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Tagebuch einer Psychose

Selbsthilfe-Archiv Psychose Nr.8

325
Date: 25 Dec 2003 11:44 MET
Subject: Leserforum

Liebe Leser und Besucher dieser Seite!

Zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel wünsche ich Euch alles Gute, viel Gesundheit bzw. gute Besserung, einen guten Arbeitsplatz bzw. eine interessante Beschäftigung und viel Glück im Neuen Jahr. Danke an all jene, die hier an dieser Stelle einen Beitrag verfasst haben oder Fragen beantwortet haben.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünscht
der Pahaschi-Bodo


324
Date: Sun, 21 Dec 2003 11:57:03 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

An Kerstin!

Hallo!

Ich bin selbst Betroffener (Psychosen) und habe einige Tipps für dich:
Mit den Medis kenn ich mich zufällig etwas aus, weil ich angehender Biochemie- student war, als mich die Psychose traf.

Zunächst zu den Ursachen: es ist eine organische Ursache, dh. von Geburt an gibt es in den Gehirnen von Betroffen zuwenig Nervenzellen bestimmter Sorten (Dopamin- und Serotonin-Produzenten). Das führt zu chemischen Ungleichgewichten im Gehirnstoffwechsel der Betroffenen. Kommt nun eine bestimmte Stress-Situation hinzu (bei mir zb. Tod eines nahen Verwandten), dann kann das Ungleichgewicht noch schlimmer werden und der Betroffene bekommt eine Psychose.

Weil es chemische Ursachen gibt, kann man auch mit Medikamenten helfen. Das richtige Medikament zu finden ist aber nicht so einfach. Es muss 2 Anforderungern erfüllen: 1. Es muss gegen die Psychose helfen, dh. bei einem Patient kann ein bestimmtes Medikament helfen, während ein anderer Patient damit keine Besserung zeigt. 2. Die Nebenwirkungen dürfen nicht zu stark sein. Bei jedem Patienten sind die Nebenwirkungen eines Medikaments anders und unterschiedlich stark. Man sollte ein Medikament aussuchen das möglichst wenig Nebenwirkungen mit sich bringt.

Von den sogenannnten hochpotenten Medikamenten wie Haldol oder Leponex halte ich persönlich wenig, weil sie meines Erachtens zu rigoros sind und die Leute in willenlose Zombies verwandeln.

Ausserdem kann dein Sohn noch zusätzlich ein Antidepressivum benötigen. Wenn er Antriebsschwäche, Angst vor sozialen Kontakten ausserhalb der Familie hat, dann kann ein Antidepressivum helfen.

Weiterhin würde ich eine Gesprächstherapie bei einem Psychologen empfehlen.

Wende dich an den behandelnden Arzt und geh mit ihm die oben genannten Fragen durch. Ich denke deinem Sohn wäre mit anderen Medikamenten bzw. einem Antidepressivum zusätzlich geholfen.

MfG


323
Date: 09 Dec 2003 11:33 GMT
Subject: Leserforum

Hallo,

ich bin auf eure Seite gestoßen und bin ganz froh darüber. Zur Zeit befindet sich mein Leben im totalen Chaos. Mein Sohn ( 17 Jahre ) ist seit 4 Monaten in der Psychatrie: Diagnose Psychose. Wir haben aber das Gefühl auf der Stelle zu treten. Die Therapeuten haben sich auf eine Problematik eingeschossen und gehen weder links noch rechts davon ab. Mein Sohn hat dies bemerkt und verschließt sich total, er erzählt dort garnichts mehr. Wenn er mal zu Hause ist redet er mit mir darüber, seine Gedanken sich etwas anzutun sind immer noch sehr verstärkt vorhanden. Jetzt hat die Therapeuten auch noch ihm mitgeteilt, daß er im Januar entlassen werden soll. Er hat totale Panik davor, da er sich das Leben draußen ( wie er sagt ) noch nicht zutraut. Er hat keine Freunde nur uns als Familie, wir stehen voll hinter ihm. Es macht mich sehr unsicher wie ich ihm noch helfen kann, auch habe ich große Angst, daß er sich doch was antut, obwohl die Therapeuten sagen, er kann seine Gedanken steuern. Ist das wirklich so??

Kann mir jemand helfen?
MFG Kerstin


322
Date: Thu, 4 Dec 2003 02:10:00 EST
Subject: Leserforum

Hallo Reinhard,

ich fand Deinen Beitrag wirklich sehr interessant. Auch ich bin auf der Suche nach den Ursachen, meiner Erkrankung. Es erscheint mir zu lapidar, alles einfach mit Medis lösen zu wollen, ich denke die Seele ist kaputt gegangen durch einen bestimmten Auslöser, der in unserer Vergangenheit liegt, in der Kindheit wahrscheinlich. Arbeite jetzt seid 1 1/2 Jahren daran. Komme weiter, wenn auch mit vielen tiefen emotionalen Abstürzen, aber ich denke es gibt keinen anderen Weg. Ich leide ebenso wie Du unter der Unfähigkeit die Dinge wieder in die Hand zu nehmen und mich dem Leben/der Realität wirklich zu stellen. Meine Seele hat noch keinen guten Grund gefunden, mich den Menschen und meiner Umgebung wieder hinzugeben und mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Nehme ebenfalls noch Medis, merke aber, das das auch nicht die wahre Lösung ist, sie hilft mir nicht wieder ins Leben einzutreten. Manchmal komme ich mir vor, als wenn ich in einer Zwangsjacke sitze und dem Leben nur noch zuschauen kann.

Kein Psychiater sagt einem, was man da tun kann, außer das man ja ach so krank sei und brav die Medis weiternehmen muss. Ich suche händeringend, andere Möglichkeiten. Wenn die Fachwelt keine Lösung bietet, muss ich halt zum Fachmann werden oder besser gesagt zur Fachfrau.

Wie gesagt, Dein Beitrag sprach mir aus der Seele.
Alles Liebe
Kim

Kannst ja mal meine Seite besuchen : www.Seelenscherben.de


321
Date: Sat, 29 Nov 2003 15:33:43 +0100
Subject: Fwd: Leserforum

Hallo Bodo,

im Juli dieses Jahres gab es zwei Beiträge zum Thema Biochemie des Gehirns. Dazu möchte ich einige Erfahrungen und Überlegungen beitragen.

Medikamente konnten mich bis jetzt nicht von meiner psychischen Erkrankung befreien. Sie waren auch nicht in der Lage das innere Missgefühl - das Bewußtsein, dass ich nicht so kann, wie ich es in der jeweiligen Situation für richtig halte und dass ich nicht mehr in der Lage bin aktiv mein Leben zu gestalten- aufzuheben. Beruflich bin ich nur noch eingeschränkt leistungsfähig und fühle mich meinen KollegInnen nicht mehr ganz gewachsen. Deshalb gehe ich Streit und Ärger tunlichst aus dem Weg. Das bedeutet allerdings, dass ich gewisse Ziele, die z.B. Durchsetzungsvermögen voraussetzen, abschreiben muss. Ich fühle deutlich dieses Unvermögen.

Setze ich die Medikamente ab, beginnt irgendwann das Abgleiten in die Absenzen mit nachfolgenden Halluzinationen und Angstzuständen.

Daher betrachte ich die derzeitige Medikation als bloße Ruhigstellung aber nicht als Heilung. Zwar ist es angenehm von den Ängsten befreit zu sein, aber das Bewußtsein der inneren Hemmung und der Unfähigkeit, die ja der Auslöser für die angstvollen Wahnvorstellungen ist, bleibt aber weiter bestehen, wenn auch stärker unterdrückt und nicht mehr so im Tagesbewußtsein.

Daher erscheint mir der Ansatz der aktuellen Medikation auf Dauer wenig hilfreich. Einfach die Rezeptoren für die Botenstoffe zu verstopfen, kann doch höchstens eine Notlösung sein.

Bestimmt hilft die moderne Medikation aber heilen kann sie nicht, obwohl ich fest daran glaube, dass Schizophrenie heilbar sein kann. Ein Hindernis auf dem Weg zur Heilung sehe ich darin, wie man in der Medizin schizophrene Psychosen zu erklären versucht. Die Folgerungen, die man daraus ableitet, erscheinen mir nicht ganz logisch, eher so, als ob man ein Pferd von hinten aufzäumt:
Wenn irgendein Botenstoff zu viel oder zu gering ausgeschüttet wird, kann man natürlich daraus ein biochemisches Ungleichgewicht ableiten. Ist es aber folgerichtig daraus abzuleiten die Rezeptoren zu blockieren oder künstlich Botenstoffe zuzuführen? Der Ursprung des Ungleichgewichts bleibt dann doch weiter bestehen. Wäre es daher nicht besser die Ursachen der Schieflage zu ergründen, statt das Problem mit einem Pseudowohlbefinden zu zudecken?

Hier nun meine Folgerungen:
Solange das Problem oder die Probleme, die das betreffende menschliche Wesen in Schwierigkeiten gebracht haben, nicht gelöst sind, solange bleiben trotz aller Medikationen die Warnlampen- sprich Minusgefühle- eingeschaltet. So ohne weiteres schüttet das Gehirn nicht bestimmte Botenstoffe aus. Das biochemische System meldet, dass etwas nicht in Ordnung, dass der Organismus vielleicht seine Bedürfnisse nicht adäquat befriedigen oder dass der Energieverbrauch auf Dauer zu hoch ist oder irgendein anderer Umstand. Es gibt viele Ursachen, weshalb das psychische System seine Warnimpulse - sprich bestimmte Botenstoffe - aussendet. Nicht alle bekommen wir mit oder nehmen wir bewußt wahr. Nur dann, wenn die Lösung nicht sofort greifbar ist, wenn die Korrektur nicht auf Anhieb gelingt, bekommen wir mehr oder minder starke Einschränkungen in unserem psychischen Befinden mit.
Wenn aber die Reparatur nicht gelingt, ist die Psyche entsprechend der vorhandenen Störung mehr oder weniger eingeschränkt handlungsfähig. Das psychische System ist sich dessen bewußt und erzeugt die entsprechenden Warnhinweise. Die Ursachen können natürlich rein organischer Natur sein. Das schließt aber nicht aus, dass wie bei Neurosen auch bei Psychosen die Ursachen in der Psyche zu suchen sind. Dann könnten es falsche Vorstellungen , Fixationen, Traumata aber auch "heilige Kühe" sein, die das Handeln, Empfinden, die Zielsetzungen und die Entscheidungen des betreffenden Menschen so beinflußen, dass Glück, wie er es empfindet, für ihn unerreichbar erscheint.

MfG

Reinhard


320
Date: Wed, 26 Nov 2003 17:31:01 EST
Subject: Bitte um Hilfe!!!

Auch wenn ich nicht selbst betroffen bin, würde ich mich sehr freuen wenn mir jemand Rat geben kann.

Meine Mutter leidet seit Jahren unter einer starken Psychose mit Verfolgungswahn, Existenzängsten und vertraut eigentlich niemand mehr. Wir (mein Vater und ich) haben schon alles durch-mehrere Klinikaufenthalte ect. Es ging zwischendurch immer wieder sehr gut. Aber sie ist so stark von ihrer Familie (Mutter) beeinflußbar, insbes. von ihrer Zwillingsschwester, dass sie auch dadurch immer wieder zurück verfallen ist.

Ach ich weiß gar nicht wie ich diese ganzen Zusammenhänge erklären soll ...
Fakt ist, ihre Familie schätzt die Krankheit gar nicht richtig ein und wissen gar nicht was sie mit ihren ständigen "versteckten" schlechten Nachrichten anrichten. Wir haben uns eigentlich immer Mühe gegeben ihr Halt zu geben und vorallem sie nicht aufzugeben - dabei haben wir garantiert auch viele Fehler gemacht!! Aber wenn sie z.B. rumjammert, dass sie nervös ist oder so, bringt ihr ihre Schwester gleich Baldrian und am besten noch einen Termin bei einer Kräuterhexe dazu, ohne dabei ihre Krankheit zu betrachten bzw. das sie vielleicht schon wieder ihre Medikamente nicht eingenommen hat, weil sie denkt sie bekommt nachts Depotspritzen und stirbt bei doppelter Dosis.

Das Problem liegt also darin, dass sie selbst ihre Krankheit nicht voll einsieht und auch kein Vertrauen in ihre Medikamente und die Ärzte hat. Wie soll man sich da verhalten, wenn sie z.B. erzählt, dass jemand nachts im Haus war oder Leute sie in die Irre treiben wollen??? Sie ist inzwischen in ihren Phasen auch viel agressiver und erzählt natürlich auch nicht mehr alles. Wir wissen jedenfalls nicht mehr weiter. Vielleicht kannst du mir helfen, ich hätte auch nichts gegen eine Veröffentlichung im Forum, da ich mich über jeden "Strohhalm" freuen würde. Ich hoffe, dass ich in groben Zügen die Komplexität klar machen konnte.

An alle die hier ihre Krankheit schildern: Ich finde es so toll wie ihr damit umgeht und mit eurer Situation klarkommt und lebt, bleibt dabei, lasst euch nicht hängen auch wenn es manchmal schwer ist. Großes Kompliment!! Es macht solchen Mut davon zu lesen.

Nadine R.


319
Date: Tue, 25 Nov 2003 12:09:11 +0000
Subject: Leserforum

Hallo alle zusammen,

bin zum ersten mal auf dieser seite hier und bin auf das forum gestossen. zur zeit bin ich etwas hilflos. mein bruder wurde vor einigen wochen aufgrund von angst- panikzuständen und wahnvorstellung in die psychiatrie eingeliefert. seither wird er mit tavor behandelt. kann mir dazu irgend wer etwas sagen? alles was ich bis jetzt im internet gelesen habe, war negativ. es heisst, dass tavor mehr süchtig als ruhig macht. hinzukommt, dass ich mich nicht um ihn kümmern kann, da er in berlin und ich in köln lebe. ich würde ihn gerne zu mir nach köln verlegen lassen, was er auch möchte, jedoch sträuben sich die ärzte dort etwas gegen eine verlegung. das ist aber ein anderes thema! allerdings habe ich das gefühl, dass es ihm mit jedem tag schlechter statt besser geht. daher würde ich gerne wissen, ob tavor das einzige ist, was weiterhelfen kann oder ob es hierzu irgendwelche ersatzmedikamente gibt.

dann weiss ich nicht, wie ich darauf reagieren soll, wenn er wahnvorstellungen hat und in seine eigene welt abdriftet! soll ich im zustimmen oder soll ich versuchen, es ihm vernünftig zu erklären? ich weiss im moment noch nicht so genau damit umzugehen, doch ich werde es lernen. ich liebe meinen bruder und werde ihn nie und nimmer alleine lassen!

euch anderen wünsche ich, dass ihr einen weg findet damit umzugehen und menschen um euch habt oder haben werdet, die euch nicht hängen lassen!

wäre euch dankbar, wenn ihr mir schnell auf gloria.major@web.de antworten könntet!

Lieben Gruss,
Gloria


318
Date: Sun, 23 Nov 2003 08:26:45 +0100
Subject: Beitrag für das Forum

Hallo Bodo!

Ich schrieb bereits einen nicht versandten Brief an meine Mutter. Den heutigen werde ich ihr geben. Nach wie vor will ich Ordnung und Ruhe in mein Leben bringen, doch meine Mutter zerrt und rüttelt an mir. Worte zeigen keine Wirkung. Ich hoffe – eigentlich wider besseren Wissens – dass Briefe eine Wirkung zeigen. Ich will nur eines – mein eigenes Leben führen -

Mama, 23.11.03

Du willst im Grunde Aufmerksamkeit und Liebe von mir. Du willst mehr Aufmerksamkeit und Liebe als ich geben kann. Das wolltest du immer schon, schon als ich noch ein Kind war.

Es ist richtig, dass du meine Mutter und ich deine Tochter bin. Doch höre endlich auf Forderungen an mich zu stellen, denn sonst werde ich weiterhin widerwillig zu dir kommen und ungern bleiben.

Eines Tages werde ich gar nicht mehr kommen, dann liege ich entweder unter der Erde, oder breche aus Selbstschutz den Kontakt ab. Ich bin nicht umsonst so früh ausgezogen!

Du hast es schon gemerkt – DU stößt mich immer weiter weg! Niemand sonst.

Schwester „S“


317
Date: Sat, 15 Nov 2003 14:50:16 +0100 (CET)
Subject: Leserforum

Hallo Buffy,

Dein Schicksal hat mich sehr berührt, auch ich kann seit meiner Psychose vor 1 1/2 Jahren nicht mehr arbeiten, habe aber das Glück, dass ich im Hause meiner Mutter leben kann. Ohne ihre Hilfe wäre ich ebenso ein Fall für die Sozialhilfe. Diese Tatsache kann ein Leben völlig zerstören, zumal es mir noch immer sehr schlecht geht. Mein ganzes Leben ist aus den Fugen geraten und man kann nichts dagegen tun. Mein Freundeskreis hat sich verringert, es gibt aber zum Glück liebe Menschen auf die ich mich voll und ganz verlassen kann. Eine Partnerschaft scheint jedoch aussichtslos. Es erschrickt die Menschen zutiefst, hören sie von deinem Schicksal. Sie können nicht damit umgehen und wollen sich auf diese Gratwanderung auch nicht einlassen. Ständige Depressionen meinerseits erschweren ein Zusammenleben. Ich werde selber mit der Erkrankung nicht fertig, jetzt werde ich nochmal eine Therapie beginnen und hoffe, dass diese mir etwas Entlastung bringt.

Alles Liebe, Petra


316
Date: Mon, 10 Nov 2003 12:44:17 +0100
Subject: Leserforum

Hallo,
ich wollte euch erzählen, wie die Psychose mein Leben zerstört hat. Vorher lebte ich mit meinem Ex-Mann und unseren beiden Kindern in seinem Haus. Ich hatte den Kindern zuliebe meinen kaufm. Beruf aufgegeben.
Ich war Ende 30 und erlitt 1998 während der Trennung von meinem Ex-Mann eine so schwere Psychose, dass ich seitdem schwerbehindert und erwerbsunfähig bin. Nach 5monatigem Psychiatrieaufenthalt war ich völlig am Ende. Ich hatte meine beiden Kinder und mein Zuhause verloren. Es drohte Obdachlosigkeit. Weder mein Vater, noch meine Mutter wollten mich bei sich aufnehmen. Ich zog in ein Zimmer einer Pension. Meine Sachen waren in der Garage gelagert. Ich hatte kein Einkommen, mein Ex-Mann zahlte keinen Unterhalt, so dass ich Sozialhilfe beantragen musste. Nachdem ich endlich eine kleine Wohnung gefunden hatte, konnte ich meinen Hund zu mir nehmen. Ich hoffte, in der neuen Wohnung würde es mir besser gehen. Doch ich blieb isoliert, kein Mensch besuchte mich und meine Kinder sah ich nie. Nur meinem Hund zuliebe tat ich mir nichts an. Seit 3 Jahren lebe ich wieder in einer Beziehung und seit 1 1/2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Doch es bleibt eine große Traurigkeit und die Panik, wieder obdachlos zu werden. Mit eisernem Willen kämpfe ich gegen die Krankheit an, um nie wieder psychotisch zu werden. Da ich keine Unterstützung von meiner Familie erhalte, wünsche ich mir nichts mehr als "Ersatzeltern", die mir mit Rat und Tat beistehen.
Jeder, der während und nach einer Psychose Unterstützung und Freunde hat, muss das sehr schätzen.

Viele Grüße
Buffy


315
Date: Mon, 13 Oct 2003 15:13:14 +0200
Subject: Leserforum

Ich versuche ein bißchen zu erzählen, wie es mir ergangen ist. Ich bin jetzt seit 1991 erkrankt, Auslöser waren 2 Kortison-Spritzen gewesen. Lange Zeit wußte ich nicht, was mit mir los ist und ich machte einfach weiter, so wie bisher, nur, daß ich die körperliche Kraft kaum noch aufbringen konnte.

Am Tag nachdem ich die 2. Kortisonspritze bekommen hatte, wurde ich in der Nacht auf einmal wach und sah nur noch rot und schwarz und ich dachte, der Teufel ist hinter mir her und steht im Badezimmer, dann fing ich an Stimmen zu hören, die sich sehr furchterregend anhörten. Ich kam nicht mehr dazu zu schlafen und hatte doch tagsüber drei Kinder zu versorgen, darunter noch ein Baby.

Dies ging so weiter bis März 1991, dann hatte ich einen körperlichen Zusammenbruch und kam auf die Innere im Krankenhaus. Dort blieb ich eine Woche und wurde mit einem Termin bei einer Psychiaterin entlassen. Ich mußte ca. 3 Monate Leponex nehmen, dann war alles wieder so wie früher und ich war wieder gesund.

Im Herbst 1993 fuhr ich mit 2 meiner Kinder nach Wien, um einen alten Bekannten zu besuchen. Schon auf der Fahrt dorthin bekam ich Ohrenschmerzen, die sich zu einer heftigen Entzündung entwickelten, als ich in Wien war. Beim Arzt dort bekam ich dann Kortison und am nächsten Tag hatte ich wieder voll die Psychose am dampfen. Vollkommen krank kehrte ich nach Hause zurück, ging aber nicht zum Psychiater, der Punkt "of no return" war längst überschritten. Ich sagte meinem Mann, daß ich mich scheiden lassen wollte und er sollte bis zum 15. November ausziehen. Er begriff das alles nicht. Aber er kämpfte auch nicht um mich. Ich war nun mit drei Kindern alleine, von denen eines behindert ist, arbeitete im Wechseldienst und war am Ende meiner Kräfte. Meine Familie half mir in der Zeit nicht. Auch meine Bitte, das behinderte Kind die Woche über zu nehmen, wurde abgelehnt. So gab ich schweren Herzens meinen Sohn in ein Heim.

Ich arbeitete dann noch weiter bis März 1994, bis zu dem Tag, wo mir auf der Arbeit übel wurde. Denken konnte ich schon sowieso lange nicht mehr. An diesem Tag kehrte ich nicht nach Hause zurück, sondern wanderte den ganzen Tag und die halbe Nacht durch Köln. Dann schlief ich in einer Sandkiste auf einem Spielplatz. Am frühen Morgen brach ich dann auf und meldete mich bei der Bahnpolizei, weil ich nicht mehr wußte, wer ich bin und wo ich wohne. Die zwei Kinder waren Gott sei Dank nicht alleine zu Hause. An dem Tag kam mein Mann vorbei und holte sie zu sich. bzw. hielt sich in meiner Wohnung auf.

Ich kam auf die Intensivstation eines Krankenhauses in Köln und wurde dort am nächsten Tag nach einem EEG wieder entlassen. Drei Tage später ging gar nichts mehr, ich ging in die Psychiatrie und hoffte, daß man mir helfen könnte. Als ich am nächsten Morgen äußerte, daß ich wieder nach Hause wollte, wegen meinen Kindern, bekam ich eine Zwangseinweisung. Sechs Wochen mußte ich dort bleiben. Während dieser Zeit bin ich zweimal dort abgehauen.

Heute ist es so, daß ich in meinen Unterlagen stehen habe, daß wenn ich Kortison bekomme, dann muß ich gleichzeitig ein Neuroleptikum nehmen. Die letzte Kortisonspritze bekam ich 2001, dazu eine Woche Risperdal und ich bekam keine Psychose mehr.

Was ich so bereue, ist, daß alles kaputtgegangen ist, die Beziehung zu meiner elterlichen Familie und die Scheidung von meinem Mann. Er hat nie begriffen, daß ich so krank war und auch wenn ich es ihm später versucht habe begreiflich zu machen, so hat er es doch nicht verstanden.

Heute lebe ich allein mit meinem Sohn, den ich seit letztem Jahr wieder aus dem Heim geholt habe. Der andere Sohn lebt bei meinem Ex und meine Tochter ist inzwischen erwachsen und lebt bei ihrem Freund.

Ich trauere dem sehr hinterher, daß mein Mann nicht mit mir zum Arzt gegangen ist und nicht um mich gekämpft hat.

All denjenigen, die hier schreiben und deren Familie und Angehörige Verständnis aufbringen .... möchte ich nur sagen ... seit dankbar dafür, denn es ist nicht die Regel. Manchmal möchte ich nur noch weinen .....

Birgit

www.psyche-and-design.de


314
Date: Sat, 27 Sep 2003 15:46:35 EDT
Subject: Wie soll ich mich verhalten?

Hallo Bodo,

mein Mann leidet seit seinem 17. Lebensjahr (er wird dieses Jahr 40) unter immer wiederkehrenden schizophrenen Psychosen. Wir beide sind nun seit über 12 Jahren zusammen. In dieser Zeit war er etwa 10 Mal krank.
Seine Schübe (so nenne ich es) kommen immer sehr plötzlich und die Symptome werden schnell so schlimm, daß ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich ist.
Leider entläßt er sich immer auf eigenen Wunsch, sobald sich sein Zustand etwas stabilisiert hat.
Nun war es wieder soweit. Am 08.09.03 mußte er ins Krankenhaus. Da ich ihn aber dieses Mal viel früher dazu überreden konnte, hat sich sein zustand erstaunlich schnell gebessert, so daß er am 25.09.03 schon nach Hause gekommen ist.
Doch kaum aus dem Krankenhaus raus, habe ich den Eindruck, daß alles wieder wie vor dem klinikaufenthalt ist. Er leidet unter Verfolgungswahn, ist Zeitweise agressiv und leidet unter Wahnideen.

Obwohl wir nun schon so lange zusammen sind und er in dieser Zeit auch schon sehr oft krank war, konnte ich von keinem der behandelnden Ärzte eine Antwort auf meine drängenste Frage erhalten, also versuche ich es nun auf diesem Wege:
Wie soll ich auf seine Wahnideen, etc. reagieren? Soll ich versuchen, ihm mit vernünftigen Argumenten zu erklären, daß die Realität nicht so ist, wie sie für ihn scheint? Soll ich in allem zustimmen? Oder soll ich darauf gar nicht reagieren?

Er selber kann es mir auch nicht sagen, selbst wenn er gesund ist.

Da ich nicht weiß, ob mein Anliegen nun in das Leserforum gestellt wird oder nicht, möchte ich einfach nochmal meine E-Mail-Adresse aufschreiben: Faehrlady@aol.com

Bitte, wenn mir jemand sagen kann, wie ich mich verhalten soll, der schicke mir bitte schnell eine Antwort.

Viele Grüße


313
Date: Thu, 18 Sep 2003 08:19:28 +0200 (CEST)
Subject: Leserforum

Hallo,

also ich wollt mal erzählen was mir so im Sommer passiert ist, also als ich hier nach Frankfurt gezogen bin war das alles eine sehr schwere Situtation für mich nicht leicht bei der Arbeit, man kennt sonst gar niemanden hier und in meiner ersten Wohnung bin ich von einem gestörtem altem Vermieter systematisch fertiggemacht worden.

Da bin ich dann wieder krank geworden und hab mich von meinem Hausarzt krankschreiben lassen, ich hatte etwas Verständnis von meiner Familie erhofft, wurde aber am Telefon immer so zurechgestutzt und dann rückt am Ende noch mein älterer Bruder aus und erzwingt meine sofortige Vorführung in der Psychiatrie, begeht dabei auch einen Hausfriedensbruch, es ist auch kein Anwalt erreichbar.

Ich leide immer noch darunter dass Familienangehörige eine solche Form von Gewalt ausüben können und du bist zur völligen Ohnmacht verdammt, ich mein wenn du dich schon krankschreiben lässt streitest du ja nicht ab krank zu aber man kann ja noch zu Hause in Ruhe Medikamente nehmen.

Im Jahr 1986 als ich das erste Mal krank wurde gab es eben einen Unglücksfall, es gab unglücklicherweise einen Wohnungsbrand weil ich in verwirrtem Zustand mit einer Kerze handierte und meine Familie kann sich damit auch 17 Jahre später offenstichlich jederzeit das Recht nehmen mich als gefährlichen Schizophrenen hinzustellen, das ist für sie nie verjährt und dass ich mich wirklich immer um meine Therapie kümmere das zählt nicht, irgendwo ist das schon krass, also ich leide noch immer darunter dass ich so als psychisch kranker jederzeit weggesperrt werden kann, wenn es denen passt. Ich mein andere vergessen mal eine brennende Zigarette und es kommt zu einem Brandunglück dass ist doch nach 18 Jahren auch mal verjährt, nur weil mir damals im Jahr 86 was passiert ist kann man mich jederzeit wieder als gefährlich einstufen lassen, egal wie sehr ich mich immer um meine Therapie bemühe, die perfekte Psychiaterüberwachung die meine Familie fordert ist halt nicht möglich, wer so eine Familie hat braucht keine Feinde mehr.

Dabei lebe ich wirklich erfolgreicher als andere Kranke bin ganz selten krank, gehe arbeiten hab meine eigene Wohnung, aber es gibt keinen schlimmeren Ankläger als meinen Bruder, der übertrifft jeden Staatsanwalt das Wort Demagoge würde ihn schon besser kennzeichenen.

falls mir jemand schreiben will: Renaldo63@yahoo.de

Ronald


312
Date: Mon, 08 Sep 2003 20:21:07 +0200
Subject: Leserforum

Hallo,

in diesem Forum habe ich viele interessante Geschichten und Erfahrungen gelesen. Ich selbst hatte meine erste und einzige Psychose Dezember 2001/Januar 2002. Nach Risperdal, Tavor und Cipramil nehme ich nun Solian 200 mg gegen die Minussyptome und bin damit sehr zufrieden. Der einzige Nachteil ist die beeinträchtigte Libido. Deshalb habe ich zu diesem Thema auch eine Frage:

Hat jemand Erfahrung mit der Behandlung der Libidobeeinträchtigung ?

Derzeit lasse ich den Prolaktin und Testosteron-Spiegel messen und hoffe auf Abweichungen, um dann mit Ersatz oder Reduktion dem Problem beizukommen. Ich gebe auch gern meine Erfahrungen zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung, BfA, Medikamente, Hamburger Modell etc. weiter.

Gruß, Andy
Hier meine eMail-Adresse:
Andy.Schulze@t-online.de


311
Date: Sat, 06 Sep 2003 11:25:28 +0200
Subject: stichwort: leserforum

Lieber Ronald,

mit Interesse habe ich Deinen Bericht vom vergangenem Jahr gelesen, wo Du schreibst, daß Dein Hausarzt Dich darauf aufmerksam gemacht hat, daß man von Zyprexa zuckerkrank werden kann.

Ich habe zum Beispiel seit der Einnahme von 5mg Zyprexa eine Fibrolipomatose der Nieren bekommen, d.h. Fett und Bindegewebe sind in den Nieren eingelagert und quetschen die Nierenkelche, sodaß ich nicht mehr wie früher Wasser lassen kann. Außerdem habe ich Ödeme an Händen und Füßen. Ich habe vor, mich auf Seroquel umstellen zu lassen und hoffe,daß sich meine Nieren wieder erholen.

Herzliche Grüße

sendet
Christa


310
Date: Wed, 20 Aug 2003 11:09:06 +0200
Subject: Text für Pahaschi

Psychose und Beruf

Hallo Leute,

ich habe hier schon einige Male einen Bericht über meine Psychose veröffentlicht. Daher will ich hier nicht alle Details nennen. Vor 10 Jahren erkrankte ich im Informatikstudium an einer Psychose, die erst Anfang diesen Jahres als paranoide-halluzinatorische Schizophrenie diagnostiziert wurde. Welch ein Wortungetüm!

Demnächst mache ich eine medizinische Reha und ich bin auch zu 70% als Schwerbehinderter anerkannt. Nach der Reha werde ich mich wieder um den Beruf kümmern. Ich werde schauen, welche Art von Arbeit ich machen kann.

Obwohl ich im Studium erkrankte, schloss ich es ab und arbeitete danach jahrelang. Ich hatte dabei aber immer Probleme aufgrund der Minus-Symptome, Geistesabwesentheit und Konzentrationsstörungen. Seit einiger Zeit bin ich arbeitslos.

In diesem Zusammenhang würde ich gerne wissen, welche beruflichen Erfahrungen Ihr mit Eurer Psychose gemacht habt. Wie leicht oder wie schwer findet man nach psychiatrischer Behandlung wieder Arbeit, insbesondere als anerkannter Schwerbehinderter? Stellt einen der öffentliche Dienst ein?

Ich will nicht auf Dauer arbeitslos bleiben, verarmen, mich langweilen und die Gesellschaft belasten!

Über Eure Antworten wäre ich Euch sehr dankbar. Persönliche Zuschriften sind auch willkommen.

Herzliche Grüße
Euer M.

Email: Hannover.Love@web.de


309
Date: Tue, 19 Aug 2003 15:59:36 +0200
Subject: Beitrag für das Forum

Hallo Bodo!

Ich bin dabei mein Leben zu sortieren. Seit einiger Zeit schreibe ich Tagebuch mit nicht abgeschickten Briefen an meine Ärztin oder Menschen, welche mich beschäftigen. Eines auch mit aktuellen Gedanken.
Ich bin Adoptivkind mit einer guten Grundzufriedenheit die ich meinen Genen zuschreibe. Als Säugling wurde ich von meinen Eltern adoptiert. Durch viele von mir bis heute nicht verziehenen Fehlern meiner Eltern sehe ich den Grund meiner Erkrankung. Nach und nach möchte ich den ein oder anderen Beitrag ins Forum stellen. Aus gegebenem Anlass stelle ich nun einen Brief an meine Mutter vom 17.08.03 ins Netz:

Mama,
du gehst mir unendlich auf die Nerven. Dein ganzes Leben hast du damit verbracht dich kränkelnd zu stellen. Stets hast du versucht durch Krankheiten Aufmerksamkeit zu bekommen. Du wolltest anscheinend Liebe und Aufmerksamkeit auf diesem Wege erhalten. Doch du nervst. So lange ich denken kann warst du "krank". Früher war es das Rheuma und die fehlenden Hormone nach deiner Total-OP, heute sind unzählige Weh-Wehchen hinzugekommen. Du bist nicht lebenswillig und mittlerweile auch nicht mehr lebensfähig. Du kannst und willst nichts alleine schaffen. Lebensfreude habe ich bei dir nie gespürt. Du bist so negativ! Reiß nicht ständig an mir herum. Ich will über Wasser bleiben!

Schwester "S"


308
Date: Fri, 15 Aug 2003 17:18:41 +0200
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

ich heiße E. und möchte Dir gerne eine Geschichte schicken, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe. Sie handelt von einer Psychose. Vielleicht hilft sie anderen, ihre Erfahrungen besser einzuordnen und zu verstehen. Ich würde mich freuen, wenn Du sie ins Internet stellen würdest. Allerdings möchte ich anonym bleiben.

Mit freundlichen Grüßen
E.

„Armer, armer! Nun so schwarz. Und so arg verbrannt!"

Erinnerungen an eine Psychose

  „Toni, aufwachen..." Eindringlich spreche ich auf den Patienten ein. Zwei Krankenschwestern bewegen sich geschäftig im Aufwachraum der Klinik. „Sprechen Sie weiter mit ihm, er müsste schon längst aufgewacht sein", ermuntert mich eine von ihnen. Toni ist am frühen Morgen mit dem Verdacht auf Mund-Krebs operiert worden. Er leidet an einem Down-Syndrom. Die Nacht haben wir gemeinsam in seinem Krankenzimmer verbracht. Weil die Ärzte befürchteten, er könnte vor der Operation Flüssigkeiten zu sich nehmen, habe ich auf ihn aufgepasst.
Toni und ich durchlebten eine schlaflose Nacht. Immer, wenn mir die Augen vor Müdigkeit zufielen, sprang er aus seinem Bett und lief zum Wasserkran oder zum Klobecken. Ich stellte mich ihm entgegen und fing ihn mit beiden Armen auf. Das Wohnheim, in dem Toni lebt, hatte mich gewarnt, dass er nachts unruhig umherläuft, aber so schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt. Doch langsam ging die Nacht vorüber und der Morgen brach an. 

Abends zuvor auf der Fahrt zum Krankenhaus blätterte ich bei jedem Halt vor einer Ampel im Magazin „Der Spiegel". Das Titelblatt erregte mich. Vor giftgrünen Hintergrund war das Gesicht einer schreienden Frau abgebildet. In grellen Farben stand darauf: „Die hysterische Republik, Rinderwahn und Nazi-Angst: Zwischen Verharmlosung und Übertreibung". Die Frau auf dem Titelblatt war ich. Atemlos überflog ich die Titelgeschichte: „Natürlich, das ist meine Geschichte."

Wenige Tage zuvor hatte ich an Bundeskanzler Gerhard Schröder einen Brief mit allarmierenden Inhalt geschrieben. Er beginnt mit den Worten:

„ ... ich schreibe Ihnen diesen Brief aus großer Angst. Ich bin tief beunruhigt über das, was sich in Deutschland ereignet und bitte sie um Hilfe gegen den neuen und den alten Nationalismus..."

Jetzt war mir schlagartig klar, dass ein Unbekannter meinen Brief der Spiegel-Redaktion zugesteckt hatte. Sie hatte daraus die Titelgeschichte verfasst.

Ich war sehr krank. Aus Ahnung, dass etwas Unbegreifliches in mir vorging, hatte ich ebenfalls vor wenigen Tagen an das Vormundschaftsgericht geschrieben und gebeten, mich aus dem Betreuungsverhältnis mit Toni zu befreien. Der Richter entsprach meinem Wunsch, es fand sich aber auf die Schnelle keine Nachfolgerin für mich. Deshalb erlebten Toni und ich diese aufwühlende Nacht.

Die Ereignisse, von denen ich erzähle, liegen mehr als zwei Jahre zurück. Ich erinnere mich an sie wie durch einen Schleier. Heute bin ich von meiner Psychose befreit. Wie durch ein Wunder wachte ich eines Morgens auf und wusste, dass vieles, woran ich geglaubt hatte, Wahn war. Ich sah mich in unserem Garten um. „Dies ist die Wirklichkeit", sagte ich mir, „der Walnussbaum, der braune Zaun. Halte dich fest an sie." Gleichzeitig brach in mir eine Welt zusammen. Sie hatte Monate lang mein Gemüt bewegt. Äußerst lebendige Wahrnehmungen und Gedanken hatten mich gefangen genommen und zu geistigen und körperlichen Hochleistungen angetrieben. In dieser Zeit glich unser Wohnzimmer einem Lesesaal, in dem überall verstreut Bücher, Zeitungen, Schallplatten, Fotos, Briefe und Plakate lagen. Ich hatte mich in diese Dinge vertieft und über sie Kontakt zu übersinnlichen Personen aufgenommen. Jetzt breitete sich Leere in mir aus. Die wahnhafte Realität verblasste. Zugleich wurden Begegnungen mit Menschen, ja mein Leben selbst unbedeutend und gehaltlos. Davon später mehr.

In meiner Psychose erlebte ich mich zunächst angsterfüllt. Dann gab ich meiner Angst einen Namen: Der Verfassungsschutz verfolgte mich. Später meinte ich, mir sei ein Job zugetragen worden. Ich hatte nicht nur eine Aufgabe bekommen, sondern arbeitete mit Wissenschaftlern zusammen an einem Projekt, mit dem wir die Menschheit verbessern wollten und das einen Nobelpreis erhalten würde.  
In der Euphorie, die mich erfasste, griff ich nach Büchern, die ich während meines Studiums gelesen hatte. In den ersten Wochen las ich mit lauter Stimme in Hegels „Herrschaft und Knechtschaft". Mein Mann schlief und ich war allein mit meinem „Gegenüber". Ich las ihm langsam, Wort für Wort nach einem Sinn suchend, vor. Die schwierigen philosophischen Sätze hatten mit mir zu tun. Sie beschrieben mein Ich, das sich immer mehr von mir entfremdete und in alle Himmelsrichtungen verflüchtigte. In diesen einsamen Stunden ging mir ein Licht auf über die Situation, in der sich Hegel beim Verfassen der Phänomenologie des Geistes befand: Die Truppen von Napoleon standen vor den Toren Jenas und Hegel empfand beim Schreiben Todesangst. Auch ich hatte Todesangst. Diese Angst vor etwas Unfasslichem, was mich wie eine fremde Gestalt bedrohte, ließ mich an Heidegger denken. Er lehrt, dass der Mensch in der Angst vor dem Nichts seine eigenen Seinsmöglichkeiten erfährt, die er entweder ergreifen oder verfehlen kann. Erst im Schlag verflüchtigte sich Gefühl der Bedrohung wieder.

Mein Ehemann hat unter meiner Krankheit sehr gelitten. Er ist Lehrer und hat den Vormittag und frühen Nachmittag in seiner Schule verbracht. Vieles, was ich tat, bekam er nicht mit.

In der ersten Zeit befremdeten ihn meine seltsam anmutenden Bewegungen. Ich saß auf einem Stuhl und dehnte meinen Oberkörper bis kurz über den Boden. Sekundenlang verharrte ich in dieser Haltung. Oder ich stieg auf die Fußspitzen, streckte mich steif zur Decke und zeichnete dabei mit der Stirn die Linien eines Äskulap-Stabes nach. „Was hat das zu bedeuten", rief er empört. „Ich werde von unsichtbaren Strahlen bewegt. Das ist eine hochmoderne Technik", gab ich zur Antwort. Für mich bestand kein Zweifel, dass es diese Macht wirklich gab.  

Anfangs suchte ich Schutz bei ihm. Ich bat ihn, mit mir das Haus zu verlassen, um der Kontrolle der Kameras und Mikrophone zu entkommen. Meiner Angst, dass der Verfassungsschutz aus meinem Computer Texte herauszogen und in der Öffentlichkeit verbreitet hat, begegnete er mit Unverständnis. So entfernte ich mich innerlich von ihm. Bald führte ich nur noch Monologe oder laute Gespräche mit meinem Forscherteam.

Im „Spiegel" las ich eine Geschichte, in der mein bisheriges „kreatives" Leben bis in die intimsten Details beschrieben war: „Als Gegenmodell zum Kreativen entwerfen Sie den depressiven Menschen, der morgens nicht aufstehen will und stundenlang durch die Fernsehprogramme zappt ... Wobei das kein Gegensatz sei muss – man steht morgens ungern auf ... und legt dann irgendwann los (mit dem Schreiben), bis der Dunkelkammer-Effekt eintritt." Dies war - von Kleinigkeiten abgesehen - eine Beschreibung meiner Lebensweise. Beschrieben war, wie ich mich morgens schon in allen Fernsehprogrammen umsah, wenn es draußen hinter dem Wohnzimmerfenster noch dunkel war. Die Kameras beobachteten mich und zeichneten jede meiner Handlungen auf. Dann las ich weiter: „Ich war, glaube ich, eher ein still spielendes Kind ... Ich habe Geschichten für die Familie geschrieben, kleine Geschenke, der Text als Selbstgebasteltes. Mit 14, 15 waren es dann Kriminal-Storys, ausgetüftelte Fälle. Dann gab es eine Phase, da bin ich nachts aufgestanden und habe geschrieben – es mussten unbedingt Sonette sein. Es war eine Herausforderung, diese Form zu knacken. Am Ende hatte ich 50 Gedichte, grauenhaft epigonales Zeug." Und weiter: „Zwischendurch kommen dann diese Phasen der Unlust und des tiefen Bereuens. Man wacht auf und stellt fest: eine einzige Sackgasse das Ganze." Ich hatte in der Vergangenheit diese Geschichten geschrieben. Eine biografische Erzählung, sie heißt „Kinderszenen", hatte ich meiner Schwester geschenkt, eine andere Erzählung handelte von einem Kriminalfall. An „Elegien" hatte ich mich auch versucht und aus Rilkes Neunter Elegie zitiert. Es gab in meiner Sammlung auch Briefe, die ich geschrieben und nachts voller Reue wieder verworfen hatte. Alle Erzählungen und Briefe waren in meinem PC gespeichert oder lagen ausgedruckt im Wohnzimmerschrank. Nun war ich mir gewiss, dass der Verfassungsschutz in unserer Wohnung gewesen war. Er hatte meine persönlichen Dokumente gestohlen, sie gelesen und ein anderer hatte sich darüber im Spiegel ausgebreitet. Alle Leser wussten jetzt über mich Bescheid. Der Artikel schloss mit einer Drohung: „(Dem kreativen Menschen) geht es um den vollen Einsatz, bei dem die Gesundheit, die soziale Sicherheit, die geistige Integrität aufs Spiel gesetzt werden. Ob sich das Ganze gelohnt hat, weiß man erst hinterher, wenn man längst tot ist." 

Das war eine Todesdrohung. So in Angst getrieben, rief ich erregt früh morgens in der Redaktion einer großen Tageszeitung an und erkläre, ich würde verfolgt. Der Journalist am Telefon wies mich mit Bestimmtheit zurück. Dies ereignete sich im November und Dezember. Am 23. Dezember telefonierte ich mit meiner Mutter. „Wenn wir nicht Zuhause ankommen, ruf bitte die X.-Zeitung an", sagte ich zu ihr. „Sprech mit Herrn K. Der weiß über alles Bescheid." Ich ahnte, wir würden auf der Fahrt verunglücken.

 Inzwischen hatte ich etwas getan, was mich in einen Zwiespalt von Schuldgefühlen und Rechthaberei stürzte. Ich hatte in einem Brief an den Journalisten der X-Zeitung zwei Personen des öffentlichen Lebens verleumdet. Mit der einen verband ich Gedanken, die mit Nietzsches Lehre vom Nihilismus zu tun hatten. Die andere Person brachte ich mit einem Staatsanwalt in Zusammenhang. Da ich mich getrieben fühlte, an der Aufklärung der Spendenaffäre mitwirken zu müssen, belastete ich beide schwer. Als die akuten Krankheits-Symptome abgeklungen waren, gestand mir mein Mann, er hätte die Briefe an den Journalisten gar nicht abgeschickt. Mir fiel nach Monaten der Pein ein Stein vom Herzen. Erst diese Nachricht befreite mich allmählich von meinen Schuldgefühlen.

Weihnachten und Silvester verbrachten mein Mann und ich bei meiner Familie. Vergeblich bemühte sich meine Mutter, mir meine Einbildungen auszureden. Für die Besorgnisse der anderen hatte ich kaum einen Sinn. Ich war versponnen in meiner eigenen Gedankenwelt und erreichte doch nach außen, so etwas wie Normalität vorzuspielen. 

Silvester gingen meine Mutter, mein Mann und ich in die Oper und wir hörten die Carmina Burana von Carl Orff. Während der Vorstellung verfolgte ich den Text mit den Augen. Besonders der Gesang des gebratenen Schwans und des Chores berührte mich tief. Die Musik drang ungefiltert auf mich ein und ich erlebte das Leiden des Schwans unmittelbar mit.

Der gebratene Schwan sang:
„Einst schwamm ich auf den Seen umher,
Einst lebte ich und war schön,
Als ich ein Schwan noch war.
Armer, armer!
Nun so schwarz
Und so arg verbrannt!
Es dreht und wendet mich der Koch.
Das Feuer brennt mich sehr.
Nun setzt mich vor der Speisemeister.
Armer, armer!
Nun so schwarz
Und so arg verbrannt!
Jetzt liege ich auf der Schüssel
Und kann nicht mehr fliegen,
Sehe bleckende Zähne um mich her!
Armer, armer!
Nun so schwarz
Und so arg verbrannt!"

An einem Tag im Januar las ich in der Zeitung einen Artikel mit dem Titel „Die Dunkle Evolution". Darin war beschrieben, wie ich mit meiner Familie Silvester gefeiert hatte und von einer „Verschwörungstheorie" war die Rede. Bis ins kleinste Detail erkannte ich mich wieder. „Silvester mit Freunden verbracht? Familie? War schön? Na, dann. Kann man ja so weitermachen. Ein neues Jahr! Man steht mit Freunden unter Fremden, starrt auf den Nachthimmel und hofft, dass alles besser wird. Man versucht, zwischen dem Funkenregen des Feuerwerks den Sirius zu entdecken. Natürlich vergeblich ..." Dann wird eine seltsame Begegnung zwischen mir und einem Unbekannten geschildert: „Aber ein Text fehlt noch, einen musst du noch schreiben, sonst ...", sagte er. `Welchen Text?` `Diesen!` `Wie soll ich ihn nennen?` `Die dunkle Evolution.` `Ich werde es tun`, sagte ich zitternd. `Eben`, meinte er, beugte sich nach unten, zu seinem Koffer. Er holte ein in Plastik eingeschweißtes Buch heraus. R.A. Wilson. `Das Lexikon der Verschwörungstheorien`. `Hier`, sagte er, `hier ist das Buch für das neue Jahrtausend, das brauchst du.` ..." Die verschlüsselten Worte und Anspielungen beunruhigten mich zutiefst. Gab es dieses Buch bereits, oder musste ich es erst schreiben? Ich verstand den Sinn der Worte nicht, wusste aber, dass ich seit langem in eine Verschwörung verwickelt war. Je verworrener und irrealer die Wirklichkeit um mich war, umso verworrener wurden auch meine Gedanken.

In einer n-tv-Studio-Diskussion stand im Mittelpunkt das Thema Embryonen-Forschung. Zu Beginn der Sendung zitierte der Moderator aus einem Brief, den ich in meinen PC getippt hatte. Die Studiogäste nahmen gleich zu Beginn der Sendung Kontakt mit mir auf und sprachen zu mir. Der Gedanke, Embryos zu töten, löste in mir Verzweiflung aus. Ich rief meinen verstorbenen Philosophieprofessor laut um Hilfe. Daraufhin schwächte einer der Studiogäste, ein Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft, seine harte Haltung ab. Er wollte mich beschwichtigen und in seine Augen traten aus Mitgefühl mit mir Tränen. Von nun an war er der Mensch, nach dem ich mich sehnte, den ich heiraten wollte. Er war mein Chef und Leiter der Forschungsgruppe, mit der ich zusammenarbeitete. Meinen Mann quälte ich über Wochen mit seiner Existenz. „Ruf bitte bei ihm in München an", sagte ich immer wieder. Dr. M. kennt mich. Ich arbeite für ihn."

Im Frühjahr schrieb ich den Gesang des sterbenden Schwans in meinen PC, um mich mit meinen unsichtbaren Freunden darüber auszutauschen. Inzwischen standen mir ja gute Menschen gegenüber. Wieder schrieb ich einen Brief an einen Journalisten. Er hatte die Überschrift „Eine fast schon unsichtbare Geschichte."

„Lieber Herr B., es ist der Schwan, dass ich hoffe, mein PC befindet sich jetzt in guten Händen. Auf dieses winzige `Zeichen` vertraue ich und benutze deshalb wieder meinen PC. Scheinbar geht der Austausch von Informationen auch ohne Internet-Anschluss. Sonst habe ich gestern viele freundliche Worte von vielen Journalisten vernommen – von Ulrich Wickert genauso wie von dem guten alten Mann von „Kontraste" (ich weiß jetzt leider seinen Namen nicht). Auch hat es gestern in Köln geschneit und viele haben sich mit mir darüber gefreut. Nicht nur das Morgenmagazin, auch die Journalistinnen und Journalisten von n-tv. Wissen sie was? Gestern hat auf dem Frankfurter Hauptbahnhof eine Lok einen Rammbock überfahren und gestern sah ich in Ulrich Wickerts Bericht über den heutigen Besuch des ukrainischen Staatspräsidenten Demonstranten in Kiew. Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert beginnt mit düsteren Glockenschlägen. Ich kann das auf dem Klavier spielen. Es könnte sein, dass er die Glocken von Kiew lautmalerisch komponiert hat. Aber ich will jetzt nicht anfangen zu spinnen, wenngleich die Nähe zu so viel Irrationalem die Nerven wirklich in Sphären dehnt, die etwa Wahnsinniges erahnen lassen. Manchmal muss man sich so strapazieren, sonst würde man auch seelisch keinen Sinn für den Gesang des „gebratenen Schwans" entwickeln können. Sie haben das in ihrem Fernsehbereicht gut empfunden."

Der Brief geht noch weiter. In dem Fernsehbericht, von dem in dem Brief die Rede ist, war ein schwarzer Überlebender eines Konzentrationslagers portraitiert worden. In seiner Nähe sah man auf einem See einen weißen Schwan schwimmen. Ich habe diesen Schwan als ein Zeichen für das Überleben gedeutet.

Der gebratene Schwan war für mich auch ein Sinnbild für die Rinder, die zu dieser Zeit Land auf und Land ab zu Tausenden wegen der BSE-Seuche verbrannt wurden. Bei den Bildern der Kadaver im Fernsehen, empfand ich mit den Tieren das gleiche Mitgefühl, wie in der Oper mit dem gebratenen Schwan.

Toni hatte seinen Krankenhausaufenthalt gut überstanden. Das Geschwür in seinem Mund war harmlos gewesen. Schon nach wenigen Tagen durfte er die Klinik verlassen. Bei meinen Besuchen im Heim erregte von nun an Angelika mein Interesse. Meist saß sie allein im Aufenthaltsraum in einer Ecke und rauchte. Die anderen geistig und körperlich behinderten Heimbewohner ignorierten sie. Ihr Betreuer beklagte sich bei mir, sie sei psychisch krank und gehöre nicht hierher. Er warf ihr vor, sich ihm gegenüber anzüglich zu verhalten. Weil sie mir leid tat, suchte ich ihre Nähe. Schon bald fand ich heraus, dass sie in ihren Betreuer verliebt ist. Auch ich liebte einen fremden Mann und erhoffte mir von ihm zärtliche Zeichen. Angelikas seelische Verfassung, ihre ständige Gereiztheit und Außenseiterstellung im Heim beflügelten meine erotischen Phantasien und ich identifizierte mich mehr und mehr mit ihr.

Eines Tages vernahm ich, dass ihre jüngere Schwester Andrea in einem Heim im Bergischen Land gestorben sei. Das tragische Ereignis weckte Erinnerungen an den Tod meines Vaters, mit dem ich mich in jenen Tagen innig beschäftigte. Ich war überzeugt, dass man sich mit seinen verstorbenen Angehörigen versöhnen muss, um weiterleben zu können. 

Zu meiner Empörung wollte Angelika nicht zu der Beerdigung ihrer Schwester gehen. Sie hatte sie mehrere Jahre im Heim nicht mehr besucht und wollte auch von ihrem Tod nichts wissen. Ich mischte mich in Angelikas persönlichste Angelegenheiten ein. An einem Samstag Mittag lud ich sie in mein Auto und wir besuchten gemeinsam die Familiengruft. Sie war für die Beisetzung der Urne schon geöffnet worden. Angelika wehrte sich vergeblich, mich zu begleiten, aber einem Gespräch über ihre Schwester wich sie aus.  

Begeistert von der Idee in geheimem Auftrag Recherchen durchzuführen, forschte ich tiefer in Angelikas Familiengeschichte. Dabei hatte ich eine befremdende Begegnung mit ihrem Vater. Bei einem unangemeldeten Besuch erzählte mir der verwahrloste Mann, er habe Andrea als kleines Mädchen wie eine Wärmflasche an sich gedrückt. Ich legte diese Handlung als Missbrauch des Kindes aus. Der Vater erzählte mir bereitwillig von der schweren Geburt des Mädchens. Ihr kleines Gesicht sei blau angelaufen gewesen. Später litt sie an epileptischen Anfällen und konnte nicht gehen. Sie hat ihr ganzes Leben in Heimen verbracht. Ich recherchierte unermüdlich weiter, immer im Bewusstsein, dass meine unsichtbaren Begleiter mir zusehen.

Während ich vor meiner Erkrankung das Haus nur selten verlassen hatte, fuhr ich jetzt fast täglich mit dem Auto los. Eines Tages machte ich mich auf den Weg ins Bergische Land. Ich wollte das Heim kennen lernen, in dem Angelikas Schwester verstorben war und die Umstände ihres Todes in Erfahrung bringen. Auf der Fahrt schaltete ich den Kassetten-Rekorder ein und hörte das Violinen-Konzert in E-Moll von Mendelssohn-Bartholdy. Das Konzert gespielt von dem London Philharmonia Orchestra und Sir Yehudi Menuhin rührte mich zu Tränen. Sie mischten sich mit Gedanken, die mich seit langem schon bewegten. Ich glaubte ein Kinderlied zu hören, gespielt von einem gütigen hingebungsvollen und wissenden Vater. Mir schien diese musikalische Welt, in der der Vater eine liebende Autorität verkörperte, versunken. Sie war mit dem ersten und vor allem mit der Barbarei des zweiten Weltkriegs untergegangen. Mir war in diesen Tagen ein liebevoller Brief von meiner verstorbenen Oma an ihren Vater in die Hände gefallen, in dem ebenfalls diese Zeit noch einmal heraufbeschwört wurde. Auf der Fahrt durch das Bergische Land trauerte ich um diese verlorene Zeit und um den wunderbaren jüdischen Komponisten der mit seinem sphärischen Violinenkonzert aus einer untergegangenen Welt zu mir sprach. Aufgelöst erreichte ich das Heim. Verschwommen erinnere ich mich an Einzelheiten, das Aussehen der Flure, das Gespräch mit den Heim-Mitarbeiterinnen. Ich durfte einen Blick in das Zimmer werfen, in dem das dreizehnjährige Mädchen einsam gestorben war. Eines erschütterte mich am meisten. Ich erfuhr, dass die Schwester von Angelika in ihrem Leben kein einziges Wort gesprochen hat. Die beiden Frauen gaben mir auf meine Fragen bereitwillig Auskunft, obwohl ich keine Angehörige war. Sie haben nicht bemerkt, wie krank ich war.

Meine Freundschaft zu Angelika führte mich eines Tages in die Praxis einer Psychoanalytikerin. Ich begleitete Angelika in der Erwartung, dass die Ärztin sie therapieren würde. Die Ärztin erklärte sich dazu bereit für den Fall, dass Angelika freiwillig kommt und gab ihr einen neuen Termin. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Das Heim stellte Angelika vor die Alternative, entweder in ein anderes Heim zu wechseln oder eine Tagesklinik aufzusuchen. Ich drängte sie, die Hilfe der Psychoanalytikerin anzunehmen und fand mich zur rechten Zeit im Wohnheim ein, um sie abzuholen. Angelika weigerte sich, mit mir zu gehen. Ich war außer mir und schrie, Angelika sei von ihrem Vater vergewaltigt worden. Sie hätte in mir den einzigen Menschen, der sich ihrer annimmt. Die Mitarbeiterinnen verwiesen mich entsetzt aus dem Haus. Tage später erhielt ich die Nachricht, das Heim nicht mehr betreten zu dürfen. Beim Abschied hatte ich Toni flüchtig einen Kuss geben können. Das war meine letzte Begegnung mit ihm. Bis heute weiß ich nicht, was aus ihm geworden ist, ja nicht einmal, ob er noch am Leben ist.

Nachdem ich aus dem Heim verwiesen worden war, fuhr ich allein zu der Psychoanalytikerin. Ich erzählte ihr von dem Vorfall und bat sie, Angelika auch ohne ihre Zustimmung zu therapieren. Während des Gesprächs weinte ich bitterlich und achtete immerzu auf ein Bild an der Wand, hinter dem ich ein Mikrophon vermutete. „Auf Wiedersehen", sagte die Analytikerin beim Abschied, und mit Nachdruck „auf  Wiedersehen". Sie hatte bemerkt, dass ich dringend Hilfe benötigte. Wochen später holte sich mein Mann bei der Ärztin Rat. Er wusste nicht mehr, was er mit mir anfangen sollte. Sie erinnerte sich an mich und riet ihm, mit mir das Früherkennungs- und Therapiezentrum der Universitätsklinik aufzusuchen.  

Um deutlich zu machen, in welche Gefahren ich mich selbst und andere brachte, will ich von einem anderen Ereignis berichten. Mit meinem Mann machte ich einen Spaziergang durch die Kölner Altstadt. Inmitten der Menschenmenge hüpfte ich auf den Wegen, sprach in abgebrochenen Sätzen laut vor mich hin, kicherte und führte seltsam exstatische Bewegungen mit meinem Körper aus. Mein Mann schämte sich für mich und ließ mich immer wieder hinter sich stehen. Von weitem lauschte ich mit einem Mal der Musik, die vom Germanischen Museum zu uns herüber drang. Mein Mann folgte mir. Die Musik war ein geheimes Zeichen von Dr. M. an mich. Er deutete mir damit an, dass er mich bald heiraten würde. Zuhause hatte ich inzwischen alle Balkonkästen mit Vergissmeinnicht bepflanzt und mich auf einen Abschied von meinem Mann vorbereitet. Nun postierte ich mich wie eine Statue vor die Musiker. Ein Paar, das an uns vorbei ging, schaute mich befremdet an. Ich war euphorisch. Auf dem Weg zum Auto schlug ich plötzlich den Weg mitten auf die Straße ein. Ich rannte geradewegs auf ein Auto zu, bog im letzten Moment zur Seite ein und erreichte unverletzt den Bürgersteig. Mein Mann war außer sich und schrie, ich solle herkommen. Statt ihm zu folgen, rannte ich wieder kreuz und quer über die Straße. Dies ereignete sich in der Nähe des Kölner Doms. Die Straße war zu dieser Zeit nur wenig befahren. Sonst ist sie eine der Hauptverkehrsadern durch Köln. Damals hatte ich das Gefühl, in mir sei ein Motor, der mich vor der Gefahr davonrennen lässt. Ich lachte über mich voll Übermut und es gelang meinen Mann nur schwer, mich ins Auto zu ziehen.

An einem meiner Krankheitstage verlangte ich von meiner Mutter und meinem Mann, in die Senne zu fahren. Die Landschaft berührte mich sehr. Ich bildete mir ein, hier habe sich die biblische Sintflut ereignet. Das Kalkgestein galt mir als Beweis für die unzähligen Toten, die die Flut hinterlassen hatte. Außerdem hatte ich vor kurzem in einem Fernsehfilm von furchtbaren Grausamkeiten erfahren, die sich im zweiten Weltkrieg hier ereignet hatten. Russische Kriegsgefangene waren von Deutschen verhöhnt und zu Tode gequält worden. Wir fuhren mit dem Auto durch die sandige Sennelandschaft. Bei einem kleinen Heidebahnhof, der auch in dem Filmbeitrag gezeigt worden war, stieg ich aus. Ich ging auf das Gebäude zu und küsste seine Wände. Im Gestrüpp neben dem Bahnhof erahnte ich die Bahngleise, die im Krieg an der Baracke vorbei geführt haben mussten. Tausende von Gefangenen waren hier her deportiert worden und mussten in der Umgebung Fronarbeit leisten, bis sie an Hunger oder den Schlägen ihrer Peiniger starben. Ich suchte in der Senne nach ihren Spuren. Schließlich gelangten wir in Schloss Holte-Stukenbrock auf einen Soldentenfriedhof. Der Friedhof war menschenleer und es regnete leise. Hier in der Nähe hat sich das Lager Stalag 326 befunden. Ein Gedenkstein erinnert an die Verstorbenen. Seit der Einrichtung des Lagers im Mai 1941 bis zur Befreiung 1945 haben rund 300 000 Gefangene dieses Lager durchlaufen. Zehntausende starben an den Folgen von Kräfteschwund und Auszehrung.

Betroffen schrieb ich tags darauf an den Erzbischof von Paderborn einen Brief. Ich wusste, er war vor kurzem von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt worden und gratulierte ihn dafür. Inständig bat ich ihn um Aussöhnung mit den Kriegsgefangenen und ihren Angehörigen. Inzwischen war in mir der Wunsch erwacht, ihn zu seiner Kardinalsweihe zu begleiten.

Am 21. Februar 2001 flog ich mit einer Sondermaschine nach Rom. Im Flugzeug hoffte ich, meinen Geliebten zu treffen und war bitter enttäuscht, als er nicht da war. Vor meinem Sitz entdeckte ich eine Tageszeitung. Darin fand ich zu meiner großen Überraschung einen Artikel über das Lager Stukenbrock. Das Lager nehme in der Erinnerung der Nachfahren russischer Gefangener den Stellenwert von Ausschwitz ein, hieß es darin. Seine Bedeutung sei nach Ansicht des Stiftungsdirektors der Gedenkstätte Buchenwald, Prof. Dr. Volkhard Knigge, bislang unterschätzt worden. Demnächst würde eine Dauerausstellung eingerichtet. Ich las den Artikel als eine Reaktion auf meinen Brief an den Erzbischof.

Wir waren in der Nacht abgeflogen und erreichten gegen sieben Uhr Rom. Während des Flugs faszinierte mich das Schauspiel der aufgehenden Morgensonne. Nach und nach färbte sich der Horizont in die Farben des Regenbogens. Ich deutete dieses Geschehen als Zeichen Gottes, der den Regenbogen im Alten Testament als „Zeichen des ewigen Bundes" bezeichnet hatte.

Auf dem Petersplatz in Rom fühlte ich mich so einsam wie noch nie in meinem Leben. Offensichtlich hatte ich eine Probe zu bestehen und musste auf eine Begegnung mit meinem Freund noch warten.

Das eindrucksvolle Zeremoniell der Kardinalsweihe, die „concistoro per la creazione die nuovi cardinali", erlebte ich wie in Trance. Der Petersplatz war voll mit Menschen, die sich in vielen Sprachen unterhielten. Auf dem Podium vor dem Petersdom saßen in zwei Reihen die rot gekleideten Kardinäle und neben ihnen Gäste aus allen Herren Ländern. Sie alle warteten auf das Erscheinen des Papstes. Während der Feier, den Gesprächen zwischen „la schola" und „il Santo Padre" bewunderte ich alles, was mich feierlich umgab, den Papst, die Kardinäle, die wunderschöne Architektur des Petersplatzes. Am meisten berührte mich wieder die Musik.

Ich war mit einer Gruppen Schützen angereist und durfte später bei einem persönlichen Empfang des Kardinals dabei sein. Ich hielt mich aber im Hintergrund. Nachmittags nahm ich schlafwandlerisch an einer Stadtrundfahrt durch Rom teil. Ich erinnere mich, in der Nähe des Kolosseums mit dem Reiseleiter eine Tasse Kaffee getrunken zu haben. Während der Rückfahrt zum Flughafen bewunderte ich in der untergehenden Abendsonne die malerische italienische Landschaft, in die wir hineinfuhren. Das Blau des Himmels entzückte mich.

Zurück in Deutschland bemerkte ich auf einem Fernseher im Flughafen zwei Moderatoren von n-tv. Sie lachten über mich. Wie von einem Schutzengel begleitet, kam ich in der Nacht unversehrt zu Hause bei meiner Mutter an. Ich hatte den rauhen Wind der Senne und die russischen Kriegsgefangenen mit nach Rom genommen, vielleicht, damit sie vom Papst gesegnet würden.

Meine Krankheit dauerte noch Wochen an. Schließlich sprachen Stimmen aus mir heraus und ich unterhielt mich mit ihnen. Einer gab ich den Namen „Karl August". Sie war eine böse Stimme und sprach Worte aus, die nicht zu meinem Wortschatz gehörten. Es waren Worte, die mein Vater benutzt hatte, wenn er erregt war. In mir entstand der Eindruck, die geheimsten Gedanken in meinem Kopf würden abgehört, nicht nur die bewussten auch die vorbewussten, die aus meinem Unterbewusstsein kamen. Ich fühlte mich hilflos, ungeschützt und durchschaut und verlor meine Integrität. Während dieser Zeit wandelte sich auch mein Gegenüber. Es ereignete sich eine Art Metamorphose mit ihm. Plötzlich sprach anstelle meines geliebten hochberühmten Wissenschaftlers ein Angestellter eines Arbeitsamtes mit mir. Meine Enttäuschung über den Verlust war grenzenlos. Mir wurde mitgeteilt, dass ich gar nicht an einem wissenschaftlichen Projekt mitgearbeitet hatte, das den Nobelpreis verdiente. Ich war lediglich einem Test vom Arbeitsamt ausgesetzt gewesen. Dann wieder war es der Wissenschaftler, der zu mir sprach, und den ich geliebt hatte. Er warf mir vor, seine Habilitation verdorben zu haben, weil ich nur mit alten Büchern, die längst verstaubt waren und niemanden mehr interessierten, gearbeitet hatte. Auch sei ich eine ordinäre Person, unwürdig für ihn gearbeitet zu haben. „Du hast mir mein Leben zerstört", klagte er mich an. „Du hast versagt." „Wer spricht?" – „Ich spreche." – „Nein, ich spreche." – „Wir sprechen beide." – So ging es stundenlang. Dann weinte ich mit ihm, weil ich sein Leben zerstört hatte.

Meine Mutter erschrak, als sie einmal Zeuge dieser unheimlichen Gespräche war und mir eine Stimme die Telefonnummer meines Freundes in die Feder diktierte. Bald konnte ich die Stimmen nicht mehr ertragen. Zum Glück war dies der Höhepunkt meiner Krise. Beinahe wäre ich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Aber mein Mann hatte trotz dringender Mahnung meiner Schwester mit mir Nachsehen. Stattdessen forderte er mich auf, ihn in das Früherkennungszentrum für Psychosen in die Universitätsklinik zu begleiten. Ich weigerte mich zunächst, ihm zu folgen. Nicht ich sei krank, sondern er, gab ich zu verstehen. Nur, weil ich mir einredete, mein Mann begebe sich in eine Therapie, ging ich schließlich mit. Die Ärztin erkannte sofort meine Krankheit. Sie überwies mich in die Institutsambulanz, wo ich medizinisch und therapeutisch behandelt wurde. Nach den ersten Behandlungen klangen die Symptome meiner Psychose ab.

Heute geht es mir wieder gut. Ich habe mein Realitätsbewusstsein und – was das Wichtigste ist - mein Urteilsvermögen wiedergefunden. Aber ich habe lange warten müssen, bis ich wieder eine Bedeutung in meinem Leben sah. An die Stelle meiner früheren Euphorie ist lange Zeit Leere getreten. Ich fühlte mich tief befremdet über das, was mit mir geschehen war und was ich getan hatte. Meine Antriebslosigkeit wurde jeden Tag stärker. Ich folgte dem Rat meiner Therapeutin, behutsam mit mir umzugehen, denn die Wahnvorstellungen durften auf keinen Fall wiederkehren. Ich schonte meinen Geist und schlief sehr viel. Innere Konflikte lebte ich in meinen Träumen aus. Weil ich in Köln fast keinen Menschen kannte, erlebte ich nichts. Anregungen erhielt ich lediglich von meiner Therapeutin und indem ich am Beruf meines Mannes teilnahm oder mit meiner Mutter telefonierte. Mein Mann verhielt sich fürsorglich. Er brachte großes Verständnis für mich auf und sprach immer wieder mit mir über das Gewesene. Er sah die Ursache für meine Erkrankung in meiner schweren Kindheit und Jugend. Weniger überzeugte ihn meine Auffassung, dass mich Arbeitslosigkeit und Isolation krank gemacht haben. Ich erinnerte ihn deshalb daran, dass ich mich vor meiner Erkrankung sehr einsam gefühlt habe.

Um überhaupt etwas zu haben, worüber ich nachdenken konnte, sah ich bald wieder fern. Dabei lernte ich, meine Eindrücke ohne wahnhaftes Empfinden zu ordnen und realitätsnah zu denken. In der Universitätsklinik fiel mir eines Tages eine Meldung des Beruflichen Trainingszentrums Köln auf. Es stellte sich vor als eine Einrichtung der beruflichen Rehabilitation von Menschen, die unter den Folgen einer psychischen Erkrankung leiden und bot unter anderem Plätze im so genannten „individuellen Trainingsbereich" an, der für alle Berufe, also auch für akademische, offen stand. Ich wollte wieder unter Menschen kommen und arbeiten. Plötzlich sah ich eine Chance, einen Ausweg aus meiner bisherigen Lebensweise zu finden. Die Einrichtung nahm mich auf. Innerhalb von zehn Monaten wurde ich ein anderer Mensch. Ich verwandelte mich von einem ängstlichen Menschen, der glaubte, anderen unangenehm aufzufallen, in ein selbstbewusstes und zufriedenes Wesen. Im Kontakt mit den anderen lebte ich förmlich auf. Mein Leben erhielt wieder eine feste Tagesstruktur. Die Aufgaben, die mir gestellt wurden, forderten mich. Ich gewann wieder Selbstvertrauen und erhielt Anerkennung. Von großer Bedeutung waren die Praktika, die ich während meiner Trainingsmaßnahme absolvieren konnte. Die Praktikumsleiter versicherten, dass ich die Qualifikation besitze, wieder in meinem erlernten Beruf zu arbeiten. Ihre Beurteilungen erfüllen mich mit Zuversicht. Dennoch werde ich etwas in die Zukunft mit hinübernehmen, was wie eine Hypothek auf mir lastet: meine schwere psychische Erkrankung. Diese Geschichte ist ein Versuch, das Erscheinungsbild dieser rätselhaften Krankheit in einigen Grundzügen aufzuklären.


307
Date: Fri, 1 Aug 2003 05:00:27 +0000
Subject: Forum

Ähm hallo,
jetzt hab ich mir ´nen Wolf geschrieben und habe die E-mail nicht gespeichert...alles weg!!!
Schade schreib ich wann anders noch mal!
Bin 23 Jahre jung und habe eine eineiige Zwillingsschwester, die vor ca.4 Jahren "erkrankt" ist...hatte da ein paar Fragen und eine "KLEINE" Lebensgeschichte geschrieben! Muß aber jetzt echt ins Bett, hab nämlich in ein paar Stunden ein Gespräch mit ihrem Doc und ich hoffe, da bekomme ich die freudige Botschaft, dass sie in eine Tagesklinik, in meiner Nähe überwiesen wird...sonst weine ich dem ganz dicke Krokodilstränen vor...(sorry, bin etwas übermüdet aber ich konnte mich einfach nicht von der site losreissen) Es ist sehr schön, dass es solche Seiten gibt, wo mann sich informieren oder einfach nur drüber sprechen kann!!!
Bodo,habe deine Site förmlich verschlungen..danke!!!
luv
NNMC


306
Date: Fri, 11 Jul 2003 15:56:35 +0200
Subject: suche kontakt zu leuten, die ihre negativsymptome ueberwunden haben

hallo!

ich hatte eine psychose und kleinere rückfälle
im zeitraum der letzten 4 jahre. die positiv
symptome wie hallus, stimmen.... haben sich
durch das medi (solian) sehr gut zurückgebildet.
aber die negativen symtome machen mir zu schaffen.
lethargie, apathie, zurückgezogenheit, phobien,
ängste, soziophobie , angst unbekannte anzusprechen.

mein medie soll auch dagegen helfen.
das kann ich leider aber ueberhaupt nicht feststellen. brauche ich ein anti-depressivum ?
wer hatte aehnliche probleme und hat sie ueberwunden?
bitte mailt mir an:

pekuso@logstoff.com


305
Date: Thu, 17 Jul 2003 12:00:58 +0200 (MEST)
Subject: an den biochemie studenten

<-->Das große Krux der Erkrankten liegt darin, das sie von Leuten 'behandelt' werden, die Biochemie nur als Nebenfach gehört, sich zu 70 Prozent mit speziellen Ärzte-Crash-Kursen durch die entsprechden Prüfungen gefuscht haben, und außer dem Auseinanderschneiden von toten Gehirnen nicht viel gelernt haben. Sie nennen sich nach bestandener Ausbildung 'Neurologe'.<-->

So ist das also, als Arzt lernt man nicht viel außer dem Auseinanderschneiden von toten Gehirnen - klingt überzeugend. Ich frage mich nur, warum ich dann so viel zu lernen habe, wenn ich doch nur tote Gehirne auseinanderschneiden müsste? Und diese speziellen Ärzte-Crash-Kurse, mit denen man sich anscheinend als Medizinstudent durch sämtliche Prüfungen pfuschen kann kann sind mir auch unbekannt - ich meine, Repititorien gibt es, sicher, wie in anderen Bereichen auch, aber ich persönlich kenne keinen näher, der das Geld hat, sich so einen Crash-Kurs zu leisten. Und wenn fände ich es auch nicht schlimm, denn wie sich einer sein Wissen aneignet finde ich nicht so relevant, Hauptsache ist doch, man verfügt über angemessenes Wissen, was durch jede Menge Prüfungen - meiner Meinung nach - schon sicher gestellt wird. Was der Realität entspricht, ist, dass Biochemie nur ein Fach von vielen ist. Bei uns gibt es eine Vorlesung, ein Praktikum und ein Seminar allein in der Vorklinik, wobei letztere beiden Pflichtveranstaltungen sind und in dem Seminar wöchentlich eine Klausur geschrieben wird, im Praktikum zwei Klausuren insgesamt. Natürlich kann man in dieser Zeit nicht so viel lernen, wie in einem Studium was sich eben nur auf die Biochemie konzentriert, klar, aber sonst würde man wohl auch direkt Biochemie studieren, oder?

Ich bin auch bei weitem nicht der Ansicht, dass alles so toll läuft in der Medizin, ganz bestimmt nicht und in der Psychiatrie ist es ganz besonders schlimm. Aber ich führe das nicht darauf zurück, dass man in der Ausbildung zu wenig lernt, ganz im Gegenteil, das Studium besteht eigentlich fast nur aus Lernen und das Wissen, was man sich aneignen muss ist schon enorm. Ich fände es aber mindestens genau so wichtig, dass man lernt, wie man wirklich empathisch mit Menschen redet und diese wirklich ernst nimmt. Viele Professoren sind aber leider immer noch der Ansicht, dass man als Arzt/Ärztin einer Elite angehört, was sich darin zeigen soll, dass man Arroganz an den Tag legt und bloß nie zugibt, dass man mal etwas nicht weiß, statt dessen eher Halbwissen autoritär demonstriert. Und das finde ich wirklich schlimm. Vor allem, wenn nach so einer Predigt „-Sie müssen arrogant werden, gute Ärzte sind arrogant etc“ wirklich Kommilitonen davon überzeugt sind, sich so eine Einstellung zulegen zu müssen.

Ganz ehrlich, ich gehe lieber zu einem freundlichen Arzt, der vielleicht auch mal etwas nachgucken muss, als zu jemandem, der mich schon allein wegen meiner Position als Patientin nicht ernst nimmt. Und obwohl man ja wirklich schon eine Menge über das Gehirn herausgefunden hat, gibt es noch dramatisch große weiße Flecken, die erforscht werden müssen, besonders im Bereich der Psychosenforschung, die Dopaminerklärung ist bestimmt nicht eine Antwort auf alle Fragen. Momentan scheint da aber auch sehr viel in Richtung Cannabinoide geforscht zu werden, scheint recht vielversprechend zu sein. Ich denke, das Dopamin wird von daher hauptsächlich betont, weil das mittlerweile überall anerkannt ist und sehr viel überzeugender rüber kommt als wenn man als Patient erst mal mit sämtlichen Hypothesen über das Zustandekommen von Psychosen bombadiert würde.

So, aber ich bevor ich jetzt gar kein Ende mehr finde, setze ich hier doch mal einen Punkt. Ich wollte nur darüber aufklären, dass es ganz so, wie oben zitiert, mit der ärztlichen Ausbildung ja doch nicht aussieht ...
Allen ein schönes Wochenende wünscht eure

Bea


304
Date: Sat, 5 Jul 2003 22:14:59 +0200
Subject: bitte ins forum stellen :)

Die Dopaminhypothese der Schizophrenie - pseudowissenschaftlicher Schwachsinn !!!

Kurz zu mir: Ich war angehender Biochemie-Student bis die Erkrankung in Form einer Psychose ausbrach.

Das große Krux der Erkrankten liegt darin, das sie von Leuten 'behandelt' werden, die Biochemie nur als Nebenfach gehört, sich zu 70 Prozent mit speziellen Ärzte-Crash-Kursen durch die entsprechden Prüfungen gefuscht haben, und außer dem Auseinanderschneiden von toten Gehirnen nicht viel gelernt haben. Sie nennen sich nach bestandener Ausbildung 'Neurologe'.

Dopamin ist EINER von wahrscheinlich abertausenden Neurotransmittern / Botenstoffen mit denen das Gehirn seine interne Informationsübertragung regelt. Es sind wahrscheinlich noch lange nicht alle der Botenstoffe entdeckt. Was die Neuroleptika nun tun, ist alle dopamin-auschüttenden Schaltstellen zu blockieren. Das ist ungefähr so also würde ein Chirurg einem Mann mit Blinddarmentzündung den halben Darm rausschneiden und dann einen Seitenausgang verpassen ... das Ergebnis ist daß der Blinddarm dann mit raus ist und nicht mehr stört.

So undifferenziert , wie sich die Dopaminhypothese an den einen Botenstoff klammert, muss mann sie als das benennen was sie ist: PSEUDOWISSENSCHAFTLICHE Beweihräucherung der CHEMISCHEN ZWANGSJACKE !!

Der Patient ist 'geheilt', die Symptome des Wahns gehen zurück. Daß er aber ein biochemischer Zombie ist, das interessiert keinen. Wie auch, der Patient in der chemischen Zwangsjacke muckt ja nicht auf.

Ich will hier keine Medikamente verteufeln!! Sie sollten auf jeden Fall genommen werden. Mir geht es darum, daß auch differenziert geforscht wird. Das Dopamin allein kann es nicht sein. Neuere Medikamente regulieren auch das Serotonin. Das scheint mir der Anfang eines differenzierten Behandlungsverfahrens.

Oder lassen Sie sich die Armbanduhr vom Automechaniker flicken ???


303
Date: Mon, 30 Jun 2003 11:34:37 +0200
Subject: Leserforum

Diagnosen
Ist der Begriff der Schizophrenie überholt?

Die "Dekonstruktion des Begriffs Schizophrenie hat bereits begonnen", sagt Thomas Keller von den Rheinischen Kliniken Langenfeld. Schizophrenie sei eine begriffliche Konstruktion von Fachleuten, also "ein soziales Konstrukt - nicht mehr und nicht weniger". Das habe sich fachlich zwar bewährt, sonst würde sich der Begriff nicht schon seit über 100 Jahren halten. Aber nütze es auch dem Patienten, der eine Perspektive für sich erlangen will? Keller verzichtet in der Praxis mittlerweile auf den Begriff. Er fühle sich damit besser und denkt auch, daß seine therapeutische Arbeit besser geworden sei. Er benutze Beschreibungen wie Manie, Depression etc., spreche zum Beispiel von Angst und Erschöpfung. So gebe es keine tiefe Abgrenzung zum Erleben der Patienten. - Als Oberbegriff für alle Stile und Formen therapeutischer Zusammenarbeit mit dem Patienten schlägt Keller den Begriff "Kooperation" vor. Die Arbeit an den Problemen vollziehe sich vor allem über die Sprache. An die Wahl der Worte und Begriffe sowie die Gestaltung der Gesprächsprozesse müßten hohe Anforderungen gestellt werden. - Zentrale Themen seien Respekt, Zuversicht und Verstehen. Nähe zum Lebensraum der Betroffenen und die Kontinuität der therapeutischen Beziehungen seien von großer Bedeutung.
Artikel aus "Der Eppendorfer 3/2000 S. 5"

Psychose-Netzwerk Tipps


302
Date: Mon, 23 Jun 2003 19:10:14 +0200
Subject: Leserforum

Hallo,
ich bin Angehöriger und meine Frau ist seit ca. 16 Jahren an Schizophrenie erkrankt. Sie bekam bisher 2 ml Haldol, Depot, alle 4 Wochen, und Taxilan 3x1. Zwischendurch waren es auch mal 3ml, wurde auf Drängen meiner Frau, wenn es ihr gut ging, wieder auf 2 ml reduziert. Alles war gut zu handeln, schöner Urlaub 2 x im Jahr, auch in FeWo in D, Feste besucht, gegrillt usw. auch täglich drei Viertel Wein am abend. Gewandert und geradelt. Nun kam erneut ein schlimmer Rückschlag, , mit lautem Schreien, extremen Mißtrauen, Schlagen, Selbstgesprächen. Sie wurde dann durch Polizei/Notarzt in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. 2 Wochen geschlossene, dann 4 Wochen im Haus mit Therapie usw. Sie sollte auf ein neueres Medikament umgestellt werden. Das war aber nicht wirksam, so dass sie jetzt wieder mit Haldol 3 ml, 4x2 Taxilan, Travor u.a. behandelt wird, bis der Haldolspiegel wieder stimmt. Danach sollen 3 ml Haldol plus Taxilan weiterbehandelt werden. Und keine weiteren Tabletten mehr.

Meine Frage an die erfahrenen Forumleser: Wird es wieder besser? Was ist die höchste Dosis Haldol Depot? Ist Alkohol so schlimm? Was muss ich jetzt beachten? Wie kann ich helfen?
Mit freundlichen Grüßen


301
Date: Fri, 6 Jun 2003 16:22:33 +0200 (MEST)
Subject:

Hallo, allerseits,

Ich freu mich so! Gestern war ich bei meiner Ärztin, um mal vorsichtig anzufragen, was sie denn davon hielte, wenn ich nach dem Sommer die Medikamente absetzen würde - wobei ich auf große Gegenwehr vorbereitet war, weil man ja sagt, bei 2 psychotischen Episoden am besten fünf Jahre Neuroleptika zur Vorbeugung eines Rückfalls, und bei mir sind gerade zweieinhalb vergangen, wobei die zweite Episode ein Jahr her ist. Aber die erwarteten Rückfallstatistiken blieben aus, sie meinte sogar, das fände sie eine gute Idee! Und das freut mich jetzt enorm. Im moment habe ich ziemlich viel an der Uni um die Ohren, da würde ich es mir nicht zutrauen, aber im Sommer wird es voraussichtlich ziemlich ruhig sein, da würde es eigentlich optimal passen - wenn bis dahin nichts in Richtung Rezidiv passiert, versteht sich. Aber ich fühle mich im moment sehr ausgeglichen und hoffe mal das beste.

Im moment mache ich einen Kurs in Neuroanatomie und werde da auch tagtäglich an Dopaminrezeptoren etc erinnert, und das hatte dann so ein bisschen den Effekt, wie wenn man sich den Beipackzettel seiner Medikamente ständig vor Augen hielte, und das hat mich in meinem Beschluss, nach dem Sommer das Absetzen zu probieren sehr bestärkt. meine Ärztin meinte auch, dass diese Zahlen (zwei Jahre nach einer Psychose, fünf nach zwei) eher für Leute gelten, die nach wie vor verleugnen, dass sie Probleme gehabt haben, oder sich gar nicht damit auseinander gesetzt haben.

Außerdem trägt meine Krankenkasse auch die letzte Verlängerung meiner Psychotherapie, was auch toll ist. Ich geh zwar nur noch recht selten hin, weil ich es nicht mehr so "brauche" - aber es ist doch angenehm zu wissen, dass, wenn was wäre, ich mich an meine Therapeutin wenden kann und noch einige Stunden zur Verfügung stehen, oder eben auch für ab und an - ich merke eben, dass mir das immer noch gut tut, aber eben nicht mehr so regelmäßig.

Schöne Pfingsten und gute Gesundheit

Bea


300
Date: Sat, 10 May 2003 10:51:24 +0000
Subject: Leserforum

Zustände: Ein Fragment

Das todernst feierlich, schwer und hohl geschlagene, vom hohen Kirchturm hinabdröhnende, schwallend tönende Glockengebumse, erdrückte mich bodigend, entmutigend, brachte mich dem erbärmlich anzusehenden, kreuchend, fleuchend, kleinen Wurme nah und noch näher.
Was ergab sich mir, als ein schütternes, haarfadiges Angstgefühl.

(ohne Namen)


299
Date: Sat, 26 Apr 2003 15:09:00 EDT
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

ich heiße A... (42 Jahre) und bin selbst Brückenbauer und Dichter. Bei mir trat die erste Psychose vor ca . 6 Jahren auf. Damals stand ich unter einer starker Arbeitsbelastung und war der sog. Hans-Dampf in allen Gassen. Aufgetreten ist die Psychose, weil ich mich von einer anderen Firma verfolgt fühlte, deren Bauleiter mir per Telefon schreiben diktierte, die ich zur Anerkennung von Nachträgen in seinem Wortlaut abfassen sollte. Damals ging ich zur Polizei, wurde mit meinem Verdacht der Industriespionage nicht ernst genommen. Ich beauftrage die Telekom, mein Telefon hinsichtlich Abhören zu checken. Alles ohne Erfolg. Nachdem meine Firma spannte, dass ich mit den Nerven fertig war, wurde ich für zwei Wochen bis über Weihnachten krankgeschrieben. Doch was dann passierte, war der absolute Hammer. Ich fühlte mich weiter verfolgt, verabschiedete mich an Weihnachten zu einem Spaziergang von meiner Familie. Doch ich sollte für die drei nächsten Tage nicht mehr daheim ankommen. Zuerst fuhr ich mit der S - Bahn in unseren Nachbarort, hob etwas Geld ab. Bei der Rückfahrt fuhr der Zug (eingleisige Strecke) in der Gegenrichtung davon.
Ich unternahm am Weihnachtstag einen ausgedehnten Spaziergang. Es wurde Abend und ich kam vom Weg ab und irrte durch die Nacht. Weil ich Angst hatte der Geheimdienst bzw. die Baumafia würde unser Telephon abhören, rief ich nicht daheim an. Ich glaubte, dass es einen sog. guten Geheimdienstkreis gäbe, der meine Familie (Frau und Sohn) evakuiert und in das Allgäu gebracht hätten. Am 1. Weihnachtsfeiertag fuhr ich ins Allgäu um nach ihnen zu suchen. Ich kam abends 18.00 Uhr an, kehrte kurz ein und gegab mich per Pedes auf die Suche. Ich klapperte viele Haustüren ab,bekam aber immer wieder eine negative Antwort übermittelt. Da ich an stark befahrenen Bundes- Straßen in der Nacht lief, bekam ichs mit der Zeit mit der Angst zu tun. Der Geheimdienst wollte mich ja vielleicht töten. Jetzt wurde es brenzlig. Zufällig stieg ein Autofahrer aus, um zu pissen. Ich bekam Angst und machte mich durchs ansteigende Gelände auf von der Bundesstraße wegzukommen. Jetzt hatte ich bereits Angst verfolgt zu werden. Ich hatte einmal beim Friseur im Spiegel gelesen, dass es Tarnanzüge geben solle, die vom Geheimdienst benutzt werden und die Ihren Träger nachts ziemlich unsichtbar machen sollen. Wie ich hinauf zur Anhöhe lief, sah ich kleine, winzige Lichtzeichen, die auf die Aktivität von Menschen hindeutete. Ich lief bis zum Waldrand und bemerkte, dass ein Auto auf der Bundesstraße offensichtlich langsamer wurde und nach mir suchte. Ich duckte mich und wurde von Ihnen nicht aufgespürt. Jertzt bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun. Nach dem Verschwinden des Autos flüchtete ich Querfeldein bis zu einem ca. 1,50 km entfernten Waldrand. Die sog. Schattenmänner, die Ihre Hand während der vorangegangenen Gefahren schützend über mich hielten, lockten mich mit ihren Minilichtblitzen auf eine Lichtung. Dort befand sich ein stapel mit getockneten Zweigen. Erschöpft fiel ich auf das Lager. Was jetzt passierte war entsetzlich, ich bildete mir ein Spritzen zu bekommen. Mein Körper wurde federleicht und ich begann zu schweben. Hin und wieder huschte ein Schallenmann über mich. Es war entsetzlich. Doch was war das. An einem ca. 15 m entfernten Baum knieten Schattenmänner um ihrem neuem Oberhaupt (mir) zu hudigen. Der Spuk dauerte wohl eine Viertelstunde. Dann verschwanden die Schattenmänner und die anderen Einbildungen auf einen Schlag. Glücklicherweise war es diesen Winter warm, so dass ich diese Nacht überlebte. Nach einer längeren Wanderung fand ich am nächsten Abend ein Quartier. Nach weiteren zwei Tagen rief ich daheim an und kehrte in die normale Welt zurück.
Meine Familie bat mich für 6 Wochen ins Bezirkskrankenhaus zu gehen, um heraus zu bekommen was mir fehle. Genützt haben bei mir die Medikamente ( 20 - 15 - 10 - 5 - 2,5 gr Zyprexa). Die Psychotherapie war schlecht.
Momentan arbeite ich in meinem altem Beruf als Bauingenieur. Da das Baugewerbe nicht sauber von schmutzigen Geschäften ist, möchte ich lieber selbständig (Laden, Buch schreiben etc.) agieren. Wer Anregungen zu einer neuen Existenz hat, der schreibe mir bitte eine e - mail.

Gruß
A...


298
Date: 28 Apr 2003 02:05 GMT
Subject: Leserforum

Schön, dass es diese Seite gibt,
denn es ist sehr hilfreich, über andere psychotisch Erkrankte zu hören, dass man sich wirklich viel zu viel einbildet und sich dabei noch völlig falsch einschätzt...

Über einen Zeitraum von etwa drei Jahren zieht sich nun meine Psychogeschichte hinweg. Werdegang: Cannabis, Schulabbruch, Vertiefung in Haufenweise Esoterikliteratur und intensive, bestätigende Gespräche in unserem damaligen 3er-Bund, Vertiefung in eine subjektive Welt, die durch ständigen gleichzeitigen Haschischkonsum noch viel versponnener und undurchdringbar und unübersichtlicher wurde, über ein halbes Jahr hinweg tägliche Selbstbestätigung im kleinen Kreis, bis zur Flucht aus der Stadt nach einsetzenden Todeswahnparanoia und Rückkehr zu den Eltern im Alter von 19 Jahren, nachdem ich das Gymnasium in der 12. (!) Klasse nach Wiederholung abgebrochen hatte und eben ein halbes Jahr zum Tagträumen, Spinnen und Einbilden in der Stadt war. Die Psychose war am Laufen. Ich versank in ihr, da ich mir ständig Vorwürfe machte wegen Schulabbruch, Verlassen des Freundeskreises und dieser quälenden Stimmen, die ich danach noch regelmäßig und gewohnheitsmäßig über ein halbes Jahr hörte.
(Filmtipp: Das Weisse Rauschen // besser kann man es nicht darstellen)

Dann machte ich meinen Zivildienst und eigentlich lief es wieder gut, ich kam in ein soziales Gefüge und war beschäftigt. Nach Beendigung Auszug in eine kleinere Stadt, wo ich drei Monate kellnerte und auf Anhieb eine schöne, zentrale Altbauwohnung fand. Ich hatte den Vorsatz, meinen Abschluss an einer Gesstaltungs-FOS nachzuholen. Doch bei der Arbeit lernte ich einen Typ kennen, der mich auf eigenartige Weise faszinierte (nebenbei war ich eigentlich wieder ziemlich gesund). Ich lernte ihn etwas näher kennen und wir konnten uns auf dem extrem philosophisch und esoterisch-existentialistischen Level verstehen (doch nur auf diesem) und so entwickelte sich eine eigenartige Bekanntschaft, die schließlich wenige Monate später in einer dramatischen Auseinandersetzung in meiner Wohnung endete, durch meine noch bestehenden Zweifel und Wahnvorstellungen wurde ich Opfer eines privaten Terroranschlags. Durch meine Begeisterung für Schamanismus und Erleuchtungsslehre war ich vom Bann seiner Worte gefesselt und wie eine nachhaltige Hyptnose setzten sie sich in meinem Kopf fest und es war in der folgenden Zeit wie die Krönung einer selbstauferlegten Geistesstörung, welche sich real manifestiert hatte und so wurde ich zum Zeugen einer Angstvorsstellung (Wahnsinniger hat es auf mich abgesehen) die sich so auch ereignen sollte. Es ist zwar glimpflich ausgegangen dennoch war es eine demütigende Szene, die sich in meinem Leben ereignete und nach alldem noch doppelt auf meine Psychose einwirkte.

Genau zur gleichen Zeit, an der Schule, verliebte ich mich noch dazu in einen etwa gleichaltrigen Jungen, der alle Eigenschaften meines gesunden, vor-psychotischen Künstlerlebens zur Schau stellte und eigentlich ein Rettungsring hätte sein sollen, wenn ich mich nicht durch all die Umstände hindurch wie ein völlig schizophrener und verschüchterter, mittlerweile 22jähriger und dazu noch gescheiterter, angespannter (natürlich, nach alldem...) Vollidiot verhalten hätte sodass ich nach unzähligen Fehltagen und Disziplinarausschüssen schließlich vor wenigen Wochen die Klasse habe abbrechen müssen.

Ich muss zugeben, dass ich meine Wahnvorstellungen zwar abgedämpft in diese Schule hineingetragen habe und somit in privaten Luftschlössern lebte, aber dennoch machte ich einen anfangs noch einen sehr aufgeschlossenen Eindruck auf alle Leute. Es entwickelte sich alles wieder sehr gut, bis ich eben von diesem oben erwähnten (selbst arg verstörtem) älteren Psychot attackiert wurde (welcher mich noch dazu verbal sehr verunsicherte: "ich saug dich aus wie ein Spinne!" und solch derbe Sprüche in einer Tour)

Eigenartigerweise htte ich in den letzten Monaten oft das Gefühl, als ob meine Rückenmarksflüssigkeit bis ins Gehirn steigen würde, wie wenn sich ein langer Wurm windet und durch mein Gehirn kriecht. Dies alles zum Thema Einbildung und Realität (synchrone Lebensumstände). Sehr merkwürdige körperliche Gefühle hatte ich und nun, nachdem ich eine Therapie begonnen habe, Medikament nehm und auf den misslungenen Neustart blicke, fühle ich mich sehr leer, meine Stimme singt nicht mehr, sie krächzt eher und ich fühl mich als hätte ich mit dieser Chance (starke Zuneigung zu Schüler, der alle Eigenschaften von mir hat- sehr auffallend ähnlich- mir dennoch nicht helfen konnte) eine wahnsinnig wichtige Möglichkeit verhauen, mein Leben ein für alle mal wieder in den Griff zu bekommen.

Doch ich will Schluss machen mit dieser Hoffnungslosigkeit, denn wenn ich auf meine Talente blicke und auf meine präpsychotischen Erfolge, dann sollte ich mich wieder, sonnig wie früher, unter gleichgesinnte Jugendliche begeben, die wegen keiner noch so schweren Hürde zu kämpfen und zu leben aufhören, denn egal in welcher noch so behinderten situation man sich befindet, JEDER Mensch kann entscheiden ob er schlapp macht oder durchzieht und Glaube ist alles, Beten klärt und hilft, der Weg geht weiter und hat noch sehr viele Überraschungen parat.

Dies alles hat sich von meinem 19.-22. Lebensjahr abgespielt. Momentan fühlt sich mein Kopf manchmal an wie ein schwerer Stein, bei manchen Bewegungen knirscht es, ich fühl mich alt und eingerostet, aber denken, arbeiten, schreiben, reden und fühlen kann ich noch, voll funktionstüchtig wenn auch der Spaß am Leben wohl erst später wieder voll zurück ist, bis dahin muss ich guten Willen zeigen, denn ICH WILL SO NICHT BLEIBEN. Doch wenn ich glaube kann ich mich leiden.

In diesem Sinne allen Gottes guten Segen!

Wer Lust hat, sich mal am Telefon über Erfahrungen zu unterhalten: 0173 / 2129581


297
Date: Fri, 25 Apr 2003 23:05:40 +0200
Subject: Leserforum

hallo lisa,

es ist immer sehr schwierig aus der ferne ratschläge zu geben. du liest dich als, hättest du erklärungs- und wissensnotstand und da könnte ich ewig schreiben, denn psychosen, deren nachwirkungen (negativsymptome), die medikation und die nebenwirkungen laufen immer sehr unterschiedlich ab.
in der klinik deines freundes oder in der dir nächsten psychiatrie sollte es eine angehörigen-gruppe geben, also lauter leute, die in deiner situation sind. zum teil schon seit jahren. sollte dies nicht der fall sein, haben sie vermutlich wenigstens eine broschüre mit informationen und adressen und ratschlägen (krankenkasse etc), die dich auf den neusten stand bringen sollte. wenn nicht, wende dich an die sozialpsychiatrische ambulanz im u.k.e. eppendorf in hamburg, die sollen dir eine schicken.

-ha, hab' sie im netz gefunden http://www.psychiatrie.de/pdf/bock_psysem.pdf
für angehörige http://www.psychiatrie.de/bapk/default.htm

noch ein paar links: literatur http://www.psychiatrie-verlag.de/buecher/247.htm
http://www.stimmenhoeren.de/frames/frameset.htm

noch ein forum http://psychose-erfahrung@yahoogroups.de
was andere so machen http://www.rosapillenknick.de/ryindex.htm

du bist wohl erst mal beschäftigt und ich hoffe, dir ein bißchen weitergeholfen zu haben

liebe grüße von stephanie


296
Date: Fri, 25 Apr 2003 18:34:23 +0200 (MEST)
Subject: an Lisa

Liebe Lisa!

Ich würde dir empfehlen, die "Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis" zu lesen, von Josef Bäuml. Das ist ein sehr einfach zu lesendes Buch für Patienten und Angehörige und -meiner Meinung nach - für alle Formen von Psychosen sehr informativ, auch wenn der Schwerpunkt eben auf den schizophrenen Psychosen liegt.
Dass man seine Meinungen nach einer Psychose sehr ändert, kann natürlich sein, meistens ist es aber so, dass man später die in der Psychose vertretenen Thesen a la "ich bin Jesus" überhaupt nicht mehr vertritt, sondern sich eher wundert, wie man zu solchen Ansichten kommen konnte. Während der Psychose ist man aber leider oft nicht mehr in der Lage, sich von seinen verdrehten Gedanken derart zu distanzieren, dass man erkennt, dass sie psychotisch sind! Was aber wohl oft vorkommt, ist, dass man sich nach einem solchen Erlebnis verändert fühlt in dem Sinne, dass man den Schock irgendwo ja auch erst mal verarbeiten muss. Das ganze Leben wird plötzlich total durchgerüttelt und man muss es sich Stück für Stück erst mal wieder ordnen und sich klar machen - nicht nur rational sondern auch emotional - was einem da passiert ist. Und wenn man das dann so langsam begreift, wird man oft sehr traurig, was durch die Neuroleptika noch verstärkt werden kann, aber die depressive Phase geht auch wieder vorbei. Mich hat das getröstet, wenn mir das bestätigt wurde, das geht vorbei, ist nicht für immer, denn in dem Moment, wo es einem so schlecht geht, kommt es einem so vor, als wär das jetzt für immer und man könnte sich nie wieder freuen.
Auch wenn ich durchaus verstehe, dass dein Freund keine Medikamente mehr nehmen möchte, glaube ich, dass es besser wäre, wobei ich dir leider aber auch nicht sagen kann, wie du ihm das klar machen kannst, wenn er seine Psychose nicht erkennt. Es ist nämlich so, dass die Heilungsaussichten schlechter werden, ja länger man sie unbehandelt lässt. Dazu kommt, dass das Rückfallrisiko in der ersten Zeit danach sehr viel größer ist. Das geht zumindest aus Statistiken hervor.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen,

Liebe Grüße
Bea


295
Date: Fri, 25 Apr 2003 11:28:12 EDT
Subject: (Kein Thema)

Hallo,
ich finde den Beitrag im internet sehr lesenswert. Ich bin vor 6 Jahren das erste Mal an Schizophrenie erkrankt, werde mit zyprexa behandelt (5 mg) und finde dass eine Anerkennung der Krankheit im Berufsleben nach einer Psychose in keinster Weise stattfindet. Ich bin Bauingenieur und bin nach einer starken Arbeitsbelastung das erste Mal krank geworden. Durch starken den Konkurrenzdruck innerhalb der Firma ist für mich der ehemalige Spaß am Brückenbau zu einer echten Qual geworden. Der ewige Leitsatz für Schizophreniekranke "ihren Job zu halten" ist für mich beinahe unerträglich geworden. Wer kann mir Anregungen geben, wie ich meine Ziele " Ein Buch schreiben", eventuell selbständig ( Buchladen komb. mit Musikladen) werden, besser verwirklichen kann. Denn ein Dahinvegetieren in der derzeit stark angeschlagenen Baubranche ist für mich nicht mehr über einen längeren Zeitraum wünschenswert.


294
Date: Mon, 21 Apr 2003 23:24:22 +0200
Subject: (kein Betreff)

Hallo ihr alle!
Mein Freund ist seit etwa 2 Monaten wegen seiner Psychose in einer Klinik. Davor wusste ich überhaupt nicht, dass es das gibt. Bodo, dein Tagebuch hat mir sehr geholfen, das alles zu "verstehen" und auch die ganzen Beiträge im Leserforum. Wenn ich es voher gewusst hätte, hätte ich meinem Freund wahrscheinlich viel ersparen können. Insgesamt, wenn es nur irgendjemand gekannt hätte. Aber das lässt sich leider nicht mehr ändern. Jetzt habe ich auch erfahren, dass es also verschiedene Arten von Psychosen gibt. Hat jemand vielleicht einen Tipp, wo man etwas darüber lesen kann? Und ich habe noch eine Frage: Mein Freund war jetzt über Ostern zuhause. Zum ersten Mal hat er wieder etwas mit seinen Freunden unternommen und es war nicht so toll. Er hat alle Medikamente schon abgesetzt (seit 1 Woche), aber ich habe das Gefühl, das die Psychose noch nicht vorbei ist. Zum Beispiel hat er mir erzählt, er dachte manchmal, er wäre Jesus. Aber er sieht nicht ein, dass das wegen seiner Psychose war. Überhaupt gibt es sehr viele Situationen, bei denen ich und viele andere ihn einfach nicht wiedererkennen. Kann es sein, dass man nach einer Psychose in manchen Dingen seine Einstellung total geändert hat?? Z. Bsp. was die Liebe angeht. Oder ist dann die Psychose noch nicht vorbei? Ich habe das Gefühl, er rennt vor seiner Psychose weg. Vielleicht versteht ja jemand, was ich meine.

Ich wünsche euch allen alles Gute!!
Grüße, Lisa


293
Date: 2003-04-14 22:58:35
Subject: Note Nr.: 289 aus dem Gästebuch

zum beitrag 265

lieber ronald,

kurze zeit hatte ich wohl auch einmal eine psychose. das war zu dem zeitpunkt, als ich christ geworden bin. ich weiß nicht, wie weit du im glauben bist, deshalb nur eine kurze erklärung:

die bibel sagt: trachtet ZUERST nach dem reich gottes, DANACH wird euch alles andere zufallen. der schlüssel zum reich gottes ist JESUS. es genügt nicht, immer nur zu gott um die erfüllung seiner persönlichen wünsche zu beten. gott war immer bei uns, hat uns behütet, aber irgendwann zeigt er dir: es ist soweit, nun bist DU am zug! er will, dass wir jesus kennenlernen und seinen kreuztod annehmen. wie das möglich ist, ist nicht so leicht zu verstehen - und doch so einfach:
erstmal im gebet bitten, auch jesus kennen- und mögen lernen zu wollen.

dann kommt die nächste erfahrung: wir alle haben es nicht geschafft, zeitlebens alle gebote zu halten. haben wir gott immer geliebt und geehrt? wer hat noch nie gestohlen? (und sei es nur bei kleinen schummeleien bei anträgen/versicherung), manche haben die ehe gebrochen, oder gelogen und schlecht über den mitmenschen geredet u.s.w.. die gebote sind fast jedem bekannt.

so sollte man sich in ruhe einmal gedanken machen, was im eigenen leben so schief gelaufen ist, welche fehler (sünden) man begangen hat. man muss sich klar werden, dass es sich hierbei um die verletzung der gebote handelte. gott hat uns doch immer wieder irgendwie behütet, aber wir haben seine gebote nicht gehalten. aus diesem grund könnte man bekümmert werden (buße). auch wenn du es nicht verstehst, bitte durch jesus um vergebung (einfaches gebet in deinen worten) und lass alles sein, was falsch war (umkehr). leider hapert es bei vielen menschen beim sein lassen wollen. sie denken, "ohne" ging es nicht.

aber wenn du das geschafft hast, bist du ein gotteskind und ein wiedergeborener christ (alten sündigen menschen gibt es nicht mehr, neuer mensch nach gottes willen ist "geboren" aus dem geist, das meint die schrift mit wieder- oder neu geboren). als gotteskind werden deine gebete erhört und du wirst heilung erfahren - auch ohne tabletten - . kennst du das sprichwort: so du glaubst, so dir geschieht? das stammt aus der bibel. jesus fragt: willst du geheilt werden? wenn ja, dann vertrau auch, dass er dir dieses geschenk macht. an vielen stellen in der bibel kannst du lesen, dass der GLAUBE an heilung und das vertrauen zu jesus die heilung gebracht hat.

in diesem vertrauen habe ich (sünden abgelegt, wie oben beschrieben) mir damals gesagt: ich habe den geist christi, den heiligen geist, und der ist nicht psychotisch. und ich habe die tabletten in ein paar tagen bis auf null runter reduziert. und seitdem ist alles in ordnung.

ich habe mich mit dieser seite befasst, da ich einige christen und solche, die es werden wollen, kenne, die auch psychosen durchlebt haben. ich habe mir gedanken gemacht, warum das ausgerechnet christen treffen kann. 2. kor. 5, 13 (schlachter übersetzung): denn waren wir je von sinnen, so waren wir es für gott.

im nachhinein bin ich fast froh, für eine kurze zeit erfahren zu haben, was man unter einer psychose alles erlebte. direkt neben der evangelischen kirche ist ein heim für psychisch kranke und einige davon kommen in die kirche. ich bin froh, dass ich als früher betroffener mitreden kann (den juden ein jude geworden) und dass ich nicht nur als unwissender christ da stehe. irgendwie ist man seitdem auch noch sensibilisierter geworden. mein weg führt mich nun zu einigen betroffenen. vielleicht war das der sinn meiner erkrankung, dass ich sie verstehen kann.

da es schon spät ist, habe ich alles recht schnell herunter geschrieben. ich rate dir, lies die bibel (neues testament) und geh mal in die kirche. es kann dauern, aber dort kann man auch viele nette leute kennen lernen. ich schrieb, es kann dauern. manche wünsche erfüllen sich nicht sofort. aber es ist schön, aus der hoffnung zu leben, die da heißt: o.k. gott, wenn nicht heute oder diese woche, dann vielleicht morgen oder nächste woche. diese hoffnung trägt. und gott erhört gebet - nur geduld. hoffnung bringt geduld, geduld bringt bewährung, bewährung lässt aber nicht zuschanden werden, denn gott liebt uns. und weiß für jedes seiner kinder den besten und glücklich machenden weg. steht auch so in der bibel.

ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiter helfen.

gottes segen dir
h.


292
Date: Sun, 13 Apr 2003 18:58:09 +0200 (MEST)
Subject: werners heidrun

Hallo, Werner!

Das mit den Stoffwechselstörungen kann meiner Meinung auch nicht der ganze Hintergrund des Phantoms Psychose sein. Allerdings lassen sich bei psychotischen Menschen in der Tat erhöhte Dopaminspiegel nachweisen, die dann auch mit Neuroleptika gesenkt werden, und ich habe bei meiner zweiten psychotischen Episode auch gemerkt, dass mir mein Medikament geholfen hat, das schlimmste abzuwehren. Und ich denke, dafür sind Neuroleptika auch gut, Symptome bekämpfen.

Aber was mir mindestens genauso sehr geholfen hat, möchte ich dir hier schreiben.

Ich habe kurz nach meiner ersten Psychose eine Psychotherapie angefangen, um einige nicht verarbeitete Erlebnisse, die mich stark belasteten mit professioneller Hilfe endlich hinter mir zu lassen. Es gibt verschiedene Therapieformen, die bei Psychose angewendet, mir hat eine Verhaltenstherapie sehr gut geholfen. Viele brauchen aber gar keine Psychotherapie, das muss man immer im Einzelfall sehen.

Mein Partner hat mir enorm geholfen, indem er so viel wie möglich für mich da war und mich getröstet hat, wenn ich traurig war, mir gezeigt hat, wofür es sich zu leben lohnt, mit mir ewig über meine Zweifel und meine Gefühle geredet hat, wenn er das Gefühl hatte, dass es mir etwas bringt, und mich, wenn ich mich in Gedanken verirrt habe, aus dem Labyrinth heraus geführt hat. Nicht jede Diskussion ist sinnvoll, manchmal hilft Ablenkung mehr.

Meine Freunde haben mir sehr geholfen, indem sie mich besucht haben, mit mir weggegangen sind, auch wenn ich am Anfang nur sehr kurze Treffen aushielt, danach wurde mir das zu anstrengend. Wir sind sehr oft spazieren gegangen, wobei der Wald und die Wiesen mich beruhigt haben. Die Stadt war mir oft zu hektisch, zu unruhig, ich fühlte mich ja selbst schon so aufgewühlt.

Meine Familie hat mir geholfen, indem sie mich nach Möglichkeit nicht allein gelassen haben, ich konnte mich anfangs sehr schwer allein beschäftigen. Ich hatte in meiner Familie immer Gesprächspartner und wusste, es kümmert sich jemand um mich. Und sie haben mich beschäftigt. Ob es nun Essen machen oder die kleinen Schwester aus dem Kindergarten abholen war - ich hatte das Gefühl, ich bin zu etwas nutze und werde gebraucht.

Später habe ich dann gejobbt und hatte das Gefühl, dass ich, wenn ich schon nicht glücklich bin (mein Hauptproblem war nicht die kurze psychotische Zeit, sondern die paar Monate danach, die ich depressiv war) zumindest Geld verdiene und etwas habe, wofür es sich aufzustehen lohnt.

Ich glaube, was das wichtigste für meinen Krankheitsprozess war, war, dass mir sowohl mein Freund, meine Familie, als auch meine Freunde signalisiert haben, dass sie mich lieben und mir beistehen, auch wenn es mir mal beschissen geht. Dass eine Psychose eine Krankheit ist und nicht eine Schande, für die man sich schämen muss, dass man darüber reden kann, und vor allem, dass es danach weiter geht! Meine größte Angst damals war, dass dieser schreckliche Zustand für immer bleiben würde.

Jetzt bin ich Studentin, lebe glücklich mit meinem Freund zusammen, meine Psychotherapie läuft langsam aus, ich merke, dass ich das nicht mehr so brauche, die Medikamente werde ich vorerst weiternehmen, prophylaktisch, wahrscheinlich noch vier Jahre, aber das Thema Psychose ist nur eines der Themen, die mich beschäftigen, spielt noch eine Rolle, sicher, aber momentan in meinem Leben eben eine Nebenrolle und ich bin glücklich.

Lieber Werner, ich hoffe, ich konnte dir damit helfen, deiner Freundin zu helfen.

Bea


291
Date: Tue, 8 Apr 2003 23:31:33 +0200
Subject: neues Leserforum

hallo ihr !!!

schreib euch heut um euch etwas mut zu machen !

seit 4 jahren bin ich nun in medikamentöser behandlung, sprich vor etwa 5 1/2 jahren hatte ich meine erste und bislang gott sei dank letzte psychose - diagnose: paranoide psychose

1 1/2 jahre war i voll drauf, bin jeden tag x mal durch emotionale hochs und tiefs gegangen, ich glaubte messages über zeitung und radio zu bekommen, dachte meine wohnung würde mit kameras überwacht, alles drehte sich um eine nicht erfüllte liebe, bis hin zur angst verfolgt zu werden. starb jeden tag x emotionale tode, ließ mich in meinem wahn scheiden, war mir damals nicht bewußt und auch mein damaliger mann erkannte die krankheit nicht.
meine nächsten familienmitglieder sprich mutter und schwester sehr wohl, doch auch sie konnten mir zum zeitpunkt meiner krankheit nicht wirklich helfen, da ich zuerst nicht einsichtig war. sie mußten so schlimm es klingt meinen zusammenbruch abwarten.

aus meiner sichtweise war ich voll in ordnung und ich dachte mir die anderen haben ja keine ahnung! also ich ließ mich scheiden! zog mit meinen zwei kindern ( damals 10 und 8 1/2) in eine andere wohnung. ein volles jahr war ich dann noch unbehandelt. ich hatte kein problem mich um meine mädchen zu kümmern und ging vorerst noch meinem alten job nach.

dann folgte der zusammenbruch! in form von extremen angstzuständen. ich schaltete die polizei ein und fuhr in einer nacht und nebelaktion mit meinen kindern in einem taxi zu meiner mutter. am nächsten tag fuhren wir in ein landesnervenkrankenhaus.

ich dachte erst zur untersuchung doch es war eine stationäre aufnahme nochdazu in die geschlossene obwohl ich ganz friedlich war. man verabreichte mir truxal und haldol und die ersten tage war ich bewegungsunfähig. die menschen dort kamen mir alle verrückter als ich selber war vor und ich dachte ich befinde mich im falschen film ...a la "einer flog über das kuckucksnest ":) meine füße waren wie blei und ich konnte in den folgenden tagen nur schwerlich normale bewegungsabläufe meistern.

langsam wurde die dosis im krankenhaus reduziert, ich glaub ich war 4 oder 6 wochen auf stationärer behandlung, nach 3 tagen war ich aus der geschlossenen draussen. das war ein horrorerlebnis für mich !!!

heim kam ich mit truxal, weiß die dosierung nicht mehr...

ich ging anfangs noch meinem job nach (halbtags). dann schaffte ich es nicht mehr, denn ich fiel in eine depression. äusserst schwer hatte ich mit dem umstand zu kämpfen in einer nervenanstalt gewesen zu sein. noch dazu anfangs geschlossen. wie würden meine verwandten jetzt mit mir umgehen? meine familie? würden sie mich wieder für voll nehmen? muß ich mich jetzt dauernd als "normal" beweisen?

die medikamente und die depression nahmen mir alle lebensfreude! sicher ich nahm auch an gewicht zu, binnen kürze!! ich nahm meine ganze kraft zusammen raffte mich auf und kontaktierte meinen arzt. meine mutter stand und steht mir immer zur seite sowie meine schwester. mein exmann verstand die welt nicht mehr und mich noch weniger!

ich hatte das gefühl alles verloren zu haben!! mann... haus... garten... job... lebensfreude... ich fühlte mich wie nach einem crash!!!

ich fand mich und meine kinder in einer 2 zimmerwohnung wieder, nachdem ich mann und haus hinter mir ließ.

wir reduzierten die medikamente, ausserdem blieb meine monatliche blutung aus, die sich auch bis jetzt nicht wieder eingestellt hat. in jahresabständen besuchte ich meinen arzt ambulant. wir änderten die medikamente. jetzt nehm ich 50mg solian, die mir aus meiner depression halfen. hatte nie versucht sie in eigenregie abzusetzen.

ich raffte mich auf als meine depression vorüberging und jobbte als putzfrau und schuhverkäuferin, verlor wieder meinen job, ich passte dort nicht hin!!!!

von jahr zu jahr ging es mir besser, doch der erfolg stellte sich erst sehr sehr langsam ein. ich bin von haus aus ein ungeduldiger mensch, doch damals mußte ich geduld aufbringen! nach der behandlung im krankenhaus hatte ich auch immer noch starke konzentrationsschwierigkeiten, konnte auch keine zeitung mehr lesen.

ja, nach etwa eineinhalb jahren nach meiner krankheit (und diesen jobs) folgte eine ausbildung zur screendesignerin (webdesign) über das arbeitsmarktservice und das glück nahm seinen lauf!! fand dannach sofort eine arbeit als multimediadesignerin in einer agentur (das glück war mir hold :) zuerst 8 stunden dann halbtags wegen den mädchen!

ich schaffte das alles mit links!!! ständig hatte ich engsten kontakt zu meiner familie, ohne die ich es sicher nicht so gut geschafft hätte! ohne liebe menschen, die zu einem stehen und die auf dich bauen hätte ich es vielleicht nicht bis hierher geschafft!!
AN DIESER STELLE DANKE!
das umfeld ist unheimlich wichtig!

ich wollte nie eine gesprächstherapie anschließen, hatte keinen bock drauf. ich therapierte mich selber durch meine arbeit die mir unheimlichen spass bereitet, durch die ganzen erfolgserlebnisse, ich bekam so gutes feedback, das machte mich stark!!!

ausserdem entdeckte ich durch meine arbeit den pc, das internet, die grafik, ich kommunizierte auf teufel komm raus und sprühe vor ideen. jetzt bin ich schon seit eineinhalb jahren in der agentur, bilde mich ständig weiter und stelle parallel dazu in meiner freizeit immer neue arbeitsprojekte auf die beine.

ich setze mir große und kleine ziele!

seit einem jahr raffe ich mich auf und versuche kilos wegzukriegen, das stellt sich als äußert schwierig heraus... kaufte mir einen heimtrainer und trainiere jeden tag zusätzlich eine 3/4 stunde, reduziere ziemlich mein essen und trotzdem, es geht äußerst langsam... das nervt!!!

morgen, nach ca 1 3/4 jahren fahre ich wieder zu meinem arzt, ich will ein anderes medikament oder mal ganz ohne versuchen. möchte ihm auch berichten, dass es mir jetzt super geht, i hab mein leben wieder auf der reihe!!!

der aufbau dauerte 4 jahre. ich hatte großes glück mit meiner familie!!! ich hatte großes glück keinen rückfall mehr bekommen zu haben!!!

auch freunde können den platz einer familie einnehmen, menschen & kommunikation sind zur genesung sehr wichtig!!! menschen, die motivieren und hinter einem stehen! ausserdem immer brav medikamente nehmen ;), wenn man sich nicht wohl fühlt wegen den medikamenten den arzt kontaktieren! was neues probieren! das leben muss wieder lebenswert für einen selber werden! ziele haben!

auch ohne partner fand ich meine lebensfreude wieder obwohl ich mir äußerst schwer tat. ich fühlte mich oft allein aber meine familie war und ist ja da und wir telefonieren jeden tag. nun lebe ich schon seit 5 jahren mit meine mädchen allein und fühle mich erst jetzt wieder richtig stark eine beziehung zu einem lieben menschen einzugehen, denn zuerst war ich krank, dann down, zu unattraktiv, zu schwach, zu traurig.

ich will allen mut machen, nicht aufzugeben, geduld mit sich und seiner krankheit zu haben, sich langsam wieder aufzubauen, neuen sinn zu finden, sich zu finden, das leben neu für sich zu finden.

ich mußte alles neu aufbauen, mein leben, mich, meine arbeit, meine hobbies... alles hatte sich nach der scheidung verändert, letztendlich war es gut so.

witzig, zufällig arbeite ich jetzt genau mit diesen medien, die mir in meiner krankheit das leben zur hölle machten.

ich wünsche euch allen viel, viel erfolg bei eurer genesung und viel mut und kraft und viele liebe menschen und dann viel spaß!!!

alles liebe :) ......... j


290
Date: Sat, 5 Apr 2003 19:37:03 +0200
Subject: Leserforum

Hallo!
Ich möchte gerne eine Nachricht an Silke schicken, die so eindrucksvoll von der Psychose ihres Mannes geschrieben hat. Auch ich bin eine Betroffene. Seit sechs Jahren hat mein Mann, immer wieder psychotische Phasen. Momentan leider auch, und zwar ziemlich heftig.
Es hat sich herausgestellt, dass er seine Tabletten (Seroquel) nicht regelmäßig, bzw. gar nicht genommen hat. Und jetzt, stehen wir wieder vor einer Katastrophe. Seinen guten Job hat er in einem Anflug von Höhenflug gekündigt. Unsere Tochter leidet. Das ganze Leben scheint im Moment nur noch Kopf zu stehen.
Daher möchte ich Silke raten, so bitter auch das klingt. Traue dem Frieden nicht. Achte darauf, dass er sich regelmäßig behandeln lässt. Sei stur. Gib nicht dem Wunsch nach, die Tabletten abzusetzen. Die Gefahr eines Rückfalls ist zu groß.
Hinterher ist alles kaputt.
Glaub mir.
Monika


289
Date: Fri, 4 Apr 2003 19:04:01 +0200 (CEST)
Subject: Leserforum

hallo,
ich hatte vor 2 jahren eine Psychose und nehme seitdem Solian, habe dadurch 15 Kilo zugenommen. Nun habe ich von dem neuen Medikament Aripiprazol gehört, bei dem es zu keiner Gewichtsveränderung kommen soll. Gibt es jemanden, der Erfahrung mit diesem Medikament hat? Ist Aripiprazol der Name des Medikaments oder der Name des Wirkstoffes? Wer kann mir helfen? Ich habe auch gehört, dass die Gewichtszunahme unter atypischen Neuroleptika durch die Gabe eines Mittels gegen Magengeschwüre verhindert werden kann. Weiß jemand, wie dieses Medikament heißt und ob es ungefährlich ist?
Vielen Dank und liebe Grüße an alle
Anna


288
Date: Wed, 2 Apr 2003 13:49:00 EST
Subject: Leserforum / Hallo Bodo

Ich schreibe Geschichten um meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Schicke Dir heute die Geschichte "Das zerbrochene Ich" und würde mich freuen, wenn Du es im Leserforum veröffentlichen würdest.

Bin schon lange hier auf Deinen Seiten. Mache weiter so.

Alles Liebe.
Jutta

Das zerbrochene Ich.doc (Wordpad-Dokument)


287
Date: Tue, 01 Apr 2003 01:17:24 +0200
Subject: Leserforum

hallo,

ich habe früher auch solian genommen, allerdings in höheren dosen und habe auch sehr schlecht geschlafen. es war ja auch eine nebenwirkung, daß die muskulatur sich verkrampfte und ich z.b. keine hemden mehr knöpfen konnte. vielleicht ist es das, daß alles verkrampft und dann der schlaf ausbleibt. ich habe gegen diesen krampf akineton und akineton retard bekommen. wenn ich gar nicht schlafen konnte dominal forte. im übrigen nehme ich seit herbst zeldox und schlafe sehr gut, außer ich hab mal wieder die famose idee entwickelt, sie abzusetzen.
im moment bin ich noch inskribiert, aber es geht nichts weiter und geld hab ich auch keins. ich überlege also zu arbeiten. ob vollzeit oder halbtags hab ich mir nicht überlegt. die geldnöte sprechen für vollzeit. ich kann da auch nicht wählerisch sein, weil ich keine ausbildung habe, die schule abgebrochen.

ja,

alles liebe,

iwan


286
Date: Mon, 31 Mar 2003 01:03:52 EST
Subject: Leserforum

Hallo Beate,

ich weiß nicht, ob Du Solian morgens oder abends nimmst. Aber da Solian eine pushende Wirkung hat, sollte man sie am Morgen nehmen (sagt meine Ärztin).

Grüße, Heike


285
Date: Tue, 25 Mar 2003 18:13:33 +0100
Subject: Leserforum

Hallo,
seit Anfang des Jahres arbeite ich in einem neuen Job, der recht anspruchsvoll ist und das erste Mal auch in Vollzeit. Ich habe meine liebe Mühe mit meiner Kollegin, die sehr launisch ist und fühle mich von der Einarbeitung ziemlich überfordert. Ich quäle mich täglich zur Arbeit und versuche darauf zu vertrauen, dass ich diese riesige Menge an neuen Eindrücken und Wissen einigermaßen bewältigen kann. Das Ganztagsarbeiten an sich macht mir keine Schwierigkeiten, aber die psychosozialen Bedingungen machen mir sehr zu schaffen und ich zweifel manchmal daran, ob ich "gesund" genug bin, um das alles zu schaffen. Eigentlich bin ich sehr motiviert. Ich möchte sehr gerne arbeiten und aus finanziellen Gründen geht das auch nur in Vollzeit (Arzthelferinnen verdienen eben sauschlecht).
Bislang hatte ich zwei Psychosen und nehme seit einiger Zeit Solian 350mg tgl. Seitdem ich das Solian nehme (ein dreiviertel Jahr, vorher Zyprexa), habe ich massive Schlafstörungen, die durch den Stress bei der Arbeit nicht gerade besser werden.

Meine Frage:

Hat jemand Erfahrung mit Schlafstörungen unter Solianeinnahme? und Wer hat Lust sich mit mir auszutauschen über die Themen Vollzeitarbeiten und/ oder Stellenwechsel nach Psychoseerfahrung?

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen, vorerst hier im Forum.

Allen einen schönen Frühling....

Beate


284
Date: Fri, 21 Mar 2003 14:00:09 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Leute,

ich hatte zwei Psychosen. Die erste war schlimmer, da sie in Todesängste abtriftete. Ich habe keine Stimmen gehört, sondern das ganze hat sich bei mir auf assoziativer Ebene abgespielt, die wahrscheinlich auch unter dem Einfluß von Antidepressiva manisch überdreht war (Beziehungsdenken, Größenwahn). Ich bewegte mich auf einer symbolischen Metaebene , die mich als Rätsellöser erscheinen ließ. Insgesamt könnte man die erste Psychose in späterem wahhhaften Zustand gut mit einem Traum vergleichen. Die Inhalte kamen aus meiner damaligen Lebensituation: mein aufgehobenes Arbeitsverhältnis, die Beziehung zu meinen geschiedenen Eltern, meine damalige Psychotherapie, die sich damit befaßte. Daher weiß ich, daß meine Psychose einen Sinn machte (genau wie meine Träume) und ich habe sie in mein Leben integriert. Das halte ich auch für wichtig, um mit meiner Psychose umgehen zu können. Ich weiß nich, ob das allgemeingültig ist, aber ich denke schon. Ich kann die Meinung, Psychosen als Stoffwechselkrankheit, die wirres Zeug hervorbringen, nicht teilen. Der Stoffwechsel ist ja auch nich losgelöst von der Psyche des Menschen.

Mein zweite Psychose driftete nicht ins Horrormäßige ab. Ich hatte eine Woche fast garnicht geschlafen und war manisch geworden allerdings wieder nur auf assoziativ-symbolischer Gedankenebene. Ich fühlte mich als Prophet. Beide Psychosen bedeuteten für mich eine starke positive Verbundenheit mit Gott und religiösen Themen. Ich war sehr redselig. Sonst bin ich eher ruhig. Ich konnte aber durch meine Erfahrung mit der ersten Psychose erkennen, daß ich in einem kritischen Bereich und in einer manischen Phase war, was vielleicht eine Gabe von mir ist. Ich war zu der Zeit in einer Tagesklinik und konnte gleich mit Medikamentenumstellung aufgefangen werden. Ich hatte ne tolle Zeit auf der Station, auf die ich mich sicherheitshalber einlieferte. Kiffer auf der Station erzählten mir von ählichem Erleben unter Hasch, was sich bei mir sozusagen kostengünstig nur mit körpereigenen Drogen (wohl auch durch Antidepressiva) einstellte. Sie meinten, wenn ich mich gut fühlen würde, sei die Psychose doch okay. Seit dieser Zeit nehme ich Carbamazepin und Solian. Eigentlich geht es mir ganz gut mit den Medikamenten, aber ich weiß nach einem Jahr nich, ob sie überhaupt was bewirken. Ich fühle mich seit einem Jahr richtig gut und denke, daß liegt eher an meinen Lebensumständen wie Freunden und Aktivitäten als an irgendwelchen Psychopharmaka. Die Psychopharmaka könnten vielleicht Initiatoren und Katalysatoren gewesen sein, aber ich glaube, kein Psychiater weiß genau, was diese Mittel zumal das neue Solian individuell bewirken .

So ist zur Zeit meine große Frage, was passiert, wenn ich die Psychopharmaka langsam absetze. Besonders Solian hab ich in Verdacht für mein hohes Gewicht mitverantwortlich zu sein. Mein Sexualtrieb ist auch ziemlich lahmgelegt durch das Zeug, was ja zeigt, daß das es nicht ganz ohne ist und ein Stück Lebensqualität kostet. Deswegen möchte ich es unbedingt loswerden. Mein Psychiater erzählt was von Langzeitprophylaxe, aber ich möchte lieber Intervallmedizin, sprich wenn ich wieder in eine Krise komme, kann ich das Zeug ja immer noch einwerfen. Hat jemand Erfahrungen oder Wissen hierzu? Zu Carbamazepin kann ich nur erwidern, daß ich bis auf die zwei manisch-psychotischen Episoden nur depressiv war, also wohl kaum als manisch-depressiv anzusehen bin, wogegen das Mittel wirken soll. Oder kennt jemand nen andern Zweck von Carbamazepin bei Depressionen?

Soweit aus meinem Leben. Hat jemand ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht? Ich will nie wieder in die Psychiatrie. Wenn ich nochmal ein Krise kriegen sollte, will ich sie mit meinen Freunden und ambulanter medikamentöser Therapie meistern. Ich will nur im Ernstfall Psychopharmaka nehmen.

Euer Niels


283
Date: Wed, 5 Mar 2003 14:37:00 EST
Subject: Leserforum

Ich habe auch diesen Bericht gelesen....
Seit Jahren bin ich hier im Chat und unter Leuten. Ich hatte auch schon einmal einen Eintrag gemacht vor längerer Zeit.

Ich weiß heute, das ich ein Mißbrauchsopfer bin. Psychose wird für mich langsam total unrelevant, da sich die Ursache des ganzen Leidens mir zeigt, durch eine Psychotherapie, die ich mache. Tabletten nehme ich für mein empfinden, nur noch um die Emotionen nicht explosionsartig rauskommen zu lassen. Ich weiß, ich bin nicht Schizophren, mögen die Ärzte doch denken was sie wollen. Ich lasse mir nichts mehr sagen und habe angefangen auf mein innerstes zu hören. Das ist etwas, was ich in meinem ganzen Leben noch nie getan habe. Und das wird mich in die Freiheit führen.....frei von Medis, frei von Angst vor Menschen.....

Jutta


282
Date: Wed, 5 Mar 2003 14:31:28 EST
Subject: Leserforum

Hallo Bodo,

war inzwischen auch in einem anderen Chatroom und fand es sehr nett, das dort smiliys angeboten wurden. Einfach um Worte und Empfindungen manchmal zu ersetzen.

Wäre mein Vorschlag um den Chat etwas aufzupeppen.

Alles Liebe.
Jutta

Bodo:
Hallo Jutta, der Chat ist ein Angebot einer anderen Firma im Netz - auf die Programmierung habe ich leider keinen Einfluss. Vielleicht helfen Dir diese Smilies hier... :-) :-( *grins* :-)))


281
Date: Tue, 4 Mar 2003 19:23:59 EST
Subject: Leserforum

Hallo, meine Name ist Werner.
Ich habe vor längerer Zeit eine Beziehung zu einer sehr liebenswerten Frau gehabt. Leider war sie war verheiratet, ich auch. Die Beziehung war sehr intensiv und wunderschön. Ich war bereit alles aufzugeben und mit ihr ein neues Leben anzufangen (auf deutsch Scheidung). Sie hat auf Rücksicht ihrer Kinder letztendlich und schweren Herzens sich anders entschieden, obwohl die Beziehung zu ihrem Ehemann katastrophal war. Inzwischen ist sie geschieden. Mein Hinweis damals "lieber eine Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende" hatte nichts genutzt. Heute hat sie trotzdem ein Ende mit Schrecken. Wir hatten danach noch telefonischen Kontakt und haben uns auch zweimal getroffen, zuletzt 1994, danach nicht mehr. Letzte Woche haben wir uns wieder getroffen. Ich war geschockt. Auf der Straße, also rein zufällig hätte ich sie nicht mehr wiedererkannt. Nur der Blick in ihre Augen haben mir gesagt, das ist meine Heidrun. Sie hat mir erzählt, dass sie 1989 eine Psychose gehabt hätte. Ich muss dazu sagen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt wenig über Psychosen gewusst habe. Ich habe versucht mich im Internet über Psychosen zu informieren, was mir aber bis auf Behandlung der Symptome nicht viel gebracht hat. Ich bin zufällig auf Ihr Forum gestoßen und habe etliche Briefe von Betroffenen gelesen und weiß jetzt mehr über diese Krankheit. Zunächst nimmt man Medikamente gegen Psychosen (in diesem Fall Nipolept und weil dadurch Depressionen hervorgerufen werden nimmt man noch Saroten) das kann es doch nicht sein. Oder?. Heidrun hat mir gesagt sie hätte Stoffwechselstörungen im Gehirn (lt. Aussage des Arztes) und das wäre der Auslöser. Was ist das für eine Aussage? Wenn man Stoffwechselstörungen im Gehirn vorher wohl nicht hatte, alldieweil man gesund war, stellt sich die Frage, haben die vorher nicht bekannten Stoffwechselstörungen die Psychosen ausgelöst, oder die Psychosen die Stoffwechselstörungen? Seelische Krankheiten sind ja in der Regel genetisch bedingt, also in der Familie schon vorgekommen. Dies trifft in diesem Fall nicht zu, das heißt es hatte wohl umweltliche Ursuchen wie Stress, familiäre Probleme usw..

Könnt Ihr mir sagen, wie man die Ursachen dieser Krankheit bekämpfen kann und nicht nur die Symptome. Viele der so genannten "unheilbaren Krankheiten" sind heilbar, ich meine jetzt nicht Wunderheilungen. Ich hätte gerne von ehemals Psychoseerkrankten gewusst wie sie ihre Krankheit bekämpft (anders geht es nicht) haben. Zum Schluss noch ein Paar Worte zu mir. Ich bin 63 Jahre alt, hatte im jugendlichen Alter von 18 bis 21 Jahren auch eine so genannte unheilbare Krankheit und Neuroleptika oder so ähnliche Medikamente eingenommen. Ich habe die Krankheit nicht akzeptiert, mich dagegen gewehrt und bin seit über 40 Jahren völlig gesund, nur damit Ihr nicht meint ich wäre ein Traumtänzer.

Ganz zum Schluss möchte ich noch sagen, ich liebe diese Frau immer noch, egal wie sie heute aussieht und ich würde alles tun um sie aus diesem Teufelskreis zu befreien.


280
Date: Tue, 4 Mar 2003 13:11:29 +0100
Subject: Leserforum

Hallo! Seit circa einem Jahr bin ich regelmäßige Besucherin dieser informativen und hilfreichen Seite. Als Ehefrau eines Betroffenen möchte ich Euch heute unsere Geschichte erzählen.

Es traf uns völlig unvorbereitet, als mein Mann im Oktober 2001 an einer akuten Psychose erkrankte. Auslöser dafür waren letztendlich die Anschläge vom 11. September, da sie auch einen zentralen Punkt seiner Ängste bildeten: Verfolgung durch die CIA, Gasgeruch, Abhörterror, Todesangst.

Ich merkte relativ schnell, was sich abspielte, da ich bereits einmal bei einem Freund eine drogeninduzierte Psychose miterlebt hatte. Mit Hilfe meines Schwiegervaters und Schwagers brachten wir meinen Mann in die Psychiatrie. Dort bekam er 15 mg Fluanxol und 125 mg Taxilan, schlief auf der Stelle ein und als er aufwachte, war der Spuk vorbei. Die Ärzte diagnostizierten eine Angst-Glück-Psychose (schizoaffektive Störung) und entließen ihn nach einer Woche. Eine weitere Woche später saß er wieder am Schreibtisch. Obwohl ich lange, ausführliche Gespräche mit den Ärzten im Krankenhaus geführt hatte, wiesen sie mich zu keiner Zeit darauf hin, wie wichtig es sei, die Medikamente mindestens ein Jahr lang zu nehmen, um einen Rückfall zu vermeiden. Auch der weiterbehandelnde Arzt war mehr daran interessiert, von seinen Golfturnieren zu erzählen, als meinen Mann zu behandeln und zu informieren. Kurz und gut, vier Wochen später setzte mein Mann die Medikamente ab. Er hatte mittlerweile zu einer Nervenärztin gewechselt, und diese gab ihren Segen dazu. Sie meinte, wenn er sich schlecht fühle, solle er das Fluanxol „halt wieder nehmen“(!)

Vier Monate später war es soweit: Wieder über Nacht kündigte sich die nächste Psychose an. Ich bemerkte die Anzeichen sofort, und bevor die Ängste richtig ausbrechen konnten, saß mein Mann schon in der Praxis und bekam eine Depot-Spritze Decentan. Der Anfall wurde abgefangen, eine Woche später arbeitete er wieder.

Nach sechs Wochen kam die eigentlich schlimmste Zeit: Die postpsychotischen Depressionen in Form von Niedergeschlagenheit, Grübeln und vor allem innerer Unruhe. Nur leider stellte der Arzt (es war mittlerweile der vierte) dies nicht sofort fest, sondern meinte, mein Mann steuere auf die nächste Psychose zu. Er knallte die Dosierung gnadenlos hoch: täglich 10 mg Fluanxol, 4 mg Risperdal, 175 mg Taxilan. Mein Mann wurde zum willenlosen Zombie, die innere Unruhe jedoch blieb. Irgendwann erinnerte ich mich, dass er zu Beginn der Behandlung vorübergehend Akineton gegen die extrapyramidalen Störungen eingenommen hatte, und dass eine Nebenwirkung davon die euphorische Stimmung war. Ich schlug vor, es nochmals mit Akineton zu probieren. Der Erfolg war durchschlagend: besseres allgemeines Empfinden, die Unruhe wie weggeblasen. Der Arzt gab mehr oder weniger zu, sich in der Diagnose geirrt zu haben, reduzierte die Medikamente erheblich und verschrieb zusätzlich Fluoxetin als Antidepressivum. Im Juni 2002 nahm mein Mann nach zwei Monaten Krankschreibung sein Arbeitsleben wieder auf. Anfangs logischerweise sehr unsicher, von Woche zu Woche aber mit mehr Selbstvertrauen. Sein Chef und die Kollegen wissen übrigens bis heute nicht, woran er litt. Mein Mann hatte als Diagnose stressbedingte Angst- und Panikattacken angegeben, was in seinem Arbeitsumfeld (er ist Unternehmensberater) ohne viel Nachfragen akzeptiert wurde.

Heute hoffen/denken wir, es ist vorbei. Wir sind nicht so naiv, zu glauben, dass eine Psychose nicht wieder auftreten kann, aber momentan fühlt sich mein Mann durch die 4-wöchige Fluanxol-Spritze (1ml, 2%) geschützt. Er fühlt sich wohl. Die fünf Kilo, die er zugenommen hatte, wurde er durch das Fluoxetin und Joggen schnell wieder los. Er sieht ein, dass er die Medikamente mindestens noch ein Jahr lang nehmen muss, zur Sicherheit eher länger. Das Akineton und das Fluoxetin hat er mittlerweile absetzen können.

Wir alle und besonders mein Mann sind durch die Hölle gegangen. Und trotzdem hat uns die Erkrankung weitergebracht: Die ganze Familie samt Eltern und Geschwistern ist näher zusammengerückt. Wir wissen nun, was Freunde wirklich wert sind. Wir stressen uns nicht mehr rein wegen Kleinigkeiten und genießen das Leben bewusst und jeden Tag aufs Neue.

Es macht mich nur jedes Mal traurig und wütend, wenn ich sehe, wie psychische Erkrankungen und die davon Betroffenen in der Öffentlichkeit und in den Medien abgestempelt werden, und welch falsches Bild gezeichnet wird.

Mir würde noch viel mehr am Herzen liegen, z.B. Einnahmedauer der Medikamente und Rückfallwahrscheinlichkeit, Verarbeitung des Erlebten in Therapien, richtige Arzt- und Medikamentenwahl, etc., worüber ich schreiben könnte, aber das lasse ich für ein anderes Mal.

Danke für Euer geduldiges Lesen!

Viele Grüße

Silke


279
Date: Thu, 27 Feb 2003 07:30:24 +0100
Subject: Mein Bericht an das Forum

Hallo liebe Leute,
bitte veröffentlicht meinen angehängten Bericht unter dem Titel "Meine Quälgeister" im Forum.

Vielen Dank und viele Grüße
M.

Bericht über meine Quälgeister.pdf


278
Date: Sat, 22 Feb 2003 12:36:17 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

Hallo Leute,

bin dem Hinweis von Tim gefolgt, und habe mir, trotz des etwas merkwürdig formatierten Textes auf der angegebenen Website, das Buch von Peter R. Breggin gekauft. Dies gibt es in 2 verschiedenen Auflagen von 1996 und 1997. Ich habe mich für die ältere entschieden, kostet 14.90 Euro. Bin zwar noch nicht ganz durch, aber der Abschnitt über Schizophrenie (die ersten ca.170 Seiten) liest sich doch viel entspannter als der Zusammenschnitt auf der Website. In Hinblick auf Seriosität hätte es der Website gut gestanden, wie Breggin zweimal in seinem Buch, auf die Gefahren eines zu schnellen Absetzten von Psychopharmaka hinzuweisen. Als Kritikpunkt am Buch selbst sei angemerkt, dass Breggin ab und an von Missbrauch (vgl. auch die Website, Abschnitt S.66) spricht, ein Wort mit negativer Konnotation, das den Fokus auf den Inhalt des Buches nur unnötig irritiert. Für mich deshalb nicht nachvollziebar, da Breggin sonst im Zusammenhang eventueller Ursachen der Schizophrenie von Demütigung spricht, was in meinen Augen die Sache besser weil allgemeiner beschreibt. Alles in allem ein Buch sehr konträr zum allgegenwärtigen Meinungs-Mainsteam, dem auch ich ausgesetzt bin. Deshalb würde mich durchaus auch eure Meinungen interessieren. Was die Sache mit den Psychopharmaka angeht, so sehe ich das ganz arbiträr, soll heißen falls es wieder mal losgehen sollte, werde ich auf eine chemische Lobotomie wohl wieder zurückgreifen müssen.

gruß Markus


277
Date: Fri, 21 Feb 2003 12:47:23 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

Hallo, zusammen!

Ich habe gerade den von Tim empfohlenen Artikel von Breggins gelesen - und ich stelle mal wieder fest, wie verwirrend doch die ganzen widersprüchlichen Informationen sind, die man über Medikamente bekommt. Vielleicht liegt es ja auch an mir, ich weiß es nicht, aber ich habe so oft das Gefühl, dass man im Prinzip über Neuroleptika gar nichts weiß!

Wisst ihr, dann lese ich hier, dass es nachgewiesen wurde, dass die Rückfallquote bei Medikamenteneinnahme wesentlich geringer ist, als ohne, dann lese ich dort wieder, dass im Experiment mit Placebos der gleiche Effekt bewirkt wird. Die einen erzählen dir davon, dass Neuroleptika selbstverständlich so wirken, dass Dopaminrezeptoren blockiert, oder meinetwegen "reguliert" werden, die anderen sprechen dagegen und erklären dir, dass das ja alles nur wilde Spekulationen seien. Hier heißt es, bei atypischen Neuroleptika sei das Risiko einer Spätdyskinesie super gering, dort wird wieder davor gewarnt. Dann lese ich, dass eine Psychose ausgelebt werden muss, um ausheilen zu können, also medikamentös nicht beeinflusst werden darf, sonst kommt sie wieder. Psychotherapien helfen laut konservativen Gutachtern bei den Krankenkassen bei Psychosekranken sowieso nicht, weil das Psychoseerleben nicht nachvollziehbar und damit nicht therapierbar ist, andererseits wird einem dann wieder geraten, sich doch mal in Therapie zu begeben, um die ganzen Dinge aufzuarbeiten, die die Psychose hervorgerufen haben. -HALLO???

Ich finde es jedenfalls sehr unangenehm, in diesen Topf von sich gegenseitig widersprechenden und vernichtenden Aussagen geworfen zu werden und nur noch raten zu können, was nun der Realität entspricht und was andere Hintergründe hat, wie zum Beispiel, dass man friedlich und compliant bleibt und den Pharmakonzernen das Geld in den Rachen spielt, dass sie mit ihren hochgelobten Medikamenten verdienen. Ich muss ganz ehrlich sagen, mich ärgert dass, dass es anscheinend keine vernünftigen Beweise für die Wirksamkeit von Neuroleptika gibt.

Ich meine, okay, man könnte so argumentieren, dass man ja selbst die Erfahrung gemacht hat, die Psychose ist ja weggegangen, also, klarer Fall, die Medis wirken - aber andererseits, woher weiß man, dass es die Medikamente waren? Wenn man mal bei Esquirol, zum Beispiel, liest, der so um 1850 "Geisteskranke" behandelt hat, dann hört sich das vom Erfolg her, nicht so anders an, als es jetzt in Psychiatrien läuft, obwohl die Methoden damals doch grundlegend anders waren. Jedoch wurden Patienten auch "geheilt".

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich die 50mg Sulpirid, die ich täglich wie die Pille nehme, nicht beeinträchtigen - aber eine Wirkung spüre ich auch nicht wirklich. Angeblich ist die Wirkung nach 2 und 8 Stunden am größten - ich merke nichts davon. Ich könnte also sagen, na gut, wenn ich keine Nachteile davon habe, nehm' ich die Medis halt - aber wenn ich auch keine Vorteile davon hätte, könnte ich es auch lassen, nicht? Zumal man andauernd von Spätschäden hört. Ich will jetzt nicht dafür argumentieren, keine Medikamente mehr zu nehmen, bestimmt nicht, ich möchte nur mal klar machen, dass ich nicht das Gefühl habe, dass man als PsychoseerfahreneR überzeugend informiert wird. Oder wenigstens die Möglichkeit hat, sich selbst ausreichend glaubhafte Informationen beschaffen zu können.

Das ist zumindest mein Eindruck. Ich lasse mich aber gern eines besseren belehren...

Ach, und Bodo - mir hat deine Moni ja sehr gut gefallen, ich finde es wirklich schrecklich, wenn einem in irgendwelchen Frauenzeitschriften suggeriert wird, dass man, um seine Traumfigur zu erreichen und damit das große Glück, das einem ansonsten versagt wird, wenn man nur "normal" ist oder sogar einige Kilos zuviel auf die Waage bringt. Aber wenn man durch Medikamenteneinnahme so massiv zunimmt, kann einen das schon ganz schön fertig machen.

Bei mir war es so, dass ich unter Impromen (Bromperidol) in den vier Monaten, die ich das Zeug nehmen musste, weil meine Ärztin mich trotz Nebenwirkungen ohne Ende nicht auf ein anderes Neuroleptikum umsteigen lassen wollte, 10 kg zugenommen habe, was an sich überhaupt nicht tragisch gewesen wäre, da ich vorher eher schlank war, und mit 10 kg mehr immer noch "normal". Was mich also fertig gemacht hat, war nicht so sehr das mehr an Gewicht, sondern viel mehr, dass ich das Gefühl hatte, mich nicht mehr richtig im Griff zu haben, weil ich Unmengen gegessen habe, bis mit schlecht war und dann immer noch mehr. Ich war zu der Zeit depressiv und hatte teilweise das Gefühl, nichts machen zu können, als zu essen. Das war so eine Art Ersatzbefriedigung, wenn man es von der Tatsache absieht, dass es nicht im Geringsten "befriedigend" war, sich voll zu stopfen, bis zum Geht-nicht-mehr, es hat höchstens die Leere ein wenig gefüllt. Ich weiß nicht, ob diese Essstörung wirklich von dem Impromen kam, oder von der Depression, letztendlich ist es ja auch egal, woher das jetzt genau kam. Jedenfalls hatte ich dergleichen noch nie erlebt und war wahnsinnig frustriert über das, was da mit mir passierte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich das war, die so viel aß, eher, dass irgendetwas in mir mich immer wieder dazu trieb, bis mir schlecht war und ich mich kaum mehr bewegen konnte. Als wäre das eine Strafe, etwas, das ich tun musste. Mit der Umstellung auf Sulpirid verschwand die Depression mitsamt der Essstörung, als sei nie etwas gewesen. Innerhalb weniger Tage. Ich habe dann keine Diät gemacht oder sonst was, einfach ganz normal gegessen und einmal die Woche Sport. Und ein paar Monate später fühlte ich mich wieder ganz "ich" in meinem Körper. Eigentlich ist also alles wieder gut, aber ich habe trotzdem das Gefühl davon einen "Schaden" bekommen zu haben: Früher habe ich mir um mein Gewicht so gut wie nie Gedanken gemacht, ob es ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger war, es war einfach egal. Jetzt achte ich darauf, wiege mich regelmäßig, finde mich zu dick oder zu dünn, obwohl ich weiß, dass es im Prinzip einfach nur albern ist und Zeitverschwendung über so etwas nachzudenken... Es geht dabei auch nicht wirklich um das Gewicht, eine abstrakte Zahl auf einem Messgerät, sondern mehr um mein Selbstwertgefühl, beziehungsweise den Mangel daran.

Ich wünsche euch allen da draußen, dass ihr euch mögt, so, wie ihr seid.

Einen lieben Gruß sendet euch

eure Bea


276
Date: Tue, 18 Feb 2003 10:03:41 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

Hallo Ronald,

ich finde, dass du hannover.love doch ganz pragmatische und unaufgeregte tips gegeben hast, wie man sich in beruf und freizeit verhalten kann. Was den religiösen bereich angeht ist die sache in der tat nicht so ganz einfach. Ralf erwähnte in artikel 251, dass er in der bibel liest, aber dabei ist man wahrscheinlich ziemlich alleine.
Vielleicht sollte man bei diesem thema genauso pragmatisch und ruhig vorgehen, und die 'kirche im dorf lassen', sprich einfach mal einen gottesdienst besuchen. Man muß ja nicht gleich an der liturgie teilnehmen, aber da sieht man dann wenigstens auch andere. Und was die kosten betrifft, beläuft sich das auf den betrag, den du freiwillig in den 'klingelbeutel' wirfst. Vielleicht hilfts.

Gruß Markus


275
Date: Mon, 10 Feb 2003 18:48:49 +0100
Subject: Leserforum

>>> Es gibt einen neuen Wirkstoff! Aripiprazol
... und damit vielleicht auch bald ein neues besseres Medi !

Zu den Eigenschaften
... keine Gewichtszunahme sondern -Abnahme
... es wird nicht nur das Dopaminsystem sondern auch das Serotonin- system 'reguliert'
... und nicht 'blockiert' wie bei den vorherigen Medis
... Verbesserung der cognitiven Fähigkeiten

Falls ich das Medi vertrage werd ich baldmöglichst drauf umsteigen, da es das erste ist das nicht nur das Dopamin sondern auch das Serotonin reguliert ... das scheint mir ein wesentlicher Fortschritt, sollten die Ankündigungen stimmen... das Medi soll im Laufe von 2003 auf den Markt kommen....

Info-Quelle: eine Fachzeitschrift aus dem Thieme-Verlag

Sobald einer von euch erfahrungen mit dem medi hat, würde ich mich über eine kurze mail an
pekuso@logstoff.com
freuen.


274
Date: Thu, 6 Feb 2003 06:49:34 -0800 (PST)
Subject: Leserforum

Hallo zusammen,

Ich möchte euch diesen Artikel ans Herz legen: http://home.tiscali.de/alex.sk/D_Breggin.html
Vor allem der Abschnitt über "Lobotomie" ist ziemlich interessant.

Tim


273
Date: Mon, 03 Febr 2003 10:00:00 +0100
Subject: Ein Gedicht für das Leserforum

Monikas Diät

Moni aß, soviel sie wollte,
auch mal Kuchen, auch mal Wurst,
es gab keinen, der da grollte,
wenn sie trank den Wein zum Durst.

Einmal las sie im Journal,
der Body-Mass-Index sei gut,
um zu schätzen ganz pauschal
ihr Gewicht in absolut.

Sie rechnete und war erschrocken,
bei der 30 war die Zahl,
Moni konnte nicht frohlocken,
denn ihr Gewicht war nicht normal.

Um zu verlieren ihre Pfunde,
aß sie nun 'nen Pulverbrei,
sie wog sich jede 2. Stunde,
tatsächlich nahm sie ab dabei.

Nach 3 Wochen dieser Qual,
der Zeiger rückte sich nicht mehr,
der Brei, der schmeckte nur noch schal,
solch Diät fiel furchtbar schwer.

Moni fasste den Entschluss,
zu essen wieder, was ihr schmeckt,
lieber dick, als nur Verdruss -
10 Kilo mehr sind kein Defekt.

Und eigentlich lebt sie gesund,
sie raucht nicht und trinkt Alkohol in Maßen,
geht oft spazieren mit dem Hund
durch den Park und durch die Straßen.

Würde Rubens sie heut sehen,
er würd sie malen gleich ganz fleißig,
würd nicht die Augen sich verdrehn
nach Kleidergröße achtunddreißig.

(Bodo)


272
Date: Fri, 31 Jan 2003 23:06:07 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Allerseits,

ich habe mich eine Zeitlang nicht gemeldet. Mir geht es soweit eigentlich recht gut und ich bin dabei mein Leben wieder aufzubauen.

Ich wollte nur Heike warnen. Wenn Du diese *Kohlsuppen* Diät machst, pass auf das Du nicht der Illusion erliegst abzunehmen, dabei ist es nur Wasser und Muskelmasse die Du abnimmst. Beinahe jede Diät hat diesen Effekt. Eigentlich nimmt man höchstens 0.5 -1 kg Fett die Woche ab und alles andere ist Raubbau und Abbau von Muskelmasse. Dein Körper muß richtig ernährt werden sonst greift er die Muskulatur an. Erkundige Dich beim Arzt.
Hau Ruck Diäten bringen nur Ärger !!!

Ich sage Dir das nur damit Du nicht in die JoJo Falle kommst. Ich habe mit meiner medizinisch überwachten Diät 20 kg abgenommen und es war ein hartes Stück Arbeit. Ich will nochmal 10 kg abnehmen und arbeite hart daran.

Heike, Ich finde es toll wie Du Dein Leben gemeistert hast. Das gibt echt Mut!!! Es ermutigt mich auch mehr von mir zu fordern und mehr zu wagen. Manchmal läßt man sich echt hängen und schafft nichts richtig.

Aber ich muß sagen, seitdem ich seit einem Jahr auch nur noch 150mg Solian (statt 300mg) nehme läuft mein Leben auch viel besser. Wenn man stabil ist sollte man wirklich versuchen so wenig wie möglich an Medikamenten einzunehmen. Die Mediziner wissen auch nicht alles. Jeder ist individuell und einzigartig und braucht etwas anderes. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

Viele Grüße
D.Angel


271
Date: Wed, 29 Jan 2003 11:26:49 EST
Subject: Leserforum

Hallo,

ich habe vor ca. 1 Jahr einen Eintrag gemacht, da ging es mir noch ziemlich schlecht, innere Leere, keine Lebensfreude, allgemeine Lustlosigkeit......
Heute glaube ich, dass es Depressionen waren und man irgendwie gar nichts dagegen machen kann, außer abwarten. Ich habe es auf die Medikamente geschoben, aber ich nehme heute immer noch welche (150 mg Solian - vor 1 Jahr 400 mg) und ich muss sagen, mir geht es ziemlich gut. Vielleicht hat mir auch die Arbeit geholfen schneller zu gesunden. Ich bekam vor ca. 2 Jahren eine Psychose, war 7 Wochen im Bezirkskrankenhaus und wollte dann entlassen werden. Doch daheim fiel mir regelrecht die Decke auf den Kopf, ich konnte mich zu gar nichts aufraffen und alles kostete unheimliche Mühe (ich habe einen Mann und 1 Sohn mit 11 Jahren), ich konnte mich auch mit nichts beschäftigen und Ansprache hatte ich auch keine. Ich beschloss mir irgendeine Arbeit zu suchen und landete halbtags im Verkauf. Die Arbeit kotzte mich total an, doch ich dachte, lieber irgendeine Beschäftigung als daheim nur rumzusitzen. Im nachhinein glaube ich, dass es gut ist sich irgendeine Arbeit zu suchen, egal was, damit man einen strukturierten Tag bekommt und sich ein bißchen am Riemen reißen muss. Die Tätigkeit im Verkauf machte ich ein halbes Jahr und dann stand ich beim Arbeitsamt auf der Matte, dass die mir einen Wiedereinsteigerkurs für kaufmännische Berufe finanzieren (ich hatte früher eine Ausbildung im Büro gemacht). Ich machte dann also halbtags den Kurs und war sogar eine der Besten (trotz Medis) und gleichzeitig fing ich mit einer Verhaltenstherapie an. Mein Therapeut riet mir dann, eigene Verantwortung für mich zu übernehmen und die Medis zu reduzieren (meine Ärztin meint immer noch ich nehme 400 mg). Nachmittags ging ich dann 3 - 4 pro Woche in ein Fitness-Studio, da ich nachmittags immer noch nicht besonders viel mit mir anfangen konnte. Immer Sommer letzten Jahres war dann der Kurs beendet und ich bekam dann gleich eine Stelle im Büro, die mir eigentlich ganz gut gefällt, obwohl es manchmal ziemlich stressig zugeht. Alles in allem glaube ich, dass es gut für die Gesundung ist zu arbeiten, auch wenn es bloß ein paar Stunden in der Woche ist. Die innere Leere, Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit sind jetzt total weg und wenn ich jetzt etwas mache, macht es mir richtig Spaß. Mein einziges lächerliches Problem ist momentan nur noch mein Gewicht. Ich habe fast 20 kg zugenommen - fällt zwar nicht so auf, weil ich in der Psychose ziemlich abgemagert bin, aber trotzdem stört es mich. Momentan mache ich gerade eine "magische Kohlsuppen-Diät" (Buch gibt`s im Buchladen für 6 Euro). Geht zwar langsam mit dem Gewicht - 2 kg in 7 Tagen - aber ich habe mir bis zum Sommer Zeit gegeben.

Nun wünsche ich allen, die noch im dunklen Loch stecken - Kopf hoch, es wird wieder besser, auch wenn es nur langsam geht!

Ciao, Heike


270
Date: Fri, 24 Jan 2003 21:14:17 +0100
Subject: Leserforum

hallo,

ich bringe eigentlich nichts mehr zsamm`. wenn ich aus dem haus gehe, dann für lebensmittel oder einmal die woche arzt. für betreute wohngemeinschaft findet sich kein platz, im patientencafe der städtischen psychiatrie, meint er, auch nicht, jetzt soll ich bei einem verein vorsprechen, der meine freizeit mit mir gestaltet. das ist wenigstens etwas. wie er von chronischer hebephrenie gesprochen hat, war ich traurig, weil es mich alles an meine verlorene lebensmomente erinnerte. ich gebe die hoffnung aber nur nach und nach auf und jetzt interessiere ich mich für homöopathie. hat jemand erfahrung mit so etwas? kann das helfen?

alles liebe,
iwan


269
Date: Mon, 20 Jan 2003 09:46:06 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Bewerberpage@aol.com, Nr 266 oder wie immer du genannt werden willst,

ich möchte dich zwar nicht beunruhigen, aber vor meiner 2. psychose war es bei mir genauso. Man fühlt sich total super, ist aber leider nur ein hypomanischer zustand.
Und durch antidepressiva, hungerdiät und weitere medikamentenreduktion wirst du die situation weiter verschärfen. Irgendwie paradox, dass du das überhaupt machen willst, da du doch mit deiner dosis und deinem gewicht angeblich erst mal zufrieden bist. Die trennung von einem partner solltest du nicht auf die leichte schulter nehmen, man kann da unter umständen komisch reagieren. Ich würde dir daher den rat geben, deine dosis eher mal zu erhöhen, schadet nicht viel, kann aber schützen.

Gruß Markus


268
Date: Sun, 12 Jan 2003 06:51:57 +0100
Subject: Antwort an Ronald

Hallo Ronald,

vielen Dank für Deine Kommentare zu meinen Berichten. Du sprichst religiöse Fragen an. Da solltest Du Dich an einen christlichen Psychotherapeuten wenden, z.B. der Schule IGNIS. Auch evangelische Freikirchen können Dir sicherlich einen empfehlen. Allerdings musst Du ihn selbst bezahlen. Vielleicht gibt es auch Seelsorger, die einige Male gratis mit Dir reden. Oder Du besorgst Dir Bücher über christliche Psychotherapie und Seelsorge. Aber halte Dich von Fundamentalisten fern, die selber paranoid sind und Dir sofort dämonische Belastungen unterstellen. Sie haben schon einige Leute irre gemacht.

Viele Grüße
Hannover.Love@web.de


267
Date: Sat, 11 Jan 2003 11:56:23 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Tillmann,
ich denke vielleicht genauso wie du.

Gruß Markus


266
Date: Wed, 8 Jan 2003 13:56:43 EST
Subject: Leserforum

Hallo erstmal. Ich melde mich nun wieder. Mein letzter Eintrag war im Zeitraum 1999 bis 2000. Damals war ich noch unter der alten e-mail-Adresse: Dreamy@coupemail.de zu erreichen. Leider gibt es diese nicht mehr. Ja genau ich war der Homosexuelle mit der Schizophrenen Psychose. Also meine neue e-mail-Adresse lautet: Bewerberpage@aol.com. Ab sofort bin ich dort zu erreichen. Nun zu mir. Wie ich in meinem letzten Eintrag mitteilte wechselte ich auf Solian 200mg. um. Und stellt Euch vor. Nach kurzer Zeit benötigte ich nur noch alle 2 Tage Solian 50mg. Ich war topfit. Die gesamte Psychose hat sich zurückgebildet. Also im Klartext ich nahm bis heute nur noch 25 mg. Solian täglich. Mein Leben wurde wieder richtig lebenswert. Ich hatte bis vor einigen Tagen eine Beziehung mit einem Mann, also eine echt homosexuelle Beziehung fast drei Jahre lang. Und glaubt mir ich habe sogar die Beendigung dieser Beziehung verkraftet ohne rückfällig zu werden. Nun habe ich beschlossen von Solian abzugehen und auf ein Antidepressivum umzusteigen. Nebenwirkungen unter Solian 25mg. /tägl. waren immer noch vorhanden. Es war zwar keine Gewichtszunahme mehr zu verzeichnen aber runter ging auch nichts mehr. Also ich bin leider immer noch stark korpulent. Mit diesem Antidepressivum will ich jetzt wieder den Weg zu meiner Figur, meinen Idealen und sonstigen Dingen (wie vor der Psychose von 1997) zurückfinden. Und dann habe ich vielleicht endlich diese Hölle hinter mir. Aber eins muss ich Euch noch sagen. Ich bin dankbar für meine Psychose. Denn heute bin ich so selbstbewusst dass mich nichts mehr umhauen kann. Und das bedeutet ich habe an Persönlichkeit hinzugewonnen. Und glaubt mir seitdem ich mich noch auf dem Gebiet der Esoterik beschäftige wurden mir Dinge bestätigt die ich in der akuten Psychose erlebt habe, die unglaubwürdig sind. Für mich real, da ich sie vor langer Zeit einmal erleben durfte. Also dankbar bin ich dafür, dass dieser Weg mich zu dem Menschen gemacht hat der ich heute bin. Wenn jemand Lust hat mit mir in Kontakt zu treten schreibe mir doch mal eine e-mail. Ich bin im Moment solo und habe viel Zeit für Neues. Aber trotz allem bin ich sehr zufrieden und glücklich. Grüsse und Stärke an alle die sich in akuten Zuständen befinden. Meine e-mail-Adresse: Bewerberpage@aol.com

Meine E-mail-Adresse darf öffentlich aufgenommen werden.



... weitere Artikel auf www.pahaschi.de Vielen Dank an Markus für die Unterstützung!




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