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Tagebuch einer Psychose

Selbsthilfe-Archiv Psychose Nr.7

265
Date: Wed, 8 Jan 2003 13:46:11 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

Hallo

also an hannover.love möchte ich sagen ich nehme Zeldox, ich hab mal vorschnell hier einseitig negativ darüber geschrieben, die schlechten Erfahrungen waren vorallem das Ergebnis von aprubtem Absetzem meines vorherigen Medikaments Zyprexa, mit ausschleicheder Ausdosierung und zusätzlich jetzt zum Zeldox etwas Seroquel abends (sonst kann ich nicht einschlafen) komme ich soweit mit Zeldox zurecht, Probleme ergeben sich in der Frage der Müdigkeit morgens, das ist ein Problem wenn man früh raus muss, gut ist dass die Gewichtszunahme gestoppt ist und das Gewicht sehr langsam wieder abnimmt.

Einseitige Computerbeschäftigung mag vielleicht nicht so gut für die Psyche sein, aber wenn man die Chance hat einen so qualifizierten Beruf zu haben würde ich dir raten doch weiter zu versuchen im Arbeitsleben dort unterzukommen und den Ausgleich dazu in einer schönen Freizeitgestaltung zu suchen die auch viel menschliche Begegnungen und Gespräche als Ausgleich zu den beruflichen Gesprächen mit einer Maschine beinhaltet, das wäre was ich in deiner Situation tun würde.

Meine eigenen psychotischen Krisen hatten immer mit negativen religiösen Gedanken und Erlebnissen zu tun, Psychiater konnten diese Fragen nie beantworten und in der ambulanten Therapie reicht es leider nur dazu, Probleme sobald sie auftauchen durch entsprechende Dosen an Medis wieder wegzudämpfen.

Was mir fehlt ist ein Theologe der mit mir redet, aber es ist wahnsinnig schwierig jemand zu finden der psychotisch-christlich religöse Fragen beantworten könnte, ich wandte mich an den Klinikseelsorger einer psychiatrischen Klinik, der mir doch nur zu einem stationärem Aufenthalt geraten hat.

Jeder der schon mal die Therapietretmühle einer psychiatrischen Klinik erlebt hat, wird verstehen, dass ich ohne psychotische Krise nur zum Aufarbeiten unbeantworteter Altlasten nicht so gerne für Monate in eine Klinik gehe. Ist eigentlich traurig wie sehr man alleingelassen wird wenn man ambulant Hilfe sucht.

Alles Gute euch allen

Ronald


264
Date: Wed, 8 Jan 2003 03:55:21 EST
Subject: Leserforum

Hallo!

Wer hatte auch schon mal eine psychose?? Und wer möchte sich mit mir austauschen!!??
Ich habe schon 2 psychosen hinter mir da ich die Tabletten (zyprexa) nicht genommen habe bekam ich erneut eine Psychose! Ich fühle mich von den tabletten total benebelt!

Schreibt an

Tina28081980@aol.com


263
Date: Thu, 2 Jan 2003 17:40:15 +0100
Subject: Psychose-Forum Januar 2003

Am 07. November 2002 berichtete ich zum ersten Mal über meine Geschichte. Hier möchte ich sie fortsetzen.

Zur Erinnerung: Während meines Informatik-Studiums erkrankte ich und werde seitdem von Geistern verfolgt. Ich streite mich mit imaginären Personen (Geistern). Jahrelang schleppte ich die Krankheit mit mir herum, bevor ich zu einer Ärztin ging. Sie probierte wechselnde Medikamente an mir aus, bis Risperdal eine gute Wirkung erzielte. Ich nehme es seit mehreren Jahren. Übrigens zahlt es meine Krankenkasse.

Die Ärztin ist sich nicht sicher, was für eine Krankheit ich habe; sie schwankt zwischen einer Psychose und einer paranoiden Persönlichkeitsstörung. Es fällt ihr auf, dass ich jederzeit zwischen dem Verfolgungserleben und der äußeren Wirklichkeit unterscheiden kann, während ein echter Psychotiker das nicht kann.

Erst kürzlich ging mir auf, dass meine Krankheit dazu führte, dass ich von Anfang an berufliche Probleme gehabt habe: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Niedergeschlagenheit, Gehemmtheit und ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Lustlosigkeit. Meine Arbeitsverhältnisse sind relativ kurz gewesen. Meine Kollegen haben mich nicht ernst genommen, selbst wenn sie meine Fachkenntnisse ernst genommen haben.

Daher ist in mir der Wunsch entstanden, genau zu wissen, was es für eine Krankheit ist, und sie zu besiegen. Das Risperdal hat die Krankheit nur begrenzt, aber nicht beseitigt. Seit einiger Zeit bin ich arbeitslos und nutze die Zeit für eine Psychotherapie. Bisher bin ich nur medikamentös behandelt worden.

Meine erste Ärztin hat mich zu einer zweiten geschickt, die sowohl Psychiatrie als auch Psychotherapie betreibt. Sie hat gesagt, dass viele Leute durch die berufliche IT krank werden. Sie möchte ein neues Medikament namens Zeldox an mir ausprobieren. Hat jemand damit Erfahrung? Und ihre Psychotherapie soll mir helfen, meine Krankheit zu verstehen und meine Lage zu stabilisieren. Außerdem sprach sie von einer Gruppe von Leidensgenossen.

Die Ärztin hat mich krank geschrieben und dabei F 20.0 diagnostiziert, damit ich zur Zeit keine Arbeit annehmen muß. Ohne die Therapie werde ich immer die alten Probleme auf der Arbeit haben.

Ein Gutes hat die Krankheit. Ich war früher recht schweigsam und schüchtern. Durch den Kampf gegen die Geister bin ich mutiger und gesprächiger geworden. Ohne das Leiden wäre ich auch so ein langweiliger IT-Sklave oder gar ein IT-Beratungsbetrüger. Ich bin dankbar, dass ich dies erleben darf.

Falls ein Leidensgenosse mich kontakten will: Hannover.Love@web.de . Ich würde gerne Leidensgenossen kennen lernen. Ich werde über die Therapie berichten.

Herzliche Grüße


262
Date: Thu, 2 Jan 2003 15:47:30 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Ihr Lieben,

habe schon eine SEHR nette Zuschrift erhalten, aber ich drückte mich wohl nicht deutlich genug aus…. Wenn man, wie ich FREIBERUFLER ist, in einer PRIVATEN Krankenkasse ist, dann steuert einen das Sozialamt TOTAL aus der Krankenkasse aus. Man kriegt vom Sozialamt nur noch „Anrechtscheine“ für den Arzt, ist auf den GUTEN Willen des Sozialamtes (bis auf Land Hessen!) angewiesen, WAS sie an Medikamenten bezahlen. Also habe Angst, sie zahlen mein TEURERES Risperdal NICHT! Haldol und Fluanxol was billig ist, das wirkt ja bei mir nach 20 Jahren NICHT mehr, Risperdal wirkt TOLL, 1 1/3 Jahr „stimmenfrei“!

Wer kann mir also Info geben, falls ich in 6 Monaten wirklich ein Sozialfall werde. Lebe in München (Land Bayern)?????

Danke!

Barbara


261
Date: Thu, 2 Jan 2003 15:47:56 +0100
Subject: "Leserforum"

So, das ist ja alles ganz interessant, was man hier lesen kann. Bin ich also nicht der einzige, der eine Psychose hat und der deswegen Tabletten nehmen muß?! (täglich 200 mg Solian wegen akustischer Halluzinationen und zwanghafter Gedanken).
Also gut, hat es uns also erwischt. Das kann ja passieren, aber was dann. Ich habe in den letzten fünf bis sechs Jahren bestimmt mit zwanzig Psychiatern gesprochen und mußte feststellen, daß wirklich keiner eine Erklärung für die Entstehung dieser Erkrankung hat und das gibt wohl auch den aktuellen Stand der Wissenschaft wieder. Ein beklagenswerter Zustand, möchte man/frau doch gerne, allzugerne wissen, was mit ihr/ihm vor sich geht. Schließlich ist man mitunter ganz aus seinem bisherigen Lebensverlauf heraus gerissen. Ich war lange Zeit irgendwie ratlos und irgendwie fand ich waren die Ärzte das auch. Bei mir gehört es zur Erkrankung und bei denen zum Beruf. Also ich bin unzufrieden mit der Beratung, die man so bekommt.

"Stoffwechselstörung"!!! Natürlich hat das etwas mit Stoffwechsel zu tun. Das ist nun einmal eine Grundlage unseres Denkens und Erlebens, unserer inneren Verarbeitung etc. Aber was ist gestört? Die neuronalen Prozesse oder die Lebenssituation. Darauf ist in den vielen Gesprächen die ich hatte überhaupt niemand eingegangen.
Dabei gehört das doch zu einem Behandlungsgespräch. Ich meine, ich kann das zwar selbst ansprechen, aber mir fällt auf, daß es in dieser Richtung überhaupt keine Initiative gibt, so als wäre es verboten darüber zu sprechen.

Ich sehe aber keinen anderen Weg, wenn man die aufgetretenen Phänomene einmal loswerden will. Es gibt offenbar auch Fälle, in denen die Psychose einfach wieder verschwindet, aber scheinbar niemanden, der erforscht, warum das so ist. Natürlich ist das nicht ganz einfach, aber wir als Betroffene würden doch zumindest gerne sehen, daß man einen Versuch in dieser Richtung unternimmt. Ich meine eine kausale Erklärung für die Entstehung von Psychosen aller Art aus dem Lebenszusammenhang heraus.
Und zwar im persönlichen Beratungsgespräch wie in der wissenschaftlichen Forschung. Ich jedenfalls möchte mich nicht damit abgeben, daß man absolut dem Schicksal ausgeliefert ist.
Ein guter Ansatz wäre vielleicht zu schauen, welche Begleitumstände mit Schwankungen der Symptomatik einhergehen.
Und die Frage ist eigentlich: -habe ich mich selber da hineinmanöveriert?-
Und: -möchte ich mich nun wieder heraus- oder lieber hindurchmanöverieren?!-, wenn ich diese Wahl habe.
Vor allem geht es mir aber um eines: Nämlich, daß die Betroffenen die Hoffnung nicht aufgeben, daß sich vielleicht mal wieder etwas bessert und daß sie vielleicht dazu beitragen können. Wir müssen uns doch selbst die Mühe wert sein.

Ich hatte ja Gelegenheit, daß alles auszuprobieren und aus meinem anfänglichen Optimismus ist die vielleicht etwas realistischere Einschätzung geworden, daß Psychosen wirklich etwas Hartnäckiges sind. Und man kann schon den Mut verlieren. Aber ich habe mit Sicherheit, dadurch daß ich mich damit auseinander setze, einiges Interessante erfahren, über mich und über die Sache. Schon deshalb lohnt es sich.
Tabletten sind nicht alles.
Wenn noch jemand so denkt wie ich, dann wäre es vielleicht ganz schön, wenn Ihr Euch hier mitteilen würdet.

Merci,

frohes neues Jahr
und Kopf hoch

Tillmann


260
Date: Wed, 1 Jan 2003 22:28:36 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Allerseits. Hallo Barbara,

wünsche Euch alles Gute für 2003 !!!

Du könntest beim Landesversorgungsamt die Anerkennung als Schwerbehinderte beantragen. Dann aufgrund Deiner Arbeitstätigkeit eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit beantragen.
Wenn das nicht geht, mußt Du eine Sozialrente beantragen.
Das wäre alles. Wäre nett wenn Du uns auf dem Laufenden halten würdest.

Gruß

D.Angel


259
Date: Wed, 25 Dec 2002 16:50:10 +0100
Subject: Leserforum

Hallo, Ihr Lieben,

erst einmal frohe Weihnachten und viel Gesundheit, glückliche Stunden und auch Erfolg im Jahr 2003.

Ich habe ein „zukünftiges“ Problem, vielleicht bin ich in 6-7 Monaten eine „Sozialhilfefall“ und habe nun Angst, dann kriege ich mein TEUERES Risperdal (ca. 225 Euro für 50 Tage -3mg täglich) nicht vom Sozialamt bezahlt??!! Wer kennt sich da aus??? Ich lebe in München, Bayern, bin 58 und seit 3 Monaten arbeitslos, kriege aber kein Arbeitslosengeld, weil ich seit 1978 FREIBERUFLICH in der EDV (Großrechner) tätig war. Nach 70 Bewerbungen, keinen Antworten und rund 10 Absagen kriege ich langsam Panik.

Meine Geschichte : Seit 1981-2001 Herbst Fluanxol- Depot-Spritze alle 14 Tagen. Hörte ich 2-3 x pro Jahr trotzdem Stimmen ging ich mit dem Fluanxol von 0,5 ml auf 1 ml und nahm noch täglich 10 mg Haldol. DAS half ab Sommer 2001 nicht mehr die Stimmen und Psychose ein zudämmen. Im Herbst 2001 bekam ich Risperdal verschrieben und nach 2 Tagen war ich ABSOLUT NORMAL und habe bis heute keinen einzigen Rückfall mehr gehabt!

Im Spiegel stand nun vor kurzem, VIELE Krankenkassen zahlen die MODERNEN Schizo- Medikamente nicht, ruinieren die Gesundheit der Patienten mit Haldol e.t.c. wo man lebenslange Schäden kriegt und ständig wieder in der Psychiatrie stationär landet. Das Sozialamt dann sicher auch nicht??!!

Was kann ich also machen, falls ich in 6-7 Monaten die Krankenkasse nicht mehr bezahlen kann und zum Sozialamt gehen muss, um mein RISPERDAL zu kriegen? Ich war nur 1x 1981 stationär in der Psychiatrie, habe es all die Jahre IMMER TOTAL alleine geschafft, trotz der stetigen Rückfälle. War nur ca. alle 2 Jahre mal beim Neurologen-Psychiater zu nem EEG und einem Gespräch.

Wer weiß Rat? Ich bitte mit mir per Email auch Kontakt auf zu nehmen, wenn sich jemand mit „Sozialhilfe“ und den teueren MODERNEN Medikamenten auskennt!
Danke!

Barbara


258
Date: Thu, 19 Dec 2002 15:34:15 +0100 (MET)
Subject: leserforum

Lieber Iwan!

Ich fühle so mit dir - ich habe auch schon so darunter gelitten, aufgrund der Krankheit (ich habe seit ich Sulpirid nehme das Glück, außer einem erhöhten Prolaktinspiegel, den ich aber nicht besonders belastend empfinde, unter keinen Nebenwirkungen zu leiden) im Studium nicht so leistungsfähig zu sein. Ich studiere Medizin und die Komilitonen, mit denen ich fast ausschließlich zu tun habe (bei uns hockt man ja quasi nur aufeinander, da man sich seine Kurse nicht aussucht, sondern alle das gleiche machen), die sind unglaublich leistungsfähig. Sehr fleißig, keine Probleme, alles fällt ihnen leicht - und dann ich. Ich sitze dann dabei und die unterhalten sich frühlich darüber, was sie alles mal wieder gelesen und gelernt haben und ich denke mir jedesmal, scheiße, wie soll ich das denn alles bis zum Testat nachholen, wie soll das gehen? Meine Therapeutin sagt, es ei nicht gut für mich, dass ich ausgerechnet mit so superguten Leuten die ganze Zeit zusammen bin, aber ich denke auch, dass das ganz gut für mich ist, auch mal diese Erfahrung zu machen. Außerdem mag ich die alle sehr gern.

Neulich habe ich eine alte Bekannte in der Bahn getroffen und ihr erzählt, dass ich mein Studium als anstrengend empfinde (obwohl es natürlich andererseits sehr spannend ist und auch Spaß macht) und sie hat mir so viel geholfen, indem sie einfach gesagt hat, dass ich ja auch so noch mein Päckchen zu tragen habe. Vielleicht solltest du dir das auch sagen? Ich meine, schau mal, wie sind doch schon so glücklich dran, dass wir überhaupt studieren können! Und wen interessiert das später noch, wie viele Semester du länger studiert hast, als andere? Ich meine, es ist einfach nicht zu vergleichen, ob jemand, der gleichzeitig noch mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen hat, etwas tut, oder ob jemand, der solche Probleme nicht hat, das gleiche tut. Bei mir ist es einfach so, dass ich oft einfach keine Motivation aufbringen kann, zu lernen. Ich kämpfe schon jeden Morgen allein mit dem Aufstehen, wirklich, wenn ich nicht meinen Freund hätte, der zuweilen bis zu einer Stunde auf mich einredet, damit ich es endlich schaffe, mich zumindest hinzusetzen, wüsste ich nicht, wie ich das alleine hinkriegen sollte.

Ich weiß noch nicht, ob ich später, WENN ich mit meinem Studium wirklich mal "durch" sein sollte, was noch sehr, sehr lange dauert, auch den Beruf einer Ärztin ausüben können werde, weil ich keine Ahnung habe, wie sich das mit meiner Erkrankung weiterentwickeln wird. Bisher habe ich zwei psychotische Episoden gehabt, einmal war ich in der Psychiatrie deswegen, und ich habe Borderlinerstrukturen. Ich meine, ich hoffe natürlich, dass es nur besser wird - aber versprechen kann mir das keiner, klar.

Weißt du, als ich mein Studium angefangen habe, war ich noch immer depressiv von der ersten Episode, ich wollte es einfach mal versuchen und habe von Anfang an gesagt, dass ich lieber länger studiere, als dass ich mir Druck mache, der wirklich belastend und schädlich für mich ist - und das versuche ich, mir auch dann zu sagen, wenn ich mal wieder super im Rückstand bin mit dem Lernen und ich das Gefühl habe, zu versagen.

Lieber Iwan, ich hoffe, das hilft dir ein kleines bisschen weiter. Lass dich nicht entmutigen, vergleiche dich vor allem nicht mit anderen, die, einfach, weil sie nicht deine Probleme haben erfolgreicher im Studium sind, sondern schau auf deine eigenen Fortschritte, darauf, was DU schaffst, obwohl du nicht vollkommen fit bist!

Ihr Lieben, ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachten, vielleicht schneit's ja sogar noch... Lasst euch nicht unterkriegen,

eure Bea


257
Date: Sat, 14 Dec 2002 15:01:51 +0100
Subject: Leserforum

hallo,
ich nehme seit einem monat zeldox und habe jetzt auch abgenommen und meine brustwarzen sind nicht mehr aufgebläht. das war ja recht schön. ich habe sonst gar keine nebenwirkungen. aber es ist eines: die negativsymptome gehen nicht weg und das belastet mich so. ich bin ein ganz schlechter student, obwohl meine professoren das größte verständnis haben. ich fühle mich dann auch als schlechter mensch, weil ich meiner mutter so wenig für ihre liebe und ihre aufopferungen zurückgeben kann. ich habe fast keine freunde mehr und finde auch keine neuen. weiß jemand irgendein mittel, um den negativsymptomen beizukommen?

alles liebe und schöne weihnachten und auch silvester,

iwan


256
Date: Tue, 17 Dec 2002 00:27:52 +0100
Subject: Leserforum: Beitrag Gewichtsabnahme mit BCM

Hallo Jan

Wow, das klingt ja super. Du scheinst ja echt erfolgreich gewesen zu sein was das Abnehmen betrifft. Ja, es ist tatsächlich möglich unter Neuroleptika abzunehmen. Ich hätte es damals auch nicht geglaubt.

Ich habe insgesamt 15 kg durch das BCM Programm abgenommen und dadurch auch ein völlig neues Essverhalten gelernt. Seit Oktober halte ich mein neues Gewicht und habe keine Probleme mehr. Ich möchte jetzt noch etwas an Gewicht verlieren, lasse mir damit aber Zeit und treibe jetzt auch viel Sport. Das hätte ich voher auch nicht so konsequent durchgezogen. Ich bin sehr zufrieden mit der Situation und zuversichtlich.
Die Lebenqualität ist einfach verbessert. Das kann man nicht anders sagen.

Jan:
Ich wollte auch noch auf das Thema Impotenz kommen.
Versuche es mal mit Akupunktur und Chinesischer Heilmedizin (Stichwort:Tee) . Wenn Du da eine gute Person findest. Du mußt einfach Deine Problematik schildern und ein Tee kann Nebenwirkungen etwas abmildern. Es könnte Dir eventuell etwas helfen. Du darfst aber keine Wunder erwarten, aber die Situation kann sich deutlich verbessern.

Beitrag: 254
Ich habe auch meine Erfahrungen mit Solian gemacht.
Solian solltest Du nicht einfach absetzen sondern langsam herunter setzen. Du solltest in langsamen Schritten, immer nur 50 mg die Medikation herunterschrauben und Dein Individuelles Optimum finden. Aber erst wenn Du wirklich stabil bist. Ich habe bsp. ein Jahr lang 300 mg genommen und unter extremer Müdigkeit gelitten. Ich hätte nur noch schlafen können und mein Leben war dadurch schwer beeinträchtigt. Jetzt nehme ich inzwischen 150 mg und alles hat sich verbessert. Die Müdigkeit und Lethargie sind weniger geworden. Allerdings setzt das voraus, dass man echt stabil und fit ist. Das man die Kraft hat das durchzuziehen und den Rückhalt hat . Denn einen Rückfall fordert man damit eventuell auch heraus. Ich hatte Glück und bisher verlief alles gut. Aber das ist alles sehr individuell. Wie stark Deine Psychose oder Schizophrenie war und wie viel Restsymptomatik noch vorhanden ist.

Hoffe ich konnte Dir weiterhelfen.

Gruß an Jan und alle anderen

D.Angel


255
Date: Sat, 14 Dec 2002 15:01:51 +0100
Subject: Leserforum Beitrag 234 - Gewichtsabnahme mit BCM Programm/Dark Angel

Hallo Dark Angel,

bin jetzt seit knapp 2 Monaten in der Gewichtsreduktionsphase vom BCM Programm und habe schon 21kg abgenommen. Das ist nicht schlecht, von 104kg auf 83kg. Ein bißchen Sport nebenbei und dazu die gute BCM Eiweißernährung und schwuppdiwupp - die Kilos waren weg.

Tja, vorher dachte ich Übergewicht unter Neuroleptika wäre nicht zu vermeiden (Fluanxol). Ist es aber doch. Anstoß waren schon Deine Erfahrungen mit dem BCM Programm die Du hier bei Bodo dokumentiert hast. Ist ja auch ganz simpel. Einfach www.precon.de wählen, die heimische Postleitzahl angeben und zack, es kommen die Ärzte per e-mail in der näheren Umgebung die BCM anbieten. Tjaja, warum schwer wenn's auch einfach geht.

Jetzt kommt noch in den nächsten 10 Wochen die Stabilisierungsphase, wo's dann nur noch Abends das Eiweißzeug gibt. Danach dann umgestellte Ernährung. Etwas weniger von allem und natürlich möglichst fettarm.

Ganz gut soweit. Bleibt noch der erhöhte Prolaktinspiegel und die damit verbundene Impotenz. Wenn das mal gelöst sein sollte, ist es mir auch egal schizophren zu sein, weil es mich im Alltag einfach nicht mehr betrifft.

Bleibt also noch mich bei Dir für den guten Tip zu bedanken und Dir frohe Weihnachten zu wünschen.

Gruß,

Jan


254
Date: Fri, 13 Dec 2002 13:53:37 +0100
Subject: Leserforum

Hallo alle zusammen!

Bin seit ca. einem halben Jahr an einer Psychose erkrankt und nehme deshalb täglich 400 mg Solian. Da mich das Solian aber den ganzen Tag über unglaublich müde und gefühllos macht, würde ich das Medikament gerne so schnell wie möglich wieder ausschleichen oder zumindest erstmal herabsetzen. Wer hat Erfahrung von Euch mit Solian und hat es ebenfalls nach nur wenigen Monaten abgesetzt? Hattet Ihr danach einen Rückfall? Wer kennt das Sympton der Müdigkeit unter Solian und kann mir sagen, ob das unter geringerer Dosierung besser geworden ist?

Wäre Euch sehr dankbar für Zuschriften. Gerne auch unter freshnut@freenet.de.
Vielen Dank im voraus!!!


253
Date: Fri, 29 Nov 2002 20:16:42 +0100 (MET)
Subject: an Markus

Hallo, Markus,

ich wollte dir nur ganz kurz sagen, dass es mir wirklich leid tut, dass dir meine Fragen nicht gut bekommen sind, ich hoffe es geht dir wieder besser! Ich habe nicht damit gerechnet, dass jemand solche Fragen belasten könnten. Bei mir ist es ganz anders als bei dir gewesen, mir war es enorm wichtig, mich mit den Erlebnissen und dem Entstehen der Psychose zu beschäftigen - in der Therapie geht es zwar wenig darum, aber ich habe sehr viel dazu aufgeschrieben und mit guten Freunden darüber geredet, weil ich das Gefühl hatte, so ein wenig Klarheit zu erlangen und verstehen, was da eigentlich mit mir passiert ist. Um mich der Krankheit nicht ganz so ausgeliefert zu fühlen...
Mir geht es gerade ziemlich gut und ich würde dir gerne davon etwas abgeben. Ich hatte eine Klausur und ein Testat neulich und habe so gerade noch dir Kurve gekriegt mit dem Lernen - allerdings ohne Kerze, ich bin viel in die Bücherei gegangen und habe mit anderen zusammen gelernt, dann ging's - und beides hat geklappt! Das hat mein angeknackstes Selbstvertrauen nach dem depressiven Sommer wieder ein wenig aufgepäppelt. Ich hoffe, das bleibt so.

Alles Liebe,

Bea


252
Date: Thu, 28 Nov 2002 11:20:16 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Leute,

nach ein paar wochen johanniskraut fängt die sache an zu wirken. Die ganze berg und talfahrt der letzten zeit, die eigendlich nichts psychotisches war, hat sich langsam beruhigt und ich könnte mittlerweile wie Budda stundenlang unter'nem Gingobaum sitzen und nichts tun. Was nicht heißt, dass es keine depressionen mehr gibt, aber meine nervosität hat sich gelegt und ich stehe meiner situation jetzt gleichgültiger gegenüber.
Vielleicht würde Lithium oder ein Serotoninwiederaufnahmehemmer besser gegen nervosität und niedergeschlagenheit wirken, aber es war schon eine langwierige angelegenheit vom arzt überhaupt was verschrieben zu bekommen, was die negativsymtome reduziert. Warum nicht schon früher?
Mit viel aufmerksamkeit habe ich Ralfs text gelesen, in dem er erwähnt, dass in den USA auch mit geringen dosen von Risperdal gearbeitet wird. Nach verschiedenem 'herumexperimentieren' wie Dosierung nach Arztanweisung (4mg täglicher dauermedikation mit den entsprechenden tranigen nebenwirkungen) und eigenmächtigem absetzen mit anschließender neuer episode (wiedereinnahme täglich 3mg bis zum ende der positivsymtomatik mit darauffolgender schrittweise reduzierter dosis) habe auch ich meine normale tägliche dosis auf 0,5mg gesenkt, nicht in dem glauben, dass ich das momentan gegen psychotische erscheinungen brauche, die sind zur zeit nicht vorhanden, sondern um die rutine der pilleneinnahme aufrechtzuerhalten und um bei der täglichen pilleneinnahme auch täglich zu reflektieren, ob ich wegen eventuellen nächtlicher schlafstörungen oder frühem aufwachen gegebenenfalls die dosis für einige zeit erhöhen sollte. Das war vielleicht mein fehler beim letzten schub, das ich trotz mir bekannter frühzeichen unbedingt weiter keine medikamente nehmen wollte, eine fehlentscheidung stark beeinflußt durch das dosishickhack mit den ärzten, und dann erst recht spät wieder damit angefangen habe welche zu nehmen.
Ob das ein gangbarer weg ist, den ich damit eingeschlagen habe, weiß ich auch nicht. Ich bin mit meinem medikament in der jetzigen dosis ganz zufrieden und weiß seit dem letzten sommer das das Risperdal im notfall relativ schnell wirkt, aber ich fühle mich trotzdem ärztlich nicht gut versorgt, weil nicht gut beraten.
Gangbare vorschläge, rückendeckung oder nur ein konstruktives gespräch seitens der ärzteschaft habe ich in dieser sache nie erhalten. Ich habe es jedenfalls so erlebt, dass man schnell mit viel neuroleptika bestens versorgt wird, auch wenn man schon lange keine positivsymptomatik mehr hat, mit den nebenwirkungen und negativsymptomatik aber alleine gelassen wird.

Gruß Markus


251
Date: Thu, 21 Nov 2002 15:25:55 +0100
Subject: Leserforum

Hallo !!

Wie alles begann: Ich war ein schüchterner junger Mann, hatte wenig Kontakte zu meinen Mitmenschen und lebte mit meiner Frau zurückgezogen auf dem Lande (mein Therapeut meint , daß meine Lebensweise die Wahrscheinlichkeit eines Schubs erhöhte). Dann sollte ich eine 3 monatige Dienstreise nach Florida unternehmen. Ich war damals 31. Ich hatte Angst (--> Streß), denn ich wußte nicht, was mich erwartete und ob meine Englischkenntnisse ausreichen würden. In Florida angekommen schlug mir sehr viel Sympathie entgegen, die bei den Amerikanern allerdings nur oberflächlich ist. Jedenfalls fühlte ich mich ermuntert, diese Sympathie zu erwidern. Schließlich verliebte ich mich in jedes schöne Mädchen, welches mich anlächelte. Dies verursachte ein Gefühlswirrwarr, denn ich war mit meiner Frau glücklich, bevor ich in die USA kam. Eines Tages besuchte ich mit einem Kollegen eine Disco in Daytona und beobachtete einen Strip-Contest (natürlich ohne die Unterwäsche auszuziehen). Ich war so fasziniert von einem Mädchen, daß ich dachte, das kann ich auch, denn ich war mittlerweile braungebrannt, weil ich jedes Wochenende am Strand verbrachte. Damals sah ich noch so aus als würde ich einen Kampfsport betreiben, heute habe ich ein paar Kilos mehr. Ich dachte vielleicht würde ich beim Strip-Contest meine Schüchternheit verlieren. So nahm ich in der darauffolgenden Nacht am Strip-Contest teil. Dann passierte das, womit ich nicht gerechnet hatte: die Leute schrien: schwul, buh. In den Wochen zuvor war ich am Strand, natürlich mit Badehose. Ich wußte nicht, daß nur Schwule eine Badehose in Florida tragen, "Normale" tragen längere Hosen. So hatten mich offensichtlich viele Leute am Strand gesehen. Ich bin sehr empfindlich, ich starb diese Nacht.

Am nächsten Tag hörte ich Stimmen, doch hatte ich das damals noch nicht realisiert. Zurück in Deutschland folgte eine zweijährige Zeit, in der ich sehr unglücklich war, und ich war immer noch in ein Mädchen verliebt. Ich ergriff die Gelegenheit, für zwei Jahre nach Florida zu gehen, zunächst ohne meine Frau. Die Trennung von meiner Frau bedeutete höherer Streß, und unmittelbar fingen meine Probleme an. Die Leute schienen über mich zu reden, selbst die Arbeitskollegen. Zunächst waren es noch nette Sachen, doch die Kommentare wurden zunehmend negativer. Später dachte ich, in meiner Wohnung wären Mikrophone, weil bestimmte Sätze von anderen Leuten wiederholt wurden. Ich spielte Gitarre und hörte das Echo der Klänge aus der Wohnung unter mir, was meinen Verdacht bestärkte. Natürlich versuchte ich herauszufinden, was los war, doch meine Kollegen wußten von nichts. Ich dachte, sie würden mich anlügen. Schließlich hörte ich Stimmen, wenn niemand um mich herum war, und sogar aus dem Radio erhielt ich Mitteilungen. Das Hören von Stimmen deutete ich als übernatürliche Fähigkeit, denn ich hielt mich für eine wichtige religiöse Persönlichkeit.

Ich endete schließlich im Gefängnis, weil ich auf einer Bank eines Restaurants saß und nicht weggehen wollte, weil ich auf meine (nicht reale) Freundin wartete. Man schickte mich zum Psychiater, und mit einer geringen Dosis Risperdal (0,5mg) verschwanden die Symptome. Wahrscheinlich war der Schub auch sowieso vorbei.
Danach hatte ich einmal pro Jahr einen Schub, egal ob mit oder ohne Medikamente. Heute erkenne ich einen Schub früh genug (Schlaflosigkeit), und der Arzt erhöht die Dosis von Risperdal um schlimmeres zu verhindern. Dazu nehme ich noch Lithium.

Die Erkrankung hat meinen Wissensdurst nach Wahrheit bestärkt, den ich mit der Bibel stillen konnte. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß Wahrheit in der Bibel zu finden ist, aber auch daß nicht alles stimmt was geschrieben steht. Aber ich finde es schon ganz gut einen Gott zu haben. Ich glaube auch, daß der Glaube Hoffnung schenkt, die die negativen Symptome mildert.

Ich habe immer noch meinen Job, doch habe ich kaum noch Motivation, zu arbeiten. Manchmal schreibe ich Emails oder surfe im Internet. Früher oder später werde ich erwischt und entlassen, und dann falle ich in ein tiefes Loch. Aber ich habe kein Rezept, um meine Lage zu ändern. Abgesehen davon geht es mir eigentlich sehr gut, aber gerade das macht mir Angst, weil ich dann umso tiefer fallen kann.

Grüße
Ralf
threetimeseight@aol.com


250
Date: Tue, 19 Nov 2002 11:11:10 +0100
Subject: Leserforum

Hallo ihr lieben,

die letzten wochen waren für mich eine einzige berg und tal fahrt. Ende Oktober war ne menge los hier auf der seite und ich war für einige tage ganz aus dem häuschen. Habe zeitweise meine medis in einer höheren dosis genommen, da die unruhe nicht wegging. Angefangen hat das mit Beas lapidaren fragen zu erscheinungen in der psychose. Ich muß gestehen, dass ich mich damit noch nie befasst habe, auch nicht in der therapie. Falls doch mal das thema darauf kam, war ich sofort unruhig und ich habe das thema mehrere tage mit mir rumgeschleppt. So war es diesmal auch wieder. Das ist schon eine blöde situation vor der verarbeitung dieser erlebnisse wegzulaufen, weil man angst vor neuer innerer unruhe hat. Aber ich glaube, dass das verdrängen mit ein grund für negativsymptome ist.
Zunächst mal habe ich mich durchgerungen meinen arzt nach einem antidepressivum zu fragen. Das rezept lag dann noch eine woche bei mir rum bis ich mir die Pillen endlich besorgt habe. Nun nehme ich seit einigen tagen Johanniskrautextrakt und hoffe das das hilft.

Gruß Markus


249
Date: Thu, 7 Nov 2002 06:59:35 +0100
Subject: Leserforum - Meine Geschichte

Bericht an Psychose-Forum über meine Erscheinungen

Liebe Leser,
ich möchte Euch einmal meine Erscheinungen in der Hoffnung schildern, dass Ihr einen Rat habt.

Als ich Informatik (TH) studierte, fing ich an, Selbstgespräche zu führen. Dabei stellte ich mir vor, mich mit realen oder fiktiven Leuten zu streiten, die mich kritisierten oder angriffen. Diese Vorstellungen verfolgten mich manchmal stundenlang und suchten mich jahrelang heim. Sie hatten ein Eigenleben und traten anfallartig auf. Jeweils eine Weile (minutenlang, eine halbe Stunde, stundenlang) zankte ich mich mit ihnen, bevor die imaginären Leute wieder in den Hintergrund traten und mich für eine Weile in Ruhe ließen.

Ich wusste immer, dass diese Plagegeister nicht „real“ (außenweltlich) waren, aber in mancher Nacht traten sie so massiv auf, als wären sie „real“. Dann schritt ich heftig im Zimmer auf und ab. Es kam auch vor, dass ich Gegenstände nach ihnen warf oder zerbrach, weil sie nicht mehr ertrug.

Meine Umgebung wunderte sich über meine Selbstgespräche. In Wahrheit waren es natürlich keine Selbstgespräche, sondern Kleinkriege mit virtuellen Personen (Geistern), die mich mit Psychoterror überzogen. Zu der Zeit wurde ich Christ in einer recht strenggläubigen Gemeinde, und einer meiner Glaubensbrüder meinte, es seien Dämonen. Daraufhin betete ich zu Jesus und sofort verschwanden die Geister, und ich konnte ruhig schlafen. Aber nach einigen Tagen kamen sie wieder.

Nach einigen Jahren ging ich zu einer Nervenärztin, die mir Neuroleptika gab, die mich wunderbar beruhigten und die Geister wesentlich abschwächten. Die Ärztin weiß aber auch nicht die genaue Ursache, meint aber, ich sei leicht paranoid. Außerdem besuchte ich einige Male einen christlichen Psychotherapeuten, um mein Leben aufzuarbeiten. Es tat mir gut, mich bei ihm auszusprechen und seine christliche Sicht anzuhören. Seit Anfang dieses Jahres nehme ich das Medikament nur noch alle 1-2 Wochen bei Bedarf, während ich es früher täglich nahm.

Ich beschäftige mich mit psychologischen Themen wie Schizophrenie und Persönlichkeitsspaltung. Aber sowohl die Ärztin als auch der Psychotherapeut meinen, dass ich beides nicht habe. Eine Bekannte von mir hört Stimmen, so dass ich das Buch „Stimmen hören“ las.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass ich früher viele Gewaltfilme konsumierte, darunter harte Horrorfilme. Dies war ein Ausgleich zu meiner Geistigkeit. Ich war schon immer ein Eigenbrötler. So war ich in der Studie fleißig und in Mathematik sehr gut. Auch in meiner Freizeit beschäftigte ich mich mit Mathematik und später mit Computerprogrammierung. Heute ich tue ich es nicht mehr, weil das Leben mehr als Mathematik ist.

Ein Gutes haben die Geister aber: Ich war früher gehemmt und zu nett, und durch die Kleinkriege mit den Geistern wurde ich selbstbewusster und offensiver. Wisst Ihr, woher die Geister kommen und wie man sie wieder los wird?

Herzliche Grüße
Hannover.Love@web.de


248
Date: Mon, 4 Nov 2002 18:18:22 +0100
Subject: Leserforum

Hallo,

also ich gehör auch zu denjenigen die nach einem Neuroleptika suchen, dass nicht mehr übergewichtig macht.
Zeldox war für mich eine Hoffnung als neues Medikament.

Heute will ich mitteilen, dass es in meinem Leben ein Fehlschlag war. Zwar konnte ich damit leicht abnehmen, aber ich bin wie ein Tiger im Käfig hin und hergerannt, wie bei Neuroleptika der ersten Generation. Und die antipsychotische Wirkung war zu gering, ständiges Gedankenkreisen um meine letzte zerbrochene Beziehung trat ein, ich war nicht mehr fähig zur Arbeit zu gehen und liess mich krankschreiben. Naja vielleicht wirkt es bei Anderen anders, aber wenn es für andere Menschen die gleiche Wirkung hat wie für mich, wäre es eine Frechheit sowas als neues Neuroleptikum heute noch anzubieten.

Gruss

Ronald


247
Date: Thu, 31 Oct 2002 22:46:45 +0100
Subject: Leserforum

Hi ihr Lieben

Wollte heute mal ein paar Buchtipps unters Volk bringen:

Bevor die Stimmen wiederkommen, von A.Knuf und A. Gartelmann.Psychiatrie Verlag.
Buch mit Tipps wenn die Krise beginnen sollte. Was tue ich vorsorgend. Wie spreche ich darüber. Was tue ich damit ich mich wohlfühle.... gutes Buch, gefiel mir sehr. Enthält viele wichtige Dinge.

Schöne neue Psychiatrie. Peter Lehmann.
wie Psychopharmaka den Körper verändern.
Beschäftigt sich eher mit den Typischen Neuroleptika. Aber auch mit Antidepressiva und Tranquillizer.

Moleküle und Psychosen, Samuel H. Barondes, Spektrum-Akademischer Verlag.
Ist eventuell schwer zu bekommen. Der biologische Ansatz in der Psychiatrie. Für alle unter Euch die sich vertiefen möchten und es ganz genau wissen möchten. Ist eher wissenschaftlich geschrieben.

So, das wärs erstmal. Gruß an Euch dort draußen

Dark Angel

P.S. Danke für die Reaktionen von Bea und Markus ! War sehr hilfreich. Bis demnächst.


246
Date: Fri, 1 Nov 2002 11:05:27 +0100
Subject: Leserforum

Hi Bea,

Auch wenn ich ein vertreter dieser biochemischen ansätze bin, weiß ich nur zu gut, dass das einem im notfall auch nicht weiter hilft, und was kameras mit zu viel dopamin zu tun haben, weiß ich leider auch nicht, aber vielleicht hilft nachfolgender amateurdiskurs.

Dazu erst mal einen kleinen text von Ranulph Glanville, 'Objekte', Merve Verlag, Berlin:
"Jedes Objekt ist ein Selbstbeobachter. Einige Objekte beobachten andere Objekte. Einige Objekte werden von anderen Objekten beobachtet. Jedoch kann ein Objekt ein Kein-anderes-Beobachtendes und Von-keinem-anderen-Beobachtetes sein. Solch ein Objekt bewohnt das Universum anderen unbekannt. Es weiß nicht, dass es das Universum bewohnt, noch weiß das Universum, dass es ein Bewohner ist."
Sonst finde ich das buch eher bescheuert, aber in der Mervereihe sind schon ein paar lustige bücher dabei.

Ich finde am anfang der psychose fangen die gedanken langsam an zu fließen, man verlässt etablierte denkstrukturen und folgt eigenen pfaden, da konventionelle lösungsansätze vorher nicht funktioniert haben. Dabei entstehen neue, vorher nicht gesehene zusammenhänge, und es entstehen neue möglichkeiten. Solange man noch einigermaßen kontakt zur 'normalität' (= erlebniswelt der uns umgebenden personen) hat, ist diese phase sowas wie eine phase der kreativität. Dumm nur, dass diese gedanken dann irgendwann, mangels adäquartem feedback von außen, anfangen rückzukoppeln, es entstehen resonanzen die diese gedanken noch verstärken. Später ist dann die gedankenwelt völlig autonom und anders. Und die wahrnehmung auch. Erst in dieser phase fing bei mir die angst an, ich war völlig allein in einer zunehmend anderen welt und vollkommen damit überlastet, diese welt zu erkunden. Das musste natürlich auch möglichst schnell und möglichst alles gleichzeitig geschehen, weil man da ja auch zurecht kommen muß. Ähnlich vielleicht wie ein von geburt blinder, der plötzlich sehen kann, und sich auch erst mal alles angucken muß, was er vorher nur ertasten konnte. Und der jetzt sehende wird schnell erkennen, das er sein ganzes bisheriges leben lang beobachtet werden konnte. Nur wärend der nunmehr sehende in eine gemeinschaft der sehenden aufgenommen wird, wird man in der psychose in die isolation katapultiert. Es gibt nur noch 'ich und das (neu belichtete) universum', welches man jetzt beobachtet. Da man aber immer wieder noch kontakt zur normalität hat, ist man leider kein Von-keinem-anderen-Beobachtetes, sondern man fühlt sich beobachtet. In einer phase wo sich, dank reiz- /informationsüberflutung in der auseinandersetzung mit diesem neuen universum, das 'ich' auflöst, und man ja durchaus kapiert, das etwas nicht in ordnung ist, macht einem das beobachtet-werden natürlich zusätzlich angst.

Das einfachste, den ganzen kram los zu werden, ist sich vorzustellen, dass kein schwein, außer irgend welchen schwachköpfen, den aufwand treiben würde, einen zu beobachten.

Gruß Markus

ps.Allerdings gibt es auch noch andere erklärungsmöglichkeiten, wo wir bei Michel Foucault, 'Überwachen und Strafen', Suhrkamp, Frankfurt am Main wären.
So haben wir am anfang unser psychose ja etablierte denkstrukturen (die vernunft) verlassen. Vielleicht ist das ja verboten. Mit dem ergebnis, das wir uns im 'neuen universum' automatisch in einem von einem panopticon kontrollierten raum befinden...


245
Date: Thu, 31 Oct 2002 09:05:25 +0100
Subject: Leserforum

Hi Iwan

"...ich rauch sehr viele zigaretten und taumele so durchs leben...."
ich denke dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen, nur über dein geld würde ich gerne mehr wissen. Ich kann auch welches malen! Da würde ich aber keine schnöden zahlen drauf machen, sondern genau draufschreiben was ich dafür haben will. 'Nen hamburger', oder 'ein paar schuhe', etc. Dumm nur das man dann aber immer den passenden schein dabei haben muß, und letzlich wären es wohl auch nur gutscheine. Eine Lösung wäre, den ganzen schein vollzuschreiben mit verschiedenen sachen, die man für diesen schein gerne haben will. Dann müßte man nur alles mit ziemlich kleiner schrift schreiben, denn die scheine sollten ja auch nicht so groß sein. Auch könnte es schwierigkeiten im laden geben, wenn man minutenlang in diesem schriftengewirr nach dem ausdruck '2 liter milch' suchen müßte. Wildcards wie 'alles' oder 'alles was ich sehe' wären irgendwie auch nicht praktisch, denn wer soll das alles dann nach hause schleppen. Aber es gibt auch vorteile. So hat man nicht mehr dieses nervige kupferne wechselgeld in der tasche und vor allem das geld wäre inflationssicher! Ein paar schuhe bleiben auch in 20 jahren ein paar schuhe, fertig. Egal, schick mir einfach mal einen von deinen scheinen und du kriegst von mir ein paar zigaretten.... natürlich selbstgedrehte.

Gruß Markus


244
Date: Tue, 29 Oct 2002 09:58:56 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Dark Angel (Artikel 241),

über die sache mit dem autofahren würde ich gerne den mantel des schweigens belassen. Wenn Du Dich fit fühlst und mit Deinen medikamenten gut zurecht kommst, denke ich, wird es für Dich kein problem sein auto zu fahren. Du solltest allerdings bedenken und bereit sein auch jederzeit den wagen stehen zu lassen, wenn es Dich anfängt zu stressen und Du komisch drauf kommst. Schwierig wird es dann wohl, wenn Du meinst aufs autofahren 'angewiesen' zu sein und Deine entscheidung zu fahren durch gewohnheit und andere zwänge beeinflußt wird. Ich kann mir nicht vorstellen, im schub verantwortungsvoll auto fahren zu können. Aber auch das mit den konzentrationsschwierigkeiten würde ich nicht auf die leichte schulter nehmen. Ich habe da wirklich lange überlegt und glaube mittlerweile, dass diese in situationen entstehen, auf die ich eigentlich keinen bock habe. Früher konnte ich den inneren widerwillen überwinden, vielleich weil ich noch einen übergeordneten Zweck gesehen habe, heute werde ich einfach unkonzentriert.

Hup bitte im fall, dass wir uns mal auf der strasse begegnen, damit ich mich in sicherheit bringen kann.

gruß Markus


243
Date: Mon, 28 Oct 2002 14:26:56 +0100 (MET)
Subject: Bea erzählt...

Hallo zusammen!

Wie seht ihr das eigentlich ­ hat das, was man in der Psychose denkt eine besondere Bedeutung? Oder ist das nur das Ergebnis einer biochemischen Reaktion und inhaltlich uninteressant?

Mir ist aufgefallen, dass oft ähnliche Themen auftauchen und das finde ich schon sehr spannend. Ich meine, es ist doch erstaunlich, dass völlig unterschiedliche Menschen plötzlich auf die Idee kommen könne, sie seien Jesus! Oder diese Verfolgungsangst! Dass man das Gefühl hat, man wird beobachtet. Oder dass einem plötzlich Zufälle so sehr ins Auge springen und der Verdacht entsteht, sie seien gar keine realen Zufälle, sondern in Wirklichkeit Teil einer Verschwörung...

Ich selbst habe das erste mal gedacht, ich sei der schlechteste Mensch der Welt. Es begann damit, dass ich das Gefühl hatte, meine Gastmutter (ich war damals Au-Pair und sehr unglücklich mit der Situation, weil ich ziemlich schlecht behandelt wurde, meine Privatsphäre nicht geachtet etc) spräche sich mit meinen Freunden über mich ab. Gestützt wurde diese These dadurch, dass Dinge, die ich mit meinen Freunden besprochen hatte, von ihr oder ihren Freunden wiederholt wurden. Zufälle, die mir aber keine zu sein schienen. Ich versuchte, mir zu erklären, WARUM das passierte. Entweder war ich verrückt, oder es gab einen Grund, auf den ich nicht kam... Und irgendwann fiel es mir auch wie Schuppen von den Augen ­ ich war so schlecht und sie hatte das bemerkt, die ganze Stadt sprach über mich und immer schlimmere Dinge kamen zum Vorschein, meine ganze bösartige Persönlichkeit wurde aufgedeckt. Was genau diese schlimmen Dinge waren, die ich begangen hatte, dessen war ich mir nicht sicher, aber sie musstem grauenvoll sein. Bestimmt hatte ich eine schreckliche Krankheit, AIDS oder so etwas und eine besonders ansteckende Form dazu. Und ich hatte alle angesteckt, denen ich die Hand gegeben hatte.

Ich begann überall verkleidete Kameras zu entdecken oder zumindest zu vermuten. Hinterm Spiegel und so. Ich sagte meiner Gastmutter, dass ich mich schrecklich fühlte und nicht auf die Kinder aufpassen könne. Ich bat sie auch um Verzeihung meiner Sünden, das ich dachte, dass sie dann ihr Buch (das den Titel „der schrecklichste Mensch auf der Welt“ trug) nicht weiter schreiben und veröffentlichen werde.

Aber sie sagte nur, sie sei verabredet und das mit dem Aufpassen werde schon gehen. Was für eine Wahl hatte ich? Und so malte ich in völlig psychotischem Zustand mit zwei kleinen Kindern Bilder, dachte, ich werde belauscht und beobachtet und jeden Moment könne jemand kommen und mich verhaften. Es kam niemand.

Besonders leid tat mir meine Familie, die Ärmsten, jetzt wurden sie dadurch berühmt, dass ich, der schlechteste Mensch überhaupt, bei ihnen groß geworden war. Es tat mir so leid, dass ich ihnen das angetan hatte. Die einzige Rettung, die es für sie geben konnte, war, dass ich mich umbrächte. Ich nahm ein scharfes Messer aus der Küche mit in mein Zimmer, zeigte es an den Fenstern, damit meine Beobachter wüssten, jetzt würde ich es tun, damit sie jetzt die Wohnung stürmen könnten ­ aber sie kamen nicht. Und ich schaffte es auch nicht, mein Leben zu beenden, war selbst dazu zu feige und machte mir unsagbare Vorwürfe, dass ich diesen einzig richtigen Weg nicht einzuschlagen imstande war.

Mittlerweile wusste ich auch (ohne das je überprüft zu haben...), dass meine traurige Geschichte in der Zeitung veröffentlicht wurde. Als Fortsetzungsroman. Mit dem gleichen Titel, wie das Buch. Und ich machte es immer nur schlimmer. Denn obwohl ich wusste, dass das Telefon abgehört wurde, rief ich meine Mutter in Deutschland an und zog sie so mit in die Geschichte hinein. Meine beste Freundin rief an und da ich am Telefon nicht reden konnte, erzählte ich ihr nur, alles sei aus und bald wäre die Pressekonferenz, nach deren Ende ich zum Tode verurteilt werde, weil ich so schlecht sei. Was ich denn getan habe, fragte sie. Ob ich jemanden umgebracht habe? Ich wusste es nicht. Das einzige, was mir eventuell noch helfen könne, sei die Psychiatrie. Denn so schlecht, wie ich war, konnte man doch gar nicht sein, wenn man psychisch gesund war, oder?

Und so setzte sie sich am nächsten Tag in den Zug und holte mich aus Italien ab. So eine Freundin gibt es kein zweites mal! Unterwegs erzählte ich ihr unter den traurigen Blicken der anderen Fahrgäste meine ganzen Verbrechen. Die ganze Beichte wurde live im Fernsehen ausgestrahlt. Alle Anwesenden wussten von meiner Schlechtigkeit, nur meine Freundin wollte es nicht wahrhaben. Weil sie zu unschuldig und gut war. Sich so etwas gar nicht vorstellen konnte. Sie bezweifelte auch, dass wir wirklich auf dem Weg nach Warschau waren, wo ich vergast werden sollte, denn nur das war eine angemessene Strafe für meine Vergehen.

Am Bahnhof ­ es stellte sich heraus, dass ich wohl doch noch eine Chance hatte, wenn ich mich in die Verrücktheit flüchtete ­ meinte meine Mutter, die uns abholte, ich solle doch erst mal nach hause kommen, mich ausschlafen. Ich bestand auf der Psychiatrie und wurde da unter Haldol und Tavor gesetzt, nachdem ich dem Arzt meine Geschichte erzählte und ihm auch ehrlich ins Gesicht sagte, dass ich auch bei ihm das Gefühl habe, er verarschte mich nur. Es kam mir so albern vor, dass er mir, der schlechtesten Person der Welt, mit seriöser Miene die Kniereflexe testete, das war so unangebracht! Jedenfalls war ich wahnsinnig erleichtert, als ich, nachdem ich eine Ewigkeit oder zwei geschlafen hatte, realisierte, dass das alles gar nicht real gewesen wahr, dass ich wirklich Recht gehabt hatte, mit meiner Hoffnung, das alles könne evtl. nur eine psychische Krankheit sein!

Wahnsinn, was man so alles erleben kann...
Damals kam ich zu dem Schluss, dass das in der Psychose Erlebte wohl meine größten Ängste gewesen sein müssten, die für mich zur Realität wurden. Ich hatte immer schon ein sehr ausgeprägtes Gewissen, was sich bei den lächerlichsten Dingen meldete, hatte sehr schnell Schuldgefühle und das wurde dann in der Psychose immens stark.

Und zum Thema Beobachtung ­ früher hatte ich mir mit einer Freundin immer vorgestellt, wir werden von Aliens beobachtet, das war ein Spiel. Seltsame Ereignisse „bewiesen“ diese These immer. Das ist ja auch sehr ähnlich zu dem Kamera- und Abhörgedanken.
Und dadurch, dass ich von klein auf von meiner Mutter zu hören bekam, es habe jeder seine eigene Wahrnmehmung und somit seine eigene Realität, es gäbe keine objektive Realität, was ich ja auch quasi prädestiniert dazu, irgendwann zwischen Realität und Wahn verloren zu gehen...

Ich sehe die psychotische Episode insofern als Chance, als dass ich jetzt eine Therapie machen kann und diverse Dinge aufarbeiten kann. Ich glaube, ich bin auch gewachsen daran. Es heißt ja immer, es sind die schlimmen Erfahrungen, die einen besonders reifen lassen. Ich bin jetzt sehr viel ernster geworden, auch vorsichtiger, passe mehr auf mich auf und achte auf meine Grenzen und komme mir oft einfach älter vor und vor allem schätze ich mein Leben sehr viel mehr, nehme nicht einfach alles als gegeben hin, sondern ich weiß, dass ich Glück gehabt habe, dass ich aus der Hölle relativ unbeschadet wieder herausgekommen bin. Es hätte auch anders ausgehen können.

So, aber ich glaube, ich mache mal Schluss, ich bin mal wieder in meinen Gedanken veloren gegangen. Aber was ich noch sagen wollte ­ IWAN, falls das falsch angekommen sein sollte ­ ich bin nicht der Ansicht, dass man wegen psychotischen Episoden Minderwertigkeitsgefühle haben sollte, auf gar keinen Fall. Es ist nur so, dass meine Gefühle gewissermaßen autonom sind. Ich meine damit, dass ich mir sage, dass ich nicht minderwertig bin und mich auch nicht unsicher zu fühlen brauche ­ aber ich tu’s trotzdem. Aber nicht im Moment, seit letzten Montag geht es mir richtig gut, ich lebe wieder gern, mag mich und war kein mal richtig depressiv! Und Sulpirid ist der Vorläufer von deinem Medikament, Amisulpirid. Ein Pharmavertreter hat mir zwar letzte Woche erzählt, das sei gar kein richtiges Neuroleptikum, aber das stimmt nicht. Bis 300mg wirkt es antidepressiv, bei höherer Dosierung neuroleptisch. Ist aber eher ein schwächeres Neuroleptikum. Aber mir geht es gut damit. Außer einem erhöhten Prolaktinspiegel merke ich keine Nebenwirkungen, was sehr angenehm ist.

Hallo MARKUS, danke für deinen Tip, ich werd’ das mal ausprobieren mit Tee und Kerze! Ich habe mich jetzt aber auch entschieden, einen Hammerkurs dies Semester einfach zu knicken, dann habe ich auch mehr Zeit für mich, die brauche ich momentan lebensnotwendig. Damit geht es mir auch ganz gut und ich habe weniger Stress.

Hey, DarkAngel, ich habe im Sommer ein sehr anstrengendes Praktikum gemacht, da hatte ich auch Verspannungskopfschmerz und was mir super geholfen hat, war, eine Hinterkopf- und Nackenmassage, das hat echt Wunder gewirkt. Von daher, wenn du wen in der Nähe hast, der dir den Gefallen tut, dann versuch das mal. Bei mir sind die Kopfschmerzen davon ganz weggegangen. Und zum Autofahren ­ mir hat meine Ärztin zwar gesagt, ich dürfte fahren, aber ich fahre trotzdem nicht. Nicht aus Überzeugung, sondern einfach, in Ermangelung eines Autos und weil ich es nicht brauche. Aber eine Bekannte, die auch Neurolaptika nimmt, fährt recht oft, von daher, frag doch mal deinen Arzt, was der meint! Ich war damals übrigens aber auch wahnsinnig unsicher, als ich meinen Führerschein gemacht habe, und da habe ich noch gar keine Medikamente genommen. Ich glaube, am Anfang gehört das auch gewissermaßen ein bisschen dazu...

So, ihr Lieben, ich mach jetzt aber wirklich Schluss. Ich hoffe, ihr genießt das Leben, wie ich auch, im Moment!

Bea


242
Date: Fri, 25 Oct 2002 20:09:51 +0100
Subject: Leserforum

Hi Ihr Lieben

Ich muß nur mal kurz sagen, dass ich unheimlich froh über dieses Forum bin. Seitdem ich das erste Mal auf dieser Seite war und die vielen Einträge gelesen habe gucke ich regelmäßig auf die Seite und freue mich über die News. Es ist ein wichtiger Bestandteil für mich. Denn ich kenne kaum Leute mit Psychoseerfahrung mit denen ich mich austauschen kann. Hier erfährt man immer wieder was Neues und findet mehr Hilfe als bei einem Arztbesuch...Ha ha ha
Geht Euch das auch so, das Euer Arzt einem nicht wirklich zu helfen scheint, oder kommt mir das nur so vor ? Ich habe es aufgegeben mit meinem Arzt ein echtes Gespräch zu führen.

Zum Thema Lernen nochmal, weil mich das momentan sehr beschäftigt:

Ich denke was Markus in Artikel 239 sagt ist echt gut. Ich versuche das auch, habe auch viele Pausen gemacht und bin es ruhig angegangen. Das hat immer gut funktioniert.

Was mir hilft ist ein sehr geregelter Tagesablauf, was die Mediziner immer gerne sagen. ein durchorganisierer Tag. Früh aufstehen, etwas Gymnastik, Duschen,Essen, Lernen, Pausen machen usw. Schlecht ist wenn man einen unregelmäßigen Lebensstil hat (den hatte ich voher meistens), ich merke echte Verbesserungen seitdem ich jeden Tag in der Woche um 7h aufstehe los gehe und so eine Kontinuität im Leben habe. Am Wochenende relaxe ich und lerne.

Zu Iwan
Es gibt Frühwarnzeichen und Deine Schwester könnte sich checken lassen; allerdings sind die Meinungen zu dem Thema gemischt. Einige sagen, Anti-Psychiatrie Leute, das es dann die Gefahr gibt das man zu früh mit Medikamenten vollgestopft wird. andere, die allgemeine Meinung der Mediziner , sagen je früher man dagegen steuert und eine Psychose frühzeitig abfängt, desto besser.

Es gibt da Test die sie durchführen um zu sehen ob Deine Schwester zur gefährdeten Gruppe gehört. Wenn man dem Biologischen Modell der Ursachenforschung von Psychosen glaubt, dann ist Deine Schwester gefährdet da es dann in der Familie liegt. Denn Du bist betroffen. Doch ich habe da auch andere Meinungen darüber gelesen.

Ich persönlich denke man sollte es nicht (nur) am Biologischen Modell festmachen !! Wenn überhaupt liegt die Ursache in einem komplexen Geflecht von verschiedenen Faktoren. Streß, Todesfall in der Familie, Liebskummer, Traumata, Mißbrauch, Drogenkonsum, aus der Balance geraten, die innere Mitte verloren...., Seelische Grausamkeit , Konflikte jeglicher Art und und und........viele Gründe können dorthin führen.

Eins darf man nie vergessen:

    Die Medizin, die Wissenschaft weiß bis heute nicht woher eine Psychose eigentlich kommt, wie sie ensteht und was die eigentliche Ursache ist. Die Medikamente sind nur dazu da alles abzudämpfen und den Dopaminüberschuß der im Gehirn besteht von den Rezeptoren abzuhalten. Aber was eigentlich zum Dopaminüberschuß geführt hat, das ist nicht wirklich geklärt.

Sulpirit: Ist der Vorläufer von Amisulpirid, wie der Name schon sagt.

Iwan, in Deinem Fall sind ein 20 Kilos ganz gut,denk ich mal. Denn mit 184cm 60 Kilo zu wiegen ist ja etwas wenig. 80 kg ist doch perfekt für einen Mann und bei der Größe !! Versuche einfach Sport zu treiben...

Ich habe inzwischen, trotz Solian 12 kilo abgenommen und bin super happy !!! An alle die verzweifelt sind : es ist möglich abzunehmen. Ansonsten ist es auch o.k. etwas dicker zu sein. Man ist kein schlechter Mensch dadurch. Aber jeder der das Problem hat, ist super unglücklich damit. ich war lange Zeit sehr deprimiert. Hatte insgesamt 30 kg zugenommen.

Ich sende Grüße an Euch dort draußen ! Grüße an Bodo.

Dark Angel


241
Date: Wed, 23 Oct 2002 20:42:27 +0100
Subject: Lernen, Auto fahren und Hoffnung

Hallo ihr Lieben

Ich wollte mich mal wieder melden.

Ich habe den Text von Bea gelesen und finde ihn sehr exemplarisch. Mir ging es auch auch oft so Bea. Ich fühlte mich nach der Psychose furchtbar und war auch sehr deprimiert. Du hast das alles aber gut gehandelt als Du wieder abgerutscht bist in eine neue Phase.... Du hast Glück das Du trotzdem einen Freund hast. Ich finde es sehr schwer einen Partner zu finden. Ein Partner der Verständnis hat und die Dinge versteht !

Allerdings fühle ich mich momentan auch als Single ganz o.k denn ich habe einiges um die Ohren. Ich studiere seit einiger Zeit wieder an einer Fachschule und es nimmt viel Zeit ein. Ich muß mich auch erst daran gewöhnen zu lernen und mich hinzusetzten. Denn ich war lange Zeit nicht dazu in der Lage einem Studium nachzugehen. Ich hatte den Mut beinahe aufgegeben. Ich hatte solche Konzentrationsprobleme.

Jetzt ist es mir wiederholt passiert, das ich sehr starke Anspannungs Kopfschmerzen bekommen habe gegen die keine Aspirin helfen. Das beschäftigt mich etwas. Das hatte ich früher nie. Kennt jemand von Euch das ?? Ich kann dann einfach nichts mehr aufnehmen und nachdenken. Ich denke es ist ein Zeichen das Lernen eine echte Belastung sein kann wenn man nicht so fit ist.....und Medikamente nimmt.
Ich nehme immer noch 150 mg Solian mit dem ich gut fahre.

Apropos Fahren, ich hatte vor einiger Zeit begonnen meinem Führerschein zu machen, damals immer mit 300 mg Solian intus...und habe es aber abgebrochen da ich zu verunsichert war. Allerdings war ich schon ganz schön weit gekommen, ich war fertig mit den Sonderfahrten und stand kurz vor der Prüfung. Jetzt möchte ich das schon gerne abschließen, der Straßenverkehr hat mich aber immer leicht verunsichert.

Jetzt meine Frage an Euch: Wer von Euch fährt Auto trotz Medikamente (was man ja wohl offiziel gar nicht darf...) und kommt gut zurecht und kann mir ein paar Ratschläge geben...??

Liebe Bea, ich habe auch das Problem mit dem Lernen. Ich versuche zwischendurch zu schlafen, Sport zu treiben um mich auszugleichen aber es ist hart !!
Siehe oben...bezüglich Kopfschmerzen.

Nun gut, das wars von meiner Seite.

Lieben Gruß

Dark angel


240
Date: Wed, 23 Oct 2002 15:00:28 +0200
Subject: Leserforum

was ist denn sulpirid bitte schön, ich kenne nur amisulprid, weil ich das nehme. ich kenne mich alles in allem sehr schlecht aus mit der materie endogene psychosen. kann man im vorneherein irgendwie feststellen, ob wer in gefahr ist, krank zu werden? ich bin 22 und meine schwester jetzt 17 und die ist sehr komisch. ich war auch sehr komisch und bin wahrscheinlich seit meinem ca. 17 lebensjahr krank. ich habe gerade noch einmal die kurve gekriegt, weil ich so dumm war, alles abzusetzen, aber nach zwei tagen war schon alles sehr komisch. ich habe gedacht, wenn ich genug schlafe, kann nichts passieren, darum habe ich mir schlafmittel verschreiben lassen, aber trotz dem schlaf hatte ich so komische gedanken und so unglaublich viele! ich wollte mein eigenes geld malen und ausgeben, aber dahin ist es nicht gekommen, weill mir der arzt 600 mg solian verordnet hat. dann sind aber die parkinson syndrome gekommen und ich war unheimlich nervös. jetzt nehme ich nur mehr 400 mg. und akineton retard. und tresleen. ich glaub kaum, daß es einen guten grund gibt, sich mit der krankheit, sich wegen der krankheit minderwertig zu fühlen. irgendwo habe ich gelesen, wir sind einfach wahrnehmungsgenies. mein arzt hat auch gesagt, ich hab das, weil ich einfach in gewisser hinsicht hochbegabt bin. seid ihr dann wohl auch. ich rauch sehr viele zigaretten und taumele so durchs leben. ich schreib öfter in dem forum, aber beziehe mich ungern auf einen anderen eintrag, weil ich im umgang mit menschen sehr unsicher bin. ich hab nicht viele freunde, obwohl ich mich bemühe. mit dem studium mach ich mir keinen streß, das muß wenn nötig warten können. meine professoren verstehen das. musik zu hören tut mir gut. und tee trinken. aber wie kann ich die kilos wieder loswerden. bin 184 cm, hatte vor 2 1/2 jahren ca. 60 kilo, jetzt habe ich fast 80. geht das gewicht zurück, wenn man die tabletten abgesetzt hat, weil ich darf sie vielleicht nächstes jahr ausschleichen.

alles gute, meine kinder,

iwan


239
Date: Wed, 23 Oct 2002 12:46:05 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Bea (Artikel 238),

habe deinen artikel gelesen und finde ihn sehr schön. Zu deinen medikamenten kann ich leider nichts sagen, da ich diese nicht kenne.
Gegen Deine konzentrationsschwierigkeiten beim lernen könntest du aus der sache vielleicht eine kleine zeremonie machen. Eigendlich bin ich selbst nicht der typ der so was macht, aber versuche es doch mal mit tee kochen, kerze anzünden und immer wieder kleine pausen machen. Auch solltest du tägliche lerndauer und pensum vorher limitieren und danach was ganz anderes machen. Das erhöht natürlich den zeitlichen aufwand gehörig, vermeidet aber das aufkommen von unproduktivem stress.
So was in die richtung hat mir mal eine therapeutin erzählt.
Wie man mit dem frust fertig wird, dass dann alles viel langwieriger ist, wo doch früher alles mit links und am vorabend einer prüfung ging, konnte sie mir allerdings nicht sagen.
So wie du schreibst, scheint es bei dir ja sonst einigermaßen zu laufen. Wünsche Dir weiterhin alles gute

markus

ps danke an Ronald für den tip in Artikel 232


238
Date: Mon, 21 Oct 2002 17:23:06 +0200 (MEST)
Subject: leserforum

Hallo Alle!

Nachdem ich jetzt schon so oft in euren Beiträgen gelesen habe, möchte ich jetzt auch mal etwas dazu schreiben. An dieser Stelle Danke an Bodo, dass es dieses Forum gibt und Danke an alle, die dazu beitragen, dass es lebt. Ich bin 21 Jahre und habe zwei psychotische Episoden hinter mir. Dieses und letztes Jahr im Frühling. Das erste mal wusste ich noch gar nicht, dass es etwas so entsetzliches, wie eine psychotische Episode überhaupt gibt und wollte unbedingt in die Klinik, weil ich in klareren Momenten das Gefühl hatte, verrückt zu werden. Nachdem mir klar geworden war, dass das wirklich "nur" eine Krankheit war, und meine Gedanken nicht real, war ich erst mal wahnsinnig erleichter und glücklich am Leben zu sein, doch nachdem ich dann nach anderthalb Wochen Klinikaufenthalt wieder zuhause war, nichts zu tun hatte und Impromen (Bromperidol, ein starkes Neuroleptikum) nehmen musste, kam dann die Depression hinterher geschwappt und mir ging es nur schlecht. Ich habe ohne Ende geschlafen, hatte keine Kraft, keinen Antrieb, keine Motivation, Gewichtszunahme - es war furchtbar.

Ich wollte unbedingt andere Medikamente, hatte das Gefühl, dass das Impromen viel zu stark war für mich, und als ich endlich wechseln durfte zu Sulpirid, einem schwach wirkenden Neuroleptikum mit antidepressiver Wirkung ging es mir tatsächlich innerhalb weniger Tage wesentlich besser. Ich begann mein Studium, fühlte mich gesünder und gesünder, bis ich irgendwann das Gefühl hatte, wieder ganz ich selbst zu sein.

Bis zu meinem Rückfall ein Jahr nach meiner ersten Episode. Nachdem ich ziemlich viel Stress gehabt hatte, konnte ich eines Abends vor Aufregung nicht schlafen, war total aufgedreht und hatte dazu schreckliche Angst, denn das letzte mal hatte das auch mit Schlafmangel begonnen. Ich wollte mehr Sulpirid als sonst nehmen, denn das hatte mir die Ärztin empfohlen, als ich sie gefragt hatte, was ich tun solle, wenn das noch mal käme. Erst mal mehr Sulpirid nehmen (damals nahm ich 50 mg, die niedrigste Dosis, so viel ich weiß), dann so bald wie möglich bei ihr vorbeikommen und weitersehen. Ich hatte befürchtet, dass so etwas, wenn es noch mal käme, am Wochenende eintreten könnte ­ und so war es dann ja auch, besagter Abend war an einem Freitag... Mein Freund war erst einmal entsetzt und meinte, dass man Psychopharmaka doch nicht einfach nach Belieben nehmen könne, ich solle weiter versuchen zu schlafen, am nächsten Tag werde alles wieder gut sein... ich nahm also nur eine weitere Kapsel Sulpirid und wartete ab.

Nach einer Nacht voller Angst und wenig Schlaf war dann aber gar nichts gut, ich war völlig fertig, hatte psychotische Gedanken, entschied mich aber gegen die Klinik, weil ich dachte, dass ich, da ich ja jetzt Erfahrung damit hatte, das auch zuhause schaffen könne. Ich nahm Sulpirid und zum Schlafen Schlafmittel und Sonntag mittag waren die psychotischen Gedanken vorbei. Montag bin ich dann erst einmal zum Arzt gegangen (meine Psychiaterin war genau zu dem Zeitpunkt in Urlaub), der mir bestätigt hat, ich habe alles richtig gemacht. Er wollte mir noch ein anderes Medikament verschreiben, aber weil ich das letzte mal mit allen anderen Medikamenten außer Sulpirid so schlechte Erfahrungen mit den Nebenwirkungen gemacht hatte, war mir das natürlich sehr unlieb und so empfahl er mir 50mg Sulpirid morgens, 200mg abends und bei Bedarf 100mg. Und das hat mir geholfen. Zwei Wochen habe ich noch manchmal Schlafmittel genommen, habe in rauhen Mengen Baldrian zu mir genommen, hatte das Glück, eine Therapeutin zu haben, zu der ich gehen konnte ­ und so ging es ohne Klinikaufenthalt. Ich muss dazu sagen, dass ich auch einen Freund habe, der immer für mich da war, ich bezweifle, dass ich das ohne ihn geschafft hätte.

Das ist jetzt auch schon wieder ein halbes Jahr her, ich habe viel gemacht um nicht in dieses Depressionsloch zu fallen, was mir auch insofern gelungen ist, dass ich nicht mehr dieses Dauertief hatte, nur so depressive Spikes, die aber meistens nach einer Stunde vorüber waren. Das längste waren einmal anderthalb Tage. Ich habe zusätzlich Fluoxetin, ein recht neues schnell wirkendes Antidepressivum verschrieben bekommen, habe es aber bisher noch nicht gebraucht ­ und ich glaube ich brauche es jetzt auch nicht mehr, denn mir geht es nun schon sehr viel besser. Toll ist es noch nicht, das Lernen zum Beispiel, fällt mir immer noch schwer und zwischendurch zweifle ich immer sehr stark an mir selbst und sehe mich sehr negativ, aber ich bin auch oft richtig glücklich und bin sicher, bald verschwinden auch die letzten Nachwehen der psychotischen Episode. Momentan nehme ich 50mg Sulpirid morgens und 50mg abends und ich glaube, das ist auch ganz okay so... Wenn ich mich wieder stabil fühle, möchte ich gern wieder auf 50mg runter gehen, nicht wegen irgendwelcher Nebenwirkungen, oder so, einfach, weil ich ein um so besseres Gefühl dabei habe, je weniger ich nehme, aber soweit ist es noch nicht.

Ich weiß nicht, ob das irgendwen besonders interessiert oder jemandem weiterhilft, aber ich würde es mir wünschen. So, nachdem ich mich vorgestellt habe, habe ich noch Fragen an euch:

  • Hat jemand unter euch vielleicht Tips, wie ich mit dem Lernen besser zurande kommen könnte? Das Problem ist, dass ich mich schwer dazu motivieren kann, anzufangen und, wenn ich dabei bin, gedanklich schnell bei anderen Dingen lande. Habt ihr damit vielleicht Erfahrung? Ich weiß, am besten für meine Gesundheit wäre es, mich erst mal auszuruhen und das tue ich auch so oft, wie möglich, aber ich möchte eben auch gerne mit meinem Studium weiterkommen, weil das ohnehin schon so lange dauert.
  • Weiß jemand von euch etwas über Spätdyskinesien bei Sulpirid? Ich habe im Beipackzettel gelesen, dass es dazu eher bei höheren Dosierungen kommt, aber so wirklich sicher fühle ich mich nicht damit ­ hat jemand von euch über längere Zeit Sulpirid genommen? Meine Ärztin meint, dass bisher keine Langzeitschäden beobachtet wurden, aber dann würde das doch nicht in der Packungsbeilage stehen, oder?
  • Hattet ihr das auch, dass ihr nach einer Psychose vollkommen verunsichert wart? Ich habe mich furchtbar hässlich und dumm gefühlt und was weiß ich noch alles. Eben total minderwertig. Ist das „normal“? Was habt ihr dagegen gemacht?
...ich glaube, das war erst mal das wichtigste. Macht es gut, ihr da draußen, ich wünsche euch frohe Gedanken und Sonne im Herzen und würde mich freuen, wenn jemandem etwas zu meinen Fragen einfiele!

Liebe Grüße

Bea


237
Date: Mon, 14 Oct 2002 14:25:06 +0200
Subject: Leserforum

hallo,
ich durchsuche gerade ein wenig das internet und kam hier her.
mein Freund kam gestern in die Psychiatrie wegen Suizid und Alkohol...
Der Arzt meinte er habe eine Psychose, Verfolgungswahn...
Ich habe ein Jahr in einer Psychiatrie gearbeitet, kann also ein wenig damit anfangen...
Nur weiß ich nicht, was ich nun tun kann...
Ich weiß nicht, ob ich damit hier richtig bin, vielleicht kann mir jemand etwas dazu sagen?
Ich bin 20 Jahre alt, er is 27J.
Danke!

BriddySuxx@web.de


236
Date: 08 Oct 2002 17:50 GMT
Subject: zu 221 an Petra

Hallo Petra,

zu Deinem Baby-Problem bei Neuroleptika kann ich leider nichts sagen, da ich aus dem Alter heraus bin. Wohl aber zur Gewichtszunahme. Ich hatte anfänglich 400 mg Solian, jetzt nur noch 100 mg und habe dadurch 25 kg zugenommen. Bin seit einer Woche mit Einverständnis meines Arztes dabei auszuschleichen, habe aber noch keinen Abnahmeerfolg. Insgesamt habe ich Solian 5 Jahre genommen.

Gruß, Daya


235
Date: Sun, 6 Oct 2002 02:06:57 EDT
Subject: Leserforum

Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich lange nicht mehr gemeldet und vieles ist passiert, seit ich hier das letztem Mal eingeschrieben habe.
Seit ich im November des letzten Jahres mein Neuroleptika auf 25mg gesenkt habe und dann auch teillweise nur alle 2 - 3 Tage eine Tablette genommen hatte, ging es mir emotional immer schlechter. Wie schon berichtet hatte ich zusätzlich auch eine enorme Belastung um mich auszuhalten. Im Frühjahr wurde ich fast alle 3 Wochen krank und das ging zum Schluss sogar mit Atemnot einher. Nachdem ich dann bei 2 Ärzten war, komplett untersucht war, konnten die Ärzte nichts organisches feststellen und da dämmerte es mir: es war psychosomatischer Natur. Da es mir immer schlechter ging, ging ich zu meinem Psychiater und drängte auf eine Psychotherapie - wohlgemerkt nicht in einer Psychiatrie!!!
Es war schwierig, aber meinen Therapeuten von 1987 gab es noch und nur deshalb war es möglich eine Psychotherapie mit dem Hintergrund der Psychose zu machen. Leider ging dieser für 3 Wochen während meines Krkhs-Aufenthaltes in Urlaub. Die Vertretungsärztin traute sich nicht an die Thematik ran (Psychose-Erfahrungen/Psychiatrieaufenthalt). Ich hatte in dieser Zeit mehr zu kämpfen gegen die Sichtweisen der Ärzte dort, die mich von Anfang an in die Psychiatrie-Schublade packen wollten. Es war eine wirklich harte Zeit.Ich setzte mich mit mir selbst auseinander und schrieb 180 DinA4 Seiten Tagebuch. Trotz allem wurde mir klar, schon nach einer Woche dort, das ich als Kind sexuell missbraucht worden bin. Die Klinik hat mir durch all die Kämpfe mit den Ärzten, geholfen - meinen Gefühlen, Erinnerungen und Emotionen zu glauben, sie anzunehmen. Seit 2 Monaten bin ich nun raus. Viele Fragmente steigen in mir auf, verbunden mit unsagbaren Emotionen. Ich bin nun schon fast 40 Jahre alt, das ich mich mit solch entsetzlichen Dingen auseinandersetzen muss ist furchtbar, und noch schlimmer --- es sind meine Emotionen!!!Langsam erklärt sich mein Leben für mich, was ich vor der Psychose geführt habe. Sich selbst nie wertschätzen - Magersucht-Angstzustände usw. Langsam dröselt sich das Puzzel auf, was ich an Irres auch in der Psychose erlebt habe, es findet jetzt alles langsam eine Antwort und wird zum Faktum.

Es ist grausam und auch schwer für mich, mich noch einmal umzudrehen und dem Grauen ins Gesicht sehen zu müssen..... Aber, ich werde mich befreien, befreien von Ängsten und Zwängen, die mein Leben lang in mir wohnten und ich werde nie wieder eine Psychose bekommen - denke ich.

Ich möchte Euch nur sagen, das alles im Leben seinen Sinn und Grund hat. Eine Psychose ist der eigene innere Konflikt der Seele!

Ich kann Euch nur aufmuntern auch vorwärts zu gehen, eine Therapie zu machen. Musiktherapie hat meine Emotionen überhaupt erst sichtbar für mich gemacht. Ich lese im Moment ein Buch das heisst "Trotz allem" Wege zur Selbstheilung für sexuell mißbrauchte Frauen. Es ist im Orlanda Frauenverlag erschienen und geschrieben von EllenBass/Laura Davis.

Es gibt auch noch ein Buch für Partner und Partnerinnen von solch Betroffenen: Das nennt sich "Verbündete" von Laura Davis auch im Orlanda Frauenverlag erschienen.

Ich hoffe, ich kann einigen von Euch Mut machen, die Dinge die man erlebt hat nicht nur zu ertragen, sondern aufzustehen und etwas zu tun. Den Mut zu finden, sich selbst anzusehen.

Alles Liebe. Jutta


234
Date: Sat, 5 Oct 2002 18:47:36 +0100
Subject: Gewichtsabnahme

Hallo Jan

Ich hoffe es gelingt Dir mit dem BCM Programm abzunehmen.
Also Jan, ich schildere Dir mal wie das bei mir war.
Nachdem ich ziemlich erfolglos versuchte abzunehmen(ca. 8 Monate) und doch immer nur auf meinem Gewicht blieb, oder sogar zunahm, kam ich zu dem BCM Programm. Ich war zunächst sehr skeptisch, versuchte es aber...der Leidensdruck war auch bei mir sehr hoch.

Da man nur 3x am Tag essen darf, viel es mir anfangs sehr schwer. Aber nach und nach pendelte es sich ein(ca. 1-2 Wochen). Mein Trick war, das ich mich darauf einstellte immer ungefähr zur gleichen Tageszeit zu essen, d.h.z.B. Morgens 8 h, Mittags 13h und Abends 17h. Die Zeiten während der Mahlzeiten versuchte ich damit zu überbrücken mir immer wieder zu sagen, dass ich erst um 8h oder 13h essen darf, bzw. 17h.
Nach der letzten Mahlzeit freute ich mich schon auf den nächsten Tag und auf die nächste Mahlzeit. Irgendwie gelang es mir damit meinen Appetit zu zügeln. Ich bereitete mir Mittags immer eine ausgewogene Mahlzeit zu und aß langsam und machte kleine Zeremonie daraus. Es gab auch Rückschläge und ich aß bsp.bei einem Geburtstag wieder mehr. Aber ich ließ mich nicht abschrecken und begann den nächsten Tag wieder stur nach dem Programm.
So nahm ich vom 25.7. bis jetzt 10 kg ab. Zur Zeit halte ich mein Gewicht , aber ich möchte nochmals ca. 10 kg abnemen. Da ich auch ca. 20 kg insgesamt zugenommen hatte. Momentan fällt es mir leicht mein Eßverhalten zu kontrollieren ohne dass mir etwas fehlt. Ich denke das mir vorallem dieser strenge Tagesablauf dabei hilft.Ich bin auch überglücklich über meine verlorenen Kilos und es fällt mir leichter eine Diät einzuhalten. Bis auf wenige Ausnahmen esse ich nur Morgens, Mittags Abends. Manchmal auch nur 2 x am Tag und abends ganz wenig, bsp. Oliven und etwas Brot.

Außerdem habe ich Sport getrieben, aber nicht extrem viel. Ich gehe seit Anfang des Jahres wieder joggen, aber es zeigte in puncto abnehmen nicht eine echte Wirkung, da mein Eßverhalten nicht entsprechend war.
Jedoch jetzt gehe ich echt Laufen zum Vergnügen und zur Entspannung. Ich gehe immer am Wochenende mind. 1x und in der Woche ein-zweimal. Ich jogge im optimalen Fettverbrennungspuls, das ist bei mir 130-156 Schläge pro Minute. Das ist ein langsames Tempo, ich mache auch manchmal Walking , das ist eh Gelenkschonender. Und ich gehe mindestens 40-70 min. joggen bzw. walking. Das ist die Zeit die man sich nehmen sollte. Außerdem gehe ich noch einmal die Woche zu einem Kampfsporttraining (seit ca. 1Jahr). Das alles hat eine Weile gedauert bis ich da eine Routine hineinbekommen habe. Manchmal bin ich auch zu müde zum joggen oder für mein Training und lasse es ausfallen, aber das kommt immer seltener vor. Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen weil ich mein mir auferlegtes Pensum nicht schaffte, aber heute bin ich stolz auf meine Erfolge.

Anfangs wollte ich ganz schnell abnehmen und jeden Tag Sport treiben. aber man kann sich nicht zuviel vornehmen. Wenn man es schafft 2-3 x die Woche Sport zu machen, wirklich regelmäßig ,dann ist man auf der sicheren Seite.

Ich mußte mich oft hochquälen um los zu gehen, aber heute fällt es mir leichter. Ich bin auch nicht mehr so lethargisch und müde. Allerdings habe ich auch im seit Februar meine Dosis von 300mg langsam auf 150 mg heruntergesetzt.
Das hat auch etwas bewirkt. Aber vorallem ist es mein Kopf der alles steuert. Wenn ich etwas wirklich will, dann kann ich es schaffen. Man darf nicht aufgeben und sich entmutigen lassen. Man darf sich nur nicht vornehmen im einem Monat 10 kg abzunehmen. 0,5-1kg die Woche sind optimal. Mehr sollte man nicht anstreben.
Ich habe auch oft aus Langeweile und innerer Unruhe gegessen. Ich versuche jetzt etwas effektiv dagegen zu tun , mich abzulenken und mich zu zwingen wenig zu essen. Ich hatte nie Gewichtsprobleme bis ich Neuroleptika nehmen mußte und lange Zeit dachte ich es liegt an mir, nur an mir. Aber die Medikamente verursachen ja wirklich einen gesteigerten Appetit und es ist eine Trainingssache dagegen anzugehen.
Je mehr man isst desto schlimmer wird es, auch das habe ich herausgefunden.

Was mir auch hilft ,das habe ich beim BCM gelernt, das Essen wenn es Dir möglich ist abzuwiegen um zu lernen wieviel Fett, Eiweiß usw. man zu sich nimmt. Das ist oft überraschend.

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und wenn ich am Abend Bilanz ziehe (ich schreibe mir jeden Tag auf was ich gegessen habe) , dann gibt es mir Kraft für den nächsten Tag. Jan, Ich hoffe, dass ich Dir hiermit helfen kann. Ich wünsche Dir viel Erfolg mit der Diät. Es sieht am Anfang alles sehr schwer aus und man zweifelt sehr oft, aber es funktioniert. Du wirst froh sein wenn Du es durchhälst und schaffst abzunehmen !!!
Halte mich auf dem Laufenden, wenn du Lust hast.

Gruß
Dark Angel.


233
Date: Wed, 2 Oct 2002 22:21:07 +0200
Subject: Leserforum - Beitrag 227 von Dark Angel - Gewichtsabnahme

Hallo Dark Angel,

mich interessiert wie Du unter Solian 10kg abgenommen hast.

Hab mich natürlich sofort für das BCM Programm bei einem Arzt in meiner Stadt eingeschrieben (:- Bin auch prompt über 100 Euro losgeworden, zahlt leider keine Krankenkasse. Aber der Leidensdruck ist hoch genug.

Ich selber habe 25kg mit Fluanxol zugelegt, bin zwar eigentlich ein sportliches Kerlchen mit moderaten Ernährungsgewohnheiten, habe aber dennoch nur geringes Zutrauen in meine Fähigkeit ohne professionelle Hilfe unter Neuroleptika abzunehmen.

Ein Versuch macht schlau.

Schwanger werden unter Neuroleptika ist schwer, da der mit der Medikamenteneinnahme verbundene erhöhte Prolaktinspiegel unter Umständen den Eisprung verhindert. Man muß also regelmäßig Blutuntersuchungen machen und ein neuroleptisches Medikament finden welches den Prolaktinwert nicht so stark ansteigen läßt.

Angeblich ist der Wirkstoff Aripiprazol solch ein Hoffnungsträger. Das darauf basierende Medikament soll bald auf den Markt kommen. Weiß dazu womöglich jemand mehr ? Bin neugierig.

Viele Grüße
Jan


232
Date: Mon, 30 Sep 2002 20:05:28 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Leute,

ich schreib auch mal wieder an euch.

Also an Markus, wenn ich meine Zyprexa weggelassen habe, hab ich massiv Konzentrationsstörungen bekommen, also so richtig, dass ich wirklich auch in Probleme gekommen wäre, wollt ich nur mal drauf hinweisen, dass dieses Problem ohne Medis kommen könnte, anderseits habe ich ein Gefühl von Benommenheit gehabt mit Zyprexa, dass auch in der Arbeit dawar. So der Kreislauf Arbeit-Schlafen-Arbeit der trat auch in meinem Leben ein. Ich will nur sagen, bezüglich der Dosis muss man seinen Kompromiss finden.
Schade ist das Ärzte, die ganze Scheisse in die einen die Nebenwirkungen reinreiten, so auf die leichte Schulter nehmen.

Nachdem mein Gewicht mittlerweile auf über 20 kg zuviel angestiegen ist, probier ich jetzt Zeldox, eines der neuesten Medikamente, ich denke ich werde in 2-3 Monaten meine Erfahrungen damit weitergeben. Zeldox soll in Punkto Gewichtszunahme eines der besten Medis sein, ob ich mir neues Elend mit neuen Nebenwirkungen einhandele oder ob es erst wirklich ein Fortschritt ist, werde ich dann im nächstem halben Jahr sehen.

Alles Gute euch

euer
Ronald


231
Date: Sun, 29 Sep 2002 12:19:55 +0200
Subject: Leserforum

Fortsetztung von artikel 223, 226 und 229

Hallo, und nun der rest,

...ohne pillen läuft erst mal ganz gut, nur kopfschmerzen und depressionen bleiben. Allerdings werde ich nach 2 monaten manchmal etwas unruhig, aber ich will das packen. Keinem ist bis jetzt was aufgefallen und ich erlebe seit monaten endlich wieder lebenswerte abende.
Doch dann auf arbeit ein unerfreuliches telefonat gefolgt von einem fax und 2 tage später das ganze nochmal als brief. Eigendlich keine große sache, aber mit der ruhe ist es erst mal vorbei. Allmählich steigert sich meine unruhe und ich bekomme angstbeklemmungen. Das zieht sich über tage hin, in denen ich noch zur arbeit gehe.
Dann aber ist schluß. Ich bleibe einfach zuhause was nichts nützt, denn wahnvorstellungen bekomme ich trotzdem. Ziemlich genau 1 jahr nach den ersten. Diesmal hat der trip was mit handys zu tun, totale kontrolle und so. Das meiner schwester muß dran glauben. Ich gehe zum arzt für eine krankschreibung und um mir neue pillen verschreiben zu lassen, obwohl ich noch welche habe. Alles nicht ganz einfach, aber für mich nicht so schlimm wie beim ersten mal. Ich nehme meine pillen wieder, brauche aber die ganze woche, um wieder auf den teppich zu kommen.
Dann geh ich wieder arbeiten.
Depressionen und kopfschmerz sind weg. Bin ich immer noch auf nem trip?
Die arbeit läuft zäher als vor dem rückfall, bin extrem verunsichert, aber ich unternehme auch mal was abends. Eigentlich läuft alles besser bis wieder ein blödes fax reinkommt. Ich bin allein im büro und verzweifelt. Ich habe angst vor einem neuen schub. Als die kollegen kommen, gehe ich erst mal nach draußen. Nach etwa einer stunde komme ich zurück und rufe meinen arzt an für einen termin, doch der wäre erst in 3 wochen, obwohl ich sage das es dringend ist. Nichts zu machen. Das gibt mir den rest. Ich quäle mich durch die restarbeitszeit, 'entdecke' ein weiteres 'dringendes' fax, das in meiner abwesenheit reingekommen ist, mit dem hinweis, dass keiner im büro erreichbar war und verlasse dann fluchtartig das büro. Mir ist das alles zu viel und ich gehe nicht mehr zur arbeit. Meine schwester erreicht dann doch einen termin beim arzt. Wieso klappte das bei mir nicht? Diesmal 3 wochen krankschreibung, aber eigentlich will ich gar nicht mehr hin. Ich finde im Internet diese seite und fange an die texte zu schreiben. Wie es weitergeht? Keine Ahnung.

Gruß Markus


230
Date: Sat, 28 Sep 2002 13:06:19 +0200
Subject: Leserforum

guten morgen,

ich wollte nur sagen, die artikel von diesem markus sind ja wohl die besten, die es in dem forum je gab. das ist informativ und unterhaltsam geschrieben. ich nehm jetzt schlaftabletten seit gestern und jetzt kann ich wieder schlafen. ich hab plötzlich sehr viele gedanken und aber dauernd reisst der faden, wenn ich was sagen will, das ist mir vorgestern erstmals wieder aufgefallen. ich höre schritte in der nacht und mein bruder nie. was soll das alles, lieber gott. der arzt hat mir jetzt eine höhere dosis solian verordnet, dabei wollte ich sie gar nicht mehr nehmen. bleibt mir wohl nichts anderes übrig. ich hab sie drei tage nicht genommen und schon geht es wieder schlechter. nächstes jahr hat der arzt mal gesagt, könne ich sie ausschleichen, aber gestern hat es ihn interessiert und überfordert meine frage, wie ich die jemals absetzen können soll. so ein blödsinn alles. langsam gewhen mir die dinge mit krankheiten auf die nerven. mein bruder lebt so leicht und ich stolper so durch die jahre. lieber gott, wenn ich bete, dann nur mehr mit ironie!!!

alles liebe,

iwan terenko und aaron kozminski, zwei brüder im geiste in einer weitenwüste ganz alleine mit sich


229
Date: Thu, 26 Sep 2002 09:02:23 +0200
Subject: Leserforum

Fortsetzung von artikel 223 und 226

Hallo, ich bin es wieder,

...irgendwie geht alles viel zu schnell. Habe zwar kein bock mehr auf blöde tagesklinik, aber arbeitsfähig fühle ich mich noch lange nicht. Es ist eine einmalige gelegenheit wieder ein bein auf den boden zu kriegen. So eine gelegenheit auf einen job bietet sich nicht jede woche. Ich kenne die leute von früher, und meine neuen chefs wissen bescheid. 4 stunden am tag, hoffentlich halte ich das durch. Aber auch der gedanke, warum das nicht ein halbes jahr früher passiert ist. Wahrscheinlich hätte ich abgesagt, weil 4 stunden mir damals zu wenig gewesen wären.

Es läuft alles einigermaßen. Die neuen kollegen sind wirklich supernett. Durch ganz langsames herunterdosieren der pillen werde ich auch aufnahmefähiger, der job läuft besser. Habe dabei aber keinerlei unterstützung von seiten meines arztes. Dem scheint das egal zu sein, dass hohe dosen die arbeitsfähigkeit und somit die soziale reintergration beeinträchtigen. Ich mach's auf eigene faust, und es läuft ganz gut. Trotzdem bleiben konzentrationsschwierigkeiten und ich mache fehler auf arbeit, die ich mir nicht erklären kann. Vor allem mein kommunikationsverhalten ist mangelhaft, gehe klärenden gesprächen aus dem weg. Mich belastet, dass diese leute meine karre aus dem dreck ziehen müssen. Arbeitsamt und soziale nachbetreuung kann man hingegen in der pfeife rauchen.

Ganz schwierig ist das mit den depressionen. Diese werden allmählich stärker und belasten mich soweit, das 4 stunden arbeiten für mich schon zu einer ernsten belastung werden. Während ich am anfang auch mal 6 stunden auf arbeit bleiben konnte, muß ich später nach den vereinbarten 4 stunden unbedingt nach hause und mich ins bett legen. Schlafe bis zu 14 stunden am tag. So wird auch der halbtagsjob zu einem schlafen-arbeiten-schlafen-arbeiten film. Hinzu kommen kopfschmerzen und tinnitus.

Schwierig war auch weihnachten. Treffen mit meinen geschwistern. Hier wird für mich der zusammenbruch meiner sozialen kompetenz besonders deutlich. Ich bringe mich kaum in gespräche ein. Meine krankheit ist leider auch kein thema. Wegen der depressionen könnte ich dazu auch nichts sagen, würde sofort anfangen zu flennen. Die tage dannach sind die schwersten meines lebens.

Das mit den fehlern auf arbeit belastet mich immer mehr, vor allem wenn sie einen erst wochen später einholen. Ich befürchte die karre erneut in den sand zu setzten. Als einziger ausweg erscheint mir das weitere reduzieren der Pillendosis, der einzige faktor den ich in diesem geflecht selbst beeinflussen kann.
Pillen ganz langsam auf null doch depressionen und kopfschmerzen bleiben...

bis zum nächsten mal

Markus


228
Date: Wed, 25 Sep 2002 11:42:02 +0200
Subject: Leserforum

Hallo leute,

nachfolgend ein paar arbeitsthesen zu psychose.
Diese spiegeln nicht etwa meine meinung oder standpunkt zu der sache wieder. Mangels auseinandersetzung habe ich zu einigen punkten überhaupt keine meinung.
Vielleicht will der ein oder die andere dazu was sagen.

1.
wie träumen zum schlafen gehört,
gehört ein psychoseschub zum wach sein.

2.
wie adrenalinausschüttung unter stress auf die muskulatur wirkt,
wirkt zu viel dopamin unter stress auf den kopf.

3.
was nützt einem ein adrenalinschub, wenn man das mehr an körperlicher leistungsfähigkeit mental nicht umsetzen kann. Dafür ist das mehr an dobamin da. Nicht umsonst benötigt man 8 pfleger, 4 lederbänder und ne dicke haldolspritze um einen menschen gewaltsam von seinem dopamintrip zu holen.
Vielleicht ist das nur ein altes überlebensprogramm des menschlichen organismus für extreme notsituationen.

4.
die inhalte der wahnvorstellungen sind beliebig. Sie spiegeln höchstens das wieder, was aktuell gesellschaftlich oder individuell problematisiert wird.
Hätte ich mich vor meinem wahn mit klobrillen beschäftigt, wäre jedes DIXI-klohäuschen für mich der hort des bösen.

5.
die medikamente wirken im psychoseschub, berücksichtigen aber nicht die darauffolgende depression. Vielleicht braucht es eine 'kukident' 2-phasen medikamentierung. Die frage wäre dann nur, wann genau die 2. phase beginnt. Im krankenhaus war ich oft genug zur blutabnahme.

6.
aus angst vor neuen psychoseschüben wird viel zu hoch medikamentiert, auch wenn man eher in einer depressiven phase ist.

7.
die angst der umgebung eines betroffenen vor der psychose ist die angst des betroffenen in der psychose.

8.
hohe medikamentendosen verhindern soziale reintergration und provoziert so rückfälle.

9.
die diskussion wegen zu teurer medikamente mit verweis auf alte unzeitgemäße ersatzstoffe ist eine unverschämtheit. Man behandelt einen beinbruch nach skiunfall ja auch nicht mit einer lehmpackung. Im gegensatz zum skifahrer habe ich mir das risiko nicht ausgesucht.

10.
die medikamente sind noch viel zu schlecht. Gewichtszunahmen von 20kg sind unzumutbare nebenwirkungen. Sind diese medikamente vielleicht nur billiger weil eigendlich nicht marktfähig?

11.
eigendlich bin ich ganz klar im kopf nur manchmal funktioniere ich anders ('schlafen und träumen').

12.
psychose ist ein stoffwechselproblem, aber es wird ein psychologisches Problem draus gemacht.

13.
im gegensatz zu früher, wo man dem tiger noch einen tritt an den kopf verpassen konnte ('überlebensprogramm' aus 3.), sind die heutigen 'bedrohungsszenarien' durch gesellschaftliche komplexität abstrakt. Das verursacht ein heißlaufen der psychose, da aggressionsabbau schwierig ist. Man kann den tiger nicht mehr in die flucht schlagen und so gewinnen, sondern mangels konkretem gegner eigentlich nur verlieren.

14.
parallelen zu politischen problematiken sind natürlich rein zufällig.

Gruß Markus


227
Date: Mon, 23 Sep 2002 19:32:57 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Petra,

was Du schreibst finde ich sehr aufschlußreich...auch ich habe mir oft Gedanken gemacht wie es ist mit Psychopharmaka schwanger zu werden, wie das überhaupt geht....
Hatte meine Regel seit März 2002 nicht mehr und jetzt nach Einnahme von Agnucaston ist im September das erstemal sie wieder aufgetaucht. Was aber mit dem Eisprung ist weiß ich auch nicht. War nicht mehr bei meiner Frauenärztin.
Leide auch unter Libidoverlust.

Der Hormonhaushalt wird in jedem Fall beeinträchtigt. Ich habe 10 kg abgenommen trotz Einnahme von Solian. War sehr mühsam. Mit dem BCM Programm und regelmäßig Sport. Möchte noch mal 10 kg abnehmen.

Alles Gute

Gruß
dark angel


226
Date: Mon, 23 Sep 2002 16:41:59 +0200
Subject: Leserforum

Hallo, liebe leute hier nun die fortsetzung von Artikel 223

Aufwachen im krankenhaus, muß auf toilette, danach weiterschlafen. Zwischendurch immer mal wieder medikamente schlucken. Werde dann in ein anderes zimmer verlegt. Hier gibt es meine Zahnbürste und auch eigene frische wäsche. Wer hat meine sachen hierhergebracht? Hatte angeblich besuch von meiner schwester, kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich ziehe mich um und soll was essen gehen. Schleiche über den flur, dauert stunden, esse was und dann wieder zurück ins bett. Weiterschlafen. Wieder was essen. Laufe wie ein roboter über den flur. Bin zwar nicht mehr müde, aber was ich außer schlafen machen soll, will mir nicht einfallen. Keine ahnung was ich mache. Wieder essen, Medikamente, dann ins bett. Bin im krankenhaus, ok die betten sehen so aus, aber in welchem? Ist eigendlich egal. Welche Tageszeit haben wir? Auch egal. Wie lange bin ich schon hier? Keine Ahnung.

Erwache langsam aus meiner amnesie, bemerke aber erst nach 2 wochen in einem kurzen hellen moment, dass ich die ganze zeit unter einer käseglocke war. Danach wieder pillen und ab unter die Käseglocke. Medikamente werden umgestellt. Kein Haldol und kein Tavor mehr. Danach kann ich mich besser bewegen, nicht mehr so mechanisch. Alle sind ganz nett zu mir, ich mache aber auch keinen ärger, was ein glück.
Hey, alle fenster der station sind vergittert und zum rausgehen muß man bescheid geben. Die stationstür ist verschlossen. Nicht jeder darf. Das stationsgebäude ist innen und außen das schäbbigste auf dem ganzen Klinikgelände. Alle hier drin haben ne macke. Mein zimmerkollege ist Doktor und war assistent im selben fachbereich an dem ich studiert habe. Ich bin nur Dipl.Ing. und putze ab und an meine Hugo Boss schuhe.

-raucherzimmer-
Raum sozialer interaktion. Manchmal schwierig, die drogis sind durchaus aggressionsbereit und schlauchen zigaretten. Fachsimpeln über medikamente. Ich weiß nicht mal genau wie meine heißen.

-essensausgabe-
Auch soziale interaktion, aber alles ganz einfach. Hier zählt schnelligkeit, sonst gibts ggf. nur eintopf. Da muß man schon mal seinen besuch zeitig nach hause schicken.

-rückblick-
Auf station sind alle sehr professionell, wie die polizisten, die mich hier abgeliefert haben und der S-bahn-fahrer, der diese angefordert hatte, weil er nicht losfahren konnte, da ich vor seinem zug stand. Wollte ich vom zug überfahren werden? Ich glaube nicht.

Fühle mich im krankenhaus ganz wohl und irgendwann wieder besser. So gehe ich nach 5 wochen in die tagesklinik, konnte einen platz ergattern.
Bin optimistisch, aber jetzt fangen die depressionen an. Pappschachteln zusammenkleben ist zwar ganz nett, aber hallo ich habe keinen job und auch sonst keine einkünfte! Wie soll ich meine miete bezahlen? Scheint keinen zu interessieren. Auch nicht wie es bei mir weitergehen soll. Hatte vor einem halben jahr ja auch schon probleme nen job zu finden. Jetzt kommen die depressionen dazu, und die pillen machen mich auch nicht geistig flexibler. Jeder zieht hier nur den notwendigsten streifen durch. Das 'ermöglicht' einem ne menge ausgedehnter zigarettenpausen zwischen den sporadischen programmpunkten. Irgendwie alles nur zeitverschwendung. Nachversorgung also echt scheiße. Ich weiß zwar nicht was ich danach machen soll, aber mit Tagesklinik will ich nach 7 wochen unbedingt aufhören.
Auf einmal habe ich über freunde ein jobangebot...

Fortsetzung folgt.

Gruß Markus


225
Date: Sat, 21 Sep 2002 09:51:22 +0200
Subject: Leserforum

Lieber Bodo,

ich wollte noch etwas INFO nachfuegen: in meinen Dokumenten habe ich folgende Seite gespeichert (bereits 121 Eintraege bezueglich der betroffenen Krankheit und immer auf dem neuesten Stand)
AERZTE ZEITUNG: www.aerztezeitung.de
Von A bis Z werden alle Krankheiten dort erwaehnt - man muss fuer unsere also nur unter S suchen und antippen....

Es gruesst wieder - Margaret


224
Date: Fri, 20 Sep 2002 19:01:04 +0200
Subject: Leserforum

Hallo, Bodo
- hier schreibt nach langer Zeit mal wieder die Margaret aus Spanien - Es ist, glaube ich, nun mehr als 1 Jahr her, dass ich nicht mehr geschrieben habe. Zwischenzeitlich war ich zwar in Deinem Gaestebuch/dem Leserforum, aber ohne selber etwas zu schreiben.

Heute nun habe ich mich auf diesen Seiten etwas laenger aufgehalten, dabei aber auch festgestellt, dass die Namen unserer damaligen "Mitbestreiter" irgendwie zwischenzeitlich wohl verlorengegangen sind. Es kann aber auch sein, dass ich sie bei meiner oberflaechlichen Einsicht uebersehen habe. Klar ist aber, dass es doch l e i d e r viele/zuviele Personen immer noch und wieder gibt, die unter dieser Krankheit leiden....

Mein nun 24-jaehriger Sohn lebt jetzt das 7. Jahr mit der Krankheit Schizophrenie (kann man den Namen dieser schlimmen Krankheit nicht endlich aendern???). Zur Weihnachtszeit 2000 bemerkte ich seine "Veraenderung", verbunden mit Depression und Aggression - und den Grund kannte ich auch: ohne Erlaubnis seiner Aerztin setzte er nach und nach seine Medikation herunter. Diese Weihnachtstage mit ihm waren ein Terror fuer mich und seinen Bruder. Im Mai 2001 war es dann ganz schlimm: eingeschlagene Tueren der Zimmer und der Dusche - Glaeser wurden gegen die Wand geschlagen, er erhob die Hand gegen mich und beherrschte sich im letzten Moment. Dann wieder stand er auf dem Balkon und wollte sich hinunterschmeissen. Mehrmals waren wir in der Notaufnahme zur "Neueinstellung" - aber ohne Erfolg.

Anfang August 2001 verwies ihn dann seine Aerztin - und mein Sohn war auch einverstanden (er hatte gerade die gesamte Computer-Anlage seines Bruders vernichtet) - in die Psychiatrie. Hier war er also nun das 2. Mal nach Ausbruch seiner Krankheit mit 18 1/2 Jahren.
Ca.40 Tage blieb er dort (ganztags mit spaeteren Wochenenden zuhause) - und anschliessend war er in einer Tagesunterkunft mit verschiedenen Aktivitaeten. Ende Oktober 2001 war er dann wieder richtig "eingestellt" (hoert sich schlimm an, aber viele Diabetiker muessen ja auch auf ihre Medikation "eingestellt" werden).

Seine Medikation nimmt er nun gewissenhaft ein, da er sich "ueberwiegend" wohl fuehlt damit, und es ist folgende:
Risperdal 3 mg....... 1 0 1
Akineton 2 mg........ 1 1 1
Sinogan 25............. 0 0 1

zusaetzlich 1 x im Monat bekommt er Depot gespritzt: Clopixol und Akineton (Akineton hat hier einen anderen Namen/hab ihn momentan vergessen).
"Valium" 5 mg wurden ihm aus Sicherheitsgruenden auch mit verschrieben. Denn es gibt manchmal Tage im Monat - bedingt wohl auch durch Wetterumschwung - dann hat er das Gefuehl, dass seine Augen-Pupillen hoch gehen wollen, und er beginnt wieder Stimmen zu hoeren, die er nun aber nicht mehr verstehen kann. Dieser Zustand macht ihn dann aber sehr unruhig/nervoes. Ca. 1/2 Stunde nach Einnahme des Valiums geht es ihm dann aber schon wieder viel besser. Er versucht jedoch, Valium soweit wie moeglich durch Sinogan zu ersetzen, da dies - im Gegensatz zu Valium - nicht abhaengig machen soll.

Mein Sohn ist jetzt wieder ueberwiegend "ein toller Typ", der mir auch gerne zuhause hilft. Aufgrund von Konzentrationsschwierigkeiten kann er z.Z. nicht arbeiten - seit Juli dieses Jahres bekommt er auch eine Behindertenrente i H v 250 Euros/Monat - 60 % Behinderung wurden ihm bescheinigt.Ich habe mich sehr erschrocken darueber - es ist aber auch schoen fuer ihn, seine Kosten nun selber begleichen zu koennen:
Zigaretten und 1 x woechentlich 2 Stunden einen Bonsai-Kursus mit grosser Begeisterung und unter Gesunden, die seine Krankheit gar nicht kennen ). Zuhause haben wir einen kleinen Hund, den er "nun" auch wieder sehr liebt, und er kuemmert sich um unsere Terrasse mit ca. 40 Blumen (Balkonkaesten und Baeume) - hoert weiterhin klassische Musik und spielt sie auch wieder gerne auf seinem Klavier. Und was vorher nicht war: Er sieht gerne die politischen Diskussionen im deutschen Fernsehen - er findet sie viel interessanter und amüsanter als die spanischen.

Ich habe diese Info ueber einen Schizophren-Kranken - und ganz besonders ueber seine Medikation - deshalb so ausfuehrlich geschrieben, da ich glaube (und mein Sohn JETZT auch), dass die Einnahme der Medikation, und ganz besonders der "richtigen Einstellung" - solange das Wichtigste sein sollte, bis endlich die ENDGUELTIGE UND WUNDERBARE HEILUNG DIESER KRANKHEIT KOMMT...

P.S.: Ich waere sehr gluecklich darueber, wenn diese Medikations-Zusammenstellung auch anderen Betroffenen so helfen wuerden. Gibt es diese - und ganz besonders die Depositos (Depotspritzen, d. R.), die den Kranken und den mit ihnen Lebenden doch unwahrscheinlich beruhigen - auch in Deutschland???

Bodo, ich gruesse Dich ganz herzlich von der momentan sonnigen Kueste Spaniens (ist dieses Jahr leider nicht immer so) und danke Dir sehr dafuer, dass Du Deine Seite weiterhin so aktiv verfolgst!!!
Und die herzlichsten Gruesse auch an alle Bodo-Leserforum / Gaestebuch-Gaeste!!!

Bodo:
Hallo Margaret, vielen Dank für deine neuesten Infos... Depositos gibt es sicher auch in Deutschland, wenn meine Annahme richtig ist, daß du damit die Depotspritzen meinst. Die Medikation deines Sohnes auch auf andere Betroffene anzuwenden, ist sicher gut gemeint, aber warum haben denn die Ärzte so grosse Probleme jemanden richtig einzustellen? Weil jeder anders auf die Substanzen reagiert. Wem es aber wirklich helfen sollte, dann herzlichen Dank für den Tipp!


223
Date: Thu, 19 Sep 2002 13:52:08 +0200
Subject: Leserforum

Hallo ihr lieben,

auch ich habe eine psychose durchlebt und finde viele beiträge wirklich gut, da sie einem das gefühl vermitteln mit seiner krankheit nicht alleine zu sein.
Deswegen möchte auch ich einen kleinen beitrag zu dieser seite leisten, und zunächst etwas über mein erleben im wahn erzählen.

Angefangen hat die geschichte damit, das ich, für mich damals sehr überraschend, arbeitslos geworden bin, obwohl ich einige wochen zuvor noch bis 14 Stunden täglich gearbeitet hatte und verschiedene projekte am laufen waren. In den darauffolgenden wochen habe ich mich dann viel mit meinen hobbys beschäftigt, möbel bauen und am computer rumspielen. Dabei habe ich viel mit windows 95 und windows 98 rumexperimentiert und mir aus ca. 100 dateien eine betriebssystemversion mit der gewohnten grafischen oberfläche zusammengebastelt, die man von CD aus booten kann.

Obwohl ich bis dahin regelmäßig PC-zeitschriften gelesen hatte, hatte ich von dieser möglichkeit noch nie gehört, da dieses mini-windows ein optimales backup-tool war und ich auch keine angst mehr vor computerviren hatte, da bei einem eventuellen virenbefall das komplette system innerhalb von minuten wieder herstellbar war. Und das ganze ohne leidige DOS-programme zu benutzen. Ich konnte mir keinen reim daraus machen, dass diese möglichkeit dieser weit verbreiteten betriebssysteme nicht kommuniziert wurde. Auch war ich mir nicht sicher, ob das ganze wegen urheberschutz ggf. illegal sein könnte.

Ich war innerlich total von der rolle wegen meiner 'entdeckung' und spürte zum ersten mal verfolgungsängste. Trotzdem habe ich eine version mit einer uralten windows 95 version an die redaktion einer PC-zeitschrift geschickt. An microsoft ging dann ein brief raus, dass ich mich gerne registrieren lassen wollte, wie von der software aufgefordert. Ich wollte aber auch vorher wissen, wie diese registrierung wieder aufgehoben werden kann, falls ich die software wieder verkaufen würde. Von diesem einschreiben mit rückschein habe ich dann nie mehr was gehört, dafür kam die CD von der angeschriebenen PC-redaktion zurück mit dem hinweis, dass die zugeschickte CD nicht funktionieren würde.

In der zwischenzeit hatten sich meine verfolgungsängste soweit gesteigert, das ich das gefühl hatte, jeder hubschrauber am himmel sei von microsoft geschickt, da diese durch meinen brief ja meine adresse hatten. Das ganze vermengte sich noch mit meinen wahnvorstellungen, dass microsoft 90% der weltweiten betriebssystemlizenzen vergeben hat, und dass dieses weltweite monopol einer zentralen branchenübergreifenden schlüsseltechnologie so mächtig war, dass sogar gerichtsverfahren nichts mehr dagegen unternehmen konnten, da auch die US-regierung an diesem monopol ein interesse hatte und so von verschiedensten seiten richter unter druck gesetzt wurden. Ich dachte allen ernstes, daß das ein abgekartetes spiel ist, in dem es darum geht, eine macht zu manifestieren, die nicht mehr demokratisch kontrolliert werden kann, ähnlich wie die pharaonen im alten ägypten, die auch duch die rechte an der wasserverteilung des nils zu ungeheurer macht gelangt waren.

Dieser wahn weitete sich im laufe der nächsten tage auf praktisch alles aus mit dem ich kontakt hatte. Zeitungsartikel, radio, TV-berichte, plakate etc. Ich verlor dann auch das vertrauen zu mir nahestehenden personen und 'flüchtete' eines abends quer durch die stadt, ohne ganau zu wissen wohin. An einer S-bahn-station wurde ich dann von der polizei aufgegriffen und später in ein krankenhaus gebracht wo man mich mit haldol ins nirwana schickte.

Hier möchte ich zunächst einmal abbrechen und zu einem späteren zeitpunkt mit meinen durchaus positiven erfahrungen im krankenhaus weitermachen.

bis dahin alles gute

markus


222
Date: Tue, 17 Sep 2002 20:21:50 +0200
Subject: Leserforum

Suchtgefahren bei Zyprexa,

hallo JD ich nehme seit etlichen Jahren Zyprexa, bin damit auch nicht glücklich, aber die geschilderten Entzugserscheinungen wie Schüttelfrost Herzrasen hatte ich nicht, was bei mir Eintritt sind massivste Konzentrationsstörungen (fuhr z.B. an der Tankstelle los ohne zu bezahlen, in Gedanken, - hab ich aber dann bereinigt, als ich zurückging ) und Einschlafstörungen. Da ich noch nen Job hab, kann ich mir die Konzentrationsstörungen nicht erlauben, dass heisst meine einzige Hoffnung vom Zyprexa wegzukommen, ist der Wechsel wenn es mal ein neues und hoffentlich besseres Medikament gibt.

Nun reagieren Menschen unterschiedlich, aber selbst wenn bei dir diese Wirkungen vom Zyprexa kommen, denke ich diese Abhängikeit ist nicht zu vergleichen mit üblichen Suchtstoffen (also Drogen), ich denke wenn der Körper vielleicht mit einer ausschleichenden Dosierung über längerer Zeit entwöhnt wird, gegen auch Abhängigkeitssymptome die du hast zurück, ist nur die Frage, ob für dein Leben generell die Einnahme eines (dann anderen) Neuroleptikas notwendig ist oder nicht.

Ich für meine Leben fürchte, ich werde nicht mehr ohne Neuroleptika auskommen, vielleicht hab ich wirklich einen dauerhaft erhöhten Neurotransmitterspiegel, jedenfalls komme ich bislang in Schwierigkeiten (die jedoch seit 8 Jahren nicht in eine Klinikeinweisung mündeten) wenn ich keine Neuroleptika nehme.

Ich hasse das Zeug und bin über die Nebenwirkungen unglücklich.

Gruss

Ronald


221
Date: Sat, 14 Sep 2002 23:46:30 +0200
Subject: Leserforum

Hallo,

ich muss seit einem Jahr Seroquel nehmen und habe jetzt erst von einem Oberarzt erfahren, dass man entgegen den ursprünglichen Behauptungen der Hersteller nun festgestellt hat, dass es dabei sehr wohl Gewichtszunahme gibt uns zwar bei jedem Dritten und zwar die ersten 3 Jahre lang!!!
(Wie bei mir auch)

Ausserdem habe ich durch die Benutzung eines Verhütingscomputers festgestellt, dass ich gar keinen Eisprung habe (und also zur Zeit jedenfalls nicht schwanger werden könnte). Meine Frauenärtztin weigert sich, dem Ganzen auf den Grund zu gehen (ich werde wohl wechseln), aber das beunruhigt mich enorm. Ich bin frisch verheiratet und möchte irgendwann ein Kind haben. Wer gibt mir einen Rat? Habt Ihr das gehört, dass Seroquel auf die Hormone der Frau schlägt?

Ich habe wiederholt Studien gelesen, dass die Neuroleptika gar nicht an Frauen gestestet sind und somit die Auswirkungen auf den Körper der Frau gar nicht bekannt sind. Ist das nicht eine Sauerei????

Wer hat trotz Neuroleptika wieder zugenommen und wie?

Alles Gute an euch alle,
Petra


220
Subject: Eintrag in der Umfrage
Date: Sun, 18 Aug 2002 17:20:42 +0200

Bemerkungen:
Ich nehme schon 4 Jahre ununterbrochen Zyprexa und habe schon mehrere Versuche unternommen von diesem Medikament loszukommen. Bei jeder Reduktion bekomme ich Schüttelfrost, Herzjagen, Unruhe und starkes Unwohlsein. Meine Ärztin sagt, das können nicht sein. Es ist aber so. Zyprexa macht süchtig und ich komme von diesen Dingern nicht los! Was meint Ihr? Sind das Entzugserscheinungen oder bin ich noch zu krank diese abzusetzen. Ich hatte bisher 1 Psychose im Jahre 1996.

Viele Grüße JD


219
Subject: Leserforum
Date: Thu, 4 Jul 2002 19:14:30 EDT

... Auf Wunsch gelöscht ...


218
Subject: Leserforum
Date: Thu, 4 Jul 2002 15:52:48 +0200

Liebe Leute,

zunächst möchte ich vor Zyprexa warnen, dieses Produkt macht nicht nur dick, es traten bei mir auch unerklärliche Kehlkopfentzündungen auf, die erst dann aufhörten als ich das Medikament absetzte. Weiterhin wird man von Zyprexa auf lange Sicht depressiv, die Hände und der Kiefer fangen an zu zittern. Diese Begleiterscheinungen werden mit einem Schulterzucken abgetan.

Weiterhin möchte ich vor Taxilan (Perrazin) warnen, bei diesem Medikament können Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken auftreten. Selbstmörder sind bekanntlich schlecht für das Tagesgeschäft eines Psychiaters, aber zur Not kann man diese Patienten einfach in die Pfanne hauen ...

Noch weiterhin viel Spaß mit der Psychiatrie

(ohne Namen)


217
Subject: Leserforum
Date: Sat, 29 Jun 2002 22:36:49 +0200

Hi, Bodo,

Besten Dank für Dein Forum, hat mir schon in einer konkreten Fragestellung geholfen (siehe unten). Habe nun beschlossen, auch meine Geschichte mal niederzuschreiben, damit andere genauso profitieren können, wie ich es tat.

Die Story:
Schon als kleines Kind (etwa 4 Jahre) bemerkte ich, daß das Tapetenmuster an der Wand in meinem Zimmer eigenartig auf mich wirkte und sonderbar hervortrat. Ich fand dies damals als interessant. Im selben Alter glaubte ich auch einmal, daß inmitten in der Nacht ein Fremder auf dem Balkon stand und ich mußte weinen, bis meine Mutter mich tröstete und erklärte, ich bilde mir das alles bloß ein (hatte damals jedoch starkes Fieber).

Mein soziales Umfeld war leider nicht das Beste: Obwohl meine beiden Eltern beide gebildete Leute (Akademiker) waren, konnten sie mir keine gefestigte Persönlichkeit vermitteln. Meinen Vater habe ich im Prinzip nicht gekannt, da er sich kaum um seine beiden Kinder (habe noch 'ne Schwester) kümmerte und Alkoholiker war, der meine Mutter sogar schlug. Als ich 12 Jahre alt war, nahm er sich das Leben (da waren meine Eltern schon 4 Jahre geschieden). Hörte mit, als meine Mutter den Tel.Hörer abnahm und ihr meine Großmutter mitteilte, daß mein Vater sich das Leben genommen hatte. Dies war ein traumatisches Erlebnis für mich, daß mich in meiner weiteren Entwicklung sicherlich gravierend beeinflußt hat. Erschwerend kommt noch hinzu, daß niemand da war, mit dem ich das oben erwähnte Trauma hätte aufarbeiten können. Die Folge war, daß ich niemandem davon erzählte, ich genierte mich, ohne Vater dazustehen. Ich wurde ziemlich introvertiert und redete wenig. Nochdazu war meine Mutter auch nicht gefestigt und sie wurde medikamentenabhängig und versuchte sich ebenfalls das Leben zu nehmen, überstand dies jedoch und konnte sich mit Hilfe einer religiösen Gemeinschaft wieder erfangen. Heute schreibt sie sogar Bücher und hält Vorträge. Sie nimmt auch keinerlei Psychopharmaka. Hinzu kam auch, daß ich äußerlich nicht sehr attraktiv war (bzw. immer noch nicht bin) und ich auch in dieser Hinsicht wenig Selbstvertrauen aufbauen konnte und mit Frauen immer Streß hatte.

Mit 15 J. verliebte ich mich dann unsterblich in eine Schulkollegin, die mit mir herumspielte (mir schöne Augen machte, mich aber nicht ranließ, unter anderem weil sie ständig einen Freund hatte). Ich konnte ihr auch meine Gefühle nicht rüberbringen, jedoch dürfte sie gewußt haben, daß ich in sie verliebt war. Ich hoffte ständig, daß wir zusammenkommen - sie machte mir stets Hoffnung, diese wurde aber gleich danach wieder zerstört. Das Ganze ging über Jahre hin und 4 Jahre später als das Abi anstand, wußte ich das nun meine letzte Chance gekommen sei, sie doch noch zu bekommen, da danach unsere Wege auseinandergehen würden. Ich hoffte auf die gemeinsame Klassenreise nach bestandenem Abi. Während des ganzen Lernstresses wurde ich jedoch krank - ich bekam kurz vor dem Prüfungstermin eine eitrige Angina, sowie starkes Fieber. "Ich kann doch jetzt nicht krank werden, ich muß sie auf jeden Fall wiedersehen und das Abi bestehen". Meine Gedanken fingen an zu rasen und ich bekam eine fürchterliche Wut, wurde aggressiv meiner Mutter und Schwester gegenüber. Ich schlief etwa 2 bis 3 Nächte überhaupt nicht und lag nur rum und grübelte. Die Hausärztin wurde gerufen, die mir Penicilin gegen die Angina verschrieb. Dieses Medikament hatte einen ganz spezifischen Geruch. Ich nahm mehrere Tabletten ein. Danach ging die Psychose los: Ich konnte diesen eigenartigen Geruch nicht mehr aus meinem Kopf rausbringen und nahm ihn überall an meinem Körper war. Roch ich an meiner Hand, so roch ich dieses Penicilin-Zeug. Ich wurde panisch und dachte vergiftet worden zu sein. Sofort fiel mein Verdacht auf meine Mutter und ihre "Sekte", ich machte ihr daraufhin grobe Vorwüfe und wurde immer aggressiver. Die nächste Nacht konnte ich wieder nicht schlafen und plötzlich fing mein Herz zur rasen an - ich dachte dies sei die Folge der Vergiftung und ich müsse jetzt gleich sterben. Ich schrie in meiner Panik um mich rum und dachte ich hätte einen Herzinfarkt erlitten. Ich trank dann einen Sportdrink (Isostar) und danach ging es mir kurz besser - ich war der Meinung dies hätte mir jetzt das Leben gerettet. Die Sanis kamen und verpaßten mir eine Beruhigungsspritze, die mich erstmal in Schlaf versetzte. Als der Spuk am nächsten Tag kein Ende hatte und ich sogar auf meine Mutter einschlug, da ich immer noch der Meinung war, sie hätte mich vergiftet, wurde ich abgeholt und in die Psychatrie eingewiesen.

Von der Psychatrie weiß ich nur noch, daß ich anfänglich keine Neruoleptika bekam und ich mich die erste Nacht sehr gut fühlte (der Grund der Euphorie war, daß ich mich als Gott fühlte, da ich durch mein eigenes Handeln meinen Tod überlebte), ich fühlte mich irgendwie als Held, konnte jedoch wieder nicht schlafen. Nächsten Tag ging es zur Psychaterin, die sich ausführlich mit mir auseinandersetzte und mein soziales Umfeld abklärte. Ich erzählte ihr von meinem Verdacht, daß meine Mutter mich vergiften wollte. Sie beschäftigte sich spätnachtens mehrere Stunden mit mir und stellte mir immer wieder logische Fragen, bis ich SELBST dahinterkam, daß das Ganze eine Einbildung war. Ich frug sie dann "Dann habe ich mir das Ganze wohl eingebildet?!" und sie nickte nur. Jetzt kommt das Interessante: Obwohl ich nun wusste, daß das Ganze eine Einbildung war, kam diese Todesangst wieder in mir hoch (eine Nacht später) und der behandelnde Arzt checkte meinen Puls. Dieser war tatsächlich auf ein gefährliches Niveau gefallen. Erst jetzt beschloß dieser Arzt mich mit Neuroleptika vollzupumpen. Danach war ich 3 Wochen in stationärere Behandlung und die Psychose baute sich restlos ab. Bekam daraufhin eine kurze Zeit Medikamente, setzte diese aber nach einigen Wochen wieder ab. Positiv an diesem Klinikaufenthalt sei anzumerken, daß ich
a) nicht sofort mit Neruoleptika vollgepumpt wurde,
b) der Arzt sich ausführlich Zeit nahm, sogar in der Nacht, mein soziales Umfeld abklärte und
c) SICH MIT DER PSYCHOSE AUSEINANDERSETZTE und diese logisch hinterfragte, bis ich auf meinen "Irrtum" SELBST draufkam.

Der letzte Punkt ist meiner Meinung nach der Wichtigste, nämlich die Irrtumseinsicht (Krankheitseinsicht) des Patienten. Im noch laufenden Film "A beautiful Mind" kommt der Hauptdarsteller auch selbst drauf, daß er falsch liegt und seine Wahrnehmungen trügerisch sind. "Sie werden nicht älter" (gemeint waren die beiden über Jahre wahrgenommenen Figuren, die ihm als lebendig erschienen, defacto aber nur in seiner Phantasie existierten). Das wäre also meine Forderung an Psychiater: Sich in die Psychose hineinversetzen und mitdenken, bis der "Patient" selbst zur "Wahrheit" findet. Das Wort "Psychose" wurde mir damals übrigens mitgeteilt, nicht jedoch der stigmatisierte Begriff "Schizophrenie" - das lernte ich erst zufällig 14 Jahre später im Internet kennen, was mich letztendlich auch zu diesem Forum geführt hat.

Ich schaffte mein Abi beim 2. Antritt (beim 1. Termin war ich ja im Spital) und fing an zu arbeiten, was mir jedoch überhaupt keine Freude bereitete (war mit intriganten Kolleginnen in der Buchhaltungsabteilung von irgend 'nem öster. Nahrungsmittelkonzern). Ich wurde nach 5 Monaten gekündigt (wobei nur eine Frage war, wer den ersten Schritt macht), danach begann ich ein wirtschafltiches Studium, welches ich auch erfolgreich vor 5 Jahren abschloß. In dieser Zeit ging es mir relativ gut, außer daß ich ein eher introvertiertes Leben führte, eher menschenscheu war, keine Beziehungen hatte (bis auf eine 6 monatige Kurzgeschichte). Im Studium hatte ich jedoch stets gute Noten, einen einjährigen Auslandsaufenthalt und bekam sogar ein Förderungsstipendium für meine Diplomarbeit. War also erfolgreich unterwegs und scheinbar belastbar. Danach unterschrieb ich einen Arbeitsvertrag bei einer EDV-Firma als Programmierer. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich fast jährlich eine Mini-Psychose, die allerdings niemals zu Tabletteneinnahmen, oder gar Klinikaufenthalt führten - zum Glück. Mich erwischte es fast immer im Urlaub: Frauen, Alkohol und durchtanzte Nächte in Griechenland. Mehrere schlaflose Nächte waren die Folge und langsam bekam ich Halluzinationen (die Stimmen von sämtlichen Urlaubern in Griechenland sprachen auf einmal alle in meinem Dialekt, ganz egal von wo die Leute herkamen, außerdam nahm ich Musik wahr, wo aber keine war). Zum Glück erkannte ich die Falle und zog die Notbremse: Einmal holte ich mir in einem Griechischen Spital eine Beruhigungsspritze (ich dürfte also nicht ganz so arg draufgewesen sein, sonst hätten sie mich dortbehalten) und bei Urlauben in den darauffolgenden Jahren jeweils stark wirkende Schlaftabletten. Brach danach auch sofort die Urlaube ab und trat die Heimreise an. Da muß ich sagen, ich wäre schon 3 mal fast wieder in 'ne ernste Krise geraten. Zum Glück wurde ich wieder "normal" als ich daheim ankam.

Seit meinem ersten wirklichen Crash vor 15 Jahren, habe ich es geschafft ohne Psychopharmaka auszukommen. Habe mir nach den lezten 3 kleineren Krisen (letzte vor 1 Jahr auf Mallorca-Urlaub) und nachdem ich wußte, daß mein damaliger Crash was mit Schizophrenie zu tun hat, überlegt Medikamente zu nehmen. Ich bin aber aufgrund dieses Forum und der darin enthaltenen Äußerungen über Zyprexa und Co. zum Entschluß gekommen, weiterzumachen wie bisher (nämlich ohne Psychopharmaka). Das ist der Konnex zu meinem anfänglichen Statement "Danke an das Forum". Bei mir würde einfach das Kosten/Nutzen - Verhältnis nicht stimmen, da ich hoffentlich das Glück habe nicht so krass von dieser Krankheit betroffen zu sein wie andere. Ich habe mich letztes Jahr in der EDV-Branche selbständig gemacht und doch relativ viel Geld verdient, von dem ich jetzt lebe. Jetzt hoffe ich im Herbst wieder ein Projekt an Land ziehen zu können (mal sehen, ob das funktioniert). Muß jedoch auch sagen, daß ich nach Ende meines letzten Projektes körperlich und geistig ziemlich erledigt war und ich die längere Pause auch brauchte.

Was sind jetzt meine Schlußfolgerungen aus den ganzen Miseren:
1) Versuche so weit wie möglich Streß zu vermeiden (eh klar)
2) Einigermaßen gesund zu leben - viel Sport (Verhältnis Dopamin zu Serotonin), keine Drogen (außer Alkohol)
3) Einen Urlaub im Süden zur Hauptsaison in den Touristenzentren vermeiden
4) Starke Schlaftabletten immer griffbereit zur Hand zu haben
5) Plane eine Selbshilfegruppe zu besuchen und mich auszutauschen
6) Soziale Kontake schüren
7) Weiterhin am Stand der Forschung bleiben

Zum Abschluß noch, wie ich über diese "Krankheit" denke . Wie bei anderen "Krankheiten", bedarf sie 2 Komponenten: -Erbliche Vorbelastung UND - Umweltfaktoren, die sie zum Ausbruch bringen. Fehlt einer dieser beiden Komponenten tritt sie nicht auf. Da wir die erblichen Faktoren derzeit nicht ändern können, sollten wir uns mit unserer Umwelt auseinandersetzen, da hier wohl irgendwas falsch gelaufen ist und die Lebensumstände aufarbeiten und dementsprechend anpassen. Der falsche Ansatz ist wohl, Symptome dauerhaft mit Psychopharmaka zu bekämpfen, die uns derartig vernebeln, sodaß wir die Umwelt gar nicht mehr wirklich wahrnehmen können. Gebe aber auch zu, daß eine akute Psychose lebensbedrohlich ist und uns in diesem Fall keine andere Wahl bleibt. Ich kenne auch persönlich jemanden, bei dem das Absetzen der Medis wie das Amen in der Kirche in die nächste Psychose mündet (er ist eher vom Typus "Manisch-Depressiv"). Ihm bleibt wohl leider auch keine andere Wahl.

So ich hoffe, daß ich euch mit meiner Info ein wenig helfen konnte und euch nicht gelangweilt habe.

G.



... weitere Artikel auf www.pahaschi.de Vielen Dank an Markus für die Unterstützung!




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