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Willkommen zum Psychose-Leserforum!

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384
Datum: Wed, 26 Oct 2005 22:46:37 +0200
Betreff: Leserforum

Hallo, alle miteinander!

Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass auch langjährige Psychotiker zu den sog. „chronisch Kranken“ gehören, und somit die Chronikerrelung, die es erst seit letztem Jahr gibt, für sich in Anspruch nehmen können. Besonders wenn man nicht viel Geld zur Verfügung hat, z. B. weil man in jungen Jahren schon berentet wurde, Sozialhilfe oder Grundsicherung bezieht, kann man damit ein wenig sparen. Die Krankenkasse legt dann einen Betrag fest, der je nach dem bei einem oder zwei Prozent des jährlichen Brutto-Einkommens liegt, und der von den Gesundheitskosten (Praxisgebühr, Medikamentenzuzahlungen etc.) nicht überschritten werden darf.

Am 22. Januar 2004 hat der Gemeinsame Bundesausschuss die sogenannte Chronikerregelung verabschiedet. Hiernach gilt als schwerwiegend chronisch krank, wer sich in ärztlicher Dauerbehandlung befindet (nachgewiesen durch einen Arztbesuch wegen derselben Krankheit pro Quartal wenigstens ein Jahr lang) und außerdem eines der folgenden Kriterien erfüllt:

- Es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Versorgung mit Heil und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die verursachte Gesundheitsstörung (aufgrund der Krankheit, wegen der der Patient in Dauerbehandlung ist) zu erwarten ist.

Formulare gibt’s bei den jeweiligen Krankenkassen. Wenn die das dann genehmigen, wird man von den Zuzahlungen (Neuroleptika) & Praxisgebühr befreit.
(...und bekommt die zuviel gezahlten Gebühren zurück - Anm. v. Bodo)

Liebe Grüße, Martin


383
Datum: Sat, 24 Sep 2005 21:16:28 +0200 (MEST)
Betreff: - kein Betreff -

Ihr lieben,

suche ernsthaft menschen, welche aus dem teufelskreislauf der neuroleptikaeinnahme ausbrechen wollen.

Zur erklärung:
(ich werde mich im folgenden bestimmt nicht wissenschaftlich, philosophisch oder sonst wie korrekt ausdrücken, ich bitte nur um verständnis.)
Alle neuroleptika hemmen die dopaminaufnahme: dopamin ist wichtig für phantasie und kreativität und damit persönlichkeitsprägend. (wie soll das denken ohne flexibilität und assoziationsbreite funktionieren?)
(Es mag sein, dass bei einer psychose zuviel davon (dopamin) produziert wird, aber auch das wird wohl der rettungsversuch der seele gewesen sein einen weg aus der vielleicht zu schmerzhaft empfundenen „realität“ zu finden. )
Egal was psychiater sagen: sagt uns nicht der gesunde menschenverstand, dass das gehirn ein furchtbar kompliziertes und fein austariertes organ sein muß, um körper und psyche steuern zu können? Wie kann ich einfach einen neurotransmitter blockieren ohne dass alles aus dem gleichgewicht gerät? Nachweisbar ist, dass das gehirn sich gegen diese blockierung „wehrt“ indem es selber wieder vermehrt dopamin produziert, bis hin zur veränderung der mikrostruktur, bei welcher mehr dopaminrezeptoren neu erschaffen werden.. Was soviel heißt wie, bei absetzen der neuroleptika finden wir nun erst recht einen zustand der vermehrten dopaminproduktion und dopaminaufmahme. Ich hoffe das dieser zustand sich nach absetzen der neuroleptika normalisieren kann. Allerdings kann der ,dann einer wirklichen psychose ähnliche, zustand schwehr ohne unterstützung (sowohl seelische unterstützung als auch kurzfristig beruhigungsmittel)zu ertragen sein. Starke angstgefühle können auftreten.
(Was kein psychiater sagt ist: das medikament muß in sehr kleinen dosen verringert werden. (vielleicht lässt sich der dopaminüberschuss so regulieren, von wegen selbstheilungskraft) Was der psychiater sagt: alle symptome die nach absetzen auftreten, sind frühwarnsymptome für einen neuen schub, o.ä..Dabei, so sage ich, können diese auch entzugserscheinungen sein. Die sogenannten nebenwirkungen von neuroleptika sind auch eigentliche wirkungen. Ich will wirklich niemanden angst machen, aber warum haben sich meine blutbildwerte krankhaft verändert? Warum leide ich seitdem unter herzrythmusstörungen. Nächtlichen Schweissausbrüchen?Ich weiss dass kann viele ursachen haben, aber fakt bleibt, dass diese symptome neuroleptika verursacht sein können. Abgesehen von der chemischen zwangsjacke für die psyche. Das medikament macht nicht gesund – es unterdrückt symptome, welche ans licht wollen.
OK. Ich weiss viele litten und leiden unter der psychose so, dass sie keinen anderen ausweg sehen als neuroleptika zu nehmen. Meine psychose war erst nach neuroleptikaeinnahme mit ängsten verbunden, wobei ich zugeben muß, dass auch vor neuroleptikaeinnahme nicht nur positive erlebnise vorhanden waren.
Ich könnte jetzt bücher schreiben. Vieles ist nicht sehr geordnet. Aber vielleicht findet sich hier jemand wieder und wir können in einen austausch treten. Ich habe wirklich selbst noch kein patentrezept.

Kuss katze


382
Datum: Fri, 9 Sep 2005 13:20:15 +0200 (CEST)
Betreff: Leserforum

Hallo,

als langjähriger Leser des Forums wollte ich mich auch mal wieder zu Wort melden, also zum Beitrag von Laurachile, dass Verhaltenstherapeuten in Kliniken inkompetente Deppen sind, ist nach meiner Erfahrung der Normalzustand, Verhaltenstherapie ist billig auszubilden, nach ihrem Selbstverständnis universell geeignet für alle Krankheiten (man möchte Krankheiten garnicht mehr verstehen, sondern nur noch das Verhalten ändern), Verhaltenstherapeuten haben in Kliniken meist nicht einmal ein Therapiekonzept für Psychosepatienten vorzuweisen, sie verwalten den Kreislauf der Drehtürpsychiatrie und das Leid der Patienten lediglich, damit kann man sich (als etablierter Therapeut) sein Reihenhaus und seinen gutbürgerlichen Lebensstandard sichern, die lebenslange Chronifizierung der Patienten sichert den steten Zustrom an Patienten, ohne dass irgendjemand eine Qualtiätskontrolle (bezüglich des Standards der Therapie) in den psychiatrischen Kliniken einführen würde.

Ich persönlich halte Verhaltenstherapie für denkbar ungeignet für die Psychosetherapie, die in anderen Ländern auch vom Gesundheitswesen anerkannte systemische Therapie fände ich sinnvoller.

grüsse

Renaldo


381
Datum: Fri, 02 Sep 2005 02:01:31 +0200
Betreff: Stichwort: Leserforum

Hallo Bodo,

vor kurzem wurde die Freundin meines Sohnes mit einer Psychose ins Krankenhaus eingeliefert.

Auf der Suche nach Aufklärung zu diesem Krankheitsbild bin ich auf Deine Seite gestoßen. Nun kann ich mir endlich etwas Genaueres unter dieser Krankheit vorstellen.

Im Leserforum mußte ich feststellen, daß es doch viele Betroffene gibt.

Ich möchte der Freundin meines Sohnes gerne helfen. Weiß aber nicht, wie die richtige Hilfe aussehen sollte. Vielleicht könnt Ihr mir einige Ratschläge geben.

Marlis


380
Datum: Fri, 12 Aug 2005 20:57:01 -0400
Betreff: Forenbeitrag

Hallo an alle.

Kurzfassung: ich bin weiblich, 25, und hatte vor vier Jahren eine akute psychotische Episode ("Pahaschi"), die mir viereinhalb Monate in der Psychiatrie für Straftäter einbrachte. Das ist eine für Aussenstehende unterhaltsame Geschichte, die aber hier nicht ausgewälzt werden soll. Erhielt daraufhin anderthalb Jahre Medikamente, zuerst Haldol, dann Lyogen, das letzte Jahr Zyprexa in absteigender Dosierung.
Ich habe seitdem, wenn ich merkte, dass ich anfällig wurde - meist in Streßsituationen (die aber in meinem Leben extrem gehäuft auftreten) -, 5mg Haldol als "selbstverordnete Prophylaxe" genommen. Ich fuhr damit recht gut, erlitt keinen weiteren Schub und sparte mir weitere Psychiatrie-Aufenthalte. Möglicherweise ist das ein Tip für andere Betroffene.
Allerdings funkt mir meine Polytoxikomanie immer wieder dazwischen. Ich hab es "geschafft", halluzinogenen Drogen den Rücken zu kehren, trinke aber in regelmäßigen Abständen exzessiv Alkohol (Quartalsalkoholismus) und nehme Sedativa (wie das gepriesene Diazepam).

Meine Therapie, eine Verhaltenstherapie, brach ich nach einem Jahr ab, als mich der Therapeut mit ernster Miene damit konfrontierte, dass ich zwar seine offenste Patientin wäre, er jedoch am wenigsten über mich wüsste. Im Nachhinein vermute ich, dass er entweder ein inkompetenter Depp oder ein inkompetenter Depp war. Wenn einem ein Patient seine Biographie ausschüttet, alle Fragen so wahrheitsgemäß wie möglich beantwortet, und förmlich nach Hilfestellung hungert, lässt sein Satz keinen anderen Schluß zu. Ich denke aber, dass Verhaltenstherapie die für schizophrene Patienten am geeignetste Therapieform ist. Sie stochert nicht in eventuellen Traumata herum, sondern gibt einen Rahmen aus lebenspraktischen Verhaltensregeln. Vielleicht bin ich insgesamt kein "ideales Musterbeispiel", aber ich komme ohne Medikamente aus, und meine "Ersatzmedikationen" schränken meine Lebensqualität erheblich weniger ein, als es Zyprexa & Konsorten taten.

Also hier zwei Ratschläge:

- Bleibt nicht auf den Medikamenten hängen. Habt den Mut, Euch wieder kennenzulernen. Zögert aber nicht mit einer Dosis Haldol, wenn Ihr es für angeraten haltet

- Wer sich in einer Therapie gut aufgehoben fühlt, sollte die Verhaltenstherapie wählen. Die Wahl des Therapeuten ist der entscheidende Faktor. Geht zu mehreren Gesprächen, auch wenn das erste sich gut anließ

Ich wünsche Euch allen da draußen viel Erfolg, und passt auf Eure empfindlichen Seelen auf :-)

P.S.
@Erwin
"mit Haldol zugeschossen und laufend wie ein Western-Sheriff beim Duell" ist die schönste Umschreibung, die ich bisher dafür gehört habe!

P.P.S.
ebf. @Erwin
Man hat wahrlich keinen Grund, stolz zu sein auf sein Pahaschi. Noch hat man Grund, stolz zu sein darauf, "mehr empfunden zu haben als der Rest". "Wir" sind vielleicht interessante Menschen, und manch einer kann stolz darauf sein, wie er mit seiner Krankheit umgeht. Aber dass wir krank sind, ist eher ein Grund zum Bedauern. Ich für meinen Teil würde mein Leben jederzeit gegen ein Leben ohne die Schizophrenie eintauschen.

Wenn Du - oder irgendjemand - mir antworten möchte, dann bitte unter:
laurachile@hotmail.com
:-)


379
Datum: Fri, 22 Jul 2005 15:21:21 +0200 (CEST)
Betreff: Leserforum

Hallo Bodo, hallo Freunde,

ich habe unter der Beitragsnr. 373 eine längere Zusammenfassung geschrieben, wie ich mit diesem Forum in Berührung gekommen bin und habe die Situation meiner Freundin dargestellt. Sie leidet unter einer Psychose.

Ich möchte mich zuerst bei Bodo für die Veröffentlichung meines Beitrages und bei all jenen für Ihre Antworten bedanken. Sie haben mich unterstützt und haben wertvolle Hinweise gegeben, wie ich diese Zeit durchstehen konnte.

Ich hätte an Euch eine Frage aber vorher musste ich ein paar Fakten ergänzen; Meine mittlerweile Exfreundin wurde am 17.Mai vom Krankenhaus entlassen und lebt nach einem kurzen Aufenthalt bei ihren Eltern wieder alleine. Ich habe sie zuletzt am 4.Juni gesehen, als wir die restlichen Sachen ausgetauscht und ihrem Wunsch entsprechend auseinander gegangen sind. Ihr Verhalten gegenüber mir war bis zum Schluss sehr kühl ja sogar feindlich.

Jetzt komme ich zu meiner Frage:
Es ist sicher bei jedem unterschiedlich wie lange die akuten Phasen dauern, wie sie verlaufen und wann sich der Betroffene mit seiner gewohnten Umgebung wie vor dem Ausbruch der Psychose Kontakt aufnimmt. Ich bin immer der Überzeugung, dass meine Freundin irgendwann mich kontaktieren wird (Alles deutet genau das Gegenteil, aber ...). Ich habe bei einigen Beiträgen in diesem Forum gelesen, dass es der Fall war und die von Psychose betroffenen Menschen wieder zu ihren Partnern zurückkehrten. Ist das der Regelfall oder die Ausnahme? Stimmt das, dass das Nachlassen der akuten Phase einige Monate dauern kann? Merken die Betroffenen nach der akuten Phase, dass sie eigentlich einiges in Ihrem Leben kaputt machen? Besteht überhaupt ein Bedürfnis, mit dem was man zurückgelassen hat, abzurechnen, eventuell ein abschließendes Gespräch?

Obwohl ich in den letzten 2 Monaten sehr viel darüber gelesen habe, habe keine Antwort zu diesen Fragen gefunden.

liebe Grüsse, Derya
derya_kocer@yahoo.de


378
Datum: Tue, 19 Jul 2005 18:46:31 +0300
Betreff: Leserforum

Sehr geehrte Damen und Herren,

bin zwar kein Doktor aber,eins bin ich mir sicher , dass solche kranke Menschen brauchen ein guten partner der sich um den person sich kuemmert,

Sie brauchen richtige Unterhaltungs persone.

Wenn man sich intensiv ueber die themen reden, akzeptieren die Kranken wie dass reale leben ist.....

Kranke personen wissen schon dass die wahrheit nicht so ist aber Sie waehlen immer wieder ihre unrealistische leben.

Der partner ist sehr wichtig!!!!!!!!!!

mfg

Murat Birinciler
TURKEY


377
Datum: Sat, 16 Jul 2005 00:35:31 +0000
Betreff: Leserforum

Hallo Derya,

Ich hoffe, Deiner Freundin geht es inzwischen wieder besser. Ich hatte vor 3-1/2 Jahren auch eine Psychose und nehme auch noch Medikamente deswegen, habe damit aber eigentlich keine Beschwerden mehr. Ich möchte versuchen, Dir auf Deinen Beitrag im Psychose-Leserforum vom 16. Mai 2005 zu antworten. Leider etwas spät, aber ich hab Deinen Beitrag erst heute gelesen.

Beim Ausbruch meiner Psychose hat zunächst auch bei mir nicht jeder ideal reagiert. Das ist aber auch keinem vorzuwerfen, denn wer rechnet im ersten Moment schon damit, daß die betroffene Person plötzlich an Wahnvorstellungen leidet? Zwar bin ich kurz vor dem Ausbruch meiner Psychose meinen Eltern bereits recht nervös und unausgeglichen vorgekommen, so wie Du das auch bei Deiner Freundin schilderst, aber eine Krankheit hat da noch keiner vermutet. Ich war zu der Zeit einfach ganz außer mir, weil ich mich wahnsinnig in ein Mädchen verliebt hatte, die mich aber recht schlecht behandelte. Alle wußten das und hielten das für die Erklärung meiner Nervosität, was ja auch stimmte. Der eigentliche Schritt zum krankhaften Zustand kam aber dann relativ aprupt. Es fing damit an, daß ich im Radio auf einer längeren Autofahrt intensiv den Liedtexten zuhörte, was ich sonst nie tat. Natürlich ging es dabei immer um Liebe, und leider in einer anderen Radiosendung auch um Tod, und irgendwie hab ich das während der Autofahrt dann alles auf mich und meine neue Liebe bezogen (sogenannter Beziehungswahn), weil auch der Ex-Freund meiner Möchtegern-Freundin kürzlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. In der Nacht nach der Autofahrt schoß mir dann plötzlich der Gedanke "In einem Jahr mußt Du sterben" durch den Kopf, wie eine göttliche Eingebung, quasi als Strafe dafür, daß ich mich in eine "bekanntermaßen" todbringende Frau verliebt hatte, und ich sah dann im Geist meine Möchtegern-Freundin Tränen um meinen Tod weinen. Nun, Gott sei Dank lebe ich heute nach 3-1/2 Jahren immer noch, aber soviel zu meiner Geschichte. Was Deine Freundin betrifft, könnte ich mir vorstellen, daß sie durch den fünften Verlust eines Kindes einfach psychisch schon sehr mitgenommen war. Die buddhistische Meditationswoche, wo niemand sprechen durfte und sie mit ihren Gedanken an die Fehlgeburt völlig allein gelassen war, hat ihr in dem Zustand dann wahrscheinlich einfach den Rest gegeben. Auch ich habe mir während meiner Psychose eingebildet, Gott (in meinem Fall der christliche) würde mir Zeichen geben, mir Gedanken einpflanzen, und ich wäre unter Umständen der neue Messias usw. Diese religiösen Gedanken waren aber eigentlich ganz furchtbar und haben mir richtig Angst und Gewissensbisse eingejagt. Die religiösen Motive haben sich dann allmählich mit realen Ängsten vermischt, weil ich dachte, mein ganzer Stadtteil wäre von islamischen Terroristen unterwandert. Ich bildete mir dann ein, daß mich der Geheimdienst über verschlüsselte Radiomeldungen zum Doppelagenten gegen die Terroristen ausbilden wollte. Na ja, da hat so jeder seine eigenen Spinnereien, unter denen er zu leiden hat. Was ich damit sagen will, ist allerdings, daß die Gedankenwelt in einer Psychose sehr komplex und in sich sehr widersprüchlich ist, daß ich aber glaube, daß religiöse Motive darin in sehr vielen Fällen eine sehr wichtige Rolle spielen. Wahrscheinlich wäre es für Deine Freundin besser gewesen, sie hätte in der Situation nicht an dieser Meditation teilgenommen. Allerdings kenne ich mich mit der buddhistischen Lehre nicht so aus. Der christliche Glaube kann einen aber, wie ich inzwischen leidvoll erfahren habe, auch ziemlich runterziehen, wenn man zuviel darüber nachgrübelt. Andererseits hat er mir auch zeitweise Kraft gegeben. Es war ein ständiges Auf und Ab, weil ich immer zwischen Schuldgefühlen (Sünde) und Ohnmachtsgefühlen (meine Gedanken werden von Gott kontrolliert) auf der einen Seite und maßloser Selbstüberschätzung (Messias) auf der anderen Seite hin und her schwankte. Diese Widersprüchlichkeit hat mich dann erst recht wahnsinnig gemacht. Ich weiß nicht, ob einem das beim Buddhismus auch passieren kann. Wenn ich mich nicht irre, muß man da doch immer alles so hinnehmen wie es kommt und dazu lächeln oder so. Vielleicht konnte sie das einfach nach der fünften Fehlgeburt nicht mehr und hat vor diesem Anspruch letztlich durch Ausbruch der Psychose kapituliert. Ist aber nur eine sehr laienhafte Vermutung von mir. Jedenfalls würde ich an Deiner Stelle trotzdem nicht versuchen, ihr ihren Glauben zu nehmen. Das würde Sie Dir bestimmt sehr übel nehmen, wenn er für sie richtig ist. Aber Du könntest vielleicht, wenn sie wieder normal ansprechbar ist, herausfinden, ob ihr Glaube etwas Belastendes für mich hat und versuchen, ihr diese Last abzunehmen. Ich habe mich nach Verbesserung meines Zustands auch allmählich immer wieder mal über religiöse Fragen mit meiner Familie und einem Freund unterhalten, und es hat mir gut getan, daß sie mir in diesen Gesprächen im Lauf der Zeit ein wenig die schrecklichen Aspekte des christlichen Glaubens weniger schlimm erschienen ließen, zum Teil einfach nur deswegen, weil sie sie gar nicht so schrecklich fanden.

Was das von Dir angesprochene Mißtrauen Deiner Freundin Dir gegenüber anbetrifft, kann ich das auch gut verstehen. Als ich mir einbildete, Geheimagent zu sein, habe ich mir zum Beispiel auch eingebildet, daß die guten Menschen (zum Beispiel meine Eltern) von den bösen Terroristen in unterirdischen Katakomben gehalten und gequält werden und daß diese Terroristen gelegentlich böse Kopien dieser guten Menschen nach oben ans Tageslicht schicken, um dort für sie zu arbeiten. Ich wußte daher nie, ob man es mit der guten oder der bösen Version eines Menschen zu tun hatte. Zu anderen Zeitpunkten bildete ich mir ein, daß ich irgendwie in die Hölle geraten war, wobei die Menschen dort für mich auch teuflisch verzerrte Gesichtsausdrücke hatten. Von solchen bösen Versionen der Menschen wollte ich mich natürlich fernhalten. Zu anderen Zeiten hatte ich dann wiederum das Gefühl, daß ich es mit einer guten Version zu tun hatte. Dann war in dem Moment wieder alles in Ordnung. Einmal ließ ich sogar meine Mutter nicht in meine Wohnung, die mich aus Sorge um mich besuchen kam, weil ich mir einbildete, sie hätte so eine teuflisch verzerrte Augenpartie. 30 Sekunden später erschien mir dann ihr Gesicht wieder normal und sanft, und dann ließ ich sie ein, aber ich war auch dann noch stets sehr mißtrauisch. Vielleicht erklärt Dir das ein wenig, was für verrückte und zeitlich schwankende Gedanken man als Psychose-Betroffener haben kann und wie einen diese von seinen ehemals geliebten Mitmenschen entfernen können. Du solltest aber die Hoffnung nicht aufgeben, daß Dich Deine Freundin irgendwann nicht mehr abweist. Inzwischen habe ich zu allen Mitmenschen wieder die alten Beziehungen, nachdem mir mit Hilfe der Medikamente klar geworden ist, daß ich mir all diese schrecklichen Dinge nur eingebildet hatte.

Zur Genesung war für mich auch die große Geduld eines alten Schulfreundes sehr wichtig für mich, der sich auch während meiner psychotischen Phase alle meine Spinnereien geduldig angehört hat und versucht hat, mich vorsichtig davon zu überzeugen, daß doch eigentlich alles ganz normal ist und das man die Dinge auch anders sehen kann, eben normal, wie früher. Dadurch hat er nach und nach mein Vertrauen gewonnen und ich hatte somit zumindest eine Person an meinem Arbeitsort, der ich voll vertrauen konnte. Am Anfang, weil ich ihn auch für einen Doppelagenten wie mich selbst hielt, an dem ich mir ein Beispiel nahm, aber immerhin war sein Einfluß auf der zwischenmenschlichen Ebene positiv. Wirklich geholfen haben dann aber letztlich doch nur Medikamente, wobei man auch unbedingt die richtigen nehmen sollte. Welche das sind, ist anscheinend bei jedem unterschiedlich. Ich persönlich fahre seit 2 Jahren am besten mit Zeldox, eigentlich nebenwirkungsfrei. Ich weiß nicht, ob gerade Du eine Person bist, die das Vertrauen Deiner Freundin schnell zurückgewinnen kann. Das hängt sicherlich auch davon ab, mit welchen Einbildungen und Wahnvorstellungen ihr Gehirn sie martert. Vielleicht gibt es etwas, was sie Dir konkret vorwirft. Vielleicht bildet sie sich auch ein, daß ihre 5 Fehlgeburten von Dir verschuldet sind oder irgendwie mit Dir zusammen hängen. Solange sie psychotisch ist, wird man an solchen Ansichten vielleicht nur wenig ändern können. Wenn sie mit Hilfe von Medikamenten wieder normal denken kann, wird sich das aber sicher mal in Ruhe besprechen lassen. Vielleicht stehen aber auch gar keine realen Gründe sondern nur irgendwelche Einbildungen hinter ihrer ablehnenden Haltung. Also: Kopf hoch. Psychosen sind heute in der Mehrzahl der Fälle heilbar. Ich würde aber versuchen, sie nicht zu bedrängen oder sie zu etwas zwingen, sondern ihr nur zu zeigen, daß Du auf ihrer Seite stehst und ihr helfen willst (nicht nur in der Realität, sondern notfalls auch in ihrer verzerrt wahrgenommenen Welt). Das braucht viel Geduld und ist auch nicht immer einfach, aber es ist für den Kranken sehr erleichternd, wenn er einen Verbündeten hat.

Hoffentlich helfen Dir und Deiner Freundin meine Ausführungen weiter.

Viele Grüße,
Adrian


376
Datum: Fri, 8 Jul 2005 18:55:59 +0200 (MEST)
Betreff: Leserforum

Hallo Bodo und Freunde

Ich heiße Beata und bin 27, mein Freund Adrian ist auch 27 und leidet an Psychose. Das will oder kann er nicht einsehen. Ich bin mit ihm vor 10 Monaten zusammengekommen, leider wußte ich noch nicht, was es heißt, mit so kranken Menschen zusammen zu sein. An seinem Zustand ändert sich auch nicht viel seit er die Medis abgesetz hat und nicht zum Arzt geht, weil wie er sagt, der Arzt krank sei und nicht er. Habt ihr vielleicht Tips für mich wie ich damit umgehen kann, ich ich ihn dazu bringe wieder in Behandlung zu gehen und Medis nehmen, oder hat das alles gar keine Sinn mehr und er muss alleine sein und es alleine einsehen.


375
Datum: Fri, 8 Jul 2005 11:47:51 +0200 (CEST)
Betreff: Leserforum

Warnung vor 'halber Krankheitseinsicht'

Hallo!

Ich hatte meine erste Psychose vor 5 Jahren. Ich kann Bodo nur für seine Webseite, besonders für die Rubrik 'Wissenswertes..' danken. Ich hatte Anfangs gar keine Krankheitseinsicht. Ich dachte ich hätte einen Alptraum gehabt dem ein 'Nervenzusammenbruch' gefolgt sei. Dann erkannte ich langsam an, dass ich eine Psychose hatte. Ich verbesserte aber die Diagnose des Neurologen und attestierte mir selber eine 'Angstpsychose', von Schizophrenie wollte ich nichts wissen. Erst als ich in psychologischer Literatur eine ausführlichere Schilderung der Symptome der Krankheit las, musste ich schlieslich anerkennen dass ich diese Krankheit hatte. Ich habe die Medikamente ein Jahr nach der ersten Psychose ausgeschlichen. (Damals hatte ich noch keine Krankheitseinsicht) Dann kamm die 2. Psychose. Erst als ich diese wieder durch Medikamente im Griff hatte, wollte ich einsehen, dass ich doch nicht zu Unrecht in neurologischer Behandlung war. Das war über ein Jahr nach dem Beginn der Krankheit! So lange kann es also mit der Krankheitseinsicht dauern.

Grüße


374
Datum: 14. Juni 2005
Betreff: Gedichte fürs Leserforum

abseits

hinter Milchglasscheiben
gehe ich im Kreis

ein Mandala mäandert
im Labyrinth meines Hirns

Verknüpfungen finden
die falsche Stelle

der Knoten löst sich nicht

ich wünsche mir einen Mantel


alp

die Tür weit offen
der Gestank unermeßlich
ein Bein steht entgegen
das Fleisch vergart

im Zimmer warten
im Hochhaus sitzen
Körper fallen
am Fenster vorbei

der Wunsch sich
sezieren zu lassen
eine Schlaftablette
der Körper ist weg


bipolar

mein Boden schwankt

auf Granitböden Blumen
im Himmel ein Loch
Spalten im Asphalt
Wolken bauen Ungeheuer

ich schaukle
und finde den Horizont nicht


blumen

ich malte einst
Gladiolen mit Zähnen
Margeriten mit Flügeln
Tulpen mit Flossen
Rosen mit Augen

die Zeit ist vergoldet
in dem Schatzkästchen
meiner Seele

und er nimmt es
nicht wahr


circulus vitiosus

ich spüre sie kommen
die spaltung

mein selbst wird
verschlungen
von einem walfischmaul

ich stehe im hof
breite die arme aus
will fliegen

kurze erregung
ich weiß ich kann es

das kind kommt
und drückt mich
auf den boden

leere breitet sich aus
ich werde zum autist
die welt eine ruine


der zug

es pumpt
pulsiert
rollt
durch meine Venen

die Unruhe frißt sich
wie ein Räderwerk
durch meine Adern

wenn ich nicht schlafe
trinke ich
wenn ich nicht trinke
zappe ich
wenn ich nicht zappe
schlafe ich

eine Nacht ohne Schlaf
nur leere Flaschen
der Fernseher ein Störbild

im Nebel gehe ich hinaus
und lege mich
auf die kühlen Gleise

http://www.textfetzen.de


373
Datum: 16. Mai 2005
Betreff: Leserforum

Lieber Bodo, liebe Freunde,

Nach dem ich eure Beiträge und Erfahrungen gelesen habe, habe ich euch eine große Nähe und Vertrauen gespürt und möchte meine Sorgen mit euch teilen und euch um Rat bitten.

Ich und meine Freundin leben in Wien/Österreich. Meine Freundin ist vor kurzem wegen Wahnvorstellungen in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert. Sie war auf der Flucht von gewissen Gestalten, die sie in eine Nervenanstalt einsperren wollten. Sie war – laut Polizeibericht - auf der Suche nach einer Unterkunft um sich zu verstecken. Sie wurde zum Glück durch das Eingreifen von einer aufmerksamen Person und durch das Einschalten der Polizei aufgehalten und wurde ins Krankenhaus geliefert. Ich weiß nicht wann, wo und unter welchen Umständen wir sie sonst gefunden hätten.

Ich möchte kurz die Vergangenheit schildern, damit man sich ein Bild von dem akuten Problem malen kann. Meine Freundin und ich kennen uns seit 6,5 Jahren. Ich bin 37 Jahre alt, sie ist 44. Wir haben bisher eine sehr lebhafte Beziehung gehabt, mit sehr vielen Höhen und Tiefen, hatten auch sehr viel gestritten. Sie war 5 mal schwanger und wir hatten 5 mal Fehlgeburten. Wir haben keine Kinder. Die letzte Fehlgeburt war kurz vor Weihnachten 2004, also vor etwa 5 Monaten. Danach war sie sehr empfindlich und nicht mehr so belastbar. Sie hat dennoch weiter viel gearbeitet. Unmittelbare Auslöser vom akuten Problem war - meiner Meinung nach - der Besuch bei einem Versicherungsarzt am 13.März 2005. (Sie arbeitet selbständig und war nach der Fehlgeburt auch wegen „burn-out Symptome“ krank geschrieben). Sie wollte einige Ansprüche bei der Versicherung (sie hatte eine private Betriebsausfallversicherung) geltend machen und wurde sie von der Versicherung zu diesem Arzt zur Untersuchung geschickt. Er hat die Schwangerschaft als Auslöser geschildert und hat – wie erwartet - versucht, die Versicherung ohne viel zu zahlen aus der Sache zu ziehen (Versicherung hätte laut Police wegen Schwangerschaft nicht zahlen müssen).

Sie war nach dem Arzttermin sehr unausgeglichen und verletzt. Sie hatte kurz später (vom 19. März bis zum 26. März) eine Meditationswoche gehabt. Sie ist ein Anhänger vom Buddhismus. (Während der Meditation die ganze Woche lang wird nicht gesprochen. Das heißt, jede/r muss für sich während der Meditation mit seinen/ihren Gedanken klarkommen.)

Als sie am 27. März nach Hause kam, war sie sehr erschöpft. Einen Tag später am Ostersonntag ist sie zu Ihrer Wohnung/Büro gefahren, um Post etc. zu erledigen. (Sie hat eine eigene Wohnung, wo sie auch arbeitet aber gelegentlich übernachten kann.) Obwohl sie am Abend zurückkommen wollte, rief sie mich an und sagte, dass sie nicht weiterkam und dort übernachten wollte.

Ausbruch bzw. akuter Beginn

Am nächsten Tag (Ostermontag), rief sie mich etwa um 9.00 h an und sagte, dass sie gleich zu mir fährt. Sie kam aber nicht! Als ich sie nach etwa 2 Std. angerufen habe, hat sie mir erzählt, dass der Arzt (von der Versicherung) sie einliefern will. Sie müsse Winterreifen beim Auto wechseln und abhauen. Sie hat ein total wirres Zeug gesprochen, die überhaupt keinen Zusammenhang hatten. Als ich sie beruhigen wollte und sagte, dass niemand ihr irgendetwas tun kann, hat sie mit mir einen Streit angefangen. Ich rief sie in den nächsten zwei Stunden noch 2 Mal an und wollte sie beruhigen. Sie ist dann zu ihren Eltern gefahren (etwa 130 km entfernt von ihrem Wohnort). Ihre Eltern sind ein Kapitel für sich. Sie sind Bauern und sind nicht unbedingt von der sensibelsten Sorte. Als wir das fünfte Mal ein Baby verloren haben, haben sie uns weder besucht noch angerufen. Stellt euch mal vor, so etwas passiert und man ist seinen Eltern nicht einmal einen Anruf wert. Deshalb wunderte ich mich, dass sie Schutz und Geborgenheit bei ihren Eltern gesucht hat.

Am Dienstag habe ich sie Nachmittag (von der Arbeit aus) telefonisch bei ihren Eltern erreicht. Sie sagte dass sie Zeit braucht und eine Weile dort bleiben will. Als ich jedoch am Abend nach Hause kam, stellte ich fest, dass sie tagsüber in unserer Wohnung war und fast alle ihre Sachen weggenommen hatte. Sie hat am selben Tag Nachmittag am Telefon nichts anmerken lassen. Ich war zutiefst enttäuscht und verletzt. Ich habe sie am nächsten Tag angerufen. Sie war kühl und reserviert und hat sich so benommen, als ob ich ihr ärgster Feind wäre und eine solche Behandlung verdient hätte. Ich war um so mehr schockiert, weil wir bevor sie zur Meditation gefahren ist, über das Heiraten gesprochen haben. Wir hatten seit Mitte Februar eine wahnsinnig schöne Zeit miteinander gehabt. Wir vereinbarten am Telefon, dass sie mir meinen Wohnungsschlüssel schickt, da sie mich nicht mehr sehen wollte. Der Schlüssel von der Wohnung kam jedoch nie an. Stattdessen hat sie mich am nächsten Sonntag (3. April 2005) angerufen und hat sich entschuldigt. Sie sagte, dass sie Wahnvorstellungen hatte und sie ist wieder in Ordnung. Es wäre nur ein Black-out. Sie ist am selben Tag zu mir gekommen. Ich war sehr reserviert, beleidigt und habe ihr die kalte Schulter gezeigt, bis inkl. zum Mittwoch, den 6. April. Sie ist am 7. April, wie jeden Tag zum Arbeiten zu ihrer Wohnung gefahren. Sie kam am Abend nicht, weil sie müde war. Sie kam auch am Freitag oder am Wochenende nicht. Sie war extrem müde, hat sie mir erzählt. Sie hat mich am Telefon sehr aggressiv angefahren. Wir haben in den nächsten Wochen gelegentlich telefoniert. Sie war einmal gut gelaunt, einmal wieder müde, einmal hat sie große Sehnsucht nach mir gehabt. Ich habe sie zuletzt am 30. April erreicht, wo sie mir am Telefon sagte, dass sie zu mir kein Vertrauen hatte und mich nicht sehen will. Sie legte das Telefon auf, ging nicht mehr zum Telefon. Sie hat auch ihr Mobiltelefon ausgeschaltet. Sie war praktisch nicht mehr erreichbar.

Nach ein paar Tagen unruhigem Warten, konnte ich nicht mehr warten. Ich bin zu ihrer Wohnung/Büro gefahren. Da ich keinen Schlüssel hatte, konnte ich nicht in die Wohnung kommen. Ihr Auto war in der Garage und hatte ein Zettel an der Klingel geklebt, dass sie zur Zeit wegen einem akuten Problem nicht arbeiten könnte. Die Nachbarn sagten, dass sie sich Sorgen um sie gemacht haben. Sie wurde am Vortag von einer Nachbarin gesehen. Ich habe darauf ihre Eltern angerufen. Ich dachte, dass sie möglicherweise zum Lernen zu einer Freundin gefahren ist, da sie im Juni eine Fachprüfung machen wollte, die ihr große Angst und Stress gemacht hatte. Dann hat mein gespanntes Warten angefangen. Am Samstag, den 7.Mai wurde ich von ihrer Schwester angerufen. Sie erzählte mir, dass sie am Donnerstag von der Polizei auf der Strasse gefunden, in einem erstarrten Zustand, mit einem Betrag (einige 10.000 €, praktisch ihr ganzes Bargeld von allen Sparbüchern abgehoben) in einer Stofftasche und mit Tarotkarten! Sie hat keinen Ausweis bei sich und hatte der Polizei falschen Namen und falsche Adresse gesagt. Es war irgendwie eine Gedankenübertragung. An dem Tag, wo ich nach ihr gesucht habe, steckte sie in tiefsten Problemen.

Sie ist seit dem in einer (Halb)-geschlossenen Anstalt. In den ersten Tagen wurde sie mit Medikamenten behandelt. Seit Sonntag, dem 8. Mai verweigert sie Medikamenteneinnahme und seit dem 9. Mai will sie mich nicht mehr sehen. Sie ist sehr stur und verhindert auch die Weitergabe der Auskunft über die Behandlung an mich. Jedes Mal als ich dort war, hat sie mich nicht sprechen wollen und war sehr unfreundlich zu mir. Ich wurde praktisch aus dem Krankenhaus ausgeladen. Es sind die gleichen Symptome wie kurz nach Ostern, als das Problem das erste Mal auftauchte. Die einzigen, die Zugang haben ist Mutter und möglicherweise ihre jüngste Schwester (ihren Vater wollte sie schon vorher nicht mehr sehen). Die Eltern geben mir auch keine Auskunft, ich bin praktisch von ihr abgeschnitten. Sie hat mich über Eltern wissen lassen, dass sie einen Schlussstrich unserer Beziehung ziehen will. Als ich sie zuletzt vorgestern (am 14.Mai) im Garten vom Krankenhaus gesehen habe, hat sie auf einer Bank gesessen und war tief in Gedanken versunken. Nach dem sie mich gesehen und auf eine sehr aggressive Art weggeschickt hat, ist sie im Garten (quadratförmig) Kreise gedreht und starr auf den Boden blickend nachgedacht.

Ich habe dennoch trotzt der Informationssperre erfahren, dass sie auf Entlassung aus dem Krankenhaus drängt und am 23. Mai höchstwahrscheinlich entlassen wird. Ich habe auch festgestellt, dass die Ärzte wortwörtlich zum Schmeißen sind. Sie sind entweder zu feige um eine Diagnose zu stellen oder wissen nicht was sie tun. Wie ich seit dem gelesen habe, handelt es sich hier um eine Psychose (Minussymptome; extreme Müdigkeit, Ruhebedürfnis, sogar während dem Arbeiten einschlafen, Rückzug und soziale Isolation. Plussymptome; Wahnvorstellungen, wie verfolgt werden) Sie hatte ihre Wohnung auf den Kopf gestellt (ich war am ersten Tag mit den Eltern in der Wohnung). Sie hätte beinahe ein Feuer angezündet. Sie hat einen brennenden Strauch in ein Kopfkissen eingewickelt und dadurch das Feuer erstickt. Sie ist anscheinend sehr überzeugend, sodass sie aus dem Krankenhaus entlassen werden kann.

Noch ein Hinweis; Ihre andere Schwester, die 2 Jahre jünger ist, leidet seit etwa 15 Jahren unter Psychosen und nimmt regelmäßig Medikamente.

Obwohl mein Beitrag zu lang ist, möchte ich euch fragen, was ihr dazu denkt? Ich mache mir große Vorwürfe, weil ich nicht vorher reagiert und sie aus dieser Situation herausgerissen habe. Ich mache mir Vorwürfe auch deshalb, weil ich nach dem ersten akuten Fall nicht sensibel genug war. Obwohl ein Therapeut, der mir letzte Woche einen schnellen Termin gegeben hat, mir sagte, dass ich nichts machen konnte. Sie würde mich sowieso ablehnen. Auch wie ich bisher gelesen habe, dass es gewöhnlich ist, dass Menschen während akuten Phasen gegenüber Menschen großes Misstrauen haben, die ihnen vorher am nächsten standen. Da ich mich nicht von ihr trennen will, macht die Situation mir große Sorgen und bin auch sehr traurig.

Liebe Grüsse
Derya

derya_kocer@yahoo.de


372
Date: Sun, 1 May 2005 11:48:26 +0200
Subject: Beitrag für das Psychose-Forum

Liebe Leidensgenossinnen und Leidensgenossen,

ich leide seit ca. 20 Jahren an Schizophrenie und habe mich viele Jahre strikt geweigert, Medikamente zu nehmen. Ich war damals sehr ökologisch eingestellt und wollte kein Präparat verwenden, welches mit Tierversuchen getestet wurde. Dann, währende meines Studiums, mit 27 Jahren kam es dann zum großen Crash. Ich erlitt eine schwere Psychose aufgrund des Druckes beim Vor-Diplom, meine Mutter warf mich aus der gemeinsamen Wohnung, ich war obdachlos, lebte auf der Straße und war nun 6 Monate im Winter draußen. Es war eine schwere Zeit mit vielen schlechten Erlebnissen. Dies hätte ich mir ersparen können, wenn ich rechtzeitig meine Medikamente genommen hätte. Während der Psychose war ich für logische Argumentationen nicht zugänglich. Im Frühjahr des Jahres 1996 besserte sich die Psychose und ich fand einen Unterschlupf. Dennoch wollte ich keine Medikamente nehmen. Als ich 30 war, ging ich mit einem Messer auf wildfremden Mann los, da mich wieder ein negatives Erlebnis in die Psychose gerissen hatte. Diesmal kam ich über die Polizei in eine Psychiatrie für drei Monate und erhielt zuerst Haldol, welches ich nicht vertrug und anschließend Risperdal. Risperdal kann ich jedem nur empfehlen. Es ist ein sehr gutes Medikament. Jedoch verträgt es nicht jeder. Das muss der Arzt bestimmen und ausprobieren. Jetzt geht es mir gut, ich bin glücklich verheiratet. Ich kann sogar - mit einigen Schwierigkeiten jedoch - arbeiten gehen vollzeit. Ich bin offen für logische Argumente. Nur meine Alpträume werde ich leider nicht los. Aber Risperdal ist absolut spitze und empfehlenswert. Dieser Beitrag ist besonders denen gewidmet, die ebenfalls mit einer Psychose herumlaufen und keine Medikamente wollen.
Glaubt mir bitte, es geht nicht ohne.

Liebe Grüße
Martina


371
Date: Sun, 20 Feb 2005 13:52:09 +0100 (CET)
Subject: Leserforum - Psychose - Training fürs Gehirn

Hallo,

Habe erstmals seit Jahren wiedermal das Forum durchgelesen. Hatte selbst eine Psychose und auch schon eine ausführliche Schilderung ins Forum gestellt.

Beim Durchlesen eurer Beiträge fiel mir folgendes ein:

Sind Psychosen eigentlich nicht "Trainingseinheiten" für unser Gehirn?

Was ich bis jetzt erfahren habe, bleibt ja bei einer Psychose die Verarbeitung im Gehirn unverändert, man wird also nicht blöd, sondern bloß die Reize kommen verrückt daher. Dadurch kommt es zu einer Art Randomverarbeitung im Gehirn und man wird als verrückt wahrgenommen, da die tatsächlichen Handlungsweisen nicht der Umweltsituation angepaßt sind. Das Gehirn dürfte hierbei eine Art Streßsituation durchlaufen.

In der Trainingslehre des Sports gibt es die Möglichkeit die Koordination mittels Veränderung von Reizen zu verbessern: Sportler arbeiten dann mit für sie ungewohnten Bedingungen, wie z.B. veränderten Materialien, oder sie führen Übungen mit verbundenen Augen durch. Kurz gesagt: ständige Reizänderungen und auch das Herstellen von ungewohnten Reizen führen zu einer Art Superkompensation im Gehirn und letztändlich zu einer Verbesserung von sportmotorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten (wie z.B. Koordination).

Das Ganze jetzt auf Psychosen angewandt, bedeutet meiner Meinung nach, daß die verschobenen Wahrnehmungen für unser Gehirn ebenfalls neue, unbekannte Reize darstellen und daß das Gehirn zunächst völlig überfordert wird. Je öfter dies jedoch passiert, desto mehr stellt sich das Gehirn darauf ein und kann mit diesen Fehlinformationen immer besser umgehen.

Das Beste an dem Ganzen ist jedoch, wenn die Wahrnehmung wieder einwandfrei funktioniert (also außerhalb eines akuten Schubes, ohne Medis), daß dann ein "psychose-trainiertes" Gehirn besser arbeiten müßte als ein "normales", da es nun über zusätzliche Verarbeitungsmöglichkeiten verfügen sollte (die eben durch die psychose-bedingten Streßmuster neu entstanden sind). Man kann dann quasi neue Wege in der Verarbeitung von Umweltreizen bestreiten, wird also kreativer. Und man wird jetzt von der Umwelt als intellegent(er) wahrgenommen!

Ihr habt also Recht, wenn ihr behauptet: "Ich möchte meine Psychosen nicht missen".

Was meint ihr zu meiner gewagten These (habe ich übrigens nirgendswo nachgelesen)?

So long und Danke fürs Lesen

-G.


370
Date: Sat, 19 Feb 2005 15:52:07 +0100 (MET)
Subject: Radiotipp

Liebe Leser,

in der Nacht vom 26. zum 27.2.2005 kommt auf DeutschlandRadio Berlin um 0.05 Uhr
die Sendung "Irre Texte" - Literatur und Schizophrenie.

Wer also Lust hat, an diesem Samstag so lange aufzubleiben, kann sich auf eine wundervolle Radiostunde freuen.
Die Sendung ist eine Wiederholung aus dem Jahr 2002.

mfg Bodo


369
Date: Fri, 18 Feb 2005 16:39:57 +0100
Subject: Leserforum

Gedanken zur Schizophrenie.

Bei dem, was heute als Schizophrenie bezeichnet wird, handelt es sich nicht um eine klassische Krankheit. Schizophrenie ist eine zusätzliche Fähigkeit, nämlich die, einen dem Kokainrausch ähnlichen Zustand mit körpereigenen Mitteln zu erreichen.

Auslösende Mechanismen können außergewöhnliche Belastungen sein, wie z.B. Fasten, Schlafentzug u.s.w..

Wenn man Menschen mit Autos vergleichen würde, dann wäre der schizophrene Wagen im "roten Bereich" fahrbar, während dies bei normalen Autos aufgrund eines Drehzahlbegrenzers nicht möglich wäre. Das schizophrene Fahrzeug könnte allerdings auch mit ganz normaler Geschwindigkeit nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung gelenkt werden. Dass ein Raser eine Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer darstellt, ist bekannt.

Dieses Bild soll lediglich dazu dienen, auf einfache Weise begreiflich zu machen, dass Schizophrenie eine zusätzliche Gabe ist; allerdings eine für den Geisteszustand betroffener Menschen extrem gefährliche.

Während Kokser genau wissen, woher die Veränderung ihrer Wahrnehmung rührt, gibt es unter den Schizophrenen – die eine akute psychotische Erfahrung machen – zwei Sichtweisen zu diesem Thema; die einen sehen die Ursache in ihrem eigenen Kopf, die anderen halten äußere Einwirkungen für wahrscheinlich. Letztere Gruppe benutzt gerne religiöse, außerirdische oder übernatürliche Erklärungsmodelle, um mit deren Hilfe eine Parallelwelt komplett durchzukonstruieren; dies alles nur aus der Not heraus, eine Erklärung für das Erlebte zu finden.

Interessant wäre ein Experiment, bei dem einer Gruppe "normaler" Menschen und einer Gruppe Psychoseerfahrener (jeweils ohne deren Wissen, überhaupt an einem Versuch teilzunehmen) Kokain verabreicht würde. Ich bin der Überzeugung, die Mitglieder der normalen Gruppe würden genauso unterschiedliche Psychosen entwickeln wie schizophrene Menschen bei Ihrer ersten "Erfahrung", während die Psychoseerfahrenen kaum reagieren dürften, da sie ganz andere "Filme" kennen ;) Weiterhin wäre es interessant zu wissen, ob der Prozentsatz an Schizophrenen unter den Kokainabhängigen gleich hoch ist wie in der Normalbevölkerung und umgekehrt; falls koksende Schizophrene überhaupt zu finden sind – schizophrene Kokser gibt es ja genug.

Wenn ein Kokser seinen Drogenkonsum übertreibt und dadurch den Beginn einer paranoid-halluzinatorischen Psychose durchmacht, wird er ganz genau wissen, dass sich alles nur in seinem Kopf abspielt; beim ersten Mal wird er sich vielleicht nicht ganz sicher sein. Da er aber nach Absetzen der Droge wieder "normal" wird, ist "die Sache" für seinen Verstand eindeutig klar. Bei jeder weiteren Erfahrung dieser Art wird er es immer weniger mit der Angst zu tun bekommen, da er "es" im Griff hat.

Ganz anders sieht die Situation dagegen beim schizophrenen Menschen aus. Solange er keine plausible Erklärung für die veränderten Wahrnehmungen und körperlichen Vorgänge hat, bleibt er in der Psychose, seiner „Lösung“, gefangen. Angst und Unverständnis sind der Motor der Psychose.

Das Wichtigste für einen schizophrenen Menschen, der akut in einer Psychose steckt, ist es, aus ihr "herauszukommen"; das geht nur mit Hilfe seines eigenen Verstands. Um diesen zu erreichen, ist es absolut notwendig, dass die Person sich beruhigt. Beruhigen kann sie sich durch Schlaf und Ruhe. Die Ursache der Angst sollte nach Möglichkeit entfernt werden; evtl. kann ein Umgebungswechsel helfen. Hilfreich können Beruhigungsmittel oder Schlaftabletten sein – auch harter Alkohol funktioniert. Wenn mit einem psychotischen Menschen nicht über dessen Ängste und Wahnvorstellungen gesprochen wird, wird man sein Vertrauen nie gewinnen und seinen Verstand nie erreichen. Es ist nicht angebracht, ihn zu belächeln, anzulügen oder mit ihm wie mit einem kleinen Kind zu sprechen.

Das Auto im "roten Bereich" ist immer schneller. Man kann es nicht mit einem normalen Auto einholen. Ein getuntes Fahrzeug wäre dazu nötig. Die praktizierte Methode besteht allerdings darin, dem schizophrenen Fahrzeug ein großes Gewicht anzuhängen (diese Gewichte werden in verschiedenen Farben hergestellt und sind sehr teuer). Auf die Idee, den Fahrer zu erreichen um ihn davon zu überzeugen, langsamer fahren zu müssen, scheint keiner zu kommen ...

Ein paralleles Bild:
Ein Steinzeitmensch wird von einem Löwen angegriffen.
Einsfixdrei findet er sich auf einem Baum wieder.
Vielleicht wird er seinen Göttern dafür danken,
dass sie ihm in dieser Situation die Kraft gegeben haben
aus sich herauszuwachsen.
Dass er durch einen Adrenalinschub in der Lage war schneller zu sein als sonst,
hat ihre in der Evolution begründete Notwendigkeit.
Genau so verhält sich die Sache im übertragenen Sinn mit der Schizophrenie.

Mario


368
Date: Thu, 17 Feb 2005 11:00:18 +0100 (MET)
Subject: beirat für die teilhabe behinderter menschen

hallo Bodo

tut mir leid . nun habe ich dein forum verfehlt.
ich hoffe , ich langweile euch nicht , wenn ich jetzt nicht auch noch über un- und -sein von gott mit rede .

ich hatte mir erhofft etwas positives über reha-ausbildungen zu erfahren .arbeitsamtmässig .ich bin zum ersten mal 1984 nach einem krankenhausaufendhalt wegen der, wie ich mittlerweise weiss, antibiotika gegen eine nierenbeckenentzündung an einer psychose erkrankt .das war während meiner ausbildung , die ich dann aber abbrechen musste . seit dem bin ich aber auch keinen zweig weiter gekommen . beruflich jedenfalls . als meine tochter ein jahr alt war habe ich mal für ein jahr einen job auf "arbeit statt sozialhilfe" bekommen .

seit dem ist das arbeitsamt für mich zuständig , natürlich hatte ich dämlicherweise kein geheimnis aus dem grund meiner ausbildungslosigkeit gemacht . bis heute habe ich von denen sage und schreibe zwei (!) jobangebote bekommen . eine umschulung durfte ich 1994 anfangen , allerdings nur zur probe , die ich prompt ...na ich bekam die zweite psychose .in der zwischenzeit war ich gesund. plötzlich war auch nicht mehr von einer probe die rede .alle späteren versuche noch eine ausbildung zu bekommen scheiterten an hölzernen köpfen . irgendwann hat mal jemand aus versehen erwähnt dass ich eine reha machen könnte . die habe ich promt beantragt und auch bewilligt bekommen . einige jahre später war es dann auch endlich soweit dass ich eine arbeitserprobung und berufsfindung machen durfte .

leider fiel das genau in die zeit in der ich meinen allzweijährlichen rückfall (seit 94) bekam. ich bin mir zwar mittlerweile bewust wenn ich daneben bin aber habe mir nicht getraut zu sagen dass es so ist weil es ja alles in die ferne gerückt hätte . und das hat es nun tatsächlich.obwohl das in einer rehaeinrichtung für behinderte stattfand die ausdrücklich auch für psychose kranke da ist! diesen herbst werden es ja, vier jahre die das her ist . und nun hat mein arzt mir und dem arbeitsamt endlich bescheinigt das es von erfolg gekrönt sein müsse was anzufangen. und nach all der zeit fällt es meinen bearbeitern ein dass ich ja nun schon lange nichts mehr gemacht hätte und ich müsse erst noch einen arbeitsvorbereitungslehrgang von einem jahr machen der allerdings vier monate oder so wartezeit hat.also ich bin alle zwei jahre für drei monate nicht ganz bei mir . und jetzt fädeln die mir eine zukunft ein in der mir wieder die psychose ein bein stellen kann! ich suche schon die ganze nacht im SGB also einer neuen auflage unseres gesetzesschinkens nach paragraphen die auf meine situation zutreffen . aber ich kann mich da nicht finden . alles geht haarscharf an dem vorbei was bestimmt sowieso keine häufige praxis beim a.amt ist. alle psychos die ich kenne hocken alle paar monate in kliniken und werden so zugedröhnt dass sie nur monotone bewegungenabläufe machen können die sie zur fliessbandarbeitern ...neien ich schimpfe jetzt nicht.

das einzige brauchbare war eine längst abgelaufene frist unserer regierung , die zb.das arbeitsamt dazu verpflichtet servicestellen einzurichten die uns dann beraten und betreuen,unterstützen sollen . sag mal , gibt es soetwas irgendwo in unserem land?und wenn ja , wo?
es gibt von der regierung einen"beirat für die teilhabe behinderter menschen" .wie gibt man da eine petition ein?
fragen über fragen .


367
Date: Sun, 13 Feb 2005 15:03:55 +0100
Subject: Leserforum

Hallo Bea,

wenn ich richtig nachgelesen habe, warst Du die Medizinstudentin mit den 2 psychotischen Episoden, wobei Du seit längerem aber wieder mit wiederhergestellter Gesundheit dem Studium obliegst. Ich hatte, nachdem ich meine Geschichte in das Forum gestellt hatte, noch einige Tage danach Besuche von meiner Angststörung, mit der Befürchtung, zu viele negative Geschehnisse berichtet zu haben, zu schwarz gemalt zu haben, andere Leute damit runterzuziehen... Aber die berichtete Grundbewegung stimmt schon: die letzten 5 Jahre ging bei mir alles den Bach hinunter; mit meiner 2. Psychose bin ich halt diesmal im letzten Drittel von der Drittelregel gelandet (langsam chronisch progredient). Es gibt manchmal auch die Tage, an denen mich die Minus-Symptomatik und Angststörung einigermaßen in Ruhe lassen. Da denke ich dann: das ist jetzt der Anfang einer Besserung. Bis jetzt war’s leider nicht so. Mein soziales Umfeld sagt immer, ich darf die Hoffnung nicht aufgeben und ich versuche auch, sie mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Schließlich gab es auch einige hoffnungsvolle Beispiele im Forum; z. B. Christoph (Beitrag 360), der nach 7 Jahren Berentung wieder arbeitsfähig wurde, ...

An Perspektiven habe ich leider nicht so viel, bis auf den Rat des Psychotherapeuten, es in diesem Jahr nochmals mit einem längeren Krankenhausaufenthalt zu versuchen, wozu mich auch meine Familie drängt; auch eine nur geringfügige Besserung der Negativsymptomatik wäre willkommen. Da entstehen natürlich die Dispute darüber, welches denn nun die richtige Klinik wäre; anthroposophisch oder dynamische Psychiatrie oder ...

An langfristigen realistischen Zielen habe ich leider auch nicht viel zu bieten, außer dem Wunsch, gesund zu sein und wieder arbeiten zu können. Mein z. Zt. behandelnder Arzt schlägt eine geringfügige Beschäftigung vor, 1-2 Stunden am Tag eine möglichst stumpfsinnige Arbeit, wie z. B. Regale einräumen. Ich frag mich halt nur, welcher Supermarkt würde einen mit solchen Arbeitszeiten denn einstellen, und zum anderen befürchte ich, das mir die Antriebsminderung und die Angststörung einen Strich durch die Rechnung machen werden, und des weiteren habe ich selber unter meiner eigenen Stumpfsinnigkeit zu leiden und fürchte, dass ich mir mit einem solchen Job nichts Gutes tun würde. Hinzuverdienen darf ich zu meiner Erwerbsminderungsrente auf Zeit 345,- Euro. Vielleicht lässt sich hier tatsächlich ein langfristiges Ziel erkennen; irgendwo einen erträglichen Job zu finden, wo ich mit 1-2 Stunden am Nachmittag einsteigen könnte. In einer Kleinstadt wie Konstanz natürlich ungleich schwieriger als in Städten wie München oder Berlin – Bodo berichtete über ein Zuverdienstprojekt alldort.

Zu den Medikamenten kann ich nicht allzuviel sagen; mir fehlen da pharmazeutische Grundkenntnisse. Wobei Deine Argumentation aber schlüssig klingt, bzgl. des Dopamins. Es ist halt so, dass das Levodopa gegen die restless legs tatsächlich geholfen hat; dieser gräßliche Zwang, die Beine ständig dehnen und strecken zu müssen war nach der Einnahme des Levodopas sofort weg (motorische Unruhe ist was anderes). Ich kann mich erinnern auf einer Internet-Seite über restless legs gelesen zu haben, dass Levodopa eher zufällig als wirksames Medikament gefunden wurde; der Wirkungsmechanismus ist wohl noch unbekannt. Mein Psychiater wird in wenigen Monaten in den Ruhestand gehen, und ich muß mir dann einen neuen suchen; dort werde ich die Dopamingeschichte dann einmal ansprechen – im Moment ist es ungünstig.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg in Deinem Medizin-Studium, Bea.
Liebe Grüße, Martin


366
Date: Fri, 4 Feb 2005 11:09:37 +0100 (MET)
Subject: Leserforum - An Martin

Lieber Martin,

deine Geschichte hat mich ziemlich erschreckt, weil es auf mich so wirkte, als sei kontinuierlich alles den Bach runter gegangen. Zuerst angehender Lehrer und jetzt ist es schon anstrengend, einem Kind bei den Hausaufgaben zu helfen. Ich stelle mir das mit einer langsamen, chronisch progredienten Psychose auch viel schwieriger vor, als wenn es akut und heftig kommt, dafür aber schnell wieder weggeht, da ist die Prognose auch viel besser.
Und dass du nichts daran ändern kannst, dass es immer schlechter wird, das ist auch furchtbar. Hast du denn irgendwelche Perspektiven? Ich meine, hast du langfristige Ziele? Irgendeine Besserung in Aussicht?

Ich möchte dich nicht runterziehen und deine Situation schwärzer malen, als sie ist, es hat mich nur so betroffen gemacht, deine Geschichte zu lesen.

Und ich finde deine Medikamentenkombi sehr eigenartig, wieso bekommst du denn Levodopa? Das ist doch eine Dopaminvorstufe und wird im Gehirn wieder zu Dopamin umgewandelt, aber gleichzeitig nimmst du Risperdal um die Dopaminrezeptoren zu blockieren, naja unter anderem zumindest. Das wirkt auf mich ein bisschen überflüssig - gegen die Nebenwirkungen, die dadurch kommen, dass die Dopaminrezeptoren geblockt sind, Dopamin zu geben...
Könntest du nicht lieber ein bisschen weniger Risperdal nehmen, sodass dadurch schon die NW mit den restless legs aufhören? Akineton finde ich da schon einleuchtender, weil das einen anderen Wirkmechanismus hat. Aber irgendwer wird sich ja was dabei gedacht haben.

Liebe Grüße

Bea


365
Date: Sat, 29 Jan 2005 23:16:55 +0100
Subject: Leserforum

Hallo, alle miteinander.

Martin ist mein Name, bin fast 39 Jahre alt und habe eine schizophrene Psychose. Ich finde diese Seite gut und hilfreich und habe das ganze Psychose-Forum durchgelesen; man weiß dann, das man mit seiner Psychose nicht alleine auf der Welt steht.

Bei mir fing das mit der Psychose im Sommer 1998 an. Ich war da im Lehramtsstudium in Flensburg, und lief dann auf einmal täglich durch die Stadt, während des 1. Staatsexamens, und hab' harmlose Passanten angebrüllt und angespuckt; monatelang, in dem Wahn, an einem „geheimen Auswahlverfahren“ für einen Gesangswettbewerb teilzunehmen (meine Fächer waren Musik und Physik). Die innerlich gehörten Stimmen hatten mich immer wieder aufgepeitscht lauter zu brüllen. Abends kühlte ich dann meine angestrengten Rachen mit Eis.
[Heute, 2005, möchte ich mich bei allen betroffenen Flensburger Passanten dafür entschuldigen.]

Beziehungswahnphantasien hatte ich auch. (Eine echte Beziehung hingegen leider nie.) Das wahnsinnige „Aufgeschäumtsein“ war eine positive Symptomatik; ich fühlte mich gut, auserwählt, als „geheimer Ordnungshüter“. Bis dann Anzeigen gegen mich einliefen, und die Polizei mich im Krankenwagen in die Psychiatrie nach Schleswig verfrachtete. Zuerst eine Woche auf einer geschlossenen Station unter Haldol, dann zwei Wochen auf einer offenen Station. Auf der offenen Station gab es einen Suizid, von einem Mann um die 45, zu dem ich einen Kontakt hatte; er hörte auch Stimmen. Ich dachte, alles wäre nur für mich gespieltes Theater, auch als ein netter Pfleger von der Beerdigung zurückkam.

Während der Psychose, vor der Zwangseinweisung, warf ich z. B. meinen gesamten Inhalt des Kleiderschrankes weg, und musste mir zwanghaft rein weiße Kleidung kaufen (Hosen, Schuhe, Gürtel, Pulli, Mantel, ...), obwohl ich Weiß früher nie gemocht hatte; es wird so schnell schmutzig. Auch habe ich meine gesamten Bücher und Noten – eine ganze Wand voll – im Wert von ca. 30.000 DM weggeschmissen, ins Altpapier. Auch meine früher so geliebten Musikinstrumente wanderten in den Müll, mein Blockflöten-Quartett und mein Zink (mittelalterliches Blasinstrument).

Nach gut drei Wochen wurde ich entlassen – die Psychose war abgeklungen. Das Staatsexamen hatte ich nicht bestanden (wahrscheinlich stand nur wirres Zeug auf dem Prüfungspapier). Ich hatte dann zunächst als Pflegehelfer bei einem ambulanten Pflegedienst gearbeitet (die Arbeit kannte ich aus dem Zivildienst). Der Verdienst war nicht hoch, aber ich war fröhlich und guter Dinge; die Arbeit machte mir Freude. Weil ich aber noch immer keine abgeschlossene Berufsausbildung hatte, zog ich nach München, im Herbst 1999, weil ich dort noch eine ältere Schwester hatte, um eine Ausbildung zu machen. Zunächst jobbte ich wieder im Pflegedienst, in einer chirurgischen Privatklinik. Nach kurzer Zeit fragte mich die Pflegedienstleitung, ob ich nicht Medizin studieren wolle, und nebenher im Haus jobben, wie es einige andere auch täten. Ein tolles Angebot, aber ich hab’s irgendwie gar nicht realisieren können. Nach drei Monaten, im Januar 2000, ging’s dann wieder los mit psychotischen Symptomen, diesmal aber keinen positiven. Eine Paranoia war es diesmal, ich fühlte mich verfolgt von den Schwestern und Pflegern, hörte beleidigende Stimmen, konnte nicht mehr schlafen. So klar war ich diesmal jedoch noch im Kopf, dass ich wusste: ich muß kündigen, mein Arbeiten wird sonst für die Patienten gefährlich. Ich war mehrmals bei niedergelassenen Psychiatern gewesen, die mir alle Medikamente mitgaben, die ich aber nicht nehmen wollte – das Haldol hatte ich in unguter Erinnerung behalten, obwohl es das Toben damals abgestellt hatte. Eine Krankheitseinsicht hatte ich zu der Zeit nicht.

So fing ich dann in München eine vom Arbeitsamt finanzierte Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten an. Wegen dem Verfolgungswahn – diesmal waren die Lehrer die Verfolger – wechselte ich nach einem halben Jahr die Stadt, in ein kleines Dorf, nach Hannoversch-Münden, zwischen Göttingen und Kassel, an eine dortige Chemie-Schule, in der Absicht so den Verfolgern zu entkommen, und habe dort unter unmöglichen Bedingungen gehaust, absurde Essens-Rituale befolgt - Vergiftungsgefahr durch die Verfolger -, hatte weiterhin Wahnvorstellungen und starke körperliche Symptome wie z. B. plötzliches Herzrasen, Hypersexualisierung, Verstopfung (dicker Bauch). Ich war aggressiv gegen einige Lehrer, besuchte deren Unterricht teilweise nicht, bekam aber erstaunlicherweise trotzdem das Abschlusszeugnis, in einer 1-jährigen „Schnellbleiche“ (statt drei Jahren regulärer Ausbildung), natürlich mit entsprechenden sehr schlechten Noten – schlechte Berufsaussichten eben. Bei einem dortigen Psychiater bin ich einmal vorstellig geworden, aber mir fehlte immer noch die Krankheitseinsicht.

Danach zog ich zu meinen Eltern, im Sommer 2001, in ihre Wohnung nach Konstanz, am Bodensee. Als chem.-techn. Assistent fand ich dort keine Arbeit, also versuchte ich es zunächst wieder im Pflegebereich. Ein Pflegeheim war bereit, mich als zusätzliche Nachtwache anzustellen. Nach 10 Nächten musste ich den Job hinschmeißen, wegen akuter paranoider Wahnvorstellungen. Da ich mich auch von meiner Mutter und meinen Stiefvater verfolgt fühlte, war ich auch aggressiv gegen sie – schlussendlich brachten sie mich dann in die hiesige Psychiatrie, wo meine Aggressivität innerhalb von drei Monaten schwand, die restliche Symptomatik diesesmal aber nicht gebessert werden konnte. (Meine zweite Psychose war also 1 ½ Jahre unbehandelt geblieben.) Was die Medikamente betrifft, so kann ich mich noch an Decentan und Akineton erinnern; es gab aber sicherlich mehr.

Die Paranoia blieb, auch die Schlafstörungen. Diagnose: schizophrene Psychose mit paranoiden Wahnvorstellungen.
Das erste halbe Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt habe ich mehrmals täglich laute Stimmen gehört, die mich aufgefordert haben, aus dem Fenster zu springen. Ich hatte Glück, und konnte mich von den Stimmen distanzieren. Ich hab' dann immer laut in den Raum hineingesprochen: „Nein, das werde ich nicht tun!“ Manchmal stand ich dann auch am Fenster im 5. Stock und dachte, das überlebt man doch wahrscheinlich schwerverletzt, vielleicht mit Querschnittslähmung. Das wollte ich nun auf gar keinen Fall.

Im Dezember 2003 unternahm ich einen weiteren Versuch zu arbeiten, wieder in demselben Pflegeheim, mit der Absicht eine Ausbildung zum Altenpfleger zu machen. Nach zwei Wochen musste ich wieder alles abbrechen – ich stand tagsüber apathisch im Heim herum, und schlief teilweise überhaupt nicht mehr. Die Schwestern schimpften über mich. Da ich niemanden von der Leitung etwas über meine Erkrankung gesagt hatte, werden die Leute dort wohl nichts Gutes von mir gedacht haben.

Im Februar 2004 stellte ich dann einen Antrag auf volle Erwerbsminderungsrente, der auch genehmigt wurde. (Vorher hatte ich Arbeitslosenhilfe bezogen.) Da ich wenig gearbeitet und hauptsächlich studiert habe, ist die Rente sehr gering. Würde ich in eine eigene Wohnung ziehen, bekäme ich Sozialhilfe (Miete), z. Zt. jedoch nicht, da ich bei meinen Eltern wohne. Wenn die Psychose so bleibt, hat sie mich tatsächlich zum Sozialfall gemacht.

Die Paranoia hat sich bis jetzt sehr abgeschwächt, die Schlafstörungen sind mir erhalten geblieben, ebenso das Stimmenhören (hämisch kommentierende und beleidigende Stimmen). Weiterhin hat sich eine Affektverflachung eingestellt (die Gefühle sind weg), eine massive Antriebsverminderung, motorische Unruhe, körperliche Erschöpfung. Die Sexualität ist ganz weg. Meine früheren Interessen (Musik, Physik, Chemie) sind weggewischt, die Psyche ist wie verödet. Eine ausgeprägte Negativsymptomatik eben.
(Ich bin der Meinung, das diese Symptome von der Psychose herrühren, und keine Nebenwirkungen der ohnehin niedrigdosierten Neuroleptika sind.)

Seit ca. einem Jahr habe ich auch eine Angststörung: ich sehe dann z. B. Bilder von meinen noch lebenden Verwandten / Eltern als Leichen, und habe dann die Zwangsvorstellung, mich um deren Nachlass kümmern zu müssen, die Wohnung ausräumen zu müssen etc., alles Dinge, die ich in meinem momentanen Zustand überhaupt nicht bewältigen könnte. Oder ich habe Angst vor den Stimmen der Mitbewohner im Haus, die ich aus dem Treppenhaus höre, oder vor (alten) Leuten auf der Straße, die ich plötzlich (wie im Umschlagen eines Vexierbildes) als Leichen sehe.

Alle zwei Wochen bin ich bei meinem Psychiater in der offenen Sprechstunde, wegen der Medikamente. Z. Zt. bekomme ich Risperdal, 2 mg; Perazin, 50 mg bei Bedarf ; Diazepam bei Bedarf (bei Angststörungen; 10 – 20 mg reichen meistens), Levodopa 125 mg; wegen „restless legs“. Zugenommen hab ich nur 5 kg.

Was die Psychotherapie angeht, so sind ein (ärztlicher) Psychotherapeut und ich nach einem Gespräch zu dem Ergebnis gekommen, das eine Therapie im Moment nicht das Geeignete für mich ist; Antrieb und Motivation sind zu stark vermindert; auch habe ich kein Thema, das ich im Moment zu besprechen hätte. Über meine Psychose bin ich mir auch so im Klaren. Er würde eher einen nochmaligen Klinikaufenthalt befürworten. (Ich bin da leider skeptisch eingestellt: 2001 hatte der Krankenhausaufenthalt schließlich auch kaum was gebracht.)

Zur Zeit gehe ich drei mal in der Woche nachmittags zur Familie meiner jüngeren Schwester, wo ich die Hausaufgaben ihrer ältesten Tochter (2. Klasse) für eine Stunde beaufsichtige. Das ist eine Art Beschäftigungstherapie für mich. Danach bin ich meistens nervös. Sozialer Kontakt strengt mich an – früher war das anders.

Ich habe mir oft gewünscht, das meine Psychose einen solchen Verlauf nehmen würde, wie in meiner Episode von 1998: kurz und heftig, dann aber gesund. Sie schleicht sich aber eher seit Jahren so langsam in negativere Bereiche ein. Mehr als das zur Kenntnis zu nehmen kann ich nicht tun.

Beitrag 361 von Miriam hat mich erschreckt. Ich war einmal in einer ähnlichen Situation, allerdings mit einer Angststörung, als ich schlotternd am Wochenende mitten in der Nacht hinaus in das kilometerweit entfernte Zentrum für Psychiatrie Reichenau geradelt war, und vom diensthabenden Arzt nicht aufgenommen wurde. Passiert war mir damals nichts (der Arzt hatte immerhin beruhigend auf mich eingeredet) aber Miriams Freund ja schon, mit seinem Suizidversuch. Da kommt einem leicht der juristische Begriff von der „unterlassenen Hilfeleistung“ in den Sinn. Auch Ärzte sind nur Menschen und treffen manchmal falsche Entscheidungen.

Zu Beitrag 364 von Sonja wollte ich anmerken, dass ich früher auch Angst vor Medikamenten hatte. Aber nach meinen Erfahrungen mit der Psychose wurde mir bei meiner ersten Episode auch mit einem Neuroleptikum geholfen. Und bei meiner Angststörung nehme ich, wenn’s schlimm wird, für ein paar Tage Diazepam, und bis jetzt hat’s immer geholfen, auch wenn es müde und schlapp macht – es dämpft eben doch das Angstgefühl; meiner Erfahrung nach zumindest. (Das es auch ein Suchtpotential besitzt, will ich nicht verschweigen, aber bisher hatte ich immer ein Auge darauf, und passiert ist nichts.) Davon, dass Deine Angstpsychose weg gehen wird, wage ich gar nicht zu sprechen; wünschen tue ich es dir auf jeden Fall.

Ich hab jetzt einfach mal so erzählt, von meiner Psychose. Ich hoffe, niemanden mit diesen vielen negativen Dingen weiter herunterzuziehen. Wäre ich der Weihnachtsmann, würde ich Gesundheit mit vollen Händen verteilen.

Macht’s alle gut, liebe Leute, bis dann,
Martin


364
Date: Tue, 18 Jan 2005 13:33:48 +0100
Subject: Leserforum

... auf Wunsch wieder gelöscht!


363
Date: Mon, 17 Jan 2005 21:00:39 +0000
Subject: psychosenachbehandlung rpk os

hallo bodo
ich bin der vater eines,seit drei jahren erkrankten sohnes (schiz.psy.)25jahre .
fand deine seite informativ und verständlich sowie irgrendwie kommunikationsanregend.mein anliegen ist nun hier in der gegend von osnabrück vielleicht auch noch bielefeld und münster informationen zu bekommen was "man "so von einer reha im rpk. os hält.
aus meiner sicht ist zumindest der austauschwille ,die zusammen arbeit zwischen patient arzt sozialarbeiter und familie miserabel.obwohl ich nur einmal im monat vorsprach wurde ich als querulant kaltgestellt.keiner geht ans tele man darf mir nichts sagen oder man ruft zurück denkste, persönliche vorsprache nur nach längeren terminen.
das würde ja nichts ausmachen wenn die ergebnisse gut wären.
die behandlung meines sohnes "S"gestaltet sich als schwierig er ist wenig krankheitseinsichtig,relativ intelligent und versucht wohl auf eigene art sich zu therapieren.
nachdem die erste psy wohl auch im zusammen hang mit drogen auftrat ist er jetzt hard core veganer kritisiert die fleisches und alkosüchte seiner mitmenschen,macht sich deshalb wenig freunde.natürlich sind auch extrahierte medikamente out.
drei zwangseinweisungen ,immer nach absetzen, das ergebnis.
zwischendurch wohnung,wohnungsverlust, wohnen bei bekannten, wohnen in häusereinfahrten.
problem...
seit einem halben jahr machte er nun eine reha im rpk( 18 monate gewartet) so arbeitstechnisch waren seine leistungen gut ,er schien sich sichtbar zu erholen.
dann versuchte er wieder es ohne medizin.drei monate später ganz offensichtliche psychotische verhaltensweisen.im anschluss wieder zwangseinweisung was sonst.ok.
die ganze zeit über versuchte man angeblich ihn zur pilleneinnahme zu überreden.ich übrigens auch. die medikamentierung zyprexxa und noch war recht massvoll (habe ihn schon wesentlich überdosierter gesehen inkl. tremor etc) fazit... er glaubt er hatte ein psychose und würde wieder die medikamente nehmen(.die reha hat einen hohen stellenwert in seiner subjektiven genesung.)diplomatischer schachzug?eher ein funke von einsicht.
was er oder ich nun nicht verstehen, sein reha platz ist anderweitig vergeben, er soll sich seine sachen abholen und sich am besten eine wohnung suchen noch aus psychatrie.
vorher wurde ihm versprochen nach klinischem aufenthalt weitermachen zu können.
wer ist hier schizzo?war da was ?urlaub!!!
also wir suchen einen netten therapeuten der(DIE) in absehbarer zeit,mal mit meinem sohn reden will. wir sind auch dankbar für hinweise die zur ergreifung eines solchen führen.
überhaupt suche ich informationen über tageskliniken rehazentren etc die nicht dem land unterstellt sind. .klopfer.seine intelligenz steht ihm im weg.
soweit, danke für jeden gut gemeinten rat.
email an
silberschmied@freenet.de


362
Date: Sat, 8 Jan 2005 19:43:57 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

Liebe Miriam,

ich bin überrascht Deine Frage zu lesen, was Du tun sollst. Das kann man natürlich nicht im voraus sagen, denn die Dinge ergeben sich von selbst.
Wenn Du wissen willst, wie Du Dich persönlich verhalten sollst, dann möchte ich sagen: Sei geduldig und stark und wenn Du ihn wirklich liebst, dann ist jetzt die Zeit gekommen das zu beweisen. Wenn es aber lediglich eine "Schönwetterliebe" war, dann Gnade Deinem Partner. Ich nehme an, dass Du automatisch das Richtige tust, denn Liebe versteht alles. So wie eine Mutter fast immer automatisch das Richtige tut (normalerweise), um ihr Kind aufzuziehen, so wirst Du auch wissen was zu tun ist.

Miriam, ich kannte meine jetzige Frau (und die einzige die ich hatte) schon seit 1980. Die Frage einer Heirat stand im Raume, konnte mich aber aus schwerwiegenden Gründen (noch) nicht für eine solche entscheiden. Als ich 1987 an einer endogenen Psychose erkrankte, gab ließ sie ihre damalige Arbeitsstelle ruhen und reiste zu mir (sie wohnte weit weg), um mich zusammen mit meiner Mutter 6 Wochen lang täglich in der Psychiatrie zu besuchen. Nach der Entlassung und nach einigen Monaten der ersten Arbeitsversuche heirateten wir und sind bis heute glücklich miteinander, ob wohl ich seitdem mehrere akute Phasen hatte. Es gäbe viel zu sagen darüber was man alles tun und lassen sollte.

Die beiden wichtigsten Gründe für meine jetzige tolle Verfassung waren: eine Frau und Mutter die mir immer bedingungslos beistanden und fast ebensowichtig: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Arbeit, um sich wieder an das Leben zu gewöhnen und den Umgang mit Menschen.

Lieber Christoph,

Ich hatte mich einmal bei einem Großkonzern (Warenhaus) vorgestellt. Und zwar wollte ich mit damals 32 Jahren eine Ausbildung zum Verkäufer machen. Aufgrund meiner bisherigen Zeugnisse (ich komme aus einem anderen Metier) wollte man mich aber als ausgelernte Kraft einstellen. Wir führten also das Vorstellungsgespräch und dann kam die Frage darauf, wieso ich so lange nicht gearbeitet hatte (einige Monate). Er unterbrach dann schließlich aus Zeitmangel das Vorstellungsgespräch und meinte, dass er mich in 1 Woche wieder sehen will und dass wir dann "Tacheles" reden werden. In diesem Moment wußte ich, dass ich die Wahrheit sagen mußte. Die Woche verging und saß wieder auf dem gleichen Stuhl, vor der gleichen Person. Diesmal war aber ein Abteilungsleiter mit anwesend, für den ich arbeiten sollte. Ich sagte offen die Wahrheit. Fast erbost oder zumindest sehr estaunt fragte er mich, warum ich ihm das nicht gleich gesagt habe. Ich sagte wörtlich: "Weil ich mir daraus Nachteile versprochen habe!" Sie überlegten mit runzelnder Stirn und schienen dann erheitert. Der Personalchef meinte zum Abteilungsleiter: "Toll, erst half er ihr und dann hilft sie ihm." "Sie hören von uns", wurde mir gesagt. Der Personalchef rief mich am nächsten Tag an und sagte, dass ich gleich am Montag anfangen kann zu arbeiten. Ich hatte zwar die Arbeit aber es ging mir sehr schlecht. So zum Beispiel schlief ich immer während der 30 minütigen Mittagspause im Umkleideraum ein, so müde war ich. Nach wenigen Monaten kündigte ich selbst - freiwillig!

Ich hatte noch mehrere Stellen, die zu ergattern immer ein leichtes für mich war. Einmal fing ich meine Arbei um 8 Uhr an und kündigte nach 2 Stunden (wegen Überforderung - Krankheit) wieder. Die z.B. wußten nichts von meiner Psychose. Sie mußten sich wahrscheinlich nur maßlos gewundert haben, das jemand nach 2 Stunden den Geist aufgibt.

Jetzt habe ich im öffentlichen Dienst eine wunderbare Stelle, die ich anfänglich auch nur mit Schwierigkeiten bewältigen konnte. Aber ich habe es geschafft. Der Verwaltungsdirektor und der Personalchef wußten von Anfang an von meiner Krankheit und gabe mir eine Chance. Es gibt noch andere Schwerbehinderte in meiner Organisation. Ich muß jedoch zugestehen, dass ich das Vorstellungsgespräch bekommen habe, weil eine nette Person ein Wort für mich eingelegt hatte.

Was soll ich Euch sagen?!: Ich war noch nie so glücklich wie jetzt. Jetzt, nach 17 Jahren Psychoseerfahrung. Es ging mir noch nie so gut wie jetzt, auch nicht vor meiner Krankheit. Ich habe durch die schwierigen Prüfungen viel erlebt und es hat mich stark gemacht. Ja, ich nehme noch Tabletten. Aber müssen Herzkranke und andere Schwerkranke nicht auch manchmal ihr ganzes Leben lang Tabletten nehmen ? Und geht es bei uns dann um Leben oder Tod, wenn wir die Tabletten mal nicht einnehmen? Nein!

Zum Schluß möchte ich sagen, dass ich diese Krankheit verfluche, dass sie mich aber menschlich sehr weit gebracht hat.

Christoph, ich kenne Deine Berufswünsche nicht. Es könnte sein, dass Du die eine oder andere Stelle nicht bekommst, wenn Du die Wahrheit sagst. Wenn Dein Arbeitgeber aber von Deinem Schicksal weiß, hast Du es hinterher vielleicht leichter. Man nimmt vielleicht Rücksicht und Du hast nicht den wahnsinnigen Stress immer alles vertuschen zu müssen. Denke daran, dass Du mal in Erklärungsnöte kommen kannst. Ich kann Dir aber keinen Rat geben, was Du tun sollst.

Gruß an Alle.

Erwin
Erwin771@gmx.de


361
Date: Sun, 2 Jan 2005 20:31:11 +0100 (MET)
Subject: Leserforum

Lieber Bodo,

ich wende mich an dich weil ich echt nicht mehr weiter weiß.
Ich kenne meinen Freun jetzt seit 2,5 Jahren. Von Anfang an wusste ich das er Psychisch krank ist.

Er war schon zwei mal in der geschloosenen Psychatie. Zuletzt 1999.
Wenn er mir nicht erzählt hätte das er Psychisch krank ist, wäre es mir nie aufgefallen.

Mein Freund und ich wohnen jetzt seit ca. 1,5 Jahren zusammen und es war einfach alles Perfekt. Er besuchte seit einem Jahr die Meisterschule und war dabei den Schreiner Meister zu machen. Den Ausbilder und Fachkaufmann hat er auch "Problemlos" bestanden, genauso wie sein Meisterstück. Nur bei 3 von 5 Theoretischen Prüfungen hat es gehapert. Aber auch da hat er die Möglichkeit sie zu wiederholen. Eigentlich war alles o.k, bis zum 13.12.2004.

Mein Freund hat gemerkt das seine "Krankheit" wieder kommt. Wir sind auch direkt in die Psychatrie gefahren, wo er sich selber einweisen wollte. Man hat uns weg geschickt. Dann sind wir zu seinem Psychologen gefahren, der nichts besseres zu tun hatte als zu sagen das er noch ein Paar Tabletten (Zyprexa) nehmen soll, und versuchen soll zu schalfen.

Das Ende vom Lied ist, das er aus unserem Schlafzimmer Fenster gesprungen ist. 10 Meter. Ich war dabei und habe noch versucht Ihn festzuhalten, aber ich war einfach zu schwach.
Gott sei Dank hat er überlebt. Jetzt liet er zwar immer noch auf der Intensiv-Station, aber ich weiß genau das er es schaffen wird.
Ich habe nur die totale Angst was nach der Intensiv Station auf uns zukommen wird. Z.Zt. kann er durch den Luftröhren Schnitt noch nicht sprechen, aber ich denke in 1-2 Wochen wird er auch das wieder können. Ich weiß absolut nicht wie ich mich Ihm gegenüber verhalten soll. Ich mein es ist gar kein Thema das ich alles mit ihm durchstehen werde, aber die Angst vor dem was kommen wird ist da.

Vielleicht kannst du Bodo mir weiter Helfen oder gerne auch jeder andere aus dem Leserforum.
Ich bin einfach über jegliche Form der Hilfe dankbar.

Meine E-Mail Adresse lautet: Miramo@gmx.de

Vielen Dank und lieben Gruß
Miriam


360
Date: 02 Jan 2005 10:06 GMT
Subject: Leserforum

Gedanken zum 10. Geburtstag meiner Psychose

Mein Name ist Christoph und ich bin jetzt 36 Jahre alt. Die akute Phase meiner endogenen Psychose fand im Sommer 1994 statt (zwei Wochen geschlossene, sechs Wochen offene Station). An meinem 26. Geburtstag wurde ich das einzige Mal fixiert (eine schlimme Erfahrung).

1. Was löste die Krankheit aus?

Wenn ich zurückdenke, wie es dazu kam, daß bei mir die Sicherungen durchbrannten, so finde ich mehrere Faktoren: Hauptgrund war aus meiner Sicht die lange, lange erfolglose Suche nach einer Partnerin; dazu kam die Überforderung in der Arbeit (gehobener Dienst im Finanzamt) und eine aus den vorgenannten Faktoren resultierende Flucht in den Alkohol (Führerscheinentzug mit 2,28 Promille). Zudem konnte ich als alter Ja-Sager zu dieser Zeit keinen Job in meinem Sportverein ablehnen, also machte ich zusätzlich zum Fußball spielen (das mich als einziges nie belastete) auch noch Hauptkassier, Jugendbetreuer und Schiedsrichter. Also viel zuviel auf einmal und nichts richtig.

2. Die akute Phase

Im großen und ganzen braucht Ihr nur das Tagebuch von Bodo lesen und ein paar Daten und Namen ändern, dann habt Ihr auch meine Geschichte. Bei mir als Wessi waren halt die Osteuropäer die Bösen, alle westdeutschen Kfz-Kennzeichen bedeuteten Sicherheit, ich glaubte, Nazis am Blick erkennen zu können (zu der Zeit lief "Schindlers Liste" im Kino), das Fernsehen wurde nur für mich gemacht, alle Leute redeten nur über mich und wie sie mich beeindrucken könnten, ich war das Zentrum der Welt!

3. Die Klinik

Meine Umwelt (Mutter, Bruder, Patenonkel) versuchten alles, um mich zu beruhigen. Half alles nichts, an einem Samstag brachten sie mich in die nächstgelegene psychiatrische Klinik, wo ich mit dem "Klassiker" Haldol behandelt wurde. Nach nur zwei Tagen hatte ich mich soweit beruhigt, daß ich sogar am Montag wieder entlassen wurde. Ich konnte in diesem Zustand erstaunlich überzeugend sein. Leider befolgte ich nicht den ärztlichen Rat, vorläufig nicht in die Arbeit zu gehen. Das Erstaunliche ist, daß diese Woche die "schönste" meiner fast zehnjährigen Tätigkeit im Amt war. Die durch die Psychose ausgelöste Euphorie schien mir Flügel zu verleihen. Allerdings kann ich mich auch dunkel an viele erstaunte Blicke von Kollegen und Freunden erinnern, denen mein Verhalten wohl (zurecht) seltsam erschien. Am darauffolgenden Samstag hatte ich die blöde Idee, meinen Geburtstag bei meinen neuen Bekanntschaften in der Klinik zu feiern. Doch ich flog mittlerweile so hoch, daß das Ganze mit der eingangs erwähnten Fixierung und einer Spritze in den A... endete.

Die darauffolgenden Tage wurde ich mit Haldol so vollgepumpt, daß ich mich kaum noch bewegen und nur noch sehr undeutlich sprechen konnte. Ich wurde im wahrsten Sinne des Wortes ruhiggestellt. Die Behandlung führte dazu, daß ich von einer exzessiven Euphorie in totale Verzweiflung verfiel. Ich hatte zu überhaupt nichts mehr Lust, es schien, als wäre jede Energie aus meinem Körper entzogen. Ich schlief viel. Ich hatte viele Fragen. Nachdem eine ganze Reihe von medizinischen Untersuchungen (EEG, Tomographie, etc) kein Ergebnis brachten, lautete die Diagnose endogene Psychose, was wohl stimmt. Doch wie kann man die heilen? Gar nicht, man kann sie nur mit Medikamenten eindämmen, so wie ein Gelähmter Krücken braucht. Die Psychopharmaka sind unsere Krücken, ein Leben lang.

4. Die Zeit nach der Entlassung

Nachdem ich nach zwei Monaten auf eigenen Wunsch entlassen wurde, war ich erstmal bis Ende des Jahres krankgeschrieben. Ich brauchte viel Zeit, um die Krankheit als solche zu akzeptieren. Mir war es doch so gut gegangen, die erlebte Euphorie war ein tolles Gefühl gewesen. Ich habe danach nie wieder so tief empfunden wie in der akuten Phase. Aber jetzt mußte ich mit der Realität wieder klarkommen. Kam ich aber erst mal nicht:
Kurzfassung der nachfolgenden Ereignisse: Führerscheinentzug wegen Alkohol, ein Selbstmord- versuch mit angesammelten Psychopharmaka, Entlassung aus dem Staatsdienst wegen dauernder Dienstunfähigkeit, seit zehn Jahren durchgehend Behandlung mit Psychopharmaka. Zwischendurch hab ich mehrmals die Tabletten selbständig abgesetzt, zuletzt im Herbst 2002. Konsequenz: Innerhalb von zwei Wochen kommt die Euphorie zurück, zusammen mit den wirren Vorstellungen und der Ich-Bezogenheit, einem gesteigerten Selbstvertrauen und tiefem Empfinden. Mein Doc erhöht dann für mehrere Wochen die Dosis, um sie dann langsam wieder zu reduzieren auf mein jetziges Niveau: Ich nehme seit nunmehr zwei Jahren 5 mg Zyprexa am Tag. Das sind meine Krücken, und ohne sie würde ich auf die Schnauze fallen. Laßt Euch von niemandem einreden, daß Ihr "dieses Gift" nicht braucht. Meistens meinen es diese Leute ja gut, wenn sie einen solchen Rat erteilen, aber würden sie auch einem Gelähmten raten: "Schmeiß Deine Krücken hin und lauf!"???

5. Endlich eine Freundin

Im Jahr 2003 trat eine Frau in mein Leben, die mir die Freude am selbigen zurückgab. Sie liebte mich trotz meiner Krankheit, von der ich ihr nichts verschwiegen habe. Daß diese Beziehung dann im Sommer 2004 doch zuende ging, hatte nichts mit der Psychose zu tun. In der Zeit, in der ich mit ihr zusammen war, stabilisierte ich mich immer mehr und selbst nach der Trennung ist bis heute nichts mehr vorgefallen. Sie hat mir sehr viel Kraft und Freude gegeben. Dafür werde ich ihr mein Leben lang dankbar sein.

6. Und wie geht's weiter?

Es ist 2005 und ich werde mir nach sieben Jahren Rente wegen Erwerbsunfähigkeit eine neue Arbeit suchen. Doch wie soll ich vorgehen? Deshalb jetzt meine Frage an Euch: Die Wahrheit über meine Entlassung aus dem Staatsdienst sagen oder überhaupt nicht erwähnen und den Lebenslauf etwas frisieren? Ich bitte Euch, mir Eure Meinungen bzw. Erfahrungen zu diesem Thema zu schreiben: eMail an javelin@hotmail.de.

7. Epilog

Ich wünsche allen von einer Psychose heimgesuchten viel Kraft und Freude am Leben.
Keep your feet on the ground and keep reaching for the stars...

Christoph


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Hier findet ihr die Umfrage-Ergebnisse der letzten Jahre.

Mini-FAQ

Frage: Was heißt "Pahaschi"?

Antwort: Bodos Kurzwort für seine Diagnose - nämlich Paranoide halluzinatorische Schizophrenie. Das heißt aber nicht, daß dieses PAHASCHI-Psychose-Leserforum nicht auch für andere Psychose-Diagnosen geeignet ist.


URL: http://home.arcor.de/pahaschi/forum.htm