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Tagebuch einer Psychose

Selbsthilfe-Archiv Psychose Nr.5

176
Subject: Nachwirkungen der Psychose
Date: Thu, 11 Oct 2001 20:28:25 +0200

Hallo zusammen,

vor einem Jahr hatte ich eine Angstpsychose und seither Depressionen. Die Psychose damals hat mein Selbstbewußtsein weggefegt. Seither traue ich mir nichts mehr zu und komme nur sehr schwer durch den Tag. Desweiteren bin ich sehr unzufrieden mit meiner Wohnsituation und der Arbeitslosigkeit. Auf der einen Seite traue ich mich kaum umzuziehen weil ich auch Angst davor habe alleine zu wohnen, möchte aber gerne besser wohnen. Auf der anderen Seite schreibe ich zwar Bewerbungen um wieder im Büro arbeiten zu können habe jedoch große Angst wegen Überforderung wieder in eine Psychose zu gleiten. Aufgrund der Depression habe ich aber auch keine zündenden Ideen was ich sonst beruflich machen könnte. Mir ist klar, dass ich eine Tagesstruktur brauche. Nur fällt mir dies ohne Arbeit sehr schwer. Seit einem Jahr grübele ich immer wieder über das gleiche nach. Wohnen und Arbeit. Kennt jemand diesen Teufelskreis und wie seit Ihr wieder rausgekommen?

Übrigens find ich's super, dass es diese Psychose-Homepage gibt. Recht herzlichen Dank Bodo.

All the Best for the Rest to come. Julia


175
Subject: Persönliches Anliegen - Kontaktwiederaufnahme
Date: Wed, 10 Oct 2001 18:00:25 +0200

Hallo Beate aus Wedel bei Hamburg!

Vielen Dank für Deine letzte e-mail. Meine Antwort kommt leider immer wieder mit einer Fehlermeldung zu mir zurück, obwohl ich Deine e-mail-Adresse im Original übernommen habe. Deshalb benutze ich jetzt das Forum, um Dich zu erreichen, in der Hoffnung, daß Du mal wieder hier reinschaust. Melde Dich doch mal wieder bei mir, evtl. unter Angabe einer Briefadresse.

Tschau
Gabriele aus Mannheim

nemesis94@freenet.de


174
Date: Sun, 23 Sep 2001 03:58:20 +0200
Subject: Leserforum

Auf Wunsch wieder gelöscht


173
Subject: Leserforum
Date: Sat, 22 Sep 2001 14:04:09 +0200

Hallo,

nochmals das leidige Problem Übergewicht, also ich nehme jetzt 7,5 mg Zyprexa naja und schaffs einfach nicht die so 15kg Übergewicht abzubauen, immer denk ich es muss doch mal ein Medi geben, dass nicht so schlimm ist.

Meine Frage ist Solian da in irgendeiner Hinsicht besser ? (wobei ich im Moment vermute, dass das nicht der Fall ist). Generell würden mich auch sonst Erfahrungen mit Solian interessieren.

Wobei der Psychiater bei dem ich bin, werd ich wahrscheinlich nie überzeugen können mir was anderes zu verschreiben, sagt "never change a winning team" im Zusammenhang mit Zyprexa und mir, ist skeptisch ob Solian die gleiche Wirksamkeit hat. Aber da er ansonsten gut ist, ist es auch schwer deshalb den Arzt zu wechseln.

Auf jeden Fall finde ich ein Forum wie dieses auch wichtig um seine Erfahrungen mit den Medis auszutauschen und so hin und wieder kommt ja mal auch eine Neuentwicklung auf den Markt, auch da ist es dann gut, wenn wir hier darüber reden können, finde ich.

Bye

Ronald


172
Subject: Leserforum
Date: Tue, 18 Sep 2001 13:09:47 +0200

Hallo,
ich muß mich schon seit fast 6 Jahren mit dem leidigen Thema Psychose auseinandersetzten, denn so lange ist es her, daß die Krankheit bei mir ausbrach. So verhaßt mir die Krisen sind, die daraus folgten, die Psychopharmaka, die mir verordnet werden, sind es mir noch mehr. Seit Ausbruch der letzten Psychose vor 3 Monaten bin ich von Zyprexa auf Solian umgestiegen. Das Präparat Zyprexa war mir unerträglich geworden, meine Umwelt war in quälerischer Weise von mir entfernt, ich gefangen außerhalb meiner Mitte. Ich kann inzwischen nachvollziehen, daß Psychopharmaka Menschen kaputt machen können. Lange Zeit handelte ich der Schulmedizin, der Psychiater, der Ärzte gemäß. Ich nahm die Psychopharmaka und schlug mich mit den Psychiatern rum, sie möglichst zeitig wieder abzusetzen. Ich nahm sie längere Zeit und nahm auch keine. Meine letzte Psychose halte ich für eine mit dem Absetzen des Zyprexas zusammenhängende Absetzpsychose. Seither bin ich fest entschlossen aus der Medikation auszusteigen. Ich bin dem Forum dankbar für den Buchtip "Psychopharmaka absetzen", im Antipsychiatrie-Verlag erschienen, ich habe es in 3 Tagen gelesen und einen Ansatz darín gefunden aus der Mechanisierung durch die Pillen auszusteigen. Für meine Psychiaterin gibt es keine Absetzpsychose und als ich mein Anliegen formulierte psychopharmakafrei leben zu wollen, meinte sie ich solle entweder ein lebenlang das Teufelszeug nehmen oder den Arzt wechseln. Ich bin fest entschlossen das Solian zu entziehen und vielleicht gibt es da ja jemanden da draußen der damit Erfahrungen gemacht hat? Vielleicht kann mir auch jemand Tips geben, wo ich die Menschen hier in Berlin finde, die einem bei Psychopharmakaentzug zur Seite stehen?

Carsten
c.weigelt@gmx.net


171
Date: Mon, 17 Sep 2001 15:41:36 EDT
Subject: (Kein Thema)

Hallo Leute,
habe gerade das Leserforum entdeckt und dachte ich gebe auch mal meinen Senf dazu. Ich bin 28 Jahre und seit 3 Jahren an einer Psychose erkrankt. Alles fing an,als ich von Zuhause ausziehen wollte. Heute denke ich, daß das der grösste Stressfaktor war!

Naja, jedenfalls bekam ich einen Horrormässigen Alptraum von dem ich von Tag zu Tag mehr glaubte er würde Wirklichkeit werden.Ich dachte und denke teilweise heute noch,daß der Teufel mich holen wollte. Ich ging dann zu einem Pfarrer,weil ich dachte er könnte mich exorzieren. Er erkannte sofort die Problematik und brachte mich in die Psyhiatrie,wo ich dann viereinhalb Monate blieb.

Als ich raus kam konnte ich immer noch nicht allein sein. Meine Mutter blieb jede Nacht bei mir bis ich es nach einem Jahr schaffte die Nächte allein in meiner Wohnung zu verbringen. Für mich ein grosser Erfolg! In der Psychiatrie bekam ich 20mg Zyprexa. Heute nehme ich 400mg Solian und vertrage es mit einigen Einschränkungen ganz gut. Nachts bekomme ich davon schon mal das flattern in Beinen und Armen. Das ist sehr unangenehm,aber immer noch besser als die Psychose. Zugenommen habe ich auch:8kg!!! Aber mein Freund findet mich jetzt schön. Hi hi!!!

Meinen zweiten Schub bekam ich dann als ich mich neu verliebte. Da konnte ich dann wieder nicht allein in meine Wohnung gehen.Hatte Angst vor Monstern,die mich in meinen Träumen verfolgten. Das ist leider heute noch so.Selbst mit dieser hohen Dosierung Solian. Damals war meine grösste Sorge,daß ich mal eine visuelle Halluzination bekommen würde,bei der ich meinen Freund als Monster sehe. Dann ich mich verteidigen und auf ihn los gehen müssen.

Heute kommen immer wieder diese Gedanken hoch,daß ich für meine Umwelt gefährlich werden könnte. Davor habe ich echt Angst!!! Ich will aber auch nicht noch höher in der Dosierung gehen. Ich finde 400mg schon sehr viel.Leider rauche ich auch sehr viel und trinke Kaffee. Das schränkt die Wirkung von Medikamenten ja bekanntlich sehr ein. Heute bemerke ich immer wieder Frühwarnzeichen. Nach meinem letzten Schub habe ich mich nicht wirklich gut erholt. Allerdings hat mir eine psychosomatische Kur aus dem Gröbsten raus geholfen.Ich kann nur jedem empfehlen eine Kur zu beantragen. Die Therapie war sehr intensiv und hat mir weiter geholfen.

Vielleicht hat ja jemand ähnliche Ängste und Gedanken wie ich und kann mir sagen wie man damit umgehen soll. Und vielleicht möchte mal jemand über seine Frühwarnzeichen berichten und erzählen wie er sich dann verhält. Meldet Euch im Forum. Über Resonanz würde ich mich freuen.

Wünsche allen einen klaren Kopf, bis bald
JULE


170
Subject: Leserforum
Date: Thu, 13 Sep 2001 18:41:07 +0200

Vertrauen ist die letzte Brücke

Hallo, ich heiße Rolf, bin 38 Jahre alt und wohne in Karlsruhe. Es wäre eine lange Geschichte, wenn ich alle Einzelheiten erzählen würde – deswegen hier eine kurze Zusammenfassung.

Mein Erlebnis beginnt im Januar 1988 mit einer einfachen Depression, Sinnkrise und Angstneurose, die sich durch zuviel Philosophieren zur religiösen Wahnvorstellung entwickelt hatte. Ich dachte wochenlang über die unendlichen Weiten des Universums nach, über Anfang und Ende, über Gott, Jesus... und dann war schlagartig diese Stimme im Kopf: "Du bist tot, wenn Du in den Himmel kommen willst, dann geh' in die Kirche und... leg ein gelbes Buch... oder... schlag ein Ei... auf den Altar."

Ich hatte es wirklich getan. Na ja, das hört sich ganz schön kitschig an, aber es war der absolute metaphysische Irrwitz bzw. eine Zwangshandlung. Das wäre auch gar nicht so schlimm gewesen. Vielleicht hätte ich in wenigen Wochen alles vergessen, aber ich wurde dabei zufällig von einigen Leuten beobachtet. Und Tage später wurde ich mehrfach in die seltsamsten Gespräche verwickelt. Was heißt Gespräche? Merkwürdige Interviews! Und dies durch Freunde und Bekannte. Mit dem unterbewussten Gedanken: Wir wissen was, was Du nicht weißt.

"Erzähl doch mal. Wie ist Deine Meinung zu dem... und zu dem... und und und... kannst Du Dir nicht vorstellen, dass das Ganze vielleicht fürs Fernsehen interessant ist - die haben jetzt auch ganz kleine Kameras. Ich würde mir genau überlegen, was ich sage." Diese direkte Bemerkung mit der versteckten Kamera kam nur von einer Person. Vielleicht war es nur ein schlechter Witz, aber die unterbewussten Signale waren allesamt wirklich kompliziert bzw. beängstigend. Zweifelsfrei fragwürdige Hintergedanken. Insgesamt der Beginn für eine fortschreitende Irritationsproblematik, die sich zur schizophrenen bzw. paranoiden Psychose weiterentwickelte.

Und das Fernsehen im Jahr 1988 hatte merkwürdige Übereinstimmungen. Unglaublich viele philosophische Diskussionen. Nach dem Motto: Woher komme ich? Wer bin ich? Wohin gehe ich? Vielleicht kann sich noch jemand erinnern. Ein Schlüssel-Erlebnis, dass sich durch übereinstimmende TV-Themen wiederspiegelt? Es war auf jeden Fall der Anfang für eine tragische Verknüpfung bzw. der Weg in einen heillosen Verfolgungswahn.

Mein erster Besuch beim Psychiater war bereits Anfang 1988 - aber erst im Jahr 1990 wollte ich für zwei Wochen zur Beobachtung in die Klinik. Es wurden unfreiwillige 4 Monate daraus, weil das Psychopharmaka mein Sprechvermögen sehr stark reduziert hatte. Verstand und Psychomotorik reichten kaum zum Körbeflechten. Lahmgelegt und mundtot, könnte man sagen. Heute packt mich manchmal die Wut.

Aber Moment, ich möchte niemanden entmutigen oder vollends deprimieren. Meine Klinik-Erfahrung im April 2000 war sehr positiv. Andere Tabletten, freundliche Ärzte, gutes Personal, wesentlich mehr Gespräche. Aber trotzdem – was die 90er betrifft, hatte ich mich wie ein ferngesteuerter Holzkopf gefühlt. Ein Zuschauer, der auf Schlüssel-Botschaften reagiert. Ein Patient, der wie ein dressierter Affe seine Tablette futtert.

Es fällt mir heute schwer, Vertrauen zu schenken oder neue Freunde zu finden. Richtiggenommen bin ich, durch diese Begebenheiten, zum skeptischen Einzelgänger geworden. Hast Du vielleicht ähnliches erlebt?

Viele Grüße
Rolf     rs1403@freenet.de

PS: Eigentlich schade, Psychiater und Psychologen müssten öfter wie Zahnärzte arbeiten. Lieber einen Zahn ziehen, als ewig Schmerztabletten. Aber psychische Erkrankungen, Tabletten und Arbeitslosigkeit sind anscheinend wichtiger Bestandteil einer narzisstischen Wegwerf-Gesellschaft.


169
Date: Tue, 4 Sep 2001 22:19:39 +0200 (MEST)
Subject: Leserforum
 
Hallo,

ich bins nochmal die manou, ich habe meine Medikaments mit ein bischen Druck
auf die Ärzte abgesetzt und kann heute sagen mir gehts bis auf ein paar
Depresionens recht gut. Bekam damals eine Überdosis Haldol, ich konnte dadurch
nicht mehr reden und alles war verkrampft. Der auslöser war bei mir starker
Streß und persönliche Konflikte, sowie ein "Partner" der gefühlsmäßig eiskalt
war.
Heute mache ich wenns notwendig ist, Therapie bei einem Psychotherapeuten,
den ich mir selbst suche.
Hauptproblem bei solchen Krankheiten ist das gebrochene Vertrauen, denn dass
kann auch die Psychose ausgelöst haben. Hatte damals massive Probleme mit
der ost-west geschichte. Bin ausgereist 88 - hatte reale Verfolgungsängste
(stasi) die sich später verselbstständigt haben. In der psychose selbst war
einerseits die Wwelt richtig schön, andererseits gab es Phasen in der ich übelste
Horrorvorstellungen hatte - ich bin froh wieder gesund zu sein und das
niemals wieder durchmachen muß, bzw. will es auch nie wieder durchmachen.  Ich
versuche in meinem Umkreis von Freunden Hilfestellung zu geben, da eine Freundin
von mir jetzt auch im KH ist und eine Psychose hat. Eine andere Freundin lebt
sehr gut eingestellt mit Leponex und kommt gut klar. Mein Freund mit dem ich
auch ein Kind habe ist leider in der KBn weil er eine "paranoid
halluzinatorische Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis" hat-er ist schon 3 Jahre da
auf unbestimmte Zeit. Das macht mich immer sehr traurig zu wissen, dass er
nie wieder richtig gesund werden kann(das sagen die ärzte). Neulich sagte er
mir er würde wieder oder immer noch Stimmen hören. Ich habe oft gedacht er
wird genauso gesund wie ich damals und habe als ich ihn kennenlernte nächtelang
mit ihm geredet analysiert usw usw. Er hatte damals auch optische
Halluzinationen und wurde auch manchmal aggressiv.
Aus meiner Umwelt die Nicht-Kranken wird immer gesagt:" Vergiss den, mit dem
kannst du kein Leben aufbauen und er ist kein Vater für dein Kind, damals
wurde mir sogar gesagt ich solle Abtreiben als ich von ihm schwanger war. Da
ich ihn aber liebte und vielleicht heute immer noch, habe ich das Kind was
heute 4 Jahre alt ist ausgetragen. Es ist eine sehr hübsche Maus die obendrein
noch sehr pfiffig ist.
Entschuldigt die Fülle des Stoffes, mit dem ich euch vollballere, aber ich
denke es ist Zeit das auch andere erfahren wies uns geht. Ich finde das Forum
toll und auch viele Beiträge sehr hilfreich. Man steht nicht so alleine da.
Ich kenne Bodos seite seit gestern und habe gestern nacht 4 Stunden! deshalb
im Internet verbracht - und außerdem bin ich Digedag-fan und froh das es
Nachdrucke gibt, wir mussten damals alles zurücklassen auch diese Sammlung, hat
mir fast das Herz gebrochen.
Also gute Nacht an Euch alle da draussen und viel Mut um mit dieser Welt
fertig zu werden
***MANOU***


168
Subject: text fürs Leserforum
Date: Mon, 3 Sep 2001 02:06:09 +0200

hei Bodo und alle anderen....
hier ist meine Lebensgeschichte aus meiner jetzigen sicht:

1973:    ich werde geboren in stuttgart. die einzige erinnerung an meinen Vater ist, das mich  geschlagen hat wegen einer lapallie. Ausserdem habe ich das gefühl das er mich mißbraucht hat...
1978/79:     meine Eltern lassen sich scheiden.Ich ziehe mit meiner Mutter nach Hannover

Danach gehe ich zur Schule....

1988     Ich habe meine Skateboardzeit, höre ich heavymetal später Hardcore/independent und gehe auf konzerte....
1990    Ich fange meine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker an....
1992    Ich glaube an Jesus und lese die bibel....
1993    Ich nehme alle illegalen Drogen....
1994    Ich beende meine Ausbildung und gehe auf Kifferpartys...
1995    Ich rauche 5 Joints am Tag und soll meinen Zivildienst beginnen.
            Kriege allerdings meine 1. Psychose....
            Packe meinen Rucksack und fahre in Campingurlaub,versuche
            vor den Stimmen zu fliehen.
            Die Stimmen reden extrem auf mich ein irgendwas von Folter und gehirn-
            wäsche und so wirres Zeug....
            Habe Angst. Ich campe in Lüneburg, Hamburg, Oldenburg später
            auch wieder in Hannover. Rauche so 8 Joints am Tag...
            in einer Polizeikontrollewerde ich verhaftet wegen Fahnenflucht.
            komme danach 4 Wochen in Untersuchungshaft, kriege dort methadon
            (hehe) und haldol.Danach ist meine 1. Psychose zu ende.
            Habe danach noch leichte depressionen.

1996:    Ich gehe auf Technopartys, später fange ich meine 2. Ausbildung zum
            Chemisch-Technischen-Assistenten an.
1997:    Ich nehme rezeptfreie Schlaf- und Schmerzmittel weil ich nicht
            schlafen kann.
1998:    Schlafe nur noch 3 Stunden am Tag. Beende meine 2. Ausbildung.
1999:    Mir geht es zunehmend schlechter,kann kaum noch schlafen gehe
            zum Artzt, kriege 4 mg Risperdal und 350mg Taxilan. Höre nur ganz schwach Stimmen (im Vergleich zur 1. Psychose), habe aber Angstzustände und Depressionen.

2000:    Ich habe schwere Depressionen und Selbstmordgedanken, gut ein
            halbes Jahr lang.
2001:    Ich kriege jetzt Solian 400mg und Taxilan 200mg, mir geht es wesentlich
            besser. Ich schlafe zwar noch bis nachmittags kann aber zur
            Kochgruppe gehen und so, auch wieder lesen...

ja das wars...
wenn ihr mir schreiben wollt dann bitte an ios3@gmx.de
Alles gute ios...


167
Subject: Psychose1994-Beitrag fürs Leserforum
Date: Sun, 2 Sep 2001 16:06:58 +0200

Erfahrungsbericht

11/94: Erst gestern wurde ich nach 11tägigem Aufenthalt aus der Klinik entlassen. Dem dortigen Aufenthalt ging eine akute psychotische Episode voraus, in deren Verlauf ich so auffällig geworden war, daß man mich mit Polizei und Krankenwagen in die Klinik bringen mußte. Die Episode begann eigentlich schon Anfang Oktober, sie schlich sich unmerklich und allmählich ein.

Es begann mit einem intensiven, überwältigenden  Glücksgefühl. In meinem Kopf offenbarte sich ein Bilder- und Gedankenreichtum unbeschreiblichen Ausmaßes, auch der Körper fühlte sich kraftgeladen und vital an. Es war, wie wenn man frisch verliebt ist und die ganze Welt umarmen könnte.  Ich lief den ganzen Tag in einem Zustand ekstatischer Glückseligkeit herum und war davon so vereinnahmt, daß ich einfach nicht zur Arbeit ging. Ich hielt mich nur noch in meiner Wohnung auf und bei allem, was ich tat, liefen die Filme in meinem Kopf ab: ich schaute mir z.B. alte Fotos an und zu jedem Foto fiel mir bis ins kleinste Detail die dazugehörige Geschichte ein, waren Menschen auf den Fotos, entschlüsselte sich vor meinem geistigen Auge deren gesamte Persönlichkeit nur durchs Anschauen. Ich nahm Bücher zu Hand, die ich mal gelesen hatte und bei jedem Buch wußte ich plötzlich wieder den gesamten Inhalt. Mein ganzes Gedächtnis war mir in vollumfänglicher Weise zugänglich, das Wort Vergessen gab es nicht mehr. Ich saß auf der Couch und ließ Bilder aus meiner Kindheit und Jugend vorbeiziehen,  sie waren ganz plastisch scharf und detailreich, so als wäre alles erst gestern geschehen. Auch meine ganze, über Jahrzehnte hinweg angesammelte Bildung zu  Themen wie Psychologie, Philosophie, Soziologie, Politik, Religion, Astrologie war in vollem Umfange verfügbar und ergab ein in sich stimmiges Gesamtbild: Fundamentale Lehrsätze aus Buddhismus, Hinduismus und christlicher Mystik fügten sich nahtlos in Goethes Farbenlehre, ergänzten die tiefenpsychologischen Erkenntnisse C.G. Jungs und bildeten zusammen mit astrologischen Bildern ein umfassendes Instrumentarium zum Begreifen menschlichen Verhaltens und menschlicher Motivationen. Ich verstand plötzlich ALLES. Für jede Frage, die ich mir stellte, tauchte aus der Tiefe meines Bewußtseins eine schlüssige und einleuchtende Antwort auf, ganz ohne angestrengtes Nachdenken oder irgendeine Art von Bemühen. Es ging ganz leicht. Mir war, als säße ich mitten in einem großen kostbaren Schatz von allumfassendem Wissen und könne beliebig herausgreifen, was ich nur wollte.  Ich wurde durchflutet von Gefühlen tiefster Dankbarkeit gegenüber meinem Schicksal, das mir diesen Gedanken- und Ideenreichtum zuteil werden ließ.

So verbrachte ich Stunde um Stunde, auch die ganze Nacht hindurch, fassungslos und fasziniert von diesem Überangebot an Wissen. Gleichzeitig war mir aber bewußt, daß die synaptischen Verbindungen meines Gehirns, die zeiträumliche Begrenztheit meines Bewußtseins niemals ausreichen würde, die Komplexität und den Umfang dieses Wissens zu erfassen. In Anbetracht der universellen Wahrheit, der ich mich sehr nahe fühlte, war alles, was ich zu erfassen in der Lage war, nur winzige Bruchstücke. In diesem Zusammenhang hatte ich auch eine Art Gotteserfahrung, indem ich nämlich immer wieder, von Ehrfurcht ergriffen, dachte: GOTT IST GROSS!

Nachdem ich mich am nächsten Tag - es war ein Freitag - in der Anwaltskanzlei, wo ich arbeitete, krank gemeldet hatte, fuhr ich aufs Land in mein Wochenendhäuschen, wo ich Sonntags Besuch erwartete von einem befreundeten Mann mit seinen beiden Töchtern. Dort setzte sich die Ideenflut in der Weise fort, daß ich den ganzen Samstag kreativ rumwurschtelte. Ich hängte Bilder auf, räumte Zimmer um und bereitete mich auf den Besuch vor. So schnitt ich z.B. aus einem Stück rosaroten Teppichbodens ein riesengroßes Herz aus, stellte einen Sessel darauf, auf diesen legte ich eine frischgewaschene Zimmermannskluft (der Mann, den ich erwartete, war Zimmermann). Das war dann der Ehrenplatz für den Gast, von dem aus man durch das Dachfenster auf eine Kirchturmspitze blicken konnte. Ausgewählt hatte ich diese Stelle als Geste des Trostes, denn mein Gast hatte durch einen Internatsaufenthalt in einem Karmeliterkloster ein etwas gespanntes Verhältnis zur christlichen Religion und das wollte ich auf diese Weise symbolisch etwas versöhnen. Hinter den "Chefsessel" heftete ich an die noch unverputzte Wand ein Bild von Parvati, der Gemahlin Shivas, die auch Shakti, die Göttin des Universums ist und die die göttliche Energie verkörpert, die meinen Gast beschützen sollte.

 Nachmittags saß ich im Garten und da kam plötzlich die schwarze Katze des Nachbarn angerannt, krallte sich in meinen Beinen fest und schaute mich mit glühenden Augen an. Ich bekam einen furchtbaren Schreck, denn ich interpretierte diesen Besuch (schwarze Katze von links!) als Vorbote eines drohenden Unheils.

Nachts (das war die zweite Nacht, in der ich nicht schlief) backte ich einen Apfelkuchen und bereitete eine "verzauberte" Gemüsesuppe vor. Unter erheblichem Aufwand schnitzte ich Gemüse zurecht: Kartoffelmonde, Karottenpropeller, Engelsflügel aus Kraut, Brokkolibäumchen und andere beliebig zusammenphantasierte Gestalten. Außerdem richtete ich ein "Zaubertischchen" zur Begrüßung her, auf das ich verschiedene Utensilien legte, die meinen Gästen den Blick für all die verborgenen Schätze in meinem Häuschen öffnen sollte, das ja in Wirklichkeit ein verzaubertes Schloß und kein normals Haus mehr war. Gleich zu Beginn erhielten die Gäste einen "Zaubertrank" aus Vanillesirup und Wasser und sollten erraten, was das ist. Sie kamen nicht drauf. Der Mann erhielt darüberhinaus zwei kleine Töpfchen mit verschieden gewürzter Johannisbeergelee und aus seiner Entscheidung, welche besser schmeckt, zog ich schwerwiegende Schlußfolgerungen über seinen Charakter. Seine Töchter erhielten je einen kleinen Apfel als Eintrittskarte, er bekam drei Radieschen und als meine Legitimation für all diese merkwürdigen Rituale zeigte ich die Tarotkarte des Magiers vor. Das alles erschien mir keineswegs sonderbar, ich war gut drauf und hatte Spaß an dem kreativen Spiel.

Montags darauf ging ich wieder arbeiten. Ich war immer noch voller Ideen und überraschte die Kolleginnen mit einem Vorschlag, die Aktenablage nach dem Vorbild einer Müllbeseitigungsanlage zu organisieren, mit diversen Vorsortierungsstufen, Grob- und Feinfiltern und genau verteilten Kompetenzen, wer was in welchem Stadium des Ablageprozesses zu tun hat. Ich legte mich für meine Idee mächtig ins Zeug und quasselte solange auf sie ein, bis sie schließlich kleinlaut einräumten, man könne es ja mal so probieren. Später tippte ich einen Schriftsatz, dessen Inhalt mir sehr merkwürdig vorkam und dem ich lauter verschlüsselte Botschaften entnahm. Ich bildete Quersummen aus den im Text vorkommenden Zahlen und stieß dabei häufig auf die sechs und die neun, was ich mit der Bedeutung der jeweiligen astrologischen Häuser in Verbindung brachte. Es kam darin auch das Jahr 1972 vor, was ich als Hinweis auf das Todesjahr meines Bruders nahm. Auch Ortsangaben nahm ich persönlich. Ich machte mir eine Fotokopie von dem Schriftsatz, um ihn abends zuhause genauer zu enträtseln.

Als ich abends nach Hause kam, fand ich im Briefkasten die Mitgliederzeitschrift meiner Krankenkasse vor, die ich für eine verschlüsselte Botschaft der Bruderschaft des Rosenkreuzes hielt, mich ab Januar nächsten Jahres in ihre Reihen aufzunehmen. Während am Anfang der Episode mein Bewußtseinszustand von einer großen Klarheit durchdrungen war, wurde es in meinem Kopf allmählich geheimnisvoller und rätselhafter. Ich hatte das Gefühl, eine zentrale Schlüsselfigur in einer weltweiten geheimen Rettungsaktion gegen den Untergang der Menschheit zu sein.

So gegen 23 Uhr fing ich dann an, Gegenstände in meinem Haushalt nach Farbe und Form zu sortieren. Ich entwickelte einen Aufräum- und Reinigungswahn, spülte Geschirr, legte alle schwarzen Kleidungsstücke und Schuhe auf einen Haufen im Flur, warf angebrochene Duschgels weg, suchte alle orangenen Bücher zusammen und stapelte sie auf dem Fensterbrett und dergleichen Sortieraktionen mehr. Zwischendrin schrieb ich Handlungsanweisungen auf Zettel, die ich überall in der Wohnung aufhängte, z.B.: "Trink Tee aus einer weißen Tasse" oder "Oberstes Gebot: Schweigen".

Durch mein Hirn rauschten tiefsinnige Gedanken und bedeutungsschwere Wörter und bildeten komplizierte Sinnverbindungen zu den verschiedensten Lebensbereichen. Es war wichtig, das ganze wirre Zeug durch lautes Vorsichhersagen oder Aufschreiben aus dem Gehirn auszulagern, denn am Ende der Prozedur - das war zu diesem Zeitpunkt schon ganz klar - mußten alle Wörter in ihrem individuellen Erfahrungs- und Bedeutungszusammenhang in meinem Bewußtsein gelöscht werden, damit ein neues, geordnetes Bewußtsein aufgebaut werden konnte, in dem sowohl Farben, Formen  als auch Wörter wieder ihre rechte, ursprüngliche Ordnung bekommen sollten. Ich versuchte instinktiv, durch Sortieren und Ordnen von äußeren Dingen dem sich anbahnenden Chaos in meinem Inneren Herr zu werden.

Am nächsten Tag ging ich wieder nicht arbeiten in dem Gefühl, ich hätte wichtigeres zu tun. Alle paar Stunden mußte ich mich duschen, wobei es neben der Reinigung (ich war überzeugt, der '"Gedankenschmutz" ließe sich abwaschen) hauptsächlich darum ging, daß ich durch entsprechende Feinsteuerung von warm und kalt eine absolute Synchronisation meines Befindens mit dem von M. (einem Mann, in den ich zu dieser Zeit unglücklich verliebt war) erzielen wollte, eine so totale Übereinstimmung herstellen wollte, daß wir beide verschmelzen und aus "Wasser und Geist" in eine neue Welt hineingeboren werden sollten. Ich führte witzige, wortlose innere Dialoge mit M. und fühlte mich in angenehmer Weise erotisch animiert.

Dann stellte ich in allen Zimmern die Uhren auf eine andere Zeit ein. Auch hierbei ging um Synchronisation, ich weiß nicht mehr so genau wie das funktionierte, aber als Endergebnis war irgendwie die Beherrschung der Zeitdimension in Aussicht. Die einzelnen Viertelstunden jeder Einzelstunde hatten ihre spezifische Bedeutung: 1) ein Thema entwerfen, 2) das Thema begründen, 3) Material zum Thema sammeln 4) Ergebnisse offenbaren. Das waren die Prinzipien, nach denen jede Stunde abzulaufen hatte. 12 Stunden bildeten wiederum eine Gesamtheinheit, die in ihren Qualitäten und ihrer Entwicklung in etwa den astrologischen Häusern entsprach.

Nach jeder vollendeten Stunde vollbrachte ich kleine Prüfungen, u.a. ging ich auch hinaus in den Hausflur und auf den Balkon und verharrte dort in bizarren Stellungen (z.B. auf einem Bein oder zusammengekauert), die mir durch innere Anweisung diktiert wurden, eine Weile aus, brannte Streichhölzer ab mit dem Ziel ihrer völligen Auflösung ohne mir dabei die Finger zu verbrennen und ähnliche symbolische Übungen.

Ich verlor allmählich jedes Zeitgefühl und geriet immer mehr in Erregung, so daß ich mich zwischendurch immer mal wieder ins Bett legte, um etwas "runterzukommen", wo ich es jedoch nicht lange aushielt. Ich fühlte, wie mir allmählich die Energien schwanden und daß ich erschöpft war, denn immerhin hatte ich bereits mehrere Nächte kaum geschlafen.

Nachts wankte ich dann im Zustande völliger Erschöpfung von einem Zimmer ins andere, knipste unter ständigem Rezitieren der Worte ON und OFF die Lichter an und aus: mein ganzes Wesen hatte sich inzwischen auf diese beiden Begriffe aus der Computersprache reduziert. Ich hatte jegliche Übersicht über mich und meine Verhaltensweisen verloren und fühlte mich vollends fremdgesteuert.  Ich war überzeugt davon, daß alles Irdische nur ein fremdgesteuerter Scheinzustand ist, ein Spiel von Wesenheiten, die sich - vom Normalmenschen unerkannt - auch hier auf der Erde bewegen, aber nicht aus dem Material dieser Erde sind, sondern aus einem fundamental anderen Seinszustand heraus die normalen Menschen regieren, die das aber in der Regel nicht wissen.

Diese Wesenheiten waren in einen Kampf verwickelt, in der Weise, daß die Kräfte der Finsternis, den Kräften des Lichts Energien raubten. Ich stand mitten in diesem Spannungsfeld, wie eine Marionette, an der herumgezerrt wird. Meine Aufgabe war es nun, alle Lügen aufzudecken, alle geraubten Wörter zu ihrer eigentlichen Sinnbedeutung zurückzuführen, sie den Kräften der Finsternis zu entreissen und den Kräften des Lichts zurückzugeben. Hierfür stand ich in Verbindung mit dem "Club der toten Dichter", die mir vom Jenseits her halfen, die alten (entwerteten und mißbrauchten) Sinnzusammenhänge der Wörter in meinem Kopf zu löschen und danach mit neuer, reiner Sinngebung wieder aufzubauen.

Ich war von den "Kräften des Lichts" auch dazu ausersehen, die Sprichwörter der deutschen Sprache zu retten, weil ich als einziger Mensch im deutschen Sprachraum den ausreichenden Wortschatz und vor allem die für den komplexen Sinnzusammenhang der Wörter erforderlichen Analogieketten beherrschte. Das Löschen der Wörter erfolgte in der Weise, daß ich unruhig in der Wohnung hin und herlief und alle Worte dachte und laut aussprach, die mir einfielen, eins nach dem anderen.

F., ein ehemaliger spiritueller Lehrer, mit dem ich auf die gleiche wortlose innere Weise kommunzierte wie zuvor mit M. unter der Dusche, bestätigte die "Entleerung" eines jeden Wortes durch ein kurzes Anklicken meines Herzens (das zuckte dann deutlich spürbar) und löschte dann mithilfe des Clubs der toten Dichter alle mit diesem Wort zusammenhängenden Sinnverbindungen.

Irgendwann war ich dann tatsächlich WORTLOS bzw. auf die Wörter ON und OFF reduziert und leer im Kopf und nun ging es rückwärts daran, die entleerten Worthülsen wieder mit neuen Inhalten zu füllen. Auch hierbei brauchte ich nur ein bestimmtes Wort zu denken und die damit zusammenhängenden "wahren" Sinnbedeutungen wurden durch die dichterische Potenz sämtlicher verstorbener Literaten der Welt wieder aufgebaut. Ich spürte den Wiederaufbau der Wörter körperlich als warme Wellen, die mich durchfluteten; für fundamentale Wörter wie z.B. "Danke, Freiheit, Liebe, Frau, Mann, Sonne, Mond, rot, gelb, etc.,  erhielt ich richtiggehend Beifall und innere Resonanz, d.h. ich spürte genau, wann ich ein Wort getroffen hatte, an dem viel Bedeutung hing. Das lief hauptsächlich übers Herz ab, welches zeitweise so heftig pulsierte, daß ich zwischendurch laut rief: "Aufhören", weil mir  das Herz fast zersprang. Diese "Rettung" der Wörter zog sich einen Tag und eine ganze Nacht hin und als ich am Morgen halb bewußtlos  ins Bett sank, lockte mich M., der sich nunmehr als ein engelhaftes Wesen aus einer konturlosen Atmosphäre reiner Schwingung darstellte, in eine totale Entspannung, die sich anfühlte wie ein kosmischer Orgasmus. Ich überließ mich seiner Führung bedingungslos und mit großer Erleichterung, die Verantwortung nun abgeben zu dürfen. Er übernahm die Steuerung meiner gesamten körperlichen Funktionen, einschließlich meines Herzschlages, während wir einen vertraulichen und zum Teil sehr witzigen inneren  Dialog miteinander führten. Wenn mein linker Fuß nervös zuckte, brachte er das sofort in Ordnung und wenn mein Herz wieder anfing erregt zu pulsieren, setzte er ein gleichmäßiges beruhigendes tam-tam dagegen und in wenigen Augenblicken schlug auch mein Herz wieder ruhig. Das war eine wunderbare Erfahrung, ein Zustand vertrauensvoller, absoluter Hingabe, ein kosmisches Eingelulltsein in die absolute Geborgenheit, den absoluten Frieden, die absolute Freiheit.  Ziel dieses "Heruntergebimtwerdens" war die totale Auflösung meines Selbst, ich sollte in einer Art atomarer Herzkernverschmelzung mit ihm "ein Fleisch" werden und mit ihm hinübergleiten in diese neue Welt, die nach dem physischen Tod auf uns wartet. Ein Stück weit bin ich auch in diese Welt abgetaucht, aber was ich dort wahrnahm und fühlte, läßt sich kaum noch mit Worten beschreiben: Ich löste mich auf in pastellfarbigen Nebeln und Sphärenklängen, war außerhalb meiner körperlichen Hülle, aufgegangen im Paradies.

Gegen Mittag - ich hatte wohl etwas geschlafen - wurde es wieder sehr unangenehm: ich glaubte, die ganze Welt stünde kurz vor einer atomaren Explosion und ich könne mich nur durch den Einschluß ins Badezimmer retten. In der Aufregung setzte ich bei dem Versuch, die innere Energie, die als unerträgliche Hitze in mir aufstieg, zu löschen, das ganze Bad unter Wasser. Das war das Schlimmste, was ich tun konnte, denn wie jedes Kind weiß, ist Wasser ein hervorragender Stromleiter und ich stand unter Strom und diese Elektrizität breitete sich nun überall aus. Fluchtartig verließ ich die Wohnung. Ich hatte nur einen Bademantel an. Im Hof traf ich auf einen Nachbarn und klammerte mich in Panik und um Hilfe bittend an ihn. Er versuchte, mich zu beruhigen und brachte mich in meine Wohnung zurück und ins Bett, aus dem ich jedoch sofort wieder aufsprang.

Irgendwie hatten die Mächte der Finsternis jetzt ihre unsensiblen Pfoten an meiner Steuerungsanlage und drehten mit einer Gewalt die Energie auf, daß ich das Gefühl hatte, ich würde jeden Augenblick explodieren und zwar jede Zelle meines Körpers einzeln. Es war unerträglich. Ich mußte unbedingt Spannung ablassen und schmiß deshalb als erstes den Haufen schwarzer Klamotten, den ich tags zuvor im Flur angehäuft hatte, ins Treppenhaus. Dann öffnete ich das Wohnzimmerfenster, riß mir meine Perlenkette (Wert: 3.000,- DM!) vom Hals und warf sie in weitem Bogen in den Hof. Kurzfristig half es auch, barfuß mit dem Holzfußboden in Kontakt zu bleiben, er leitete die Energie über meine Fußsohlen ab. Aber auf Dauer war nix gegen das Drängen der explosiven Energie in mir zu machen und ich flüchtete erneut aus der Wohnung, diesmal auf die Straße. Dort schrie ich aus Panik wie am Spieß bis sich eine immer größer werdende ratlos gaffende Menschenmenge ansammelte. Auch aus den umliegenden Fenstern glotzten Leute. Trotz meiner Panik nahm ich jede Einzelheit meiner Umgebung klar wahr. Inzwischen lag ich auf dem Boden und eine Nachbarin deckte mich mit einer Decke zu, denn unter meinem Bademantel war ich völlig nackt. Irgendwann tauchten dann zwei Polizisten auf, die beruhigend auf mich einzureden versuchten und mich anfaßten. Ich widersetzte mich, indem ich einen von ihnen in den Arm biß. Schließlich wurden mir Handschellen angelegt und ich kam per Krankenwagen ins Städtische Klinikum, wo meine äußeren Verletzungen (Schürfwunden) versorgt wurden. Dort redete ich ununterbrochen auf die anwesenden Schwestern und Ärzte ein, im Entlassungsbericht steht hierzu: "logorrhoid-antriebsvermehrte Symptomatik, Denken zerfahren, Sprachzerfall, Parathymie." Ich erhielt eine Spritze, die dazu führte, daß ich das Gefühl bekam, als würde ich mich verflüssigen und bei lebendigem Leibe verwesen. Ich wurde total müde und schlaff und empfand die vermeintliche Aussicht, nun endlich sterben zu dürfen, als erlösend.

Am nächsten Tag wurde ich in die Psychiatrie verlegt. Die Panik war verflogen und ich war bereits wieder gehobener Stimmung. Die Station wurde von einem sehr humorvollen und verständigen Arzt geleitet, ich erhielt keinerlei Neuroleptika, man ließ die Psychose ohne jede Medikation ausklingen, was sie auch innerhalb von nur 10 Tagen tat. Je mehr ich in die Realität zurückkehrte, umso peinlicher war mir alles und ich habe mich noch Monate danach für meinen Auftritt geschämt.

Ich wußte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß sich Anwandlungen dieser Art noch 5 x wiederholen würden. Bis auf einen liefen diese weiteren Schübe jedoch weniger peinlich, quasi nichtöffentlich, hauptsächlich in meinem Bewußtsein ab. Die damit einhergehenden Verhaltensauffälligkeiten (Selbstgespräche, rituelle und symbolische Handlungen aller Art) blieben in den eigenen vier Wänden. Zusammenfassend betrachtet, zeigen alle meine bisherigen Schübe viele Parallelen in den Inhalten, es zeichnet sich quasi ein Grundmuster von Themen ab, das mir auch heute noch viel Stoff zum Nachdenken gibt. Sie handeln vom archaischen Kampf des Guten gegen das Böse, von Tod und Wiedergeburt, von Weltuntergang und Weltrettung, vom Auserwähltsein zum Vollbringen einer großen, weltrettenden Aufgabe. In der entfesselten Psychose drückt sich die persönliche Betroffenheit von diesen archaischen Themen auf eine äußerst extreme, symbolträchtige und phantasievolle Weise aus, die (wenn überhaupt) in der Regel nur dem Betroffenen selbst verständlich ist. Im Zustand der akuten Psychose ist das Bewußtsein über die sichtbare, alltägliche Realität hinaus ausgedehnt und dringt in Bereiche vor, die sich normalerweise dem "gesunden Menschenverstand" entziehen. Das zu erleben, ist eine sehr außergewöhnliche Erfahrung, es einfach "krank" zu nennen, zeugt meines Erachtens von Unkenntnis der eigentlichen Zusammenhänge und Ignoranz gegenüber den potentiellen Möglichkeiten des menschlichen Bewußtseins. Dieser Krankheitsbegriff ist relativ und ich verstehe aus eigener Erfahrung sehr gut, warum viele von einer solch außergewöhnlichen Erfahrung Betroffene keine "Krankheitseinsicht" zeigen und an ihren "Wahngebilden" festhalten und sie verteidigen. Auch mir gelingt es bis heute nicht, meine exotischen Ausflüge in das Reich jenseits des Alltagsbewußtseins für krank zu halten. Außergewöhnlich ja, aber wieso krank?

Ich nehme zwar heute prophylaktisch eine geringe Dosis Neuroleptika, um weitere Schübe zu verhindern, aber das tue ich hauptsächlich deshalb, weil die Erfahrungen während der akuten Psychose meinen Organismus derart angestrengt und mich seelisch so überfordert hatten, daß ich monatelang danach mit schwersten Depressionen und völlig erschöpft darniederlag und nicht mehr imstande war, meinen normalen Alltag zu managen. Das waren wirklich schlimme Zeiten, die ich nicht mehr wiederholen möchte. Die Erlebnisse während der akuten Phasen dagegen bewerte ich heute eher als bewußtseinserweiternde Bereicherung meines Denkens und Fühlens, von der mannigfache Inspirationen zur Selbst- und Welterkenntnis ausgehen, für die ich dankbar bin.

Ich hoffe, ich konnte durch meine Beschreibung ein Stück weit so etwas wie eine Innenansicht der sogenannten "Schizophrenie" vermitteln und die Vorgänge dabei etwas anschaulich und vielleicht sogar nachvollziehbar machen.

Über Rückmeldungen aller Art würde ich mich freuen.

Gabriele
nemesis94@freenet.de
 


166
Date: Mon, 27 Aug 2001 09:54:08 +0200
Subject: Leserforum

Hallo, Bodo!
Mein Name ist Susanne, mein Freund ist vor zwei Jahren erstmals an einer Psychose (Pahaschi lt einer Diagnose) erkrankt und seitdem z.Zt bereits zum fünften Mal auf der Geschlossenen. Habe vor einiger Zeit dein Forum entdeckt und sehr viele Beiträge gelesen. Die Beiträge bedeuten , daß der, der schreibt, über seine Krankheit weiß und damit bewußt umgehen kann.Mir macht nicht die Krankheit an sich Angst, sondern die Auseinandersetzung mit meinem Freund, der fest überzeugt ist nicht krank zu sein. Beitrag 164 läßt mich ein bisschen hoffen, daß auch ohne Krankheitseinsicht medikamenteneinnahme möglich ist. Zu Anfang war ich überzeugt, wenn er nichts nehmen will, geht es auch ohne, das glaube ich jetzt nicht mehr.
Ich habe mehrere konkrete Fragen:  Hast du oder jemand ,den Du kennst (gute) Erfahrungen mit Reha-Kliniken, wie komme ich an Adressen ??. Sind die Unterschiede zu Landeskrankenhäusern so, dass dieser (Scheiss- ) Klinikcharakter wegfällt ??
Ich würde mich sehr freuen, von Dir zu hören.

Herzliche Grüsse, Susanne
SusanneHorstmann@web.de

Bodo: Über Reha-Kliniken weiß ich nicht bescheid, wer kann Susanne Infos geben?


165
Subject: Leserforum
Date: Fri, 24 Aug 2001 17:15:29 +0200

Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Reinhold und meine eMail ist: Reinhold.K@T-Online.de

Ich staune, was Bodo mit seinem Internetauftritt und insbesondere mit dem Leserforum erreicht hat.

Ich hatte zwischen 1983 und 1992 selbst insgesamt 5 Psychosen (aus dem schizophrenen Formenkreis). Seit 1992 nehme ich regelmäßig pro Tag 1 mg Fluanxol und wenn ich mich "etwas aufgedreht" fühle auch schon mal 2 oder 5 mg. Ich kann aus meinen Erfahrungen berichten, daß ich jedesmal, wenn ich die unterschiedlichsten Medikamente (im Einverständnis mit dem Psychiater) ausgeschlichen hatte, jedesmal ein neuer Schub ablief. Ich muß dabei betonen, daß ich gerne!!! in diesen igenartigen Zustand war, jedenfalls in dem Teil der ganz am Anfang meiner Psychosen ablief. Ich betrachte dies - rückwirkend - als eine Art Sucht, diesen Zustand wieder zu erreichen. Nichtsdestotrotz folgte auch nach jeder akuten Psychose die depressive Phase, die von Antriebslosigkeit, Phantasielosigkeit und Isoliertheit begleitet war.

Mein Führerschein ging (allein durch die Krankheit) ebenfalls weg. Außerdem bekam ich einen Schwerbehindertenausweis 50 %, der mir etwas Steuerersparnis und preiswerte Besuche im Zoo ermöglichte...
Durch meine Scheidung erhielt ich über 100000,- DM, die mich einige Zeit über Wasser hielten ohne daß ich arbeiten musste. Als das Geld aufgebraucht war (Sozialhilfe oder Arbeitslosenunterstützung bekam ich ja wegen meines
"Vermögens" nicht), schrieb ich Bewerbungen und verschwieg dabei meine Krankheit. Ich hatte enormes "Glück" in einer Softwarefirma als Programmierer wieder zu arbeiten. Die Arbeit machte mir anfangs Spaß wurde aber durch einen Chef, der seine Macht sehr gern zeigte und Choleriker war, bald (nach 2-3 Jahren) zur Qual. Ich war dann ein Jahr arbeitslos - dieses mal mit Arbeitslosengeld. Danach bot sich über einen Freund die Gelegenheit bei einem "Verleiher" neu anzufangen. Ich habe ihm sofort von meiner Krankheit erzählt und er sah darin keine Schwäche sondern eher zusätzliche Möglichkeiten, Unterstützungen für die eigene Firma zu erhalten...

Ich ging in meiner Arbeit auf, machte wieder den Führerschein und bin heute in einer "gehobenen" Position allerdings in einer anderen Firma... Ich habe wieder geheiratet, sogar einen kleinen Sohn, mir gehts finanziell gut - also mir fehlt eigentlich nichts.
Mein Mitteilungsbedürfnis über meine "Krankheit" lebe ich so aus, daß ich im Internet meine Eingebungen auf mehreren Internetseiten verbreite... Ich möchte diese jedoch hier nicht aufführen - um Bodo keine Konkurrenz zu machen. Wer
diese mal einsehen möchte, kann sich ja über meine eMail an mich wenden oder hier im Leserforum bei Bodo.

Ich habe eine Gruppe gebildet, die aber nicht die "Krankheit" im Vordergrund hat und ich bin auch der einzigste "Schizophrene" in der Gruppe... Motto: Wir möchten die Welt verbessern, indem wir uns selbst verbessern... Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt auch hier im Leserforum einige "Highlights" meiner Psychosen zum Besten geben. Aus heutiger Sicht sieht es in
meinem Fall aus, daß die Psychose aus meinem kranhaften Geist entstanden ist. Insbesondere muß ich mit der Charaktereigenschaft: Gier ins Reine kommen. Dazu zähl(t)en?: Machtgier, Geldgier, Gier nach Frauen, Gier nach Anerkennung, Ehrgeiz usw. Nicht vertragen konnte ich Kritik an meiner Person! Dadurch wurde sofort jeder Mensch zu meinem Feind...

Kurzbericht zu den Psychosen:
Ich nahm der Reihe nach alle möglichen (religiösen) Persönlichkeiten an: Jesus - Das naheliegendste, Satan und dann auch noch Gott persönlich... Allerdings dachte ich auch manchmal, ich wäre (eine Art Wiedergeburt von) Adolf Hitler..., der noch etwas gut zu machen hatte... Zuletzt einigte ich mich auf eine Art Handlanger Gottes usw. --- Ich denke, einige von Euch kennen diesen Weg. Ich war stolz, die Berliner Mauer abgebaut zu haben. Bzw. durch meine Fernwirkungskräfte dies in den Menschen eingegeben und das kollektive Unterbewußtsein dementsprechend verändert hatte. Ich erhielt Nachrichten übers Fernsehen oder Radio. Die Sprecher sprachen mich direkt an. Ich beeinflusste die Medien solange, bis ich zum Staatsfeind wurde.
Damit war der Verfolgungswahn geboren... Um die Menschen zu verwirren, ließ ich Fernseh-Filme rückwärts ablaufen und
erfreute mich an diesen Fähigheiten...

Bis bald Reinhold


164
Subject: Leserforum
Date: Sat, 18 Aug 2001 23:51:09 +0200

Ich habe dieses Forum erst vor kurzem entdeckt und so nach und nach alle Beiträge gelesen. Ich finde es sehr gut, daß es dieses Forum gibt, denn ich vermisse in meiner Umgebung die Möglichkeit, mich mit anderen Psychose-Betroffenen auszutauschen. Am interessantesten finde ich die Beiträge, in denen jemand ganz konkret von seinen Eindrücken und Erfahrungen während einer akuten Psychose berichtet.

Ich persönlich finde es wichtig, daß man sich mit den Inhalten, die während eines akuten Schubes auftreten, auseinandersetzt und sie nicht - wie das in der Psychiatrie üblich ist - als "krank" oder "verrückt" einfach abtut, entwertet und nach Abklingen der "Symptomatik" wieder verdrängt. Ich selbst bin fasziniert und nachhaltig beeindruckt von den Erfahrungen, die ich während meiner akuten Schübe - seit 1994 waren es insgesamt 6 - gemacht habe und ich versuche heute ganz bewußt, diese Erfahrungen in mein Bemühen um Selbsterkenntnis und Welterkenntnis miteinzubeziehen, was allerdings nicht so ganz einfach ist. Insofern fehlt mir bis heute die sogenannte "Krankheitseinsicht", obwohl ich inzwischen vernünftig genug bin, zur Prophylaxe regelmäßig Neuroleptika (z.Zt. Solian, 100 mg tägl.) einzunehmen. Ich möchte keine neuen Schübe riskieren, vor allem deswegen, weil der akuten Psychose regelmäßig eine sog. "postpsychotische Depression" folgt, die nur sehr schwer zu ertragen ist und die sich über Monate/Jahre hinziehen kann. Davor hab ich einen absoluten Horror, denn das ist das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe. Zum anderen habe ich auch die Erfahrung gemacht, daß mit jedem Schub ein Verlust an persönlichen Fähigkeiten einherging, daß eine Art Dauerschaden und eine Persönlichkeitsverminderung eingetreten ist, was ich durch neue Schübe nicht noch vergrößern will. "Residualsyndrom" nennt man das.

Was mir bei dem Versuch, die Erfahrungen der Psychose in mein Leben zu integrieren, wesentlich weitergeholfen hat, war die Lektüre der Bücher von Stanislav Grof. Das ist ein tschechischer Psychiater, der sich ausgiebig mit Grenzzuständen des menschlichen Bewußtseins beschäftigt hat, ausgehend von Forschungen über LSD-Wirkungen, über die Erfahrungen bei der Geburt bis hin zu den Zusammenhängen zwischen "Kosmos und Psyche" (so heißt sein neuestes Werk). Seither ist mir klar geworden, daß ein schizophrener Psychotiker in Bereiche des Bewußtseins vordringt, die im Menschen von Grund auf angelegt sind, die quasi zum Spektrum des Bewußtseins gehören. Das ist zwar außerhalb der Norm, aber es krank zu nennen, ist nicht unbedingt gerechtfertigt. Von seinem Standpunkt aus läßt sich sich auch die Nähe zwischen psychotischem Erleben und mystischer Erfahrung verstehen, die manchmal vorkommt. Mir jedenfalls hat diese Lektüre dazu verholfen, daß ich mir nicht mehr so stigmatisiert vorkomme und meine Psychose selbstbewußt nach außen vertreten kann. Sie hat mir auch viele Anregungen gegeben, über das Phänomen "Bewußtsein" nachzudenken und soweit ich das trotz mentaler Einschränkungen noch kann, tue ich das heute auch. Vielleicht kann der eine oder andere von euch, der auch mit einem von der Psychose beschädigten Selbstbewußtsein ringt, mit dieser Empfehlung ja was anfangen. Es gibt noch einen Autor, der sich mit Fragen des Bewußtseins beschäftigt, den ich aber aufgrund meiner mentalen Einschränkungen nicht mehr lesen und verstehen kann, weil er ziemlich theoretisch an die Sache ran geht. Sein Name ist Ken Wilber. Auch das ist eine Empfehlung, vielleicht mehr an die Intellektuellen unter euch.

Soweit so gut, dabei will ich es für heute belassen. Das Forum hat mich dazu angeregt, meine eigene Psychoseerfahrung aus dem Jahr 1994, die ich detailliert in mein Tagebuch geschrieben habe, zu überarbeiten und sie demnächst mal hier zu veröffentlichen. Bis bald also.

Liebe und Licht für euch alle

Gabriele


163
Subject: Leserforum
Date: Fri, 17 Aug 2001 00:43:33 +0200

Zur Frage von Alexa zum Thema Solian:

Hallo!
Leider bin ich erst heute auf dieses Leserforum gestoßen und finde es sehr interessant. Ich hoffe, daß meine Reaktion auf obige Frage nicht zu spät kommt und bemerke folgendes:

Ich selbst wurde vor knapp zwei Jahren von Zyprexa auf Solian umgestellt und vertrage es sehr gut. Ich bin seit 1994 an Schizophrenie erkrankt und kenne an Neuroleptika aus eigener Erfahrung inzwischen Taxilan, Risperdal, Nipolept, Zyprexa und Solian. Mit Solian komme ich von allem am besten zurecht, auf Zyprexa habe ich 13 kg zugenommen und unter Solian leider auch nicht mehr abgenommen, obwohl ich mich äußerst spartanisch ernähre. Nebenwirkungen spüre ich praktisch keine, extrapyramidale Störungen kommen lt. Literatur unter Solian überhaupt nicht vor.

Ich war zu Beginn meiner Erkrankung sehr medikamentenkritisch eingestellt und habe die Neuroleptika mehrfach auf eigenes Risiko wieder abgesetzt, mit der Folge, daß ich inzwischen insgesamt 6 akute Schübe durchlebt habe, nach deren Abklingen jedesmal eine lange Phase tiefster Depression folgte, von der ich mich bis heute nicht erholt habe. Nach jedem Schub ging ein weiteres Stück meiner einstmals vielschichtigen und lebendigen Persönlichkeit verloren und ich führe heute ein auf das existentiell Notwendige reduziertes Schmalspurleben, sowohl mental als auch emotional. Lange Zeit dachte ich, daß dieses Eingeschränktsein die Folge der Neuroleptika ist und weil ich gern wieder lebendiger werden wollte, habe ich eben immer mal wieder versucht, ohne das Zeug auszukommen und habe es über lange Zeiträume hinweg und unter Betreuung einer Heilpraktikerin allmählich "ausgeschlichen". Aber der Mensch, der ich früher mal war, ist dadurch nicht wiederauferstanden, hinzugekommen sind lediglich ein paar neue psychotische Schübe, nach deren Abklingen der Gesamtzustand noch ein Stück trostloser war als zuvor.

Ich bin deshalb insgesamt sehr vorsichtig geworden, was das Absetzen betrifft und für mich ist die Frage offen, woran man denn erkennen kann, was Bestandteil der Psychose und was Wirkung der Neuroleptika ist. Wie will man das unterscheiden? Wenn ich das Medikament absetze und mein Zustand bleibt genauso blöd wie mit dem Medikament, wozu also was riskieren? Das wollte ich hier mal zur Diskussion stellen und es würde mich freuen, ein Feedback bezügl. Medikamente absetzen zu bekommen, ob dies nun erfolgreich war oder nicht. Bisher jedenfalls kenne ich in meinem persönlichen Umfeld niemanden, der durch das Absetzen seiner Neuroleptika eine Besserung seines Befindens erlebt hat.

Ist jemand unter euch, dem es so gegangen ist, dann mailt mir oder meldet euch im Forum zu Wort.

Gabriele
nemesis94@freenet.de


162
Date: Tue, 7 Aug 2001 20:26:44 +0200
Subject: Die Todeskralle kehrt zurück

> hallo ihr lieben, hier ist mal wieder bruce lee,
>
> na daß gefällt mir ja schon mal besser, keine nörgler und keine schwächlinge.
> danke nochmal an heike, welche auch ein ausgezeichnete waldhexe ist und sich
> in magischen themen durchaus gut auskennt, danke nochmal für deine nette mail.
> danke auch an monika lavinski und donna trump, auch nicht schlecht, auch
> euch könnte ich in meinem amazonenteam gebrauchen. wir könnten gemeinsam
> die area 51 in nevada besuchen und dort ein kleines kämpfchen starten, uns
> einige ufo´s klauen und gemeinsam die welt beherrschen , ist doch nicht schlecht, ihr seit dann meine 1.offiziere. ich werde euch kräftig entlohnen und ihr werdet es nicht bereuen, dafür stehe ich mit meinem namen, ehrlich.
> es wird ein wundervolle zukunft für uns alle sein.
>
> ja mein tipp der woche ihr müßt euch einfache ziele stecken, dann habt ihr auch die scheiß tagesklinik nicht mehr nötig. ja jeder nach seinem ermessen,
> kampfsport mach ich immer noch, aber ich bin da schon profi drin, irgendwie
> langweilig, also habe ich mir gedacht es muß jetzt etwas schwieriges her, nur
> psychpharmaka nicht nehmen und den psychater im stich lassen ist doch zu einfach. die area 51, dazu fehlen mir noch mitarbeiter, obwohl mit heike,
> monika und donna trump die hat ja knete,durchaus zusagen,wir könnten wir es ja demnächst mal
> versuchen, also meldet euch, nehme auch ingo mit, aber bitte keine heulsusen
> oder katholiken(ronald)..... ne ich habe mich gerade letzte woche wo es mir
> richtig schlecht ging, zu einem systemadministrator lehrgang für windows angemeldet, welcher ein jahr geht und vom arbeitsamt bezahlt wird. hihiii
> ist doch richtig schön schwer, schon für einen normalen erdenbürger geht
> es schon ans eingemachte, tja und ich mit meiner psychose , hhaaa der letzte
> wahnsinn, 7 stunden unterricht,die klasse gefüllt mit 30 leuten, man kann sich so gut wie gar nicht konzentrieren haaaaaa......... selbstverständlich ohne psychopharamaka 5tage
> die woche, hihii mit einer psychose ist doch nett, haaaa. na ja man will
> sich nicht rühmen, aber man ist doch schließlich bruce lee, na und da muß
> man sich mal was einfallen lassen, sonst wird das leben zu langweilig hiii.
> wollen mal sehen wie lange das selbstexperiment funktioniert, halte euch auf dem laufenden. na und ihr wieder ne smarties-bombe geschluckt und bei mama
> ins bett gekrochen??? also so wird das nichts mit euch!!!
> also nächste woche will ich konkrete vorschläge von jedem einzelnen was er
> konkret tun kann, ansonsten kommt ihr in mein privates trainingscamp und
> da ist es nicht so einfach wie bei mama. aufgrund den vielen autogrammwünschen, bitte ich euch noch etwas um geduld.
> also auf auf, eine gute zeit und action, viele grüße bruce lee
> p.s. nehme noch bewerbungen für area 51 entgegen, also schnell bewerben!!!!!!


161
Date: Mon, 6 Aug 2001 09:05:46 +0200
Subject: Leserforum - Hinweis von Bodo zur Diabetes-Gefährdung

Schizophrenie-Patienten besonders Diabetes gefährdet

Wer Olanzapin und Clozapin einnimmt, sollte sich regelmäßig die Blutzuckerwerte kontrollieren lassen, da ein erhöhtes Risiko für verminderte Glukosetoleranz besteht und damit für eine Manifestation des Typ-2-Diabetes mellitus. Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt mit steigendem Blutzuckerspiegel. Beim Einsatz von Neuroleptika sind bestimmte Kriterien zu beachten wie z.B.

- Alter > 45 Jahre
- Übergewicht
- ob Verwandte Typ-2-Diabetes mellitus haben
- Bluthochdruck > 140/90 mmHg
- HDL-Cholesterin < 35 mg/dl oder Triglyceride > 250 mg/dl
- erhöhte Nüchternblutzuckerwerte.

Dann sollte lieber mit Risperidon oder konventionell behandelt werden.

Ein weiteres Problem beim Einsatz der Neuroleptika sind die Gewichtszunahmen. Sie sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern starkes Übergewicht fördert die Entwicklung von Bluthochdruck und Gefäßverkalkung und damit das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Bei Schizophrenie-Patienten sollte daher ein regelmäßiges Abchecken der Risikofaktoren erfolgen.

(Quelle: Risikoadaptierte Schizophrenie-Therapie, Pharma-Report in: "Der Nervenarzt", Juli 2001)


160
Subject: Leserforum
Date: Sat, 4 Aug 2001 03:40:14 +0200

Hallo ihr lieben psychosegeplagten, Betroffene und Angehörige!

Ich bin Ingo und hatte bereits zwei Psychosen. Die erste war Ende 97 und die Zweite war Mitte 99. Habe mich dann natürlich auch mal im Internet über die Krankheit schlau machen wollen und bin auf Bodos Seite gestoßen. Dort schaue ich immer mal wieder in ungegelmäßigen Abständen vorbei und habe die Entwicklung dieser Seite etwas mitverfolgt. An der Stelle möchte ich sagen, daß es wirklich super ist, was Bodo da auf die Beine gestellt hat.

In letzer Zeit habe ich mit etwas Freude wieder mal das Leseforum verfolgt und fand es recht lustig, was dieser "Bruce Lee" für eine Diskussion ausgelöst hatte. Er hat schon ganz schönen frischen Wind hereingebracht. Persönlich finde ich ja, daß er schon ziemlich durchgeknallt ist und er ziemlich abgehoben ist. Und leider dann auch sehr tief fallen wird. Wahrscheinlich wird man dann nichts mehr von ihm hören. Aber ich hoffe doch. Wäre sehr interessant für mich zu erfahren, wie er so drauf ist, wenn er "normal" ist.

Dann fand ich die Geschichte von ...der Name ist mir jetzt entfallen...der Frau, die von ihrer Freundin berrichtet hat. Sie hat sich in einen Typ verknallt, der kein Interesse an ihr hat und sie meint, überall Botschaften vorzufinden, daß er doch was von ihr wolle. Mit so einem Liebeswahn hat es bei mir auch immer angefangen und ich fürchte, daß es in dem Stadium schon zu spät ist und sie über kurz oder lang durchdrehen wird. In der Phase ist man auch total krankheitsuneinsichtig und läßt sich nichts sagen. Wenn es die erste Psychose ist, dann sowieso. Diese Krankheit ist wohl das Heimtückischste was ich kenne, denn im Kopf entsteht eine andere neue Welt, die natürlich erst unheimlich spannend ist. Und man unterliegt dem Irrtum, das sie wirklich so ist. Man selbst ist anders und nicht die Welt. Und die schöne neue Welt ist von kurzer Dauer, weil es dann in Wahn umschlägt. Also ich hätte mir lieber die Beine gebrochen. Ja, warum habe ich zwei Psychosen gehabt? Die Erste kam, nachdem meine Frau zu einem anderen Typ abgehauen ist, nachdem wir dreieinhalb Monate zuvor geheiratet hatten. Nach der Hochzeit war die Beziehung schon zu Ende und da habe ich schon einiges einstecken müssen. Aber das zu guter letzt gab mir der Rest. So ganz langsam fing es dann an und wer die Psychose kennt, der weiß ja, wie es im Kopf und um einen herum so abgeht. Würde wie Bodo auch gerne mal alles aufschreiben. Aber irgendwie packe ich das noch nicht, weil ich mich damit zu intensiv beschäftigen müßte und ich dafür einfach noch nicht die Ruhe habe, solange die wichtigsten Dinge des Lebens noch nicht geklärt sind und alles seinen gewohnten und sicheren Weg geht.

Die zweite Psychose hatte ich deshalb, weil ich die ganzen Medikamente in den Müll warf und eine Fastenkur auf eigene Faust vornahm, weil ich die scheiß Depressionen loshaben wollte. Und wahrhaftig waren sie dann nach drei vier Tagen wie weggeblasen. Es kam wieder Euphorie auf und es ging geradewegs in die nächste Psychose, die noch länger andauerte als die Letzte, weil ich mich nicht behandeln lassen wollte. Ich wurde dann, nachdem ich wieder mal polizeilich aufgefallen war, für drei Wochen richterlich untergebracht und die haben mich dort von meinem Trip heruntergeholt. Im Nu war ich dann wieder in dieser postpsychotischen Depression und Erschöpfung. Schließlich bin ich dann freiwillig in eine Tagesklinik, weil ich so am Ende war und einsah, daß ich Hilfe brauchte. Was mir dann am meisten gebracht hat, war der soziale Dienst, der sich um meine Geldschulden bei Bank, Telekom ect. gekümmert hat. Da läuft ja immer einiges zusammen, wenn man so in der Euphorie ist und für Geld jegliches Gefühl verliert. Man gibt jede Menge aus, was man gar nicht hat. Und die haben das ganz gut geregelt bekommen. Dann war es auch gut, daß ich regelmäßig was warmes zu essen hatte. Von den Therapien her muß ich leider sagen, daß die mir gar nichts brachten. Ich war einfach zu kaputt, um daran innerlich teilnehmen zu können. Vieles fand ich albern und auch langweilig und uninteressant. In der Depression hat man so und so an nichts mehr Interesse und zu nichts Bock. Irgendwann war ich dann über ein halbes Jahr dort und mir ging es immer noch beschissen. Doch weil ich so lange da war, wurde ich dann mehr oder weniger rausgeworfen, damit auch mal mein Platz wieder frei wird. Dann hing ich den ganzen Tag zu Hause vor dem Fernsehen und bin nur zum Einkaufen aus dem Haus. So ging das dann auch einige Monate. Mein Geld mußte ich mir natürlich vom Sozialamt holen, weil die Krankenkasse längst den Hahn zugedreht hatte. Irgendwann habe ich mir dann gesagt, daß es von dem zu Hause eingraben nicht besser werden kann. Raus und irgendwelche Leute kennenlernen war aber auch nicht drin, weil ich noch sehr in mich zurückgezogen war und nicht fähig zu irgend einen Gespräch mit einem Fremden war. Ich fühlte mich noch Scheiße und daher beschloß ich, nach Arbeit zu suchen. Möglichst anspruchslos. Und da habe ich in der Zeitung eine Anzeige von einer Zeitarbeitsfirma entdeckt. Und das ist natürlich ideal, weil man in dem Sinne kein Bewerbungsgespräch hat, wo man sich gut verkaufen muß. Nein, man füllt nur ein Formular aus, mit einfachen zu beantwortenden Fragen und in der Regel bekommt man dann auch Arbeit. So war es dann auch und es war anfangs ziemlich hart. Allein diese Zeit würde Seiten füllen. Aber dafür bin ich schon viel zu müde und es würde wohl den Rahmen etwas sprengen. Nein, irgendwann werde ich alles aufschreiben und im Internet für Jedermann darbieten.

Wie dem auch sei, ich hatte vorgestern meinen letzten Arbeitstag und werde umziehen. Hier in Stuttgart, wo ich die letzten 8 Jahre verbracht habe, konnte ich nie richtig Fuß fassen und auch keinen Bekanntenkreis aufbauen. Dort wo ich hinziehe, kenne ich bestimmt 20 Leute und viele von diesen mag ich einfach sehr und fühle mich dort zu Hause. Inzwischen bin ich auf 2,5 mg Zyprexa eingestellt und fühle mich mit dem recht wohl. Ich hoffe nur, daß ich nicht mehr durchdrehe.

Ja, ich habe jetzt einfach mal ganz konzeptionslos drauf losgeschrieben. Ich hoffe, es war nicht all zu langeweilig. Vielleicht ist ja hier und da ein Punkt dabei, der jemand interessiert und Fragen aufgeworfen hat, die ich natürlich gerne beantworten werde. Allerdings habe ich auch sehr viel ausgelassen. Es war ja auch nur mal ein ganz grober Abriß. Es ist halt schon so viel passiert, daß die Fülle einen erschlägt.

Ich wünsche allen, denen es noch schlecht geht, baldige Besserung. All zu schnelle Besserung gibt es ja in der Sache nicht und wenn doch, ist es recht gefährlich. Aber so lange es auch dauert, es wird besser, wenn auch sehr langsam. Ich weiß, wenn man im Loch drinsteckt, kann man sich gar nicht mehr vorstellen, daß es einem wieder mal gut gehen könnte. Man muß halt die scheiß Medikamente nehmen, die einen auch noch ganz schön im Hirn bremsen. Aber leider gibt es noch keinen besseren weg. Und im Gegensatz zu den Zeiten vor 20 Jahren sind wir wesentlich besser dran, so scheiße es uns auch geht.

Mit den freundlichsten Grüßen
Euer Ingo


159
Subject: leseforum
Date: Thu, 2 Aug 2001 18:32:09 +0200

Hallo Bruce Lee!

Die Gewissheit Deiner Stärke ist für Dich von grosser Bedeutung. Sie gibt Dir Sicherheit.Auch den unangenehmen Angstzuständen kannst Du etwas entgegensetzen. So bleib bei Deinem Kampfsport!Du bist auch ein Suchender und hast auch schon viel erfahren. Die Psychose gehört momentan zu Deinem Leben. Warum auch immer.Versuche sie anzunehmen,betrachte sie als eine besonders schwierige Aufgabe,der Du Dich stellen musst und die Du nur für Dich alleine lösen kannst. Auch wenn Dein Leben jetzt anders verläüft als Du geplant hast. Suche einen Sinn und das was für Dich wichtig ist. Unsere Erde ist kein Paradies und wird es auch niemals sein. Das würde ja auch einen Stillstand bedeuten.Wir entwickeln uns weiter und müssen bewusster werden. Warum gibt es Gegensätze? Auch das Annehmen des Negativen gehört dazu. Auch Krieger schliessen Frieden!!!

Viel Glück und alles Gute wünscht Dir Monika!


158
Subject: Leserfiorum
Date: Thu, 26 Jul 2001 13:08:50 +0200

Hallo Marion,

Ich habe auch Stimmen gehört und war erst derletzt in einer Klinik. Ich habe Zyprexa und Risperdal bekommen und höre nun keine Stimmen mehr. Mit der Zeit hört das auf. Ihr könntet es ja auch mal mit Zyprexa versuchen, wobei die Tabletten bei jedem anders wirken. Ich hatte die Stimmen ein halbes Jahr, und bin erst vor kurzem Entlassen worden, ich bin zwar leider nicht ganz gesund aber ich sollte mir Zeit lassen. Genauso wie deine Tochter. Es verschwindet vielleicht mit der Zeit.

Alles liebe

Simone @-->-


157
Date: Fri, 20 Jul 2001 18:47:06 +0200 (CEST)
Subject: Leserforum

An Bruce Lee

Ich stell einfach mal so in den Raum:

Du kämpfst endlos und gibst den Widerstand nicht auf.
Aber:
Ist besiegt werden ohne sich besiegt zu fühlen nicht
wahre Stärke?

Ist vielleicht ne Lernlektion. Dank an den Meister ;-)

Gruß
Donna


156
Date: Mon, 16 Jul 2001 19:23:34 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

ich bin seit langem Leser des Forums, dass Du hier auf die Beine
gestellt hast und es ist eine fantastische Sache, dass sich
Betroffene und Angehörige hier austauschen können.

Aber eines möchte ich doch kritisieren, also als positive
Kritik gemeint, weil mir deine Seite am Herzen liegt,
diese Internetadresse ist so elend lang, dass man sie
nicht weitererzählen kann, dass kann sich kein Mensch
merken, und eine solche Seite lebt davon, dass sie möglichst
vielen Betroffenen bekannt wird und eben weitererzählt wird.

Warum nimmst Du nicht mal Pahaschi.de oder sowas ?

Liebe Grüsse

Renald

Hab's schon - eine alternative Adresse dieser Homepage wäre:
www.psychose.de.vu


155
Date: Thu, 12 Jul 2001 20:36:27 +0200
Subject: Leserforum

hallo,

mein psychiater möchte mir aufgrund eines psychotischen schubes,
welcher durch eine paradoxe reaktion auf tramal ausgelöst wurde
solian verschrieben. nun weiss ich leider sehr wenig über neuroleptika
bzw. solian. hat jemand positive / negative erfahrungen damit gemacht ?

vielen dank für eure antworten

markus


154
Date: Thu, 12 Jul 2001 00:12:43 +0200
Subject: leserforum

hallo, ihr lieben                                                            aufgepaßt und aus dem weg hier ist der mann mit der todeskralle ---bruce lee-
hääää, was muß ich hören wer will es mit mir aufnehmen, kommt nur näher
jeder schlag ist tödlich, ich hoffe ihr wißt daß,  hiihiiiiii.

also erstmal quatsch beiseite,  naja ganz so habe ich nicht alles gemeint
wie ich es geschrieben habe und ich wußte ja nicht daß es so rüberkommt.
aber trotzdem bin ich vom typ ein fighter und eigentlich nichts anderes
will wie ihr wieder boden unter den füßen zu bekommen.  ja mit der macht
gebe ich meinen gegnern auch irgendwie recht, was heißt wohl magie ???
--------machtgier---------.  na ja egal aber trotzdem stehe ich für die harte
tour, ja auch ungeduld ist im spiel, wie recht ihr nur habt, ich liebe das
feuer und wie mein onkel mr. goldfinger zitierte, schon als kleiner junge
faszinierte ihn das gold, seine schönheit, sein glanz und natürlich seine macht ha ha ha ha
ha -- ich liebe meinen onkel. ach du lieber robert nun sei doch nicht so weich, so schlimm meinte ich es nicht, auch die geschichte mit dem schwert,
es ist halt das zeichen des kriegers mehr nicht,  ähm ich habe auch  keinen
kamin
aber trotzdem beisse ich die zähne mehr zusammen als andere und weine lieber
heimlich, als das ich schwäche gerne zeige. robert sei ein bißchen härter, na
ja und ein bißchen john wayne gehabe ist doch nicht schlecht oder ?
danke an heike, durch deinen mutigen einsatz, alleine schaffe ich es doch nicht, naja ist wirklich lieb ich kann auch noch amazonen in meinem team gebrauchen, hihiiiiii.  zu guter letzt es doch wirklich s......ß egal wir
wollen doch alle aus dieser erbärmlichen situation raus, der eine vergräbt
sich, der andere macht gar nichts der andere kämpft, egal es ist jedenfalls
furchtbar,  das größte debakel meiner laufbahn. mir reichts jedenfalls, daß
ich in so eine hoffnunglose situation gekommen bin, ich konnte mir mein
ganzes lebenlang selber helfen und war auf niemanden angewiesen, aber diesmal
kämpftbruce lee mit sich selber, wie gerne würde ich mich doch wie früher
mit anderen prügeln und meine gegner vernichten ha ha ha ha, aber für diese pleite suche ich noch die ideale kampftechnik, aber schwäche zeigen hey lieber robert aber nicht mit mir! nochmal einen kräftgen bruce lee killer-
dankes schrei an amazone heike , vieleicht kennst du noch eine mir unbekannte kampftechnik ????    und wehe es wagt es
sich nocheinmal jemand bruce lee anzugreifen, nächstesmal kommt niemand so
glimpflich davon, daß starke siegt, das schwache vernichtet und wer auch noch
anfängt zu heulen, der kann sich gleich am wärmsten anziehen...... haaaaaaaa
bis demnächst  bruce lee
 


153
Date: Wed, 11 Jul 2001 05:57:15 EDT
Subject: Leserforum

Hallo Ihr Lieben,
ich habe eine 22 j. Tochter die mit leponex behandelt wird und Stimmen hört.
dieses medikament bekommt sie seid ca. 2,5 Monate wurde kürzlich auf 450
erhöht, sie hat aber trotz der medikamte keine Besserung die Stimmen sind
immer noch da. Kann mir einer etwas dazu sagen?
mfg marion


152
Date: Tue, 10 Jul 2001 18:30:15 +0200
Subject: Literaturexkurs über Wahnsinn im Mittelalter

Textstellen aus dem IWEIN (hochhöfischer Artusroman Hartmanns von Aue, um 1200)
zusammengetragen von Bodo

Iweins Irrsinn und Heilung

Vers Mittelhochdeutscher Text Übertragung
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nû kam mîn her Îwein
in einen seneden gedanc:
er gedâhte, daz twelen wær ze lanc,
daz er von sînem wîbe tete:
ir gebot unde ir bete
diu heter übergangen.
sîn herze wart bevangen
mit senlîcher triuwe:
in begreif ein selch riuwe
daz er sîn selbes vergaz
und allez swîgende saz.
er überhôrte und übersach
swaz man dâ tete unde sprach,
als er ein tôre wære.
Da überkam den Herrn Iwein ein Gedanke der Sehnsucht: er wurde sich bewußt, daß er zu lange seiner Frau ferngeblieben war: ihr Gebot und ihre Bitte hatte er mißachtet. Sein Herz wurde ergriffen von Liebe und Sehnsucht, ihn erfaßte ein solcher Schmerz, daß er sich selbst vergaß und wortlos dasaß. Er hörte und sah nicht, was man tat und redete, und war wie von Sinnen.
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   Daz smæhen daz vrou Lûnete
den herren Îweinen tete,
daz gæhe wider kêren,
der slac sîner êren,
daz sî sô von im schiet
daz sî in entrôste noch enriet,
daz smæhlîche ungemach,
dazs im an die triuwe sprach,
diu versûmde riuwe
und sîn grôziu triuwe
sînes stæten muotes,
diu verlust des guotes,
der jâmer nâch dem wîbe,
die benâmen sînem lîbe
vil gar vreude und den sin.
nâch einem dinge jâmert in,
daz er wære etewâ
daz man noch wîp enweste wâ
und niemer gehôrte mære
wo er komen wære.

   Die Schmähung, die Frau Lunete dem Herrn Iwein antat, der jähe Abgang, die Entehrung, daß sie von ihm geschieden war, ohne ihm Trost oder Rat zu geben, die schmähliche Kränkung, daß sie seine Treue in Frage stellte, die zu späte Reue und die große Treue seines beständigen Herzens, der Verlust des Besitzes, die Sehnsucht nach der Frau - das alles brachte ihn völlig um Zuversicht und Verstand. Nach einem nur sehnte er sich: daß er irgendwo wäre, und kein Mensch wüßte wo und könnte auch niemals erfahren, wohin er gekommen sei.
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   Er verlôs sîn selbes hulde:
wan ern mohte die schulde
ûf niemen anders gesagen:
in hete sîn selbes swert erslagen.
ern ahte weder man noch wîp,
niuwan ûf sîn selbes lîp.
er stal sich swîgende dan
(daz ersach dâ nieman)
unz daz er kam vür diu gezelt
ûz ir gesihte an daz velt.
dô wart sîn riuwe alsô grôz
daz im in daz hirne schôz
ein zorn unde ein tobesuht,
er brach sîne site und sîne zuht
und zarte abe sîn gewant,
daz er wart blôz sam ein hant.
sus lief er über gevilde
nacket nâch der wilde.

   Er verlor das Vertrauen zu sich selbst, denn er konnte die Schuld auf niemand anderen schieben: ihn hatte sein eigenes Schwert erschlagen. Er dachte nicht an andere Menschen, nur an sein eigenes Selbst. Er stahl sich schweigend davon (niemand sah es), bis er vor die Zelte hinaus ins freie Feld und ihnen aus den Augen kam. Da wurde sein Kummer so mächtig, daß ihm der Zorn und die Tobsucht ins Gehirn schossen, er durchbrach Sitte und Selbstbeherrschung und riß das Kleid herunter, daß er völlig entblößt war. So lief er über die Felder nackt der Wildnis zu.
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er was ein degen bewæret
und ein helt unerværet:
swie manhaft er doch wære
und swie unwandelbære
an lîbe unde an sinne,
doch meistert vrou Minne
daz im ein krankez wîp
verkêrte sinne unde lîp.
der ie ein rehter adamas
rîterlîcher tugende was,
der lief nû harte balde
ein tôre in dem walde.
   Nû gap im got der guote,
der in ûz sîner huote
dannoch niht volleclîchen liez,
daz im ein garzûn widerstiez,
der einen gouten bogen truoc:
den nam er im und strâlen gnuoc.
als in der hunger bestuont,
sô teter sam die tôren tuont:
in ist niht mêre witze kunt
niuwan diu eine umbe den munt.
er schôz prîzlichen wol:
ouch gie der walt wildes vol:

Er war ein bewährter Kämpfer und unerschrockener Held: so mannhaft er aber war und so unbeugsam an Leib und Sinn, erreichte es doch Frau Minne, daß ihm eine schwache Frau Sinn und Leib verrückte. Der stets ein rechter Edelstein ritterlicher Vollkommenheit gewesen, der lief nun plötzlich als Wahnsinniger durch den Wald.
   Nun gab ihm der gütige Gott, der ihn auch dann nicht gänzlich aus seiner Obhut ließ, daß er einem Knappen begegnete, der einen guten Bogen trug. Den nahm er ihm weg und dazu viele Pfeile. Wenn ihn der Hunger anfiel, so tat er wie die Irren tun: sie haben keinen Verstand mehr übrig als nur einen für den Mund. Schießen konnte er vorzüglich, und der Wald war voller Wild.
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Dô er des lange gepflac,
er lief umb einen mitten tac
an ein niuweriute.
dane vander niht mê liute
niuwan einen einigen man:
der selbe sach im daz wol an
daz er niht rehten sinnes was.
der vlôch in, daz er genas,
dâ bî in sîn hiuselîn.
dane wânder doch niht sicher sîn
unde verrigelte vaste die tür:
dâ stuont im der tôre vür.

Als er das lange so gehalten hatte, lief er eines Mittags auf eine neue Rodung hinaus. Da fand er nicht mehr Leute als gerade einen einzigen Mann: dieser sah ihm gleich an, daß er nicht bei Sinnen war. Er floh vor ihm, um sich zu retten, in seine Hütte nahebei. Da glaubte er aber nicht sicher zu sein und verriegelte fest die Tür: davor stand der Irre.
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der einsidel sach im nâ
und vlêget got vil sêre
daz er in iemer mêre
erlieze selher geste:
wand er vil lützel weste
wie ez umbe in was gewant.
nu erzeicte der tôre zehant
daz der tôre und diu kint
vil lîhte ze wenenne sint.
er was dâ zuo gnuoc wîse
daz er nâch der spîse
dar wider kam in zweien tagen,
und brâhte ein tier ûf im getragen
und warf im daz an die tür.
daz machte daz er im her vür
deste willeclîcher bôt
sîn wazzer unde sîn brôt:
erne vorht in dô niht mê
und was im bezzer danne ê,
unt vant ie diz dâ gereit.

Der Einsiedler sah ihm nach und flehte inständig zu Gott, er möge ihn künftig mit solchen Gästen verschonen. Denn er wußte ganz und gar nicht, wie es mit ihm bestellt war. Nun erwies der Irre sogleich, daß ein Irrer und Kinder sich leicht gewöhnen lassen. Er war dazu klug genug, daß er zum Essen nach zwei Tagen zurückkam, und er brachte auf dem Rücken ein Reh und warf ihm das vor die Tür. Das bewirkte, daß der ihm von nun an um so williger sein Wasser und sein Brot reichte. Er fürchtete ihn nun nicht mehr und war freundlicher zu ihm als vorher, und Iwein fand da immer das Seine bereit.
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   Sus twelte der unwîse
ze walde mit der spîse,
unz daz der edele tôre
wart gelîch einem môre
an allem sînem lîbe.
...
er lief nû nacket beider,
der sinne unde der cleider,
unz daz in zeinen stunden
slâfende vunden
drî vrouwen dâ er lac,
wol umb einen mitten tac,
nâ ze guoter mâze
bî der lantstrâze
diu in ze rîten geschach.
und alsô schiere do in ersach
diu eine vrouwe von den drin,
dô kêrte sî über in
und sach in vlîzeclîchen an.
nû jach des ein ieglich man
wie er verloren wære:
daz was ein gengez mære
in allem dem lande:
und daz sî in erkande
daz was des schult; und doch niht gar.
sî nam an im war
einer der wunden...

   So hauste der Törichte im Wald und nährte sich, bis der edle Irre am ganzen Leib einem Mohren gleich wurde.
...
Entblößt von Kleidern wie von Verstand lief er einher. Bis daß ihn eines Tages drei Damen fanden, wo er schlafend lag, eines Mittags, nicht weit von einer Landstraße, die sie geritten kamen. Und sobald ihn da eine der drei Damen erblickt hatte, beugte sie sich über ihn und sah ihn aufmerksam an. Nun hatte jedermann berichtet, daß er verschwunden sei, das war eine bekannte Nachricht im ganzen Land. Und das war der Grund, daß sie ihn erkannte. Aber nicht nur das. Sie erkannte an ihm einer der Narben...
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nû sprach sî zuo ir vrouwen
'vrouwe, ir muget wol schouwen
daz er den sin hât verlorn.
von bezzern zühten wart geborn
nie rîter dehein
danne mîn her Îwein,
den ich sô swache sihe leben.
im ist benamen vergeben,
ode ez ist von minnen komen
daz im der sin ist benomen.
und ich weiz daz als mînen tôt,
vrouwe, daz alle iuwer nôt,
die iu durch sînen übermuot
der grâve Âliers lange tuot
und noch ze tuonne willen hât,
der wirt iu buoz unde rât,
ob er von uns wirt gesunt.
mir ist sîn manheit wol kunt...'

Sie sagte jetzt zu ihrer Herrin: "Herrin, Ihr könnt wohl erkennen, daß er den Verstand verloren hat. Von besserer Art geboren war nie ein Ritter als der Herr Iwein, den ich jetzt in so schwachem Zustand sehe. Man hat ihn offenbar vergiftet, oder es ist von der Liebe gekommen, daß ihm der Verstand geraubt ist. Aber ich weiß das gewiß wie meinen Tod, Herrin,  daß für Eure ganze Not, die Euch durch seinen Übermut der Graf Aliers seit langem antut und noch anzutun entschlossen ist, daß Ihr dafür Rat und Hilfe findet, wenn er von uns geheilt wird. Ich kenne seine Tapferkeit genau..."
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   Diu vrouwe was des trôstes vrô.
sî sprach 'und ist der suht alsô
daz sî von dem hirne gât,
der tuon ich im vil guoten rât,
wand ich noch einer salben hân
die dâ Feimorgân
machte mit ir selber hant.
dâ ist ez umbe sô gewant
daz niemen hirnsühte lite,
wurd er bestrichen dâ mite,
erne wurde dâ zestunt
wol varende und gesunt.'
sus wurden sî ze râte
und riten alsô drâte
nâch der salben alle drî:
wand ir hûs was dâ bî
vil kûme in einer mîle.
nû wart der selben wîle
diu juncvrouwe wider gesant,
diu in noch slâfende vant.

   Die Herrin war froh über diesen Zuspruch. Sie sagte: "Ist die Krankeit derart, daß sie vom Gehirn kommt, so kann ich ihm gut helfen, denn ich habe noch von einer Salbe, die Feimorgan mit eigener Hand bereitet hat. Sie hat die Eigenschaft, daß niemand an Gehirnkrankheit leidet, der, damit bestrichen, nicht auf der Stelle munter und gesund würde." So entschlossen sie sich und ritten alle drei schnell nach der Salbe, denn ihre Burg war von da kaum eine Meile weit weg. Nun wurde die Jungfrau sogleich zurückgesandt, und sie fand ihn noch schlafend.
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   Dô sî in ligen sach als ê,
nûne twelte sî niht mê,
sî hafte zeinem aste
diu pfärit beidiu vaste,
und sleich alsô lîse dar
daz er ir niene wart gewar,
unz sî in allenthalben bestreich.
dâ zuo sî vil stille sweich.
mit der vil edelen salben
bestreich si in allenthalben
über houbet und über vüeze.
ir wille was sô süeze
daz sî daz alsô lange treip
unz in der bühsen niht beleip.
des wær doch alles unnôt,
dâ zuo und man irz verbôt;
wan daz sî im den willen truoc,
esn dûhtes dannoch niht genuoc,
und wær ir sehsstunt mê gewesen:
sô gerne sach sî in genesen.
und dô sîz gar an in gestreich,
vil drâte sî von im entweich,
wand sî daz wol erkande
daz schämelîchiu schande
dem vrumen manne wê tuot,
und barc sich durch ir höfschen muot,
daz sî in sach und er sî niht...

   Als sie ihn liegen sah wie zuvor, da säumte sie nicht länger, sie band beide Pferde fest an einen Ast und schlich so leise heran, daß er sie nicht gewahrte, bis sie ihn allenthalben gesalbt hatte. Dabei schwieg sie ganz still. Mit der kostbaren Salbe bestrich sie ihn überall vom Kopf bis zu den Füßen. Ihr Wille war so liebevoll, daß sie das so lange tat, bis in der Büchse nichts mehr war. Das wäre doch alles nicht nötig gewesen, zudem hatte man es ihr ja verboten. (Sie sollte ihn nur am Kopf bestreichen und die Salbe nicht verschwenden - Anm. d. R.) Aber sie war ihm so wohlgesinnt, daß es ihr noch nicht genug schien, hätte sie auch sechsmal mehr gehabt: so gerne wollte sie ihn geheilt sehen. Als sie ihn aber mit allem gesalbt hatte, trat sie schnell von ihm zurück, denn sie sah genau ein, daß peinliche Schande dem edlen Mann weh tut, und sie verbarg sich, in ihrem höfischen Sinn, so daß sie ihn sah, er aber sie nicht...
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alsus enoucte sî sich niht
unz in diu salbe gar ergienc
und er ze sinnen gevienc.
   Dô er sich ûf gerihte
und sich selben ane blihte
und sich sô griulîchen sach,
wider sich selben er dô sprach
'bistûz Îwein, ode wer?
hân ich geslâfen unze her?...'

So ließ sie sich nicht blicken, bis ihn die Salbe ganz durchdrungen hatte und er zu Sinnen kam.
   Als er sich aufrichtete und sich selbst erblickte und sich so greulich sah, da sprach er zu sich selbst: "Bist du es, Iwein, oder wer sonst? Habe ich geschlafen bis jetzt?..."
...


151
Subject: Leserforum
Date: Wed, 4 Jul 2001 02:37:16 +0200

Hallo!
Ich wollte Euch fragen, ob jemand Erfahrungen mit Solian gemacht hat.
Ein Freund von mir wird gerade von Zyprexa auf dieses Medikament umgestellt.
->Wie schnell in etwa sollte die Wirkung eintreten? Ich habe gehört, das
sollte schon 1 Stunde nach der ersten Einnahme zu wirken beginnen. Kann das
sein? Bei Zyprexa hat das ganze zwei Wochen gedauert.
->Habe weiters gelesen, daß das gar kein atypisches Neuroleptikum sein soll.
Bekommt man extrapyamidale Störungen davon? Welche Nebenwirkungen sind zu
erwarten?

Mich würden jedenfalls Eure Erfahrungen mit diesem Medikament interessieren!
Viel Info konnte ich leider nicht darüber finden. Aber vielleicht ja hier...
:)

Liebe Grüße Alexa
 


150
Subject: Leserforum
Date: Sun, 1 Jul 2001 21:58:43 +0200
 

Lieber Bodo!
Habe das Tagebuch gelesen. Finde ich toll, daß man solche Informationen im Internet finden kann.Jetzt aber folgende Frage:
Habe eine langjährige Freundin, an der ich glaube, ähnliche Symptome festzustellen (Sie hatte sich verliebt, der Mann wollte allerdings nichts von ihr wissen, sie  glaubt anonyme Anrufe und SMS-Nachrichten von ihm zu bekommen; seit einiger Zeit glaubt sie von verschiedenen Personen aus ihrem Berufsleben Hinweise bzw. "Zeichen" in Bezug auf sie und diesen Mann zu bekommen. Das heißt, er instruiert seine Freunde, ihr in Gesprächen Zeichen zukommen zu lassen. Inzwischen ist es soweit, daß sie sogar glaubt, von ihren Nachbarn und sogar von mir bestimmte Hinweise zu bekommen).
Falls es sich also um "paranoide Schizophrenie" handeln sollte, wie kann ich ihr helfen? Ist es besser, Ihr zuzustimmen, oder nicht? Natürlich glaubt sie von sich völlig gesund zu sein. Alles hat ja für sie einen logischen Bezug.Daher möchte sie natürlich keinen Arzt aufsuchen.Familie hat sie keine, die man zu Rate ziehen könnte!

Bitte um Info, wie ich mich verhalten soll!
Danke und liebe Grüße

Sabine wesa@members.at



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Ergreift die Welt
mit beiden Händen,
bleibt nicht allein -
ganz ohne Mut,
teilt den Schmerz
der wunden Seele,
denn nur wer fühlt,
dem geht es gut.






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