre dass, was ich dir empfehlen würde. Du kannst dich bei der örtlichen AOK erkundigen, ob es einen solchen Dienst in Eurer Stadt gibt oder du ruftst bei einem ambulanten sozialpsychatrischen Dienst in Stuttgart an und fragst ob sie dir eine Adresse für einen solchen entsprechenden Dienst in Eurer Nähe nennen können.

Tja das ist dass was ich Dir als Rat in deiner Situtation mitgeben kann

Renaldo


88
Date: Sun, 07 Jan 2001 02:47:27 +0100
Subject: Leserforum

Hallo!

Erstmals Gratulation zu deiner Homepage. Das Tagebuch als "Fahrplan eines Altraums" hat mir dir Themen Schizophrenie und Psychosen nähergebracht. Vielleicht kann mir der eine oder andere Leser mit einem sehr persönlichen Problem helfen, denn ich bin an einem Punkt in meinem jungen Leben (20 Jahre alt) angekommen, bei dem ich nicht sicher bin, ob ich nicht ärztliche Hilfe benötige.

Ich will es kurz machen: Ich bin ein Hypochonder, habe panische Angst vor allen Krankheiten. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht glaube, an irgendeinem Gebrechen zu leiden. Kaum werde ich von Kopfschmerzen geplagt, fürchte ich von Gehirnparasiten befallen worden zu sein oder - noch schlimmer -, dass sich ein Hirntumor in meinem Schädel ausbreitet. Ich studiere die Symptome aller Krankheiten, die ich in Bibliotheken oder im Internet finden kann und vergleiche sie mit meinem "Krankheits"-Bild. In der U-Bahn habe ich panische Angst die Haltegriffe zu berühren um mich nicht mit Keimen, Viren oder Bakterien zu infizieren und später daran zu sterben. Manchmal zittern meine Hände, obwohl es dafür keine plausiblen Gründe gibt, ich habe Depressionen, Angstzustände und laufe jede Stunde aufs WC oder ins Bad um mir die Hände zu waschen. Außerdem habe ich das Gefühl beobachtet zu werden, manchmal bilde ich mir ein, dass Menschen auf meinem Balkon stehen und mich durch die kleinen Jalousien-Löcher beobachten oder, dass in meinem Zimmer kleine Kameras und Mikrofone versteckt sind, die mich rund um die Uhr bespitzeln, dass mein Telefon abgehört wird, usw. Habe ich diesen Verdacht, laufe ich zum Fenster und starre hinaus, um mich zu vergewissern, dass da draußen auch wirklich niemand ist. Was mich weiters nervt ist mein Türen-Tick. Bei mir zu Hause müssen alle Türen geschlossen und verschlossen sein, erst dann fühle ich mich wohl.

Noch habe ich keine Probleme mit meinen Ticks, ich verrichte meine Arbeit mit großem Fleiß und man sieht es mir auch nicht immer an, dass mich diese Marotten plagen. Meine einzige Sorge gilt der Zukunft und der Frage, ob auch die große Anzahl meiner Phobien (Spinnen, Höhe, enge Räume, Angst zu Versagen,...) mit zunehmenden Alter ebenfalls steigt.

Ich weiß nur sehr wenig über das Angebot medizinischer Hilfe und ob ich sie überhaupt benötige.

Ratschläge wären sehr hilfreich.
Danke,
Michi

todesdrohne@gmx.at


87
Date: Fri, 05 Jan 2001 01:41:01 +0100
Subject: Leserforum

Liebe Forum-Mitglieder,
vieles von dem, was ich hier gelesen habe, hat mich mal wieder sehr nachdenklich gemacht. Und was mir immer am meisten zu denken gibt ist, daß viele den psychotischen Phasen regelrecht nachtrauern...

Kurz zu mir: ich bin "nur" neurotisch, aber seit ich mich intensiver mit den verschiedenen Krankheitsbildern beschäftige, erschreckt es mich schon, wie nah dran ich an der schizophrenen Diagnose war. Aber nah dran sieht dann eben ganz anders aus... Meine Therapeutin versichert mir hoch und heilig, es ist absolut ausgeschlossen, daß das bei mir zutrifft. Vielleicht interessant für Euch: ich nehme keinerlei Medikamente, allerdings durchlebe ich zur Zeit eine furchtbare und ziemlich lange Depressionsphase und habe gestern angefangen, Johanniskraut zu nehmen. Vielleicht bessert sich ja meine Stimmung dadurch etwas.

Jedenfalls kenne ich so ziemlich alles, was Ihr hier auch schildert: die allgemeine Überempfindlichkeit auf Sinnesreize, diese Bezüge überall, den tieferen Sinn, den man in allem und jedem erkennt, die besonderen Wirkungen von Farben (bei mir waren es Rot und Grün, nicht Schwarz), das Sendungsbewußtsein oder die Überzeugung, daß an der eigenen Person irgendwas Besonderes ist (was nichts mit Überheblichkeit zu tun hat, es ist nur ein Zusammentreffen besonderer Umstände, an denen man selbst gar nicht soviel aktiven Anteil hat, eher Zufall), die Überzeugung, Gedanken lesen zu können/daß jemand anderes das bei mir kann, bis hin zu telepathischen Fähigkeiten, die Fähigkeit, Dinge vorauszusehen (davon berichtet hier keiner, ist mir jedenfalls entgangen), Zeichen zu erkennen und zu deuten, ach ja, und die Stimme im Kopf kenne ich auch, ist aber bloß einmal passiert. Und noch ein paar andere Sachen. Und wie vermutlich viele von Euch versuche ich herauszufinden, warum das so ist, und finde in der Psychologie keine befriedigende Erklärung.

Aber für meinen Zustand gibt es eine. Und die macht eine Menge Sinn. Und ich habe - natürlich, wozu ist man schließlich psychotisch? - auch eine Theorie, woher all diese Symptome kommen. Und würde gerne Eure Meinung dazu erfahren. Ich habe die ernsthafte Absicht, zumindest für mich herauszufinden, wie ich diesen Zustand wieder erreichen kann, denn ich bin ziemlich sicher, daß ich unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden kann. Das genau ist ja der Grund, warum ich eben nicht als Schizophren eingestuft werde: es gibt bei mir nicht diesen "anderen Film", der den Bezug zur Realität völlig verliert. Die Vernunft ist immer da und bremst, und in der Regel lief das ziemlich problemlos ab. Ich habe zwei längere 'psychotische Schübe' hinter mir, jeweils ca. ein halbes Jahr. Die Auslöser waren beim erstenmal eine sehr kritische Situation in meiner Firma, bei der urplötzlich unsere Existenz infrage gestellt war, und zwei Jahre später, im Oktober 99, ein Nervenzusammenbruch, der sowas wie die Spätfolge dieser Geschichte war und in meinem Ausstieg aus der Firma endete. Okay, beide Situationen allein ausreichend für eine nervliche Überreaktion... Die Syptome beim erstenmal: ich fühlte mich, nach dem ersten Schock, stark, voller Energie, "unbesiegbar", nein, das ist übertrieben, aber ich sagte mir, Leute, so nicht, nicht mit mir. Ich habe Dinge bewerkstelligt, die hätte ich mir vorher niemals zugetraut - und es hat funktioniert. Beim zweitenmal, zwei Jahre später, sah das etwas anders aus. Die Energie war wieder da, aber dazu kamen o.g. Symptome, die zwar einerseits immer stärker wurden, andererseits erholte ich mich aber von dem Streß, den mein Zusammenbruch mit sich brachte, wurde eher ruhiger und sah das Ganze auch ziemlich gelassen. Bin ich eben übersinnlich, bißchen späte Erkenntnis, aber was soll's. Kommt in den besten Familien vor... Es kam allerdings zu immer heftigeren Streits in der Familie...

Seit Mai bin ich in Therapie, zum Glück, kann ich nur sagen... Was bis jetzt sicher ist: ich leide an einem Kindheitstrauma, verursacht durch permanentes Fehlverhalten meiner Eltern. Von außen ist das alles kaum zu sehen, wir sind eine ganz "normale" Familie, Scheidung, als ich 14 war. Aber genauer darf man da eben nicht hinsehen. Für mich gibt es ein Schlüsselerlebnis, das meine Therapeutin allerdings nicht so hoch einschätzt, sie meint, das säße zu tief, um auf ein einziges Ereignis hinzuweisen, das müsse eine Dauer"behandlung" gewesen sein. War es auch, zusätzlich. Jedenfalls ist das, was mir meine Eltern damals vermittelt haben, etwa das: Was du erzählst, ist verrückt, und entweder du hörst auf, das zu sagen, oder wir lieben dich nicht mehr. Wir wollen dich so nicht. Verrückte gehören in eine Anstalt... Ich war etwa 12, hatte mein erstes "übersinnliches" Erlebnis und machte den Fehler, ihnen das brühwarm zu erzählen. Eigentlich wußte ich in dem Alter schon, daß ich mit sowas da fehl am Platze war, aber es war eben eine Ausnahmesituation... Eine weitere Botschaft, die mir permanent vermittelt wurde: trau deinen Augen und Ohren und Sinnen nicht, das ist alles nicht so. In unserer Familie gab es eben keine Probleme. Jedenfalls waren die nicht für unsere Ohren bestimmt. "Man will doch den Kindern die Illusionen nicht nehmen..." Und dieses Verhalten ist in der Generation meiner Eltern (ich bin 35) eher die Regel als die Ausnahme. Aber meine Eltern sind vielleicht auch in der Beziehung etwas perfekter als andere, jedenfalls war das für mich verheerend...

Der "Erfolg" dieser Behandlung ist eine schwere emotionale Störung. Positive Gefühle sind mir fast völlig abhandengekommen, eine Tatsache, die so ungeheuerlich ist, daß der eigene Verstand sich weigert, das zu begreifen. Er gaukelt einem also etwas vor, und das macht er so perfekt, daß man sich selbst und auch so ziemlich alle anderen täuscht. Kaum jemand käme auf die Idee, daß ich gefühlskalt bin... Ich habe panische Angst, die Kontrolle zu verlieren, 'schwach' zu sein, mich emotional jemand anderem gegenüber zu öffnen - und all das war mir über 20 Jahre nicht bewußt, jeder Widerspruch, den ich hätte bemerken können, wurde verdrängt, fiel in ein Schwarzes Loch, wie ich das nenne.

Wenn ich ein Bild benutzen soll: um meine Gefühle herum gibt es eine dicke Mauer aus Angst. Und diese Angst wurde damals, durch die existenzielle Angst um meine Firma, regelrecht gesprengt. Zum erstenmal in meinem Leben erfuhr ich, was es heißt, wenn ich normale Gefühle habe. Manchmal denke ich, die Intensität der Gefühle ist abhängig von der Angst, die man aushalten mußte/muß und kann... Und daß ich mich zum erstenmal so heftig gegen meine Eltern gewehrt habe, ist auch völlig normal. Ich habe ja auch zum erstenmal die Schmerzen empfunden, die sie mir damit zufügen, daß sie mich in meinem 'zarten' Alter immer noch wie ein unmündiges Kind behandeln, dem man ja erstmal sagen muß, wie es gefälligst zu leben und zu sein hat. So, wie ich mich damals verhalten habe, jedenfalls nicht. Das ist ja nun der letztliche Beweis dafür, daß ich nicht ganz dicht bin. Wo kommen wir denn da hin, wenn plötzlich jeder frech zu seinen Eltern wird? Die meinen es ja nur gut... Indem sie auf einem Trauma rumtrampeln. Nette Geste.

Was allerdings mit meinen Emotionen zum Vorschein kommt, ist eine Hypersensibilität. Eine verstärkte Wahrnehmungsfähigkeit. Ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Ein Phänomen, was, soweit ich weiß, bei Traumapatienten ziemlich häufig ist. Durch die kindlichen Erlebnisse werden alle Sensoren ausgefahren, alle Möglichkeiten aktiviert, um ein gewisses Maß an Sicherheit zu erlangen - meist vergeblich. So vieles, was Ihr schreibt, kommt mir so verdammt bekannt vor, so viele Gedanken, Assoziationen... Auch ich fühle mich jetzt wie ein Zombie, auch ohne Medikamente. Ich brauche keine Medikamente, um "ruhiggestellt" zu sein, das ist Bestandteil meines Problems. Irgendwann haben die Herrschaften mich dauerhaft ruhiggestellt, als Ergebnis einer ständigen Gehirnwäsche. Und ich kann mehr als gut verstehen, daß man sich so nicht mehr fühlen will - das ist kein Leben, das ist vegetieren. Ich habe das riesengroße Glück, daß meine Instinkte oder was auch immer so intakt sind, daß, wenn es brenzlig wird (und das sind immer emotionale Streßsituationen, "normaler" Streß macht mir nichts aus), der Verstand, die Vernunft die Kontrolle übernimmt und die Höhenflüge abwürgt. Allerdings irgendwann mit dem zweifelhaften Erfolg, daß ich in einen Zustand versinke, den man mit Fug und Recht als Depression bezeichnen kann. Jetzt, wo der Verdrängungsmechanismus nicht mehr richtig funktioniert und ich mir meiner Situation bewußter bin, leide ich furchtbar darunter.

Und ich habe diese euphorische Zeit, die, zumindest bei mir, eine Art Genesung darstellt, im Nachhinein so beschrieben: es ist, als ob alles, was anerzogen, von der Gesellschaft aufgezwungen ist, von einem abfällt, und man selbst übrigbleibt, das, was man wirklich ist, ohne Verkrüppelungen, Verkrampfungen. Ohne all die Ängste, ob man sich denn nun wehren darf, wenn man angegriffen wird, ob man denn nun mit diesem oder jenem anecken würde. Irgendwann habe ich mir gesagt, das, was du hier erlebst, ist das Wiedererwachen des Instinks. Du nimmst Dinge wahr, die bei anderen längst im Unterbewußten landen, aber solange dein Hirn in der Lage ist, das dauerhaft und ohne abzuheben zu verarbeiten, wo ist das Problem? Klar ist das ziemlich komisch...

Rebecca beschreibt meinen Zustand in der Anfangsphase, diese rasenden Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen, die Schlaflosigkeit, der Zwang, diese wunderbaren Erkenntnisse aufzuschreiben. Die natürlich keiner wissen will... Wo komen wir denn da hin, wenn jetzt hier jeder kleine Arsch die Welt retten will? Gegenfrage: Wo kommen wir hin, wenn überhaupt keiner mehr die Welt retten will? Denn rettungsbedürftig ist sie ja nun wohl, die Welt, oder? Und jeder große Arsch hat mal klein angefangen... Mir fällt immer Coelho ein, der Alchimist der Literatur. Der wurde von seinen Eltern zwangseingewiesen... Heute wird er als der große Weise der Literatur gefeiert. Na sowas.

Aber dieser Zustand beruhigt sich bei mir, das dauert bloß eine ganze Weile. Immerhin ist in meinem Kopf ein schwarzes Loch von mindestens 20 Jahren, und wenn sich das erstmal auftut... Da kommt schon so einiges zum Vorschein. All die nicht gefühlten Gefühle zum Beispiel. Dieses nachträgliche schlechte Gewissen kenne ich gut. Auch diesen Zwang, sich öffnen, sich mitteilen zu müssen. Genau das, was ich im "Normalzustand" nicht kann. Und das ist alles andere als normal, ich kann es einfach nicht. Ich kann über alles reden, sogar so tun als ob, aber ich kann mich nicht emotional öffnen.

Liebe Maria, die Frage, die Dich beschäftigt, habe ich mir auch hundertmal gestellt. Warum ausgerechnet die biblischen Figuren? Ich war nie kirchlich, mit 18 habe ich mich zum Heiden erklärt, heute bin ich Animist, falls es jemand wissen will. Ansonsten ist das für mich kaum ein Thema. Aber gerade in meiner psychotischen "Erkenntnis"phase bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß der Mensch eben doch einen Glauben braucht - und wenn er an die Wissenschaft glaubt. Ich übrigens nicht mehr, die hat mich zutiefst enttäuscht... Weil ich zu der Überzeugung gelangt bin, daß sie sich nicht wirklich dafür interessiert, wie die Dinge denn nun sind. Ich habe einiges zum Thema gelesen, und das Hauptinteresse scheint mir zu sein, psychologisch aus der Norm fallende Menschen wieder zum Funktionieren zu bringen - um es mal ganz kraß zu sagen. Mit Heilen hat das nicht viel zu tun.

Jedenfalls denke ich, diese Bibelgestalten sind Archetypen. Sozusagen der Kern einer ganz bestimmten Persönlichkeitsstruktur. Und wenn es so ist, wie ich es empfunden habe, daß alles, was man nicht selbst und in Wahrheit ist, von einem abfällt, wenn man aus welchen Gründen auch immer diese Grundangst überwindet, dann erkennt man sich eben in solchen Menschen wieder. Und die Identifikationsfähigkeit (oder das Einfühlungsvermögen) ist sehr stark erhöht, ich finde, daß die Ich-Fixierung eher schwach ist in so einer Phase. Ich habe mich mit allem Möglichen identifiziert. Und jetzt bin ich mal wieder ausschließlich mit meinem eigenen Elend beschäftigt...

Bei mir ist das ja immer nicht so ausgeprägt, ich hab's auch mehr mit den Tieren, da wird das schwieriger, sich wirklich zu verwechseln. Oder den Indianern, ich bin eher ein Schamane als Jesus. Aber das verrate ich keinem, ich bin ja noch zu retten (grins). Mein Gott, was ist so schlimm daran? Jeder Schauspieler macht dasselbe, sonst ist er keiner. Aber denen werden ihre Verrücktheiten eben zugestanden, unsereinem nicht, wir müssen geheilt werden, unbedingt. Okay, ich kenne die Gefühle, die damit einhergehen, ziemlich gut. Und ich kann mir vorstellen, daß das beängstigend wird, wenn es ein Eigenleben annimmt. Aber Maria, es klingt nicht so, als dachtest Du, Du wärst Jesus. Nur daß Du Dich so gefühlt hast, als würdest Du wie er das Leid der Welt tragen... Die Indianer sehen auch, was wir tun, und leiden für uns - wir tun's ja nicht. Und ich leide auch oft sehr heftig an Weltschmerz, wenn ich nicht mit meinem eigenen beschäftigt bin. Aber ich finde eher die unnormal, die das gar nicht mehr können. Die schon so abgestumpft sind, daß sie das alles nicht mehr interessiert. Ich meine, es ist einiges im Argen, und nicht nur im Großen. Und vielleicht erleben das Leute wie wir ganz besonders heftig - und häufig. Die Unsensibilität der Leute, das Unverständnis, das Desinteresse. Was hast Du eigentlich für ein Problem, hab dich nicht so, reiß dich mal zusammen... Nett.

Ich glaube, daß die Identifikationsfiguren sehr stark mit dem eigenen Weltbild zu tun haben. Und ich glaube, daß Jesus heute in der Geschlossenen sitzen würde, mit der Diagnose Schizophren... Ist mein Ernst. Kein Wunder, daß man sich mit sowas identifiziert. Ich denke ja auch, daß man jeden Schamanen mit Fug und Recht sofort einweisen kann, die haben ja auch alle diese 'unnormalen' Wahrnehmungen. Bloß daß die in ihrer Kultur nicht ausgegrenzt werden, sondern als hochgeachtete Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden. Ich denke, das ist eine Gabe, die in dieser Kultur zum Fluch wird - den lieben Mitmenschen und dem allgemeinen "rationalen" Weltbild sei Dank.

Natürlich sind Halluzinationen Bilder, die sonst keiner sehen kann. Bilder, die die Psyche produziert, die auch sehr subjektiv sind, um etwas darzustellen, was so nicht wahrnehmbar ist. Aber ich bin davon überzeugt, daß sie etwas damit darstellt, was da ist, was auch immer das im Einzelfalle sein mag. Ich hab mit meinen Hallus eher kein Problem, und eine Zeitlang gab's da einiges. Bloß bin ich mir auch im Klaren darüber, daß ich darüber mit kaum jemandem reden kann. Die Blicke sehe ich schon vor mir... Ist auch normalerweise nicht sooo wichtig, ich bin kein Kind mehr, und meine Lektion habe ich gelernt, schmerzhaft. Aber seit wann ist zum Beispiel jemand, der mehr hört als ein anderer, verrückt? Oder der besser sieht? Wir nehmen eben andere Dinge wahr, unter bestimmten Umständen, und ich halte die Tabuisierung dieser Dinge in dieser Kultur dafür für verantwortlich, daß das so schnell zum Problem für den Betroffenen wird. Ich denke, das sind so tief verwurzelte Ängste, das ist immer noch wie Mittelalter. Oder gibt es irgendeine vernünftige wissenschaftliche Erklärung dafür, außer der, daß man eben schizophren ist, wenn man Dinge sieht oder hört, die - angeblich, das wäre noch zu beweisen - nicht da sind? Ich zähle auch zu denen, denen sowas passiert, und ich bin nun nicht schizophren. Bei mir war das 'bloß' ein geplatztes Trauma... Also, liebes Wissenschaf, wo bleibt deine Erklärung? Was ist das? Woher kommt das? Bei mir kommt es nur sehr selten zu Bildern oder Geräuschen, alles andere hat eindeutig reale Ursachen, nur daß die Wahrnehmungen eben sehr viel differenzierter sind als "normal". Was zum Teufel ist eigentlich normal?

Ich glaube, jeder Künstler kann drei bis fünf Lieder davon singen... Tun sie ja auch, einige. Aber die haben eben generell einen an der Klatsche. Bloß daß denen das aus irgendwelchen Gründen keiner übelnimmt. Uns aber schon. Aus irgendwelchen Gründen darf sowas nicht sein.

So, das war ein ellenlanges Pamphlet. Ich hab mal wieder meine Schreibphase, tut mir leid. Wer mir bis hierhin gefolgt ist und Lust hat, ich würde mich über einen Erfahrungsaustausch sehr freuen. Ich will einfach mehr wissen, denn ich werde das Gefühl nicht los, daß sowas noch öfter auf mich zukommt...

Ach ja, last but not least, vielen Dank für diese Seiten.
Heike

Heike.Rohde@t-online.de


86
Date: Wed, 03 Jan 2001 15:00:58 +0100
Subject: Leserforum

Lieber Bodo,
Liebe Leute,

meine ältere Schwester hatte vor ein halbes Jahr eine schwere Psychose. Sie kam per Zwangseinweisung in die Psychatrie. Dort lag sie nur im Bett und nahm nicht an den Therapien teil. Nach drei Monaten ließ sie sich entlassen und lebt seit dem wieder alleine zuhause auf dem Sofa. Sie wäscht sich nicht, redet immer wieder das selbe Zeug und nimmt ihre Tabletten nicht. Sie hat wenig Schlaf und raucht bis zu drei Schachtel Zigaretten am Tag. Auch traut sie sich nicht auf die Straße, weil sie sich für ein Monster hält. Arzttermine nimmt sie nicht wahr. Die ganze Familie und ich sind um ihren Zustand besorgt. Sie zeigt auch keine Krankheitseinsicht, sie hält sich für gesund. Ich hoffe, daß andere Betroffene wie Angehörige meinen Hilferuf lesen und zurückschreiben, welche Erfahrungen sie gemacht haben.

Vielen Dank!
Nadia


85
Date: Tue, 02 Jan 2001 20:38:07 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Leser des Forums,

mein Bruder (26) hat sich im Dezember letzten Jahres das Leben genommen. Jetzt im nachhinein weiß ich mit ziemlicher Sicherheit, daß er an Schizophrenie litt. Meine Eltern und ich als seine ältere Schwester haben nichts gemerkt, wir haben ihn allerdings selten gesehen und da war er "normal". Es fällt uns sehr schwer, das Erlebte zu begreifen und der Verlust schmerzt ungemein. Kennt ihr vielleicht betroffene Familien, mit denen ich Kontakt aufnehmen könnte?

Katja


84
Date: Sun, 17 Dec 2000 18:22:03 +0100
Subject: Leserforum

Hallo,
seit ich diese Seite entdeckt habe, schau ich immer wieder mal rein.
Ich bin doch erstaunt, wie viele Menschen etwas derartiges erleben.
Ich weiß noch, wie ich nach dem Klinikaufenthalt monatelang die
anderen Leute anschaute und nur denken konnte: der hat keine Psychose.
Einen Chat find ich eine super Idee. Der Link funktioniert aber bei mir
noch nicht.
Aber ich werde dann auf jeden Fall reinschauen.
Grüße an alle
Donna_Rose


83
Date: Sun, 17 Dec 2000 15:38:20 GMT
Subject: Leserforum

Hallo, Liebes Forum, Hallo Bodo !

Nachdem ich nun schon seit 10 Jahren ein Neuroleptikum (Triperidol,
b.z.w. Risperdal) nehmen musste, stehe ich nun kurz vor meiner entgültigen
Genesung (Medikament soll nun ausgeschlichen werden: Dauer ca. 2 Jahre).
Wichtig ist mir, einmal darzustellen, wie hilfreich Angehörige, Freunde oder
Bekannte sein können, wenn sie sich richtig verhalten. Zu diesem Zweck
habe ich mal eine Grafik mitgeschickt, die hoffentlich auch im Forum veröffentlicht wird.
Die Grafik verdeutlicht sehr gut den Teufelskeis der Schizophrenie, den jeder
Mitmensch in den ersten Ansätzen gut unterbrechen kann (wie die gelben
Kästchen verdeutlichen). Gerade in den letzten zwei Jahren traf ich Menschen,
die mir neue Energien gaben, meinen Rückhalt stärkten und mich so aus dem
(lilafarbenen) Teufelskreis ganz heraushielten.

Die Folgen waren:
- wesentlich mehr innere Ruhe
- stark reduzierte Medikamenteneinnahme (gemäss Arztabsprache)
- dadurch Rückgang der Müdigkeit.
- mehr Freude am Leben an sich
- kein Rückfall, da keine Grübelei mehr vorhanden ist

Teufelskreis Schizophrenie durchbrechen

Wenn diese Grafik von Angehörigen oder Bekannten gesehen wird:
Bitte kopiert  sie Euch und druckt sie aus und hängt sie Euch
irgendwo als Merkblatt hin. ---Es funktioniert wirklich ! ---
Und: Nicht die Geduld verlieren, es dauert ein wenig ...

viele Grüsse,

Stephan


82
Subject: "Leserforum"
Date: Tue, 5 Dec 2000 14:28:44 +0100

Hallo, ich bin es. Euer Dreamy. Bisexuell und Psychosekrank. Ein armer Kerl.
Nein, dies ist mein ganz individueller Weg in dem ich Potenziale erkannte
über die ich heute dankbar bin. Ich habe schon zwei mal zuvor über mich und
meine Erkrankung berichtet. Mittlerweile geht es mir entscheidend besser und
ich will auch behaupten, ich bin auf dem besten Wege der Genesung. Eigentlich
kann ich diesen Weg den ich bis hierher gegangen bin nur als meinen
individuellen Weg betrachten. Ich kann auch nicht behaupten, es würde auch
auf andere zutreffen. Aus diesem Grunde berichte ich jetzt mal nur individuell
über mich. Der erste Bericht den ich hier veröffentlicht habe, war der Weg
zur Psychose und kurz danach. Der zweite Bericht war die Mitteilung bei der
Umstellung auf ein neues Medikament. Also Zyprexa ist für mich aus heutiger
Sicht das allerletzte Medikament. Ich habe mich wie unter einer Käseglocke
gefühlt, ich habe extrem zugenommen und ich frage mich warum die Ärzte auch so
etwas noch verschreiben. Naja, vielleicht war es ja nur bei mir so. Das kann
ich nicht abschätzen, da ich nicht weiß wie die Meisten darauf reagieren. Was
auch typisch für Zyprexa war, ich hatte stellenweise das Gefühl Zyprexa macht
taub. Zum Beispiel, als ich Zyprexa absetzte juckte mich mal wieder mein Fuß
oder ich spürte viele andere Regungen an mir, die ich zuvor gar nicht mehr wahr-
nehmen konnte. Ich stieg um auf Solian. Und es machte mich wieder lebenslustig
und mir geht es so fantastisch. Jetzt kommt aber die Kehrtwende aus dem Ganzen.
Ich hatte das Glück endlich tolle Menschen zu finden und mir wurde ein Glück
zuteil, daß ich schon lange nicht mehr kannte. Ich kann z.B. nun endlich meine
Bisexualität mit einem Mann ausleben. Durch verschiede Seminare die ich in
der letzten Zeit besuchte lernte ich Potenziale zu erkennen, die in mir selber
lagen. Diese Seminare gaben mir mehr als jeder Psychiater zuvor. Die kannten bei
mir eigentlich immer nur, brauchen Sie noch ein Medikament oder geht es Ihnen
gut. Naja da kam nicht viel rüber. Dazu kam daß ich heute meine Erlebnisse
in der Psychose nicht als Krankheit ansehe, sondern als eine Wahrnehmung, die
nur mir zuteil wurde. Als ein Stück meines Lebensweges. Ich erkannte viel in
dieser Zeit. Denn meine Psychose war der Weg zu mir selbst. Ich habe mich selbst
in dieser Erkrankung gefunden. Und ich habe festgestellt daß ich sehr lange
viele Emotionen in mir unterdrückte, die eines Tages in Form von Bildern zu mir
kamen und die mir einiges ausdrückten. Was auch von wichtiger Bedeutung ist,
Emotionen kann man nur in Form von Bildern sehen. Eine Sprache gibt es da nicht.
Und das ist wissenschaftlich erwiesen. Die Stimmen die ich hörte, das war der
Verstand. Die Bilder die ich sah, waren die Emotionen. Meine Emotionen und mein
Verstand liefen zu diesem Zeitpunkt nicht im Einklang. Deswegen die gespaltete
Persönlichkeit. Die Stimmen sagten mir Dinge, die Bilder sagten mir Dinge und
ich war hin und hergerissen. Natürlich kam ich immer erst zu einem Fazit bei der
Durchlebung dieser Dinge. Mein Weg dorthin war es meine Gefühle rauszulassen.
In den Wald zu gehen einfach zu schreien. Und was meint ihr was da alles raus-
kam. Angst, Neid, Haß, Liebe, all die niederen Instinkte, die wir eigentlich im
Griff haben. Bedürfnisse die wir in unserem Verstand zu lenken versuchen. Auf
der anderen Seite kamen viele Intelektuelle Sachen (also hier die realistischen
Dinge) zum Vorschein. Realistisch war immer mein Verstand. Unrealistisch war
immer meine Emotion. Also der Mittelpunkt zwischen Realistisch und Unrealistisch
ist gesund. Und es ist auch wissenschaftlich erwiesen daß Optimismus als
Beispiel nie realistisch sein kann. Ich arbeite immer noch an meiner
Selbstfindung und entwickle derzeit einen starken spirituellen Glauben. Nicht
wie es andere vormachen. Sondern meinen eigenen und ganz individuellen. Und
sie da. Zuvor nahm ich 200 mg. Solian am Tag. Und zur Zeit bin ich schon bei
50 mg. zu den Zeiten an denen ich merke ich falle zu sehr in meine Emotionen
in das unrealistische oder ich falle zu sehr in meinen Intellekt, in Form von
Depressionen oder das zu realististische nehme ich direkt eine Tablette. Und ich
kann mitlerweile sagen, bis auf ganz wenige Ausnahmen, daß ich alle 4 Tage nur
noch eine so geringe Dosis von 50 mg. Solian benötige. Ich habe das Gefühl ich
bin wieder der Alte (Neue). Ich komme wieder viel besser an und ich habe direkt
wieder eine neue Tätigkeit gefunden. Und diese Angst die mir viele
einsuggestierten, wie z.B. denke daran dein Medikament zu nehmen und du weißt
wie schlimm es ist nochmal in eine Psychose zu fallen, war für mich immer wieder
ein Gefühl der Angst, daß sich unterbewußt mich als etwas krankes,
unterbemitteltes erschienen ließ. Und ich habe gerade dadurch ja sehr viel
Selbstbewußtsein verloren, daß den Spalt der Emotionen und des Intellekts noch
mehr vergrößerte. Ich habe einen solchen Spaß am Leben gefunden und bin so
glücklich und ich wünsche Euch daß es auch Euch heute oder später so gehen wird.
Und übrigens ich freue mich über jede Post die ich bekomme. Auch gerne bekomme
ich Post über das Thema Homosexualität, Bisexualität und Ausprobieren usw.
Also wenn ihr wollt schreibt mir doch einfach.

Meine E-Mail-Adresse: Dreamy@coupemail.de

P.S. Übrigens habe ich die Fähigkeit selbst diese Dinge durchgemacht zu haben
und auch möglichst objektiv darüber zu berichten. Und ich denke eines Tages
werde ich einmal darüber schreiben müssen. Das ist ein Gefühl daß mit der Zeit
immer stärker wird und was sich wohl auch immer mehr realisiert.


81
Date: Sun, 26 Nov 2000 23:25:12 +0100
Subject: <no subject>

Lieber Renaldo!

Ich habe mich ein wenig im Internet erkundigt, und ein Arzt sagte, daß ich es ruhig mal probieren sollte mit Homöopathie....
Dies ist wohl aber abhängig von der Art der Psychose...
Klar..die meisten halten Homöopathie für Humbug, aber ich habe vor meiner Psychose selber schon gute Erfahrung damit gemacht...
Ich werde es mal ausprobieren und dann nochmal an dieses Forum schreiben.
Ich weiß, daß ich damit vielleicht ein Risiko eingehe, aber mit Neuroleptika kann und will ich nicht mehr leben....

Ansonsten kann ich nur noch sagen, daß ich trotzdem eher Seroquel als Zyprexa nehmen würde...denn, daß was dein Arzt sagt stimmt nicht ganz...nicht jeder reagiert so heftig wie ich ( Müdigkeit )...ich habe bei Zyprexa noch heftiger reagiert( ich konnte nicht mehr zügig laufen )
Ich würde es an Deiner Stelle ausprobieren..Du kannst ja danach immer noch auf Zyprexa zurückgreifen...
Es könnte auch sein, daß Dein Arzt Angst hat, das es teurer ist: sage ihm das dies nicht so ist( obwohl es neuer ist ).
Das Lebensgefühl mit Seroquel ist für mich besser als bei Zyprexa gewesen.

Naja...leider ist unsere Therapie doch noch immer ein stetiges ausprobieren..

Ich wünsche Dir und auch allen anderen viel Glück!

Ashley


80
Subject: Leserforum
Date: Sat, 25 Nov 2000 11:29:14 +0100

Frage nach Erfahrungen mit folgenden Medikamenten:

1) Ich möchte endlich umstellen von einem hochpotenten Neuroleptikum (Haldol in geringer Dosis seit 20 Jahren) auf ein atypisches Mittel, in meinem Fall SEOQUEL   Es wäre nett, wenn mir jemand sagen könnte, ob so eine Umstellung kritisch ist.

2) Wie ist die Umstellung von TAXILAN 75mg auf SOLIAN oder SUPREXA (Dosierung und Wirkung)?

Für Antworten bin ich sehr dankbar!

Nike


79
Subject: Leserzuschrift zu Beitrag 77 Ashley
Date: Fri, 24 Nov 2000 14:11:38 -0000

Hallo Ashley,

auch ich nehme Zyprexa seit Jahren und nur zur Vorbeugung eines
Rückfalls nicht wegen akuter psychotischer Beschwerden.
Und auch ich habe die Erfahrung gemacht stark an Gewicht
zugenommen zu haben.
Darunter leide ich sehr und ich sehe keine Lösung-
weil ohne Medikamente zu leben kann ich auch nicht verantworten,
man kann so viel verlieren, wenn man wieder in die Klinik einge-
wiesen wird oder in der Psychose Dinge macht oder sagt die andere
nicht verstehen.

Seroquel soll ja besser sein, was die Gewichtszunahme betrifft, aber mein
Arzt will es mir nicht geben, weil er die sedierende Wirkung dieses
Medikamentes für zu stark hält und das würde ja mit deiner Beobachtung
übereinstimmen der ständigen Müdigkeit oder ?

Falls irgendjemand eine Lösung für das Problem Übergewicht durch
moderne atypische Neuroleptika gefunden hat, soll er oder sie doch
schreiben bin für jede Info dankbar !

Gruss

Renaldo


78
Subject: Beitrag zum Leserforum
Date: Mon, 20 Nov 2000 20:49:21 +0100

"Na, Frau .... wollen Sie immer noch für die ganze Welt sterben?" So die für mein Empfinden höhnischen Worte des Chefarztes (!) als ich ihm mit seiner Crew auf dem langen Gang der Station kurz vor der Visite begegnete. Es war in der Woche, als ich von der Geschlossenen nach ca. drei Wochen Aufenthalt auf eine offene Station kam. Seine Frage war mir sehr peinlich, denn die anderen der Gruppe lachten (oder lächelten?). Ich weiß gar nicht mehr so recht, was ich darauf hin geantwortet habe, jedoch ist mir diese Situation nur allzudeutlich noch in Erinnerung.

Bei meiner Einweisung in die Geschlossene sagte ich in meinem Irresein zu dem Pfleger, der meine Personaldaten aufnahm, dass ich ihn kennen würde und er mich auch kennen müsse. Klar, dass er mich nicht ernst nahm. Ein paar Tage später jedoch – ich stand unter starker Haldoleinwirkung, litt unter kaum auszuhaltender Todesangst und teilweise Halluzinationen - sprach er mich spöttisch daraufhin an: "Na, kennst Du mich jetzt immer noch...?" (Dies hat er wirklich gesagt, es war keine Halluzination!) Es klang für mich wie ein großer Vorwurf. So ungefähr: ‚Nun bist Du in der Situation, die Du verdient hast. Ja Du bist selbst Schuld, dass es Dir so schlecht geht, hast es Dir selbst zuzuschreiben, warum konntest Du auch so naiv sein und von einem wildfremden (kerngesunden) Mann behaupten, er kenne eine "Verrückte".‘

Hallo Rebecca aus Belgien, Du hast Dich also auch gefühlt wie Maria. Wolltest Deinem Mann rein wie Eva begegnen. In etwas abgewandelter Form habe ich so ungefähr das gleiche empfunden. Ja, ich war sogar Jesus Christus und hab das ganze Leid der Welt wie eine große Last tragen müssen. Deshalb hatte ich auch damals in der Geschlossenen in den ersten Tagen, als ich viel zu schwach war, aufzustehen, zum Chefarzt gesagt, dass ich für die ganze Welt sterben wollte (da meine seelischen Qualen mit denen von Jesus vergleichbar waren). Vor ein paar Wochen fragte ich meine Ärztin, warum man sich wie Jesus vorkommt in einer Psychose. Sie sagte mir, dass die Erkrankten einen Sinn für die Angst, die sie durchmachen, suchen. So wäre die Geschichte von Jesus eine logische Erklärung, da er auch sinnlos gelitten hat, meinte sie.

Dies ist für mich jedoch alles nicht zu verstehen. Man ist ja gar nicht imstande, während der akuten Krankheitsphase logisch zu denken!!! Warum denken sich dennoch so viele Psychose-Erkrankten in biblische Figuren hinein, ja behaupten sogar, dass Sie Jesus, Maria oder Eva sind. Mich interessiert sehr, wie es mit denen ist, die keine blasse Ahnung haben von der biblischen Geschichte. Was ist mit denen, die anderen Religionen angehören, die praktisch noch nie von Jesus gehört haben? Vielleicht gibt es unter den Lesern jemand, der mir hierauf antworten möchte.

Ich möchte noch einmal kurz auf die Schuldgefühle zurückkommen: Vor kurzem hörte ich von einer Betroffenen, dass ihr jemand erzählt hat, man bekäme diese Krankheit nur, wenn man eine große Sünde begangen hat. Nun, kurz vor meiner Klinik-Einlieferung machte ich eine schlimme Nacht durch. Ich war hellwach, konnte nicht schlafen. Mein ganzes Leben – speziell meine Fehltritte - spielten sich wie ein Film vor meinen Augen ab. Und jedes mal wenn ich eine bestimmte Situation (Sünde) vor Augen hatte, kamen schwarze Gestalten und wollten mich mitnehmen (ich empfand es so ungefähr wie in dem Film "Ghost" mit Patrick Swazy – in der Szene als der Böse stirbt und von den schwarzen Gestalten geholt wurde). Voller Angst klammerte ich mich an meinen Mann, der neben mir schlief, denn ich wollte nicht fort. Auch das hellleuchtende Zimmerlicht ließ den schrecklichen "Film" nicht anhalten. Es war wie ein langsames Sterben. Ich war mir sicher, dass dies mein Ende sein würde, ja es war mein Tod.

In meinem Nachbarzimmer auf der Geschlossenen lagen zwei sehr alte Frauen. Die eine war sehr abgemagert und sah meiner 1989 verstorbenen Oma sehr ähnlich. Ich verkroch mich zu ihr ins Bett und flehte sie mit weinender Stimme an: "Liebe Oma, bitte verzeih mir, dass ich Dich damals nicht so mit Liebe und Hingabe gepflegt habe, wie ich es hätte tun sollen...". Mit ca. 19 Jahren musste ich nämlich für ca. 3 Monate meine bettlägrige Großmutter pflegen und ich hab es einfach nicht verkraftet, die schmutzige (zumeist übelriechende) Bettwäsche jeden Morgen geduldig abzuziehen und meine Großmutter dann noch zu waschen. Als sie dann kurze Zeit später gestorben war, tat es mir leid und ich hatte schon irgendwo Schuldgefühle, die während der Psychose auch wieder hochkamen.

Auf der Station war auch eine ganz in Schwarz gekleidete Frau die immer ein Tempotaschentuch in der Hand hielt und offenbar um jemanden trauerte. Ich fragte sie ein paar mal, was Sie denn (schlimmes) getan hatte, dass sie hier war. Ich bekam nie eine Antwort. Ich empfand den Aufenthalt in der Geschlossenen irgendwie als Strafe. Weil ich dies und das getan hatte, deshalb bin ich hier, dies war meine Erklärung und ein großer Vorwurf zu mir selbst. Dieser Vorwurf kam ständig in mir hoch. Ich wollte es jedoch wieder gutmachen und fragte sogar die Putzfrau, ob ich ihr helfen könne, in der Hoffnung ich könnte diesen Ort verlassen, nachdem ich meine Schuld "abgearbeitet" hatte. Die Putzfrau schaute mich nur entsetzt an und gab mir jedes mal einen "Korb". Ich hatte also null Chance da wieder rauszukommen. Eines Nachts als mich die Alpträume wieder plagten, kam ich kurz zur Besinnung und fand mich in den Armen einer sehr lieben Nachtschwester wieder. Durch ihr vom Sommerurlaub braungebranntes hübsches Gesicht, leuchteten zwei große warme braune Augen und trösteten mich durch ein liebes, ernst gemeintes Lächeln. Offenbar verstand sie, was ich gerade durchmachte. Diesen Augenblick werde ich niemals in meinem Leben vergessen. Ich sehnte mich oft nach einer warmen Hand, die mich einfach nur festhielt und mir zu verstehen gab: ‚Ich bin bei Dir, Du bist nicht alleine.‘

Ich wünsche Euch gute Gesundheit!

Marie


77
Date: Sat, 18 Nov 2000 19:47:02 +0100
Subject: Leserforum(Bodos)

Lieber Bodo und andere Betroffene!

Ich habe ein nicht unerhebliches Problem mit meiner Medikation und ich hoffe daß Ihr mir vielleicht paar Tips geben könnt....

Also: Ich habe seit dem Auftreten meiner Psychose verschiedene Medikamente ausprobieren müssen ,da ich die typischen Neuroleptika in keinster Weise vertrage.Ich bekam dann letztendlich Zyprexa,welches ich immerhin so gut vertrug, daß ich wieder arbeiten konnte.Der Haken war nur,daß ich erstens unter Zyprexa psychotisch wurde und zweitens dadurch von 60 kg auf 95kg zunahm.Die Gewichtszunahme wurde von den Ärzten meist abgetan..........

Zitat:"Vom Medikament nimmt man nicht zu....sie müssen halt weniger essen!!" Aber im Sommer 2000 hatte dann ein Arzt doch das Einsehen (meine Veränderung war halt nicht mehr zu übersehen..)und er setzte mich auf Seroquel um. Dies habe ich super vertragen und war echt begeistert..Nach der Gewöhnung an dieses Medikament hatte ich KEINE Nebenwirkungen...mein Essverhalten regulierte sich von selber...ich war nicht mehr so müde oder dumpf...

Tja,das Dumme ist halt nun, daß ich auf einmal nach jeder Einnahme von Seroquel müder wurde...ich dachte erst ,ich hätte Depris und würde deshalb so reagieren.... Nun ist es aber so, daß es sich so gesteigert hat,daß ich eine halbe Stunde nach Einnahme einschlafe..und wenn ich nicht einschlafe,bekomme ich so heftiges Kribbeln und ziehen in den Beinen,wie ich es nur nach Einnahme eines typischen Neuroleptikums kenne. Nachdem mir das einmal im Bus passierte und jeder Passagier meine Ausgleichsbewegungen sehen konnte ....setzte ich mein Medikament ab.

So. Mein Problem ist, daß ich mich nicht mehr traue nun zum Arzt zu gehen, da es einfach keine Alternativen gibt.. Irgendwie weht sich mein Körper gegen alle Neuroleptika...     Ich komme mir langsam vor wie ein . Asthmatiker, welcher sein Asthmaspray nicht verträgt.

Aber wenn ich zu meinem Psychiater gehe, wird er mir sagen,daß ich ein Medikament nehmen muß....was ich ja auch einsehe...aber ich kann doch kein Medikament nehmen was mich JEDEN TAG einschränkt ..vielleicht sogar mein ganzes Leben verändert.Besonders wenn es ein prophylaktisches Mittel gegen einen Zustand sein soll ,welcher alle paar Monate eintritt. Mir stellt sich die Frage:Was ist besser..sediert sein jeden Tag und an irgenwelchen Nebenwirkungen zu LEIDEN ....oder ein "normales" Leben ohne Einschränkungen aber mit unvorhersehbaren Horrortrips... Ich bin wirklich überfragt und auch recht verzweifelt.

Ich habe immer versucht mit dieser Krankheit recht "cool" umzugehen ..mich nicht unterkriegen zu lassen....aber ich beisse mir gerade die Zähne daran aus.

Jetzt habe ich Euch ganz schön viel geschrieben..... Ich hoffe,daß mir vielleicht paar Leute im Leserforum was dazu schreiben..

Danke und ganz liebe Grüße wo immer Ihr auch seid...

Ashley


76
Subject: Message from Internet
Date: Sat, 11 Nov 2000 15:44:09 +0100

Hallo Bodo, hallo Ihr Leser und natürlich Leserinnen,

ich bin jemand aus einer Einrichtung, wo die wenigsten von Euch oder besser gar keiner mehr oder überhaupt hin möchte. Ich bin Krankenpfleger auf einer geschlossenen Station. zur Zeit bin ich in der Weiterbildung zum Fachkrankenpfleger für Psychiatrie und komme in mehreren Häusern herum. Auf der Suche nach Informationen bin ich auf dieses Leserforum gestoßen. Für mich sind Eure Erfahrungen sehr wichtig und interessant, da die Menschen, welche zu uns auf die Station kommen, entweder nicht in der Lage sind ihre Eindrücke und Empfindungen zu schildern oder es nicht wollen und alles schönreden um möglichst schnell wieder heraus zu kommen. Ich kann ja nicht in die Köpfe der Menschen hineinschauen und bin daher auf alle Arten von Informationen angewiesen. Schon aus diesem Grunde finde ich es sehr gut, das Ihr in diesem Forum einmal Eure Gefühle und Sichtweisen beschreibt. In diesem Zusammenhang ist mir der Beitrag von Dorothea Buck im Gedächnis, die ihr psychotisches Erleben mit einem traum vergleicht, ich konnte für mich sehr viel aus diesem beitrag entnehmen, In einem anderen Beitrag wurde das hören von Stimmen mit der Denkweise von Urmenschen verglichen oder ein anderer schlidert seine Eindrücke und Gefühle zu deinen durchlebten Therapien, vor allem der Ergotherapie, welche allgemein abfällig als "Basteln" deklariert wird (kann ich gut nachvollziehen). Ich glaube aber das Wichtigste ist der Konsenz zwischen den Menschen, auf der einen Seite der sogenannte Patient auf der anderen Seite Ärzte, Pflegepersonal und Therapeuten. Denn wir alle müssen noch lernen, einander richtig zuzuhören und uns gegenseitig mehr zu achten und zu respektieren. Aus all den Berichten konnte ich entnehmen, das wir gegenseitig von einander zu wenig wissen, denn auch mein, unser Tun und das der Therapeuten basiert auf sehr vielen Überlegungen und es steckt sehr viel Arbeit in den einzelnen Konzepten. Um nun auch des "Pudels Kern" zu treffen, in unseren Konzepten, brauchen wir Eure Mithilfe, damit wir nicht an Euch vorbei therapieren und pflegen. Aus diesem Grunde finde ich dieses Forum so gut, wo ehrlich Meinungen, Erfahrungen und Wünsche dargestellt werden.

Bis bald Jojo

PS: Wenn ihr etwas über Medikamente wissen wollt, fragt auf den Stationen nach, wenn Ihr im Krankenhaus seid, denn näher kann man nicht an Informationen sein.


75
Subject: Leserforum
Date: Tue, 7 Nov 2000 10:34:06 +0100

Ist Liebe eine Krankheit??
Liebe Freunde!
Für mich bedeutet "psychotisch" zu sein, zu lieben wie es mir sonst nicht möglich ist. Wie könnte ich es da als eine Krankheit bezeichnen!!

Ich bin so herrlich ent-grenzt von mir, die Kämpfe der Persönlichkeit sind weit weg von mir! Ich spüre meine Seele und Deine Seele, ich spüre das ganze Universum und die Bedeutungslosigkeit von uns Menschchen! Ich fühle mich super, ganz mich selbst, weil ganz in Gott! Alles in Harmonie, in wohltuendem Einklang = Liebe!
Ja, ich liebe euch alle, ihr seid meine Geschwister, alle ein Ebenbild Gottes. Ihr seid WUNDERVOLL, eure innere Schönheit ist UNBESCHREIBLICH!! Ich möchte mich am liebsten verlieren in dieser Gottes-Schwärmerei!

Wie schade, dass wir dieses Ebenbild oft nicht spüren, weil wir dem Menschlichen verfallen und die Seele vergessen! Was wir als Mensch tun, ist doch unbedeutend! Es ist nicht wirklich, auf uns kommt es gar nicht an!
Ja, diese innere Schönheit möchte im Menschlichen ausgedrückt werden. So spricht es in mir und ich bin von überwältigender Dankbarkeit und Liebe erfüllt.

Wenn ich nicht mehr "psychotisch" bin, werde ich mich wohl wieder beschmutzt fühlen in meiner kleinen, eingeschränkten Sicht des "ich". Aber noch koste ich die Schönheiten des "ver-rücktseins" und LIEBE, LIEBE, wie es mir sonst nicht möglich ist!

Ich bin erleichtert, dass mein "ver-rücken" -die Reise zu mir selbst, vom Unwirklichen zum Wirklichen!- als eine "Krankheit" gilt. Ja, eine schöne Krankheit!! "An den Früchten werdet ihr..." - Liebe als Krankheit?? Aber eine "Krankheit" gibt mir Zeit, die Zeit, für diese Erfahrungen da zu sein...

Diese Gnadenstunden will ich nicht mit Medis unterdrücken. Sie GEHÖREN ZU MIR WIE DIE KÄMPFE UND LEIDEN DER PERSÖNLICHKEIT!

Sri Ramakrishna galt als verrückt, ehe man erkannte, welch grosse Seele er ist! Ich bin nicht besser als andere! Nein, aber ich fühle, dass ich Anteil habe an Gott, dass er mich -wie alles!- völlig durchdringt! Das "Psychotische" macht mich "durchlässiger". "Er" ist das All-Heilige und ich bin aus "Ihm" geboren - wie ihr alle auch.

Ich neige mich in Demut vor euch, meine lieben, heiligen Geschwister!

Euer Fredi 72


74
Subject: Leserforum
Date: Sat, 4 Nov 2000 07:01:00 +0100

Mit freundlicher Erlaubnis des Autors Manuskripst für die Selbsthilfezeitung signale

Vorteile von atypischen Neuroleptika Neuroleptika (Antipsychotika) sind seit mehr als 40 Jahren zugelassen, haben aber trotz ihrer unbestrittenen antipsychotischen Wirkung etliche Probleme. Dazu gehörten in erster Linie aufgrund der motorischen und affektiven Nebenwirkungen die geringe Bereitschaft der betroffenen Patienten, die Medikamente auch langfristig einzunehmen, 60 - 70% setzen die typischen Neuroleptika innerhalb von Wochen bis Monaten wieder ab. Außerdem sind die alten typischen Neuroleptika nur gering wirksam in Bezug auf Symptome wie Antriebsarmut und eingeschränktem Affekt (sogenannte "Negativsymptomatik") sowie neuropsychologische Defizite (Einschränkung unter anderem von Konzentration und Gedächtnis).

Mit der Entwicklung der sogenannten atypischen Antipsychotika (Definition: atypisch = antipsychotisch wirksam ohne typische motorische Nebenwirkungen) mit einer besseren Wirkung auf Negativsymptomatik, depressive Symptome und neuropsychologische Defizite wurden die Erfolgskriterien der neuroleptischen Therapie deutlich erweitert. Während in den 60er Jahren überwiegend die Symptomreduktion im Vordergrund stand und in den 70er Jahren die Rezidivprophylaxe (Rückfallvermeidung) intensiviert wurde, ist die Patientenperspektive mit subjektiver Befindlichkeit und subjektiver Lebensqualität erst seit ca. 10 Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich die Eigenschaft der atypischen Antipsychotika, dass diese subjektiv deutlich weniger unangenehm sind als die typischen Antipsychotika. Klagen der betroffenen Patienten wie "unter diesem Medikament fühle ich mich wie ein Zombie" sind unter den atypischen Antipsychotika (z. B. Leponex, Risperdal, Zyprexa, Solian, Seroquel) deutlich seltener.

Aufgrund dieser Unterschiede ergeben sich bestimmte Vorteile der atypischen Antipsychotika in folgender Reihenfolge:

1. Keine oder nur wenige motorische und affektive Nebenwirkungen. Bessere Verträglichkeit, bessere subjektive Befindlichkeit.
2. Deswegen regelmäßige Einnahme.
3. Deswegen seltenere Rehospitalisierung.
4. Deswegen und wegen der besseren Wirkung auf kognitive Defizite größere Wahrscheinlichkeit, erfolgreich an längerfristigen psychosozialen rehabilitativen Therapien teilzunehmen.
5. Deswegen Besserung von Negativsymptomatik und Lebensqualität.

Diese Vorteile der atypischen Antipsychotika sind überwiegend unumstritten und 75-95% von Psychiatern oder Nervenärzten haben in einer entsprechenden Umfrage die Auskunft gegeben, dass sie einem Ange-hörigen oder ihnen nahestehenden Menschen auf jeden Fall lieber ein atypisches als ein typisches Anti-psychotikum geben würden. Trotzdem werden derzeit in Deutschland typische Antipsychotika zehnmal häufiger als atypische verschrieben. In den USA und den meisten anderen europäischen Ländern ist das er-heblich anders, dort wird zunehmend mit Atypika behandelt, die typischen Antipsychotika sind deutlich auf dem Rückmarsch. Ein wesentlicher Grund für die Verschreibungspraxis hier in Deutschland ist der höhere Preis bzw. das limitierte Budget, für das der niedergelassene Arzt Medikamente verschreiben darf. Atypische Antipsychotika sind 10-12 mal teurer als typische Antipsychotika, nach etlichen pharmako-ökonomischen Studien aber werden die Gesamtkosten (ambulant plus stationär) durch die Verkürzung der stationären Therapie reduziert. In der BRD ist eine zusammenfassende Sicht der verschiedenen Kosten (ambulant versus stationär versus Rente) leider bisher nicht erfolgt bzw. ohne Konsequenz. Von den direkten Kosten in der Therapie schizophrener Patienten (25.000 DM/Jahr) entfallen auf Medikamente nur ca. 7%, mehr als 60% entfallen auf die stationäre Therapie.

Psychiatrische Patienten, insbesondere schizophrene/psychotische, werden nicht nur stigmatisiert, sondern auch diskriminiert, wenn ihnen wirksamere, verträglichere und sozial sehr viel mehr akzeptierte Medikamente vorenthalten werden. In keinem anderen Bereich der Medizin würde eine medikamentöse Therapie wie mit den alten typschen Antipsychotika und einem 10% Risiko einer irreversiblen Nebenwirkung (Spätdyskinesie) nach mehrjähriger Einnahme toleriert werden!

Prof. Dr. D. Naber Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Hamburg, Martinistr. 52, 20246 Hamburg

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Zum Thema: Anrecht auf atypische Neuroleptika! "Ungeachtet der bestehenden Einschränkungen haben die Versicherten auch weiterhin uneingeschränkte Rechtsansprüche auf Versorgung mit allen denjenigen Medikamenten, die notwendig sind, um ihre Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. Dies betrifft insbesondere auch atypische Neurolepitka. Sie haben gleichermaßen Rechtsansprüche auf eine entsprechende ärztliche Behandlung. Die Versicherten können ihre Ansprüche sozialgerichtlich gegen die Krankenkassen durchsetzen, erforderlichenfalls mit Anträgen auf Erlass einstweiliger Anordnungen. Die Vertragsärzte können sich in Wirtschaftkeitsprüfungen mit Aussicht auf Erfolg gegen Kürzungen wegen Überschreitung der Richtgrößen wehren, wenn ihre Arzneimittelver-ordnungen, auch von atypischen Neuroleptike, medizinisch indiziert waren. Gleichermaßen mit Aussicht auf Erfolg können sie sich gegen Honorarkürzungen wehren, die infolge Überschreitung des Kollektivbudgets für Arzneimittel stattfinden."

Auszug aus dem Statement von Prof. Dr. Raimund Wimmer (Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Humboldt-Universität Berlin) anlässlich des Symposiums "Schizophrenie im Trialog", am Samstag den 25. März 2000, Universität Hamburg.

____________________________________________________________________________

Anmerkung der Redaktion: Neuroleptika, typische sowie atypische, sind keine Heilmittel sondern Hilfsmittel. Organschädigungen, Käseglocke, Übergewicht, unterdrücken der Gefühlsempfindung (Gefühlsstau) und eventuell Impotenz, bleiben auch bei den atypischen Neuroleptika nicht aus. Die Dosierung für Neuroleptika wird von der Pharmaindustrie viel zu hoch empfohlen (im eigenen Interesse). Welche von den allermeisten Psychiatern übernommen wird.

http://www.people.freenet.de/ak71/tipps.html


73
Subject: Psychose
Date: Fri, 27 Oct 2000 14:53:57 +0200

Lieber Bodo,

Noch mal meine Gratulation für Deine interessante Site. Dein Tagebuch habe ich mit viel Interesse gelesen und sehr vieles erkannt dass ich selber erlebt habe. Ich bin eine junge Frau von 29 Jahren, von Schweizerischem Ursprung (geboren in Zürich) in Belgien lebend. Im Dezember 1999 habe ich eine Psychose erlebt, verursacht durch übermässigen Stress durch den plötzlichen Tod meiner geliebten Mutter. Meine Mutter ist am 3. November ganz plötzlich gestorben an einem Herzinfarkt. Ihr Tod war ein vollkommener unerwarterter Schlag und ich habe mich direkt ganz stark gehalten und das Begräbnis organisiert und meinem Vater geholfen der vor Schock wie gelähmt war. Nachdem ich nach dem Begräbnis meine Arbeit als Kunsthistorikerin wieder aufnahm war ich augenscheinlich ausgeglichen und fröhlich. Ich sprach nicht mer von dem was geschehen war, ich machte einfach weiter als ob nichts passiert wäre. Dann kam langsam die Psychose. Ich konnte einfach nicht mehr schlafen und mein Geist kam nicht mehr zur Ruche. Ich hatte Konflikte mit meinem Vater und am Freitag dem 18. Dezember habe ich nach einem schweren Streit das Haus verlassen um bei einer Freundin zu übernachten. Diese Freundin liess mich aber nicht in Ruhe und wir haben die halbe Nacht diskutiert, sie warf mir vor ein Fehler zu machen wenn ich meinen Vater verlassen würde. Ich hatte einen heftigen Streit mit ihr und war damals schon psychotisch. Nachts um drei Uhr rief ich dann meinen Vater an um alles wieder gut zu machen. Er entschuldigte sich und holte mich nach Hause. Am Samstag kam mein Freund, den ich am Abend zu vor gefragt hatte mir mit meinem Auszug zu helfen. Da das nicht mehr nötig war verbrachten wir den Tag zusammen und ging ich Abends mit ihm nach Brüssel, wo er wohnte. Er dachte er könne mich zum schlafen bringen, aber auch bei ihm konnte ich nur kurz schlafen und war dann wieder hellwach. Mein Körper war vollkommen übermüdet, aber mein Geist raste immer weiter. Mein Freund brachte mich Nachts zurück nach Hause und ich war schon in einem euforischen Zustand in dem ich mir alles zutraute. Ich war vollkommen unschlagbar und hatte unmengen an Energie. Das dachte ich mir. Zuhause angekommen setzte ich mich an den Komputer und begann ein Philisophisches Manifest zu schreiben. Ich as kaum etwas, trank nur etwas Saft und sass unenetwegt vor dem Bildschirm und tippte. Ich habe den ganzen Sonntag und die ganze Nacht vor dem Komputer gesessen. Mein Vater machte sich Sorgen und hatte den Hausarzt angerufen, der aber erst am Montagnachmittag vorbei kommen konnte. Montag den 20. Dezember war mein Manifest fertig und war meine Psychose auf ihrem Höhepunkt. Ich fühlte mich allmächtig und war überzeugt dass mein Manifest die Menscheit retten würde. Ich schikte meiner Freundin auf der Arbeit den Text mit dem Fax und war davon überzeugt dass mein Chef alles verstehen würde und dass ich nicht mehr zur Arbeit gehen musste. Plötzlich bekam ich die Fixe Idee dass ich all meine Erkenntnisse meinem Freund in Brüssel mitteilen musste. Ich musste ihn doch retten, so wie ich die ganze Menschheit retten sollte. Ich zog mich an, packte meinen Rucksack und wollte erst mit dem Auto nach Brüssel fahren, doch mein Vater weigerte sich mir das Auto zu geben. Dann ging ich mit dem Fahrrad los richtung Bahnhof. Dass klappte aber auch nicht recht und ich ging wieder nach Hause wo ich meinem Vater das Fahrrad und meine Handtache mit meinem Geld übergab. Dann zog ich zu Fuss weiter. Ich kam an unserer Kirche vorbei und hinterlies meinen Rucksack beim Mariabild. Als ich die Kirche verlies kamen Kinder herein und ich hörte sie rufen "Tag Maria". Ich weiss nicht ob sie das wirklich gesagt haben oder obe es der Wahn war der sprach, aber ich fühlte mich auserkoren. Ich war die neue Maria, die wie Jezus die Menscheit retten würde. Ich lief weiter zum Bahnhof und nahm eine Abkürzung über die Geleise. Ich blieb mit meinen Schuhen an einem Draht hängen und prompt zog ich sie aus und warf sie fort. Es hatte geschneit und es war kalt, aber ich lief auf nackten Füssen weiter. Ich kam auf den Bahnsteig und setzte mich auf eine Bank in die Sonne. Plötzlich hatte ich den Gedanken dass ich meinem Freund ohne jede künstliche Zufügungen begegnen musste, so rein wie Eva im Paradis und ich zog meinen Ring, ein Geschenk meiner Mutter, meine Ohrringe und meine Kontaklinsen aus und warf sie fort. Nun sah ich alles unscharf da ich 9 dioptrie Kurzsichtigkeit hatte, aber das machte mir nichts aus, ich würde alles schaffen ich war ja allmächtig. Alles was geschah bezog ich auf mich, alles musste so sein, es gab eine göttliche Vorhersehung für alles. Es kam kein Zug und ich dachte mir dass ich auch zu Fuss nach Brüssel (eine halbe Stunde mit dem Zug von Gent entfehrnt) kommen würde und ich begann entlang den Zugschienen zu gehen. Ich kam an ein hohes Tor dass ich in todesmutiger Waghalserei überklomm, nichts konnte mich aufhalten, alles würde mir gelingen. Ich lief blindlings durch den Stadtverkehr und rannte ohne auch nur auf zu schauen über eine gefährliche Kreuzung entlang der Autobahnauffahrt in Richtung Brüssel. Ich wollte zu Fuss auf der Autobahn nach Brüssel gelangen. Dort hielt mich zum Glück ein Krankenwagen an, der mich kurz zu vor bemerkt hatte. Der Sanitäter überzeugte mich stehen zu bleiben, er würde mich nach Brüssel bringen und rief seine Kollegen, die mich dann einluden, und zu meiner grossen Enttäuschung in die Universitätsklinik brachten. Aber auch in der Klinik bewahrte ich meine Ruhe, ich würde schon irgendwie herausgeraten. Das erste was der Arzt frug ob ich Stimmen höre. Nein, ich hörte keine Stimmen und nannte meine Adresse und Telefonnummer. Ich war enorm klar und mein Geist war auf hochtouren. Man brachte mich in eine Isolationszelle und gab mir eine Spritze. In der Zelle gab es eine Kamera und anstatt endlich zur Ruhe zu kommen begann ich vor der Kamera allerlei Erklärungen ab zu geben. So war ich überzugt das mein Leben die Zauberflöte von Mozart war. Ich selber und alle meine geliebten Menschen hatten eine Rolle in der Zauberflöte. Ich war Pamina, die Prinzessin, mein Freund war Taminon der Prinz und wir waren füreinander bestimmt. Meine beiden Eltern hatten beiden eine böse Rolle, meine Mutter war die Königin der Nacht und mein Vater war Monostatos, der schlechte Mohr. Ist das eigentlich normal in einer Psychose dass diejenigen die einem am nächsten sind eine schlechte Rollen bekommen ? Ich war zwei Tage in der Isolationszelle. In meinem Wahn hatte ich die Idee bestimmte Handlungen verrichten zu müssen um meinen Freund herzubestellen um mich zu befreien. Alle meine Handlungen waren einen Schrei nach Emiel, einen Hilferuf um menschliche Behandlung. Endlich nach zwei Tagen kamen die Ärtzte herein, ich lag Nackt auf dem Boden (ich hatte meinen Schlafanzug im Wahn wieder ausgezogen, da ich wie Eva auf meinen Freund warten wollte) Sie gaben mir wieder eine Spritze und ich durfte auf ein Krankenzimmer. Mein Vater hatte mir schon Kleider und Toiletzeugs ins Zimmer gebracht. Ich fühlte mich enorm ausgelassen und energetisch. Jetzt weiss ich dass ich damals immer noch leicht psychotisch war und dass die Euforie auf die Psychose zurück zu führen ist. Ich bezog die Horoskope in einem Magazin wieder auf mich und zeigte sie voll Freude einem Artzt. Der meinte nur das es doch schön sei wann alles so klappt und ich ging zufriedengestellt auf mein Zimmer. Nach zwei Wochen war die Ausgelasenheit gedämpft und war der ichbezogene Wahn verschwunden. Ich hörte schon früh die diagnose Psychose und informierte mich über diese Krankheit, so dass ich schon früh ein klares Bild hatte von dem was ich erlebte. Ich wechselte in eine andere Klinik und wollte im Februar 2000 wieder and die Arbeit. Ich war Tagespatient und hatte noch vier Tage frei bevor ich wieder arbeiten gehen sollte. In den vier Tagen war ich erkältet und ging zum Artzt. Der schrieb mir Antibiotika vor und ich ging nach Hause ins Bett. In diesen vier Tagen bekam ich schwere Hyperventilationsanfälle und sank ich langsam in eine tiefe Depression. Ich fühlte mich innerlich lehr werden und musste zurück in die Klinik. Die Depression dauerte 7 Monate. Ich bin in der Zeit durch die Hölle gegangen. Dann habe ich lieber eine Psychose als eine Depression. Die Ärtzte meinten es sei der normale Verlauf der Krankheit dass man nach der akuten hyperaktiven Phase der Psychose in eine Phase der Depression fällt. Hast Du das auch gehabt, nach deiner Psychose ? Jetzt bin ich endgültig genesen und ich fühle mich wieder gut. Ich nehme noch Risperdal und ich habe keine Nebenwirkungen. Wie lange werde ich das Medikament eigentlich nehmen müssen ?

So, dies ist mein kurzes Tagebuch meiner Psychose. Ich hoffe Du nimmst dir Zeit es zu lesen. Es hat mir auf jeden Fall gut getan es auf zu schreiben. Gerne würde ich deine Reaktion auf diesen Brief hören.

Du darfst mein Tagebuch meiner Psychose auch ruhig ins Leserforum bringen. Vielleicht kann ich auf diese Art anderen Betroffenen helfen.

Viele liebe Grüsse aus Belgien

Rebecca


72
Date: Mon, 30 Oct 2000 21:45:33 +0100
Subject: Leserforum

Lieber Bodo,

Deine Frage: 'Soll man einen von psychotischen Gedanken getriebenen Menschen wirklich sich selbst überlassen...' nehme ich sehr ernst. Erst einmal bin auch ich sehr froh, daß Du wieder gesund bist! Leider sind viele Leute, die psychiatrisch "behandelt" wurden, durch diese Behandlung erst wirklich krank geworden, ernsthaft und teilweise sogar unheilbar krank. Einige sind auch an den Folgen der "Behandlung" gestorben. An die sollten wir bei unserer Diskussion auch denken.

Bei der Frage, ob Schizophrenie eine Krankheit ist oder nicht, interessiert mich hauptsächlich, ob die Art und Weise, wie Psychiater mit Schizophrenen/Geisteskranken/psychisch Kranken umgehen, wirklich die richtige Antwort ist auf den Zustand und die Bedürfnisse der "Kranken" (es handelt sich ja meist um verzweifelte Menschen).

Gefühlsmäßig würde ich sagen, die Leute brauchen eine Atmosphäre, in der sie sich geborgen fühlen, und Menschen um sich herum, die Zeit für sie haben und die ihnen zuhören. Aber sie brauchen doch keine Medikamente, die sie in einen apathischen Zustand versetzen und ihr Denken behindern. Sicher kann es auch mal vorkommen, daß man jemand davon abhalten muß, 'Dummheiten' anzustellen, aber ich denke, das ist nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist, meiner Einschätzung nach, daß die Leute mit ihrer aktuellen Lebenssituation nicht mehr zurechtkommen. Die Gründe muß man meist gar nicht lange suchen. Medikamente und Elektroschocks tragen aber kaum dazu bei, die Lebenssituation (zwischenmenschlicher oder beruflicher Streß, trübe Zukunftsaussichten etc.) zu verbessern.

(Meine ganz private Meinung, die aber von vielen Psychologen und sogar von einigen Psychiatern geteilt wird.)

Heinz


71
Date: Fri, 27 Oct 2000 19:14:40 +0200 (MEST)
Subject: Pychose (Leserforum)

Hallo Bodo,

auch ich bin von der Krankheit betroffen. Hatte sieben Jahre lang jedes Jahr zwei Schübe, immer 2 bis 3 Monate lang. Bekam dann Haldol, manchmal 15 mg/Tag, mit dem es bis auf die Nebenwirkungen ganz gut ging. Habe seit drei Jahren die Rente und seit dem keinen ernsten Schub mehr. Ich helfe mir indem ich bei den geringsten Anzeichen eines Schubes gleich etwas Haldol, maximal 5 mg nehme, meistens genügen 3 mg. Dadurch kommt die Krankheit nicht zum Ausbruch und auch die Nebenwirkungen sind kaum spürbar.
Vielleicht hilft diese Methode auch anderen Betroffenen.

Grüße Sonja

Sonja_79@gmx.de


70
Date: Sun, 22 Oct 2000 13:11:31 +0200
Subject: Leserforum

Komisch, daß die Psychiater meinen, eine "Krankheit" wie Schizophrenie müsse man unbedingt behandeln, notfalls auch gegen den Willen des "Patienten". Wo zumindest die ehrlicheren unter ihnen zugeben, daß niemand die Ursache dieser "Krankheit" kennt, und daß man daher die "Krankheit" selber garnicht behandeln kann. Lediglich die Symptome kann man so beeinflussen, daß die Mitmenschen (!) weniger darunter leiden. Den "Kranken" selber geht es durch die "Behandlung" mit Medikamenten, Elektroschocks etc. oft schlechter als vorher.

Mehr zum Thema "Alles, was Sie schon immer über Schizophrenie wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten" ist nachzulesen unter:

http://www.antipsychiatry.org/ge-schiz.htm

(Ein Tip von Heinz Kaiser, der den Text in's Deutsche übersetzt hat)

Bodo: Soll man einen von psychotischen Gedanken getriebenen Menschen wirklich sich selbst überlassen, damit er sich womöglich das Leben nimmt oder zumindest andere Dummheiten begeht, die er im "gesunden" Zustand nie machen würde, bloß weil die Schizophrenie vielleicht keine Krankheit ist? Das Erlebnis der Psychose mag stellenweise sehr berauschend sein, aber sie ist auch sehr beängstigend und ich bin echt froh, daß ich wieder normal und rational denken kann und wieder gesund bin.


69
Date: Thu, 12 Oct 2000 22:39:51 +0200 (MET DST)
Subject: Leserforum

P.S Es fehlen links zu folgenden Sites:

http://www.psychiatrie-erfahrene.de
http://www.breggin.com
http://www.russell-tribunal.de
http://www.antipsychiatrie.ch
http://www.madnation.org
http://www.antipsychiatry.org

Dieses Mail wurde von einer Internet Station gesendet. F=FCr Mails von dieser Internet - Station lehnen wir die Verantwortun= g ab!

Bodo: Wenn Du meine Linkseite genau betrachtest, hättest Du Dir 3 Links sparen können...


68
Date: Wed, 11 Oct 2000 13:23:23 +0200
Subject: Noch ein Gedicht

Die Nebenwirkung

Akut gebracht bekommst Du wohl
das gute alte Halidol.
Aber paß auf! Das mußt Du wissen,
Dir geht es danach ganz beschissen.
Die Zunge krampft sich, auch der Mund,
Du denkst bei Dir: Ist das gesund?

Wenn das nicht hilft, dann kannst Du wetten,
gibt Dir der Arzt die Melleretten.
Zuviel genommen - ohne Faxen -
Dir dann als Manne Brüste wachsen,
und auch beim Sex, da kommt oh Graus
ja gar kein Samen mehr heraus.

Die Nase, die ist Dir verstopft,
Du stehst dann da, ganz wie bekloppt
mit off'nem Munde so herum,
tja - das ist Neuroleptikum!

Zyprexa nun - die höchste Wonne,
doch Dein Gewicht jetzt eine Tonne.
Risperdal soll auch gut sein -
Frau Doktor kriegt sich nicht mehr ein,
sie jammert nur noch ach und weh:
Was mach ich nur mit dem Budget?

Auch Taxilan nehm ich ganz brav
und daraufhin ich ganz fest schlaf.
Zur Not es Fluanxol auch tut,
der Fuß zwar zuckt - alles wird gut!

(Bodo)



... weitere Artikel auf www.pahaschi.de Vielen Dank an Markus für die Unterstützung!




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ganz ohne Mut,
teilt den Schmerz
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