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Tagebuch einer Psychose

Selbsthilfe-Archiv Psychose Nr.11

404
Datum: Wed, 21. Dec 2006 07:58:00 +0100
Betreff: Weihnachtsgrüße

Liebe Leser, liebe Mitbetroffene und Angehörige,

Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest,
einen Guten Rutsch ins Neue Jahr und für 2007 natürlich
viel Gesundheit und Energie, auf daß Eure Wünsche in Erfüllung gehen!

Euer Bodo


403
Datum: Wed, 13. Dec 2006 18:27:00 +0100
Betreff: Leserforum

Bitte schickt mir Emails! Ich werde den Text da unten jetzt an alle SchizoForen schicken, die ich finden kann. Ich kann mir nicht alle Foren merken.
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E-Mail ... (Anm .d. Red.: Bitte hier im Forum antworten!)

Den Brief da unten habe ich heute an das Charite in Berlin (Uni) geschickt. Ich sag einfach mal wie es ist. Ich halte mich nicht für verrückt, sondern nur als nervenkrank und von Verrückten umgeben. Ich halte die Vielfalt von verschiedenen Sprachen, Rechtssprechungen und Produktion von Maschinen und Ersatzteilen für völlig geisteskrank. Ich bin außerordentlich gesund mit starken Nebenwirkungen.

Ich bin vielleicht wegen meiner außerordentlichen Gesundheit in meiner Reife stark zurückgeblieben; dafür ist meine Seele nicht mit Subkulturgut verseucht, wie z.B. die emotionale Bindung zur eigenen Nationalität.

Ich war schon immer sonderlich gepolt. Nur Früher, ja, früher hatte ich zu viel Angst, um das nach außen zum Vorschein zu bringen. Heute habe ich keine Angst mehr; keine Angst vor Einsamkeit, Beleidigungen, finanziellen Problemen, etc…

Ärzte sagen, dass ich schizophren sei, was ich nicht glaube, auch wenn meine Symptome z.T. dafür sprechen. Keiner hat sich Details darüber angehört, warum ich alle Sprachen dieser Welt für schlecht strukturiert halte.

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Das Universitätsklinikum in HH-Eppendorf hat vor einigen Wochen bei mir Schizophrenie festgestellt.

Ich verstehe nicht, warum sich die Weltbevölkerung nicht an einen Tisch setzt, um eine einheitliche Sprache, Rechtssprechung, Produktionstechnik etc. auszuarbeiten.

Selbst die Sprachen als Solches kommen mir so entsetzlich chaotisch und erbärmlich strukturiert vor.

Dieses Unverständnis ist so enorm, dass sich mein Unterbewusstsein dazu genötigt gefühlt hat, mich zurück in den Zustand eines Kindes zu bringen, dass erst einmal richtig sprechen lernen muss, da mir diese Fähigkeit bis heute verwehrt worden ist, weil es nach meiner Wahrnehmung noch keine gut strukturierte Sprache auf dieser Welt gibt.

Ich lebe ein sehr zurückgezogenes Leben in meinem Zimmer, wo ich intensiv ausländische Medien konsumiere, um so Inspiration zu bekommen, mit der ich dann in 10, 20 o. 30 Jahren die erste gut strukturierte Sprache erschaffen werde, oder zumindest die Richtlinien dafür.

Haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

PS: Ich könnte diese Email beliebig lang schreiben. Ich möchte vorher aber erst Ihre Resonanz abwarten.

Johannes


402
Datum: Thu, 21. Sep 2006 16:21:58 +0300
Betreff: leserforum

Hallo,

Es geht mir zur Zeit besser. Ich leide an der paranoiden Schizofrenie. Es gibt einige Freunde, die mich verstehen versuchen. Ich moechte eine Freundin haben, vielleicht nur im virtuellen Bereich. Ich moechte mehr schreiben, aber ich bin nicht sicher, ob meine Post irgendwohin kommt.

Verzeihen Sie mir fuer mein Deutsch. Ich bin aus Litauen.

Robertas


401
Datum: Sat, 09. Sep 2006 19:57:35 +0200
Betreff: Leserforum

hallo

Mein Bruder leidet unter einer Schizophrenen Psychose genauer gesagt hat er eine Ich-Störung. Vor 4 jahren ist das schonmal passiert, also er dachte er kann codes knacken und geheimagenten sind hinter ihm her und solche sachen. dann war er in der nerverklinik in der geschlossenen 2 monate lang und in der offenen 2 monaten lang. dann war er uwar nicht ganz gesund, jedoch ging es ihm besser, 7 monate danach war er kern gesund. dann 2 jahre lang war er kern gesund, es ging ihm teilweise sogar besser als mir. jetzt seit einem monat hat es wieder angefangen. er denkt er ist einer der intelligentesten menschen der welt und könnte aus wörtern formeln bilden und aus augen der menschen ihre verhalten raus lesen. ich war mit ihm beim arzt, er hat clozapin bekommen, jedoch nimmt er die nicht. vorgestern war es so schlimm, dass er richtig starke angstzustände und panikattacken bekam. er hatte 3 tage nicht geschlafen. es blieb mir nichts anderes übrig als ihm eine tablette in sein getränk zu mischen. dann schlief er bis heute mittag. jetzt hat er keine angstzustände und keine panik, jedoch ist er fest entschlossen dass er codes knacken kann, dass er aus buchstaben sachen herauslesen kann und dass er aus nummernschildern die herkunft der besitzer bestimmen kann. er wird bestimmt wieder spätestens morgen angstzustände sowie panikattacken bekommen, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. ich habe angst das mein bruder sich das leben nimmt. ich denke ich werde ihm wieder was in sein getränk tun und montag mit ihm zum arzt gehen. da hier einige sind, die sehr viel erfahrung damit gemacht haben, vielleicht könntet ihr mir ja einen tip geben was ich machen sollte. ich habe schon ihm so gut ich kann versucht zu erklären, dass es einbildungen sind, aber dann lächelt er mich an, wie ein erwachsener ein kind, wenn er nicht weiß wovon er redet. ich habe ihm selbst texte die genau seine symptome ansprechen gezeigt, aber er steckt so tief drin, dass er denkt, das die leute die hinter seiner formel her sind diese texte schreiben, damit alle denken dass er verrückt ist.

Was kann ich für meinen bruder noch tun?
irgendwelche vorschläge?
sollte er wieder in die geschlossene anstalt?

ich danke euch für jede antwort.


400
Datum: Wed, 30. Aug 2006 23:23:11 +0200
Betreff: Leserforum

Hallo liebe Freunde!

ich finde es sehr hilfreich, dass man die Mögligkeit bekommen kann, wenn auch nur über Internet, sich über seine Krankheit und die Probleme, die zur Psychose beigetragen haben, auszutauschen.
Erstens möchte ich klar ausdrücken: Lassen Sie sich nicht von der Angst "verrückt zu sein" gefangen halten. Psychosen und "Schizophrenie" sind eine Krankheit, die heilbar ist! Man soll das nicht vergessen.
ANGST ist die Ursache aller psychischen Krankheiten. Sicher, man kann die Angst mit Beruhigungsmitteln und Psychopharmaka lindern, aber damit wird die Ursache der Angst NICHT beseitigt. Das hat zur Folge, dass man immer wieder unter seiner eigenen Angst leidet. Psychosen sind ein extremer lauter Schrei der Seele nach Liebe. Psychosen kommen nicht von einem Tag auf den anderen, sondern sie haben eine lange Vorgeschichte, die meistens uns unbewusst bleibt bis wir unser Leben nicht mehr meistern können, wie wir es gerne hätten. Der Mensch macht sich selber mit seiner ANGST das Leben zur Hölle.... Ich habe selber 2 Psychosen gehabt und weiss wovon ich rede. Ich bin jetzt ein gesunder und glücklicher Mensch.
Ich möchte noch etwas ansprechen: Informieren sich über die Nebenwirkungen der Neuroleptiker, die sie annehmen. Ich spreche nicht nur über die spürbare sondern auch die Nebenwirkungen, die ihren Körper schaden. (Leber, Blutzellen ecc...). Sie können gerne mir schreiben, wenn sie es möchten:
fusazus@gmx.de

Alles Gute und liebe Grüsse!


399
Datum: Wed, 02. Aug 2006 01:46:44 +0200
Betreff: Leserforum

Hallo Bodo,

gerade habe ich mal nachgesehen, ob es Dein Leserforum eigentlich noch gibt. Und tatsächlich, es ist noch da und mein Eintrag aus 1999 sogar auch noch. Das finde ich gut, denn es ist immerhin schon wieder 7 Jahre her. Und nocheinmal möchte ich sagen, dass mich Deine Geschichte sehr beeindruckt hat und ich mich freue, dass Deine Seite so gewachsen ist und inzwischen von so vielen Menschen in Anspruch genommen wird.

Damals habe ich in Augsburg gelebt, einer doch recht ansehnlichen Stadt in Bayern, und nun muß ich feststellen, dass es Dich nun auch nach Bayern verschlagen hat und Du sogar Fotos aus Augsburg auf Deinen Internetseiten hast! Da ist auch der japanische Garten im botanischen Garten, wo ich oft und lange mit meiner Frau gesessen habe und auch der Hochablass von dem aus wir gern in den Lech gespuckt haben. Wart Ihr mal in Lansdsberg? Da ist es auch sehr schön und Regensburg und Passau eignen sich auch sehr gut für einen Wochenendausflug.

Ich war auch kein geborener Bayer - eher ein richtiger Preusse -, aber die 7 Jahre dort haben mir sehr gut gefallen und gut getan. Ich wünsche Dir also weiterhin auch eine gute und gesunde Zeit!

Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten,
die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Vermag ich wohl, Euch diesmal festzuhalten?
Fühlt sich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?

Alles Gute,
Laurent


398
Datum: Tue, 25. Jul 2006 11:00:30 +0200
Betreff: Leserforum

Anna,

ich wollte dir antworten, allerdings ist die Fragestellung mit der Angabe süddeutscher Raum und ja ein supergrosses Gebiet, in Stuttgart z.B. gibt es ambulante sozialpsychiatrische Dienste mit Sozialarbeitern, die sich gut auskennen und auch beraten können. Dort in Stuttgart werden auch Wohngruppen von den Mitarbeitern betreut. Ich würde raten nach einem solchen Dienst zu suchen, die es in vielen Städten gibt, allerdings haben sie unterschiedliche Namen.

Ausserdem kann man ja auch eine einfache Wohnung auf dem freien Markt suchen, wenn eine Schwester hier etwas Anstosshilfe gibt (wie z.B. bei der Wohnungskaution) ist es einfacher und danach, wenn er die Wohnung erst mal hat, können auch Sozialleistungen der Stadt zur Mietzahlung und Lebenshaltung mit beitragen. Und Sozialarbeiter können genauso mit jemanden Kontakt halten, der allein in einer Mietwohnung lebt.

Weiter ist es so, dass auch in einer Klinik mindestens ein/e Sozialarbeiter/in angestellt ist, die in solchen Fragen wie Wohnungssuche und Betreuung durch einen solchen ambulanten Dienst, Beratung und Hilfe geben sollten, man muss den Leuten eben manchmal etwas auf die Füsse treten, damit sie in die Gänge kommen, aber auch dort sollte ein Ansprechpartner für die genannten Fragen sein.

viele Grüsse

Renaldo


397
Datum: Mon, 26. Jun 2006 10:16:13 +0200
Betreff: Beitrag für das Leserforum Psychose

Mein Bruder leidet schon seit 12 Jahren in regelmäßigen Abständen unter Psychosen, die sich verbunden mit religiösen Wahnvorstellungen, er fühlte sich auch von jedem bespitzelt und sah überall Geheimagenten, wurde aggressiv und dies alles wirkte sich jeweils so aus, dass er seine gesamte Habe verlor, sowie den Kontakt zu allen Verwandten und Angehörigen ablehnte und sich selbst komplett bis zum Nichts brachte.

Seit dem Tod meiner Mutter, fühle ich mich nun verantwortlich, ihm Hilfe zu bieten, weiß aber einfach nicht wie. Seit einigen Wochen hat er nun Kontakt aufgenommen und sucht Hilfe, befindet sich nach einem halben Jahr Obdachlosigkeit in einer Klinik, die ihn aber eigentlich nur aufbewahrt. Von dort will er weg - nur wohin? Er hat keinen Wohnsitz, kein Zuhause und weiss selbst nicht, wie es weitergehen soll. Ich könnte ihn zwar vorübergehend aufnehmen, bin als Mutter von 3 Kindern aber kaum in der Lage, ihm die notwendige Unterstützung zu geben. Ideal wäre ein Platz in einer "offenen Wohngruppe", von wo er Arbeit suchen kann und gute therapeutische Unterstützung bekäme. Kennt jemand eine solche Einrichtung, möglichst in Süddeutschland? Nur vermute ich auch, nun wo es ihm wieder mit Medikamenten etwas besser geht, versucht er wieder seinen eigenen Weg zu finden, was bedeutet, dass er seine Medikamente demnächst nicht mehr einnimmt und dies über kurz oder lang in die nächste Psychose führt.........
Wer kann mir als Angehörige einen Rat geben, wie ich mit einer solchen Situation umgehen kann?

Anna


396
Datum: Thu, 08 Jun 2006 20:03:42 +0100
Betreff: Foren-Beitrag

Hallo liebe Foren-Leser,

ich habe das Bedürfnis, etwas von meinem Leidensweg zu erzählen, da er, denke ich, Hoffnung machen kann. Meine Diagnose ist eine schizo-affektive Psychose, das ist in meinem Fall eine Mischung aus einer bipolaren Störung (manisch-depressiv) und einer echten Schizophrenie mit Plus-Symptomen. Meine Krankheit begann plötzlich mit 15 als körperliche Krankheit. Doch einige Symptome wie z.b. Übelkeit blieben nach Abklingen des Infekts erhalten. Außerdem blieb ich den ganzen Tag im Bett, außer dass ich noch zur Schule ging. Ich beschränkte mein gesamtes Leben auf das Minimum, und das hieß damals Schule. Das ging so ein Jahr lang, bis ich immer hypochondischer wurde und schließlich eine Depression festgestellt wurde. Ich hatte seit Beginn der Erkrankung keinerlei Kontakt mehr zu Freunden. Tatsächlich hatte ich keine reine Depression, sondern auch Schizophrenie. Aufgrund der ständigen Reizüberflutung in meinem Gehirn enthielt ich mich instinktiv allen Reizen. Das Taschengeld sammelte sich an, da ich einfach nichts ausgab, denn einkaufen war zu anstrengend. Ich half kein bisschen mehr im Haushalt. Dennoch hatte ich auf dem Gymnasium noch immer hauptsächlich Zweien und schonmal eine Eins, vor meiner Erkrankung war ich einer der besten Schüler der gesamten Schule. Nach einem weiteren Jahr ohne angemessene Behandlung beschloss meine Psychiaterin mit meinen Eltern gegen meinen Willen, das ich zu meinem Vater in eine andere Stadt ziehen müsse. Willensschwach wie ich war ließ ich es über mich ergehen. In der neuen Schule fand ich natürlich überhaupt keinen Anschluss und wurde zunehmend schizophrener, bis schließlich eine manische Phase auftrat, die stark schizophrenen Charakter hatte. Ich ließ mich überzeugen, Zyprexa zu nehmen und kam wieder auf den Boden. Allerdings war die Dosierung nicht stark genug, ich blieb wie gelähmt. Es blieben sogar Plus-Symptome. Im Sommer versuchte ich mich zu erhängen, es ging zufällig schief und niemand merkte es.

Durch einen großen Zufall (ich las in einer Lektüre die Worte Psychiatrie-neue Impulse) war ich dann dazu bereit, mich stationär behandeln zu lassen. Die Psychiatrie war das beste, was mir während meiner Krankheit passiert ist. Endlich bekam ich wirksame Medikamente und eine richtige Diagnose. Ich lag nicht mehr den ganzen Tag im Bett. Nach einem halben Jahr in der offenen Psychiatrie und einem halben Jahr Tagesklinik kam ich wieder in die Schule. Ich machte das Abi mit 1,9 an einer angesehenen Privatschule. Jetzt studiere ich Informatik im 2. Semester und habe einen Durchschnitt von 1,8. Ich bin einer der besten in meinen Kursen. Das sage ich nicht, um anzugeben, sondern um anderen Betroffenen Mut zu machen. Ich hatte bis vor kurzem regelmäßig bei Belastungen psychotische Zustände wie z.b. leichten Wahn und akustische Halluzinationen, konnte auf keine Party gehen und kaum an allen Vorlesungen teilnehemen. Jetzt habe ich von Leponex und Amiluspirid auf Fluanxol umgestellt. Ich kann endlich wieder Gefühle empfinden und die psychotischen Zustände sind weg! Allerdings muss ich ein Semester länger studieren, weil ich durch die harte Umstellung viel gefehlt habe. Ich habe mittlerweile zwei Freunde, mit denen ich mich regelmäßig treffe und weitere Bekannte, mit denen ich mich manchmal treffe. Ich bin damit erstmal zufrieden. Ich bin nicht der einzige geistig fitte und leistungsfähige Psychiartrie-Erfahrene. Mein Vater hat auch die Krankheit und er ist seit 9 Jahren Richter und ohne Rückfälle. Meine beste Freundin hat ebenfalls die Diagnose schizo-affektive Psychose und sie arbeitet voll und hat ein befriedigendes Sozial-Leben. Die Krankheit ist eine Beeinträchtigung, aber man kann auch mit ihr leistungsfähig sein. Ich würde niemandem empfehlen, seine Krankheit am Arbeitsplatz zu erwähnen, aber bei mir im Semester wissen es alle. Allerdings habe ich dadurch noch keine Nachteile gehabt.
Das gibt doch Hoffnung!


395
Datum: Tue, 30 May 2006 03:30:52 +0200
Betreff: Leserforum

Hallo Mareike,

ich kann deine Zweifel gut verstehen.
Ich bin selbst Betroffener und kann nur für mich und nicht für deinen Bruder sprechen. Ich kann dir nur den Rat geben, höre auf dein Gefühl. Wenn du merkst, es wird zu viel für ihn, dann halte dich etwas zurück. Ich für meine Teil musste auch erst lernen, zu sagen, wann es mir zu viel wird, und das konnte ich nur, weil man mich nicht in Watte gepackt hat, man mich nicht wie einen Kranken behandelt.

Das Schlimmste für einen Menschen in meiner Situation ist es, wenn man das Gefühl hat, man wird nicht ernst genommen. Und dieses Gefühl bekommt man sehr schnell. Außerdem ist es, und ich nehme an auf der Station deines Bruders ist es ähnlich, sehr langweilig. Man ist in einem abgeschotteten Bereich. Was einerseits natürlich gut ist, andererseits kann man, und das besonders nach zwei Jahren Aufenthalt, schon den Blick für das reale Leben verlieren. Deshalb finde ich es gut, dass du ihn in dein Leben mit einbeziehst, oder es zumindest versuchst. Bei mir waren es "nur" acht Wochen, aber ich habe diese Tatsache nach meiner Entlassung sehr schnell gemerkt.

Vielleicht noch eine kleine negative Begebenheit als Beispiel, wie man es nicht tun sollte. Ich war heute bei meinem Hausarzt, mir einen Überweisungsschein holen für die PIA, die Psychatrische Institutsambulanz. Zuerst war auch alles ok. Habe mit einer netten jungen Angestellten gesproche. Ich glaube auch, das sie schon wusste, dass es nicht unbedingt einfach ist, wenn man öffentlich zugeben muss, dass man in Behandlung ist. Dann, kaum hatte ich meinen Wunsch geäußert, mischt sich eine ältere Angestellte ein und behandelt mich, als wäre ich ein wenig minderbemittelt. Leider fallen mir in solchen Situationen die passenden Worte immer erst hinterher ein. Aber so ein Verhalten belastet mich doch sehr. Also, behandle deinen Bruder weiter ganz normal, packe ihn nicht in Watte, sei aber aufmerksam auf seine "Zeichen". Wenn du merkst, das er sich bei deinen Erzählungen zurückzieht, dann gib ihm diese Rückzugsmöglichkeit. Und verlasse dich darauf, dass, wenn du aufmerksamm bist, du auch merkst, wenn es ihm zu viel wird.

So, dass soll reichen, aus meiner Sicht machst du es völlig richtig.

Torsten


394
Datum: Wed, 24 May 2006 23:57:26 +0200
Betreff: Leseforum Brauche Hilfe

Hallo meine Name ist Mareike,

und naja, ich kann mich jetzt bestimmt nicht richtig ausdrücken. Aber gut, ich versuche es einfach mal. Also mein Bruder ist seit zwei jahren in einer psychatrie und ich habe es eigentlich jetzt erst wirklich eingesehen, dass er krank ist! Vor allem nachdem ich diese Seite gefunden habe. Aber ich weiss jetzt nicht mehr wie ich mit ihm umgehen soll. Mache mir jetzt auch vorwürfe weil ich ihn vielleicht immer "überfordert" habe mit meinen Geschichten, wenn ich ihn besucht habe. Habe ihn eigentlich weiter so behandelt wie vorher. Habe ihm über meine probleme erzählt halt wie immer! Er ist und bleibt mein Lieblings-Bruder, kann es irgentwie nicht einsehen dass er krank ist und ich ihn jetzt anders behandeln soll. Ich weiss auch nicht wirklich was richtig ist. Ihn naja, wie soll ich sagen, nicht belasten mit meinen geschichten oder ihn weiter so behandeln, wie ich ihn immer behandelte als er "gesund" war. Das belastet mich wirklich sehr, ihm nicht helfen zu können, ihn immer alleine zu lassen in der Psychatrie und das jetzt schon seit zwei Jahren und kein ende in aussicht!!! Ich möchte dass er merkt, dass ich ihm helfen will und ich an ihn glaube und nie alleine lassen werde. Bin aber jetzt sehr verunsichert, ihm unter die augen zu treten. Mh, hoffe mir kann jemand helfen und sorry für meine Formulierung, kann es leider nicht gut. Wer mir weiter helfen will oder vielleicht jemand in der gleichen lage ist wie ich und sich mit mir austauschen möchte bin ich dafür gerne bereit!

Petra-Grossert@t-online.de
Hoffe jemand liest das und versteht mich und kann mir helfen!
Mareike


393
Datum: Wed, 17 May 2006 05:55:53 +0200 (MEST)
Betreff: Meine Gedanken, zu diesem Forum und zu der "Krankheit"

Liebe Betroffene und Angehörige,

ich bin jetzt 34 1/2 Jahre alt, seit ca. zwei Jahren steht für die Ärzte fest, ich "leide" unter schizoaffektiver Psychose. Vor drei Jahren war ich wegen intensivem Wahnerleben in Behandlung, für 14 Tage in einem Krankenhaus, auf der sogenannten Station 19D. Dort hatte ich auch meinen ersten Kontakt mit einer Psychologin. Eine patente Frau, aber aus meinem damaligen Verhalten, aus dem, wie sie mich erlebte, konnte sie nicht auf die Krankheit schließen. Denn der Wahn war vorbei. Sie diagnostizierte irgendetwas mit Rückzugstendenzen. Kam mir damals sehr plausibel vor.

Nach etwa einem Jahr hatte ich einen weiteren Schub, und wurde von der Polizei und einem Rettungsteam ins Krankenhaus eingeliefert. Alles sehr beeindruckende Ereignisse. Im Krankenhaus wurde ich dann drei Tage mit Tavor ruhig gestellt, von diesen Tagen weiß ich nur noch, dass ich in einem Bett, in einem Zimmer mit zwei Mitpatienten lag. Tavor wurde dann langsam abgesetzt und zu Risperdal übergegangen. Für die Ärzte stand damals schon fest, das es sich um eine Psychose handelt. Mir hat niemand etwas gesagt. Erst bei einer richterlichen Anhörung, denn mir sollte und wurde ein Betreuer beigestellt, hat eine Sozialarbeiterin das erste mal gesagt, dass man eine schizoaffektive Psychose vermutet. Das war ein Schock für mich, traf mich völlig unvorbereitet, jetzt weiß ich auch, warum man mich eigentlich nicht dabei haben wollte. Im Krankenhaus gab es dann auch eine so genannte Integrative Gruppe, in der ich das erste mal Näheres über die Krankheit erfuhr. Bei der Aufzählung der Symptome, vor allem der positiven, bei der Erwähnung des Wahnerlebens fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

(Viele Dinge, die ich hier über das Wahnerleben gelesen habe, trifft auch auf mich zu, deshalb spare ich mir an dieser Stelle Näheres.)

Nach acht Wochen wurde ich dann entlassen, hatte mich mit der Krankheit nicht auseinandersetzen können. Ein Krankenhaus ist nicht der geeignete Ort für solche Dinge. Noch etwas zu meiner Einstellung zu Krankenhäusern. Sie sind gut für akute Vorfälle, seien es Unfälle oder Psychosen oder ... Aber sie können nicht heilen. Dazu ist die Atmosphäre nicht geeignet. Die meisten Ärzte behandeln Menschen dort nicht wie Menschen, sondern wie Maschinen, die repariert werden müssen. Krankenhäuser sind von ihrer Art Werkhallen mit Fließbändern. Bitte, ich schere nicht alle Ärzte über einen Kamm, aber die Umgebung und die Arbeitsweise formen bekanntlich den Menschen, also auch Ärzte.

Seit dieser Zeit befinde ich mich in ambulanter Betreuung, nehme jetzt nicht mehr Risperdal, sondern Zeldox und fahre gut damit. Es gibt da natürlich auch die bekannten und hier schon erwähnten Nebenwirkungen, über die ein Mann nicht gerne spricht. Obwohl sich im Gespräch mit einer Freundin, die ich im Krankenhaus kennengelernt habe, und das ist das Positive an meiner Krankenhausepisode, herausgestellt hat, dass auch Frauen unter einer verminderten Sexualität leiden. Im Augenblick ist es nicht weiter störend, da ich nicht in einer Beziehung lebe, aber Mann hat es doch immer im Hinterkopf. Ich weiß auch nicht, ob ich im Augenblick mit einer Partnerin klarkommen würde, bin da sehr hin und her gerissen, weil ich mir natürlich Nähe wünsche, andererseits weiß ich nicht, ob jemand in einer engen Beziehung genug Verständnis aufbringen würde. Und so einen Menschen zu finden, ist verdammt schwer.

Ich hatte dann noch einen Aufenthalt in einer so genannten Tagesklinik, die mir, wenn ich zurückblicke, nicht viel gebracht hat. Weil ich erstens noch nicht so weit war, zweitens weil ich basteln möchte, wenn ich es möchte, weil ich mit den Menschen rede, die ich mir aussuche. Es ist sicher ein guter Versuch aber eben nur ein Versuch zu helfen, und ihr wisst, was ich über Krankenhäuser denke.

In dieser Zeit habe ich wieder bei meiner Mutter gewohnt, obwohl ich eine eigene Wohnung habe. Und mittlerweile wieder gerne in ihr lebe. Ich habe versucht meine Gedanken abzuschalten, in der Hoffnung, das würde mich gesund machen, vor einem Rückfall bewahren. Habe mir stundenlang sinnlose Fernsehprogramme angesehen, habe versucht nicht nachzudenken ... Habe tagelang im Bett rum gelegen. Habe alles verwahrlosen lassen, hatte kein Interesse an Freunden oder Bekannten, die dann auch den Kontakt abgebrochen haben. Ich war sehr alleine, und meine Mutter war und ist, wie ich heute weiß, nicht die richtige Anlaufstelle oder Therapie für mich. Auf Anraten meines Arztes habe ich nach der Tagesklinik einen Antrag auf "Teilhabe am Arbeitsleben" gestellt. Was eine sehr gute Idee ist. Es hat zwar etwas gedauert, bis sich die zuständige Behörde gefunden hatte. So bin ich mittlerweile beim Rentenversicherung Bund, was ein Glücksfall ist, gelandet. Dort hatte man ein Gutachten von einem Psychologen angefordert, und der Mensch hat doch die Traute es zu wagen, nach einem halbstündigen Gespräch ein Gutachten anzufertigen, in dem er der Meinung ist, mich zu kennen, etwas über mich aussagen zu können. Zum Glück für mich, hat die Dame beim Rentenversicherung Bund, welche für Rehafragen zuständig ist, mit dem Gutachten auch nicht viel anfangen können. So dass man mich im Februar auf eine "Berufsfindung\Berufserprobung" in Stralsund bei einem Berufsförderungswerk geschickt hat.
Mit dem Ergebnis:

1. Ich habe wieder angefangen nachzudenken, hab keine Angst mehr vor meinen Gedanken, vor dem Gedanken machen.
2. Ich habe gemerkt, dass mit meinem Kopf alles in Ordnung ist, so weit es logische Schlüsse angeht.
3. Wurde aus meiner Lethargie und meinem Desinteresse herausgerissen.
4. Habe gemerkt, dass es anderen Menschen viel schlimmer geht als mir, ich eigentlich noch recht zufrieden sein kann.
5. Meine Leistungsfähigkeit, auch über einen vollen Arbeitstag nicht schlechter als bei anderen ist.
Wahrscheinlich, ich warte noch auf den Bescheid, bekomme ich einen Aufbaukurs, in Stralsund bezahlt, weil ich laut Arzt nicht mehr in meinem alten Beruf arbeiten kann. Es wird 14 Monate dauern und ich weiß nicht, wie es mir in dieser Zeit ergehen wird. Aber es geht vorwärts und das ist wichtig. Denn eine neue Umgebung, neue Menschen und die hohen Anforderungen werden Stress bedeuten. Und Stress ist in jeder Form Gift bei einer Psychose.

Nach den drei Wochen in Stralsund, ich glaube auch, dass es nicht ganz so gut war, gleich wieder voll einzusteigen, hatte ich eine sehr depressive Phase. Mit allem was dazu gehört. Also auch mit Selbstmordgedanken. Aber ich habe es glücklich überstanden. Und mir geht es mittlerweile sehr viel besser.

Eine Anmerkung darüber, was mir durch diese Zeit geholfen hat. Ich habe einen Brief geschrieben, an eine sehr liebe und verständnisvolle Freundin. Wenn ich Brief sage, so ist doch in den acht Wochen, denn ich hatte mir zu allem Glück noch das Sprunggelenk gebrochen, also viel Zeit, um mir Gedanken zu machen, ein kleines Buch daraus geworden.

An alle Angehörigen. Versucht nie, einen Wahn auszureden, das funktioniert nicht. Zeigt Verständnis, lasst Nähe zu, wenn der Betroffene es möchte und braucht. Seid nicht enttäuscht, wenn ihr nicht der Ansprechpartner seit, nicht die Vertrauensperson. Gebt Zeit, habt Geduld, tut die Wirren der Gedanken nicht als Spinnerei ab, sondern nehmt sie so ernst ihr könnt. Lasst euch inspirieren, euch anregen von den Geschichten und Ideen, es könnte etwas Geniales darunter sein. Immer daran denken, Liebe und Zuneigung heilt, keine Medizin der Welt kann einen Wahn verhindern, damit muss der Betroffene selber fertig werden. Und das Abtöten der Gedanken hilft keinesfalls. Helft wenn ihr könnt, bei den kleinen Alltäglichkeiten, zu denen der Betroffene kein Interesse mehr hat, aber drängt euch nicht, eure Hilfe nicht auf. Reicht eure Hand und gebt nicht auf, wenn sie nicht beim ersten, zweiten oder dritten mal freundlich ergriffen wird, sondern seid einfach da, wenn ihr gebraucht werdet. Ich weiß, das ist alles recht komplex, und viel verlangt, aber denkt dran, Psychose Kranke sind sehr komplexe Menschen, aber es lohnt sich, sie können um die Ecke denken. Die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten, als das "Gesunde" können.

Ich denke, fürs Erste reicht das.
Im Geiste bei allen Betroffenen, bei allen Angehörigen, und euer um die Ecke denken könnender
Torsten

Bin immer bereit auch per E-Mail über eure und meine Gedanken zu sprechen.
thansow@gmx.de


392
Datum: Sat, 1 Apr 2006 15:04:34 +0100
Betreff: Passend zum Datum ... (gefunden bei Google)


391
Datum: Tue, 21 Mar 2006 23:19:56 +0100
Betreff: Leserforum

Schönen guten Abend,

wie viele hier, bin auch ich sehr froh darüber, dass es dieses Internetforum gibt. Ich schreibe, weil mein 17-jähriger Bruder eine drogeninduzierte Psychose hat. Er hat in den letzten Monaten mehr Cannabis als sonst konsumiert und ist nun seit bereits drei Wochen in der Jugendpsychatrie. Die Symptome wurden hier ja sehr deutlich beschrieben.

Es klingt vielleicht blöd, wenn das eine Nichtbetroffene sagt, aber ich konnte seine Symptome so gut verstehen. Ich habe auch schon oft Gras geraucht, und ich habe auch starke Bewusstseinsveränderungen davon bekommen. Vielleicht hätte ich auch eine Psychose davon bekommen... Ich fühle mich so hilflos, weil ich die ganze Zeit überhaupt nichts für ihn tun konnte, außer ihn ein wenig beruhigen und ihm das Gefühl zu geben, dass ich ihn so akzeptiere.

Ich weiß nicht, aber hat von euch von dem Medikament Seroquel gehört? Mein Bruder wird seit einer Woche damit behandelt und ich würde gern mehr darüber erfahren. Jetzt hatte er am Samstag das erste Mal Ausgang und am Ende des Tages wurde die Dosis auf 600 mg angehoben, weil er wieder starke Wahnvorstellungen hatte. Das klingt für mich sehr viel.

Die Sache mit den Stationsbesuchen finde ich auch recht schwierig. Ist es aus Sicht der Betroffenen nicht sinnvoller, wenn nur einige wenige Personen zu Besuch kommen? Ich habe ein wenig Angst davor, dass es zu einer Art Sensationstourismus verkommt, wenn mein Bruder besucht wird. Es hat sich ja mittlerweile auf der ganzen Schule herumgesprochen, dass er in stationärer Behandlung ist. Wer macht es einem heute schon leicht mit solchen Problemen umzugehen?

Ich drücke euch allen die Daumen, irgendwie kann ich das alles so gut verstehen...

Elischa


390
Datum: Thu, 2 Feb 2006 03:37:20 +0100
Betreff: Text fürs Psychoforum

Hallo,

Ich habe eine Psychose schon mein Leben lang und kann eigentlich nicht behaupten, dass mir bewusst ist, dass ich darunter leide. 1992 hatte ich einen schweren psychotischen Schub. Ich bin z.Z. 35 Jahre alt. Und ich war auch sporadisch beim Nervenarzt und hatte diverse Medikamente getestet - Leponex, Taxilan, Haldol. Ich war einen Tag auch mal in der Klapse. Jedenfalls bin ich die letzten Jahre recht stabil. Ich trinke seit 7 Jahren gar keinen Alkohol mehr. Ich hab zwar nicht kistenweise gesoffen, aber im Nachhinein, war das mit dem Alkohol wohl der Knackpunkt. Es hat einfach etwas mit meiner Sensiblität zu tun und meinen Filtern. Ich bin selber in der Lage zu merken, ob ich mehr oder weniger psychotisch bin ...

Therapie habe ich keine gemacht ... Ich hatte irgendwann eine Strategie entwickelt um meine Angst in den Griff zu bekommen. Das Grundprinzip meiner Überlegung war, dass diese bösen Sachen, die einen immer so bedrohen, dass mir ja nicht mehr angetan werden könnte, als dass man stirbt ... Und wenn einem das egal ist, kann man damit ganz gut arbeiten.

So mal ganz grob gesagt.

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Ich habe auch mal ab und zu gearbeitet, bin aber eigentlich meist arbeitslos gewesen und habe sozusagen einen auf "Sozialschmarotzer" gemacht ... Meinem Sachbearbeiter und meinen Freunden, die mich als faule Socke kennen, brauche ich aber nicht zu erklären, warum ich so lebe. Ich muss halt keinem geregelten Job nachgehen, da ich halt meine Psychosen kenne und nicht dann mal, spontan gesagt, zuhause auskuriere, wenn ich mal depressiv abhänge. Die Jobs enden bei mir halt immer mit Sperrzeiten und Auseinandersetzungen vor Gericht ... Es ist halt einfach nur meine Strategie um nicht mehr in eine schlimme Psychose zu kommen. Ich weiß wie es ist und das ist eigentlich so das Schrecklichste, wenn man sein Selbst verliert.

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Warum schreibe ich hier?

Weil man mich im Sozialhilfeforum gelöscht hat, obwohl ich normal formuliert hatte ... Naja, man ahnt ja schon ... dass man auf normale Leute doch etwas gestört oder evtl. als nicht ernst zu nehmen wirkt ...

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Mein Psychiater hat mir damals gesagt, dass es eigentlich zwei Möglichkeiten gibt ..., dass ich entweder den normalen Weg gehen kann oder schon in Richtung Frührentner nach dem Motto "nicht alle Latten am Zaun".

So, das ist jetzt 10 Jahre her ... und nun ist es so, dass ich mich entschieden habe, die andere Schiene zu fahren ... Es geht halt nicht mehr in Richtung Arbeitsamt und 1 Euro Job mit 30 Prozent Kürzung, wenn man mal nicht kann ... Krankschreiben wird auch schwieriger ... Ich möchte einfach, solange der Sozialstaat noch nicht zusammengebrochen ist, das Minimum bekommen, was jeder andere Depp auch bekommt ... Und das ist für mich in der jetzigen Situation nicht mehr gegeben.

Mir ist klar, dass ich dann evtl. zu meinen Glück gezwungen werde mit Psychotherapie, aber es hört sich evtl. lustig an, aber ich glaube nicht, dass bei mir noch was zu machen ist ... Solche Psychosachen wirken auf mich nach einer Zeit zu durchschaubar und oberflächlich. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Wissen von irgendwelchen Fehlern, die man selber hat (und auch wenn einen schlaue Leute darauf aufmerksam machen), dass es dann nicht immer so ist, dass man ein Problem nur gelöst bekommt, nur weil einem dieses bewusst ist. Das ist leider nicht der Fall.

Bei mir ist es bespielsweise so mit der Nähe zu Menschen, dass ich das einfach nicht möchte. Wenn ich jetzt evtl. in so eine Knuddeltherapie kommen würde, wäre das evtl auch ganz lustig als Konfrontationstherapie gegen Ängste ... Aber wie es auch ausgeht - ich möcht es halt einfach nicht, weil ich halt psychotisch bin. Ob mit Knuddeln oder ohne, ob mit Pillen oder ohne.

Ich möchte eigentlich nur meine Ruhe haben ... Dass das nicht passieren wird, ist mir auch klar, aber das ist mir auch egal.

Wer mir was zu sagen hat, kann das gerne tun ...

Gruss, Markus aus Bremen

123psycho@arcor.de

P.S.
Jetzt frage ich mich, wie läuft so was ab? An wen wende ich mich? Das Arbeitsamt möchte doch auch testen, wie bekloppt ich bin ...?

Gibt es in Bremen eine Beratungstelle oder Neurologen wo ich hingehen kann?

Es ist ja so, dass meine Psychose nur aufgrund, dass ich mich ja damit wieder auseinandersetzen muss, schon wieder auf 10 % im roten Bereich läuft. Also der Aufwand für mich, mich sozusagen unten zu halten schon wieder aufwändiger ist ... Gleichzeitig muss ich mich aber wieder um mehr Schwachsinn kümmern.

Also schöne Grüsse - ich denke, das reicht erstmal.


389
Datum: Fri, 27 Jan 2006 12:34:55 +0100
Betreff: Leserforum

JA, ES IST MÖGLICH GANZ GESUND ZU WERDEN!

Hallo, liebe Forumisten,

habe vor längerer Zeit schon mal in dieses Forum geschaut (viel Anerkennung meinerseits, diese Internet-Seiten zu betreiben und zu erhalten!) hatte aber damals noch nicht genug innere Sicherheit, um mich (wieder) intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen. Mittlerweile traue ich mir das zu, und hoffe, vielleicht einen Denkanstoß geben zu können.

Mein Zugang zum Thema: Nach 38 unauffälligen Jahren ohne Alltags- oder sonstige Drogen, geriet ich vor knapp 8 Jahren in schlimme Familienzwistigkeiten meiner Herkunftsfamilie, wusste nicht mehr ein noch aus, fühlte mich und meine jetzige Familie bedroht. Innerhalb von weniger als einer Woche kippte mein bis dahin geordnetes Leben ins Chaos: Wahnvorstellungen, grauenhafte Ängste, bizarre bis brutale Aggressivität. 1 Woche geschlossene, 3 mal für längere Zeit offene Abteilung, mit allem, was sich da so abspielt ….., ihr wisst, wovon ich spreche. Grauenhafte Bewusstseinszustände aller Art, auch das kennt ihr …. Haldol, Risperdal, und wie sie alle heißen, jedenfalls 3 verschiedene, plus diverse Antidepressiva, plus Schlafmittel und ein Zeug, glaube es hieß Akineton, gegen den durch die anderen Medikamente zombieartigen körperlichen Bewegungsablauf. Gestrandet in einer unauthentischen Scheinwelt, leeres roboterartiges Dahinvegetieren, unendliche Gedankenmühlen.
Konnte nie positive Zusammenhänge zwischen Medikamentengabe und Befinden erkennen, außer dass beim vierten Neuroleptikum (Zyprexa) endlich die schlimmsten und permanenten Suizidgedanken nachließen.
Aber weiterhin der Eindruck (echte Gefühle gab´s ja nicht mehr), nicht authentisch ich selbst zu sein (unter anderem „Glasscheiben“- oder „unsichtbare Mauer“-Phänomen).
Diffuses inneres Wissen/Ahnen, dass es nur „ganz ohne“ (Medikamente) wieder „echt“ werden könnte. Ausschleichen von Zyprexa. 3 neue, aber nicht mehr so starke Psychose-Schübe in größeren Abständen. Zuerst mit relativ wenig Zyprexa allein und daheim gemeistert (half wieder schlafen zu können), den letzten ganz ohne (aber mit Hilfe und endloser Geduld meines Mannes, alles Liebe dieser Welt an dieser Stelle an ihn!). Endloser innerer Kampf „Muss ich jetzt was einnehmen oder nicht?“

Ganz vorsichtig und zaghaft, dann immer deutlicher, machte sich innere Stärke breit, bis nicht mehr zu übersehen war: Es ging aufwärts!
Langsam, unsicher und eirig, aber es ging!

Und die wichtigste Erkenntnis meines Lebens: Um so mehr es mir gelang, den inneren Kampf gegen die „Krankheit“ und alle negativen Begleiterscheinungen aufzugeben und mein Schicksal zu akzeptieren, sogar positiv zu vermerken, wie unendlich viel ich daraus lernen konnte (und immer noch weiter lerne), um so mehr hoben sich die Schleier und leiteten Schrittchen für Schrittchen in ein neues, stabiles Bewusstsein.

Als ich weit genug war und wieder genug Konzentration hatte um lesen zu können, versuchte ich in Büchern zu ergründen, was eigentlich geschehen. Wissenschaftliche Werke der Psychologie halfen nicht weiter.
Bis eine aufmerksame Bekannte (alles Liebe auch an sie!) erkannte, was wirklich fehlte:
Bis dato war ich wohl das gewesen, was man gemeinhin als atheistisch bezeichnet, hatte mich kaum mit Religion beschäftigt, war einfach kein Thema. Es erreichte mich also ein esoterisches Buch: Wirkte anfangs ziemlich abgefahren; machte auch Angst, solange ich die Zusammenhänge nicht richtig einordnen konnte. Aber endlich, endlich verstand ich, was „Krankheit“ überhaupt bedeutet und welcher Sinn dahinter steht. Endlich konnte ich meine Betroffenheit, ein Psycho zu sein, überhaupt meinen alten Lebensweg verlassen zu haben, verstehen und einordnen.
Mit jeder Erkenntnis hoben sich mehr Schleier und ich verlor nach und nach die Angst, alte verdrängte Probleme anzugehen und innerlich neu zu ordnen, sie bekamen einen anderen Stellenwert. Gleichzeitig hob sich die Lebensqualität in einer Weise, wie ich sie im „alten“ Leben nie gekannt hatte.

Sehr vereinfacht passiert folgendes: Durch Erziehung und Sozialisation entsteht ein Weltbild, in einer bestimmten Weise pflichtgemäß funktionieren zu müssen. Jahre und Jahrzehnte lebt der Mensch (individuell unterschiedlich intensiv) in der Überzeugung „gut“ und „richtig“ zu leben und zu handeln. Automatisch und unbewusst wird das so genannte „Schlechte“ und „Falsche“ verdrängt, da es vermeintlich nicht zur eigenen Welt gehört.
Die Seele wird immer voller vom verdrängten Müll. Sie verschafft sich bei den meisten Leuten Erleichterung und Ausgleich durch körperliche „Krankheiten“, Symptome, die warnen, damit eine Kurskorrektur vorgenommen werden kann.

Ein Teil Leute, eben die späteren Psychos, häuft noch länger und noch mehr Müll an (sie sind von ihrer Persönlichkeit her auch eher leidensfähiger, halten lange und viel aus). So lange, bis ein äußerer Auslöser, mehr oder weniger spektakulär, das alte, nicht mehr tragfähige System aus den Angeln hebt. Viel altes Verdrängtes kommt gleichzeitig hoch, bzw. die damit verbundenen negativen Zustände. Das ist in der Masse nicht mehr zu bewältigen, Gehirn, und in dessen Folge Körper, spielen verrückt.

Wichtig ist, zu erkennen und zu akzeptieren, dass das alles eine logische Folge der „alten“ Lebenseinstellung war, eben anerzogen und selbst weiter betrieben in voller Überzeugung, das „Richtige“ zu tun.
„Krankheit“ ist also eine Korrektur, die die leidende Seele sich erzwingt, in ein „neues“ Leben zu finden, welches besser zum ureigenen, individuellen Dasein passt. Bitte keine Angst, es wird in der Zukunft nicht alles umgekrempelt und auf den Kopf gestellt, es fühlt sich lediglich für eine gewisse Zeit so an! Der innere Prozess vollzieht sich eben gerade so schnell, wie der Einzelne es (gerade noch) aushalten kann. Das ist höllenartig, so lange man noch mitten drin ist (im Prinzip wie bei schlimmen körperlichen „Krankheiten“ auch). Dann erkannte ich, dass diese „Umstrukturierung“ leichter und schneller ging, um so weniger ich dagegen ankämpfte (man will ja noch eine ganze Weile wieder ins Altgewohnte. Dieser Weg ist aber verschlossen, denn Evolution ist immer nach vorne gerichtet). Um so mehr man kämpft, um so intensiver ist der Leidensprozess, denn niemand ist stärker als die Natur. Es steht also an, zu akzeptieren und zu würdigen, dass die Natur (Gott, das Schicksal, die Vorsehung, die Schöpfung, … - jeder nennt es anders) immer dann korrigiert, wenn etwas zu sehr aus dem Lot gerät: In unserem Fall, die Seele zu viel ertragen musste ohne Ausgleich zu finden.

Der Prozess „Krankheit“ ist so leidvoll, weil die alten angelernten Muster eine ganze Weile vehement bekämpfen, was die Natur in bestem und natürlichem Sinn erneuern möchte. Sie (die Muster) können nicht anders, weil sie sehr lange in bestimmter Weise auf „richtig“ programmiert waren und irgendwann in der Vergangenheit auch Sinn machten. Das alte Ego wird aber immer besiegt. Bitte keine Angst vor dem „neuen“ Selbst, es fühlt sich unendlich besser und natürlicher an ! Es bringt innere Freiheit von alter Last, die jeder mit neuem Leben füllen kann, wenn er möchte auch ohne auffällige Wandlung seiner alten Lebensumstände nach außen hin. Ich gehe seit Jahren wieder meiner alten Arbeit nach (war schon berentet gewesen). Bin angekommen in (bzw. durchlaufen gerade) eine Welt mit hoher Lebensqualität und Genussfähigkeit, durch gewandelte Gewichtung dessen, was das Leben zu bieten hat. Mein Gott, was bin ich vor der „Krankheit“ blind gewesen!

Ja, der Weg ist steinig, leidvoll und teils sehr verworren, aber er führt IMMER zum Ziel (Weiterentwicklung, Neuorientierung).
Ich vermeide, Zeitangaben zu machen, denn das verlockt zum Vergleich. Heilungsprozesse sind aber so individuell wie das Individuum selbst. Schielt also bitte nicht nach anderen, sondern lasst die Natur in so viel Ruhe wie möglich (und das schwankt und wirft auch immer mal zurück!) ihr Werk tun; sie macht das perfekt und unbestechlich, aber auf ihre Weise, nicht auf die Weise, die das alte Ego gerne hätte.
Alte Glaubenssätze/Überzeugungen werden durch neue ersetzt, und das dauert eben - bis man gelernt hat, sie im Alltag umzusetzen und immer sicherer damit umzugehen. Aber mit der Zeit macht es Spaß, bringt Bestätigung und neues Selbstbewusstsein.
Das Leid ist letztendlich nur eine Momentaufnahme aus einem unendlich großen Spektrum an Möglichkeiten. Wenn man gerade betroffen ist, sieht man nur das Leid; aber auch das findet seinen Ausgleich in einer Gegenbewegung. Leben bedeutet Rhythmus, auf und ab, gut und schlecht, runter und hoch, .... Und ALLES will gelebt werden, nicht nur die vermeintlich guten Anteile. In einer Bewegung in eine Richtung ist schon die Gegenbewegung angelegt, nichts kann anders, als zu gegebener Zeit seinen Ausgleich zu finden. Leben ist Rhythmus, wer es festhalten will leidet, weil er sich in dem Fall gegen den natürlichen Ablauf der Natur stemmt, aber nie gewinnen kann.
Daraus folgt: Alles wird gut, aber zu seiner eigenen Zeit. Nimm das geduldig bescheiden und demütig (und später auch von Herzen) an, dann ist das Leid (und das ist nicht vermeidbar!) weniger leidvoll.

Noch ein Wort zu Medikamenten und Ärzten:
Auch dort ist es eher kontraproduktiv, Vergleiche anzustellen. Was den einen erleichtert, bringt den anderen noch tiefer ins Leid. Für manche sind sie ein brauchbares Hilfsmittel, andere spüren diffus bis deutlich, dass es sie nicht wirklich weiterbringt und nicht zu ihnen passt. Lasst jedem seinen Weg herauszufinden, was gut tut.
Ärzte haben keine Patentrezepte (sie tun nur sehr überzeugend – ist ja ihr Job); auch sie können nur probieren! Lasst euch nichts einreden, wenn euer Gefühl oder eure innere Stimme etwas anderes sagt! Man MUSS gar nichts! Niemand ist ein besserer Spezialist als man selbst für den eigenen Zustand! Verzweifelt nicht, wenn das Durchsetzen auf Anhieb nicht klappt, dann klappt es ein anderes Mal, eben dann, wenn man soweit gereift ist!
Aber auch schulmedizinische Ärzte tun ihren Job meistens, weil sie wirklich helfen wollen; sie sind aber noch nicht so weit zu verstehen, dass es viele Dinge gibt, die man nicht sehen, messen, prüfen und katalogisieren kann – es ist ihre Welt. Gegen sie zu kämpfen bedeutet eine Menge Verlust an Energie, die an anderer Stelle effektiver eingesetzt wäre - in der ersten Zeit; später merkt man immer besser, was geht und was (noch) nicht.

Letztendlich geht es darum, den eigenen, ganz persönlichen Stil und Lebensrhythmus zu finden, denn das ist das, was im „alten“ Leben nicht (mehr) vorhanden war.

Viel Glück und Segen, alles wird gut – dann, wenn die Zeit dafür reif ist!
In Liebe und Mitgefühl

Bettina

Literaturideen (oft für wenige Euro bei amazon-Marketplace gebraucht), für die, die mehr innere Zusammenhänge kennen lernen wollen (bitte nur so viel lesen, wie dem Gefühl gut tut. Man kann nicht die ganze Welt auf einmal verstehen):

  • Thorwald Dethlefsen / Ruediger Dahlke: „Krankheit als Weg“
    (Hier und da ironisch, dadurch nicht immer gut verdaulich, aber enorm wissensbreit, genauso wie Dahlkes Folgebücher)
  • Thorwald Dethlefsen: „Schicksal als Chance“
    (ebenfalls tief fundiert und neutral)
  • Für den Anfang gut verdaulich und positiv gehalten (im Gegensatz zu denen mit dem erhobenen Zeigefinger, der evtl. neue Schuldgefühle produzieren kann oder den Eindruck vermittelt, etwas „falsch“ gemacht zu haben – es gibt aber kein „falsch“, weil alles zu seiner Zeit genau so war, wie es sein konnte!):

    Diverses von

  • Joseph Murphy
  • Kurt Tepperwein
  • Louise Hay
  • Für „Praktiker“:

  • Moritz Boerner: “The Work” nach Byron Katies


    388
    Datum: Wed, 25 Jan 2006 04:41:02 EST
    Betreff: Leserforum

    Hallo Michael,

    hier sind die erhofften aufmunterden Worte:
    auch ich hatte vor einigen Jahren 2 Psychosen (die zweite wahrscheinlich durch zu frühes Absetzen der Medis und zu frühem Wiedereinstieg ins (Arbeits-)leben.

    Es ist sicher möglich wieder ganz gesund zu werden, ich betrachte mich als wieder völlig genesen! Aber lass dir Zeit, versuche nicht etwas zu erzwingen (das war mein Fehler), nach dem ersten Mal.

    Die den Psychosen folgenden Depressionen, Ängste und Gewichtzunahme (30kg) kenne ich auch. Das Zunehmen hat erst aufgehört als ich auf Solian umgestellt wurde, das Abnehmen dauerte und war mühsam, aber zu schaffen.
    Das Ganze einfach zu streichen würde ich nicht empfehlen, sonst bleibt die "Angst vor der Angst". Ich habe später, als es mir schon wieder besser ging, eine Gesprächstherapie gemacht um mich und auch evtl. Ursachen zu verstehen. OK - ich durchschaue noch nicht alles, aber ich habe keine Angst mehr, vor einem evtl. neuen Schub. Ich habe gelernt auf mich aufzupassen, bin halt nicht sooo belastbar, achte auf Warnzeichen, bin aber nicht davor in Panik ... sollte nochmal was passieren, hoffe ich vorbereitet zu sein, und es auch ein 3. oder 4. Mal schaffen, mich ins normale Leben zurückzuholen.
    Auch du wirst sicher einen Weg finden, damit umzugehen, aber setz dich nicht selbst unter Druck, alles braucht halt seine Zeit. Kopf hoch

    Petra


    387
    Datum: Sat, 7 Jan 2006 22:00:53 +0100
    Betreff: Leserforum

    Hallo,

    bin gerade über dieses Forum gestolpert und wollte meine Geschichte zu besten geben, weil ich einen Erfahrungsaustausch mit Menschen denen es ähnlich geht suche.

    Meine Psychose ist Drogeninduziert und seit 2002 mein ungeliebter Freund, den ich nicht mehr losswerde. An Psychopharmaka hab ich schon alles durch - Risperdal, Fluanxol, Zyprexa, usw. - und nehme seit 1,5 Jahren Solian. Es ist seitens der Symptomatik bei mir so, dass ich mehr oder weniger die ganzen Jahre nur an den Vorzeichen litt und leide, sprich: andere reden über mich, komme mir ständig verarscht vor, beziehe alles auf mich, Schlaflosigkeit, usw...

    ansonsten geht es mir drei bis vier stunden nach dem aufstehen ganz gut, plötzlich kippt es dann und ich will nur noch nach Hause und niemanden sehen. - Kanns nicht anders sagen. das schlimmeste ist aber dieser - wies meine therapeutin genannt hat - Milchglassscheibeneffekt. sprich ich komm mir den ganzen tag vor als wäre ich gerade aufgestanden.

    Würde mich über Antworten freuen.

    Nilodis@gmx.de


    386
    Datum: 07.01.2006
    Betreff: Leserforum

    Wie steht Ihr zu Medis – eine schizophrene Mutter

    Ich hab meine Erkenntnisse mal locker zusammengefasst:

    Das was sie mit Deinem Körper machen, versuchen sie auch mit Deinen Nervenzellen, nur sind die Fesseln nicht aus Leder, sondern aus Gift. Aber Du hast den Bezug zu Deinem Körper noch nicht ganz verloren. Gegen Gift gibt es Gegengift. Nikotin, Coffein, Alkohol, Zucker. Aber Deine Verfolger sind nicht dumm, sie wissen das auch. Du befindest Dich im Krieg, der Schwarzmarkt blüht. Wer ist so mutig und bricht die Gesetze, wer versorgt Dich mit Stoff.

    Eine andere Möglichkeit wäre laufen, um Deine Gedanken zu ordnen, aber das ist nicht erwünscht. Ich bin regelmäßig davongelaufen, mein Freiheitsdrang war enorm. Aber warum darfst Du Dich nicht bewegen, wenn Dein Körper danach schreit? Warum musst Du jeden Schritt genehmigen lassen? Zum einen ist Ausgangssperre ein wichtiges Sanktionsmittel gegen medikamentenverweigernde Patienten, und zum anderen bist Du gemeingefährlich. Gefährlich ja, denn sie sind neidisch auf das, was Dein kranker Kopf sieht, auf die Möglichkeit das Universum zu begreifen. Leider ist es aber unmöglich, das zu erleben ohne die Kontrolle zu verlieren. Aber Du hast ja den Bezug zur Realität verloren und denkst Du schaffst es den Weg noch einmal bei klarem Verstand zu gehen. Du bist ja Weltverbesserer, Du bist Revoluzzer. Du malst Hyroglypen aufs Papier – verschlüsselt – denn die anderen dürfen nicht wissen, was Du weißt. Aber Du durchschaust sie, sie fürchten um ihre Macht, schlimmer noch, sie haben böse Absichten und werden Deinen genialen Geist für ihre Zwecke ausnutzen, wie seit 2000 Jahren. Was haben sie mit Jesus gemacht, der am Kreuz gestorben ist. Eine Fixierung ist eine Kreuzigung. Du wirst mit Deiner Todesangst allein gelassen. Du bist am Verdursten, und keiner hört Dein Flehen nach Wasser. Du rufst nach der Schwester bis Du heiser bist, aber niemand nimmt Dich ernst. Du wirst gezwungen ins Bett zu pinkeln, weil keiner Dir glaubt, dass Du zur Toilette musst. Aber was Dich nicht umbringt, macht Dich stark. Und warum das ganze Theater? Du willst das nicht noch einmal erleben, und was passiert? Beim nächsten Mal wehrst Du Dich mit Händen und Füßen, und die Angst verleiht Dir Bärenkräfte. Vier Mann sind nötig, um Dich zu bändigen. Sie fixieren Dich so wie sie Dich zu fassen kriegen. Die eine oder andere Gliedmaße ist verdreht, der Fuß schläft ein, Du kannst in nicht in Position bringen. Monatelang wirst Du noch ein Taubheitsgefühl in den Zehen haben, aber das ist ja eine Folge vom Nikotinmissbrauch

    Nikotin, Dein Freund in der Not. Das Raucherzimmer, der einzige Ort, wo Kommunikation stattfindet. Der Ort, wo Du klar zwischen Normalo und Inhaftierten unterscheiden kannst. Hier fühlst Du Dich geborgen, hier kannst Du Musik hören, Deine Gedanken schweifen lassen. Hier kannst Du auch nachts alleine sein. Hier kannst Du das Nikotin gebrauchen, um Deine Konzentration zu erhöhen, das Wolleknäul in Deinem Kopf entwirren, denn Du hattest im Halbschlaf wieder eine Erleuchtung. Ein weiteres Puzzleteil. Noch siehst Du das fertige Bild nicht, aber Du wirst es schaffen (1).

    Endlich entlassen.

    Du armer Narr, Du kennst die Schwester der Psychose noch nicht, die Depression. Sie lauert Dich auf, wenn Du wieder Boden unter den Füßen hast. Sie wird Deinen Willen brechen, Deine Euphorie ins Gegenteil verkehren. Du wirst wieder mehr recht als schlecht funktionieren. Aber Du wirst wenigstens wieder als Persönlichkeit wahrgenommen, zu dem Preis, dass ein Teil Deines Selbst verschüttet wurde.

    Du wirst Dir den Zugriff darauf hart erarbeiten müssen. Wirst Du die Aufbauarbeit schaffen, bevor der nächste Schub Dich überrollt? Bis die Drehtür sich wieder auftut. Niemand kennt Deinen Kampf. Und Du selbst musst lernen, die Gefahren zu erkennen. Es ist so herrlich aus der Depression zu erwachen, sich wieder ganz zu fühlen, manisch zu werden. Hier beginnt der Tanz auf dem Hochseil. Hier finde ich Tabletten hilfreich. Aber Du brauchst einen verlässlichen Partner.

    Einen Verbündeten, der Dir hilft im Gleichgewicht zu bleiben, nicht übers Ziel hinauszuschiessen. Aber er darf Dich nicht mit Argusaugen überwachen, er muss Dir die Verantwortung lassen, solange Du sie tragen kannst, er darf Dich nicht entmündigen. Wenn er überfordert ist, kann er Dich in die Klinik bringen. Aber bitte nicht abschieben. Regelmäßiger Kontakt ist wichtig, es ist der Schlüsselweg zur Normalität. Das ist schwierig.

    Mein einziges verlässliches Frühwarnsymptom ist, dass der Schlaf aus dem Rhythmus kommt. Du kannst den Schlaf nicht mit Gewalt erzwingen. Du musst ein Stück auf Deinen Körper hören. Dein Kopf hat wieder Zugang zu Deinem Unterbewusstsein. Solange der Strom gemächlich fließt, ist es in Ordnung, schenkt Dir Kreativität. Aber diese Kreativität ist eine Droge, man will mehr davon. Man kennt ja Höhenflüge, und vielleicht gibt es auch Höhenflüge ohne Angst.

    In diesem Sinne – gebt die Hoffnung nicht auf


    385
    Datum: 05.01.2006 / 17:47
    Betreff: Bemerkungen im Tagebuch-Formular

    hallo

    ich selbst bin im herbst 2005 an einer psychose erkrankt. begonnen hat alles mit wahnvorstellungen, verfolgungswahn. meine familie hat mich ins krankenhaus gebracht weil ich herzrasen hatte und tagelang nicht mehr schlafen konnte. ich wurde in eine psychatrie überwiesen. hier fühlte ich mich verraten selbst von meiner familie. es kam mir vor als wäre die ganze welt gegen mich. selbst die ärzte und pfleger schienen ein komplott gegen mich zu spinnen. in den ersten tagen bekam ich tavor. nach vier wochen wurde ich mit 20mg zyprexa entlassen. seitdem ich wieder zuhause bin habe ich ca.10 kg zugenommen bin sehr müde und möchte nichts mehr unternehmen. wenn ich mich dann doch einmal dazu aufraffe lässt es sich nicht vermeiden alkohol zu trinken. in diesen momenten ist die krankheit nicht mehr so aktuell. meine medikation beträgt im moment 15mg zyprexa. ich beginne in ca 2wochen wieder mit meiner alten arbeit. und mache mir deswegen schon wieder sehr große sorgen. am meisten belastet mich aber die frage ob es überhaupt möglich ist wieder ganz gesund zu werden?? ich würde diese episode in meinem leben am liebsten ganz streichen.

    vielleicht gibt es jemanden unter euch dem es ähnlich wie mir geht und der vielleicht ein paar ermunternde worte dazu hat.

    euer michael



  • ... weitere Artikel auf www.pahaschi.de Vielen Dank an Markus für die Unterstützung!




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