Gedichte aus dem Leserforum
(von Bodo)


Die Mücke und der Elefant

Die Mücke träumte neulich,
sie wär’ ein Elefant;
doch hat sie sich ganz greulich
in diesem Traum verrannt!
 
Sie fand ja kaum noch Nahrung
für ihren Rüssel: BLUT!
Und diese Traumerfahrung,
die tat ihr gar nicht gut.
-
Der Tick des Elefanten
war der Wahn, er wär’ so klein
wie seine Anverwandten:
das kleine Rüsselschwein.
 
Er wähnt’, man wollt’ ihn schlachten
als große Festtagsspeise;
und erst zwei Heiler brachten
die Lind’rung seiner Meise.

Das große Elefantentier
fühlt wieder Stärke und auch Macht:
Kein Wahn auf dieser Erde hier
hat ihn dann je zur Sau gemacht!

(16. November 2009)


Monikas Diät

Moni aß, soviel sie wollte,
auch mal Kuchen, auch mal Wurst,
es gab keinen, der da grollte,
wenn sie trank den Wein zum Durst.

Einmal las sie im Journal,
der Body-Mass-Index sei gut,
um zu schätzen ganz pauschal
ihr Gewicht in absolut.

Sie rechnete und war erschrocken,
bei der 30 war die Zahl,
Moni konnte nicht frohlocken,
denn ihr Gewicht war nicht normal.

Um zu verlieren ihre Pfunde,
aß sie nun 'nen Pulverbrei,
sie wog sich jede 2. Stunde,
tatsächlich nahm sie ab dabei.

Nach 3 Wochen dieser Qual,
der Zeiger rückte sich nicht mehr,
der Brei, der schmeckte nur noch schal,
solch Diät fiel furchtbar schwer.

Moni fasste den Entschluss,
zu essen wieder, was ihr schmeckt,
lieber dick, als nur Verdruss -
10 Kilo mehr sind kein Defekt.

Und eigentlich lebt sie gesund,
sie raucht nicht und trinkt Alkohol in Maßen,
geht oft spazieren mit dem Hund
durch den Park und durch die Straßen.

Würde Rubens sie heut sehen,
er würd sie malen gleich ganz fleißig,
würd nicht die Augen sich verdrehn
nach Kleidergröße achtunddreißig.

(3. Februar 2003)


Der Wecker

Wecker, Du! Du kleines Teilchen,
Laß mich schlafen noch ein Weilchen,
Ich träum so schön auf meine Weise,
Sei so gut und klingel leise!
Zeigst mir die Zeit an allen Tagen,
Doch machst Du Krach, muß ich Dich schlagen!

(11. Mai 2001)


Die Nebenwirkung

Akut gebracht bekommst Du wohl
das gute alte Halidol.
Aber paß auf! Das mußt Du wissen,
Dir geht es danach ganz beschissen.
Die Zunge krampft sich, auch der Mund,
Du denkst bei Dir: Ist das gesund?

Wenn das nicht hilft, dann kannst Du wetten,
gibt Dir der Arzt die Melleretten.
Zuviel genommen - ohne Faxen -
Dir dann als Manne Brüste wachsen,
und auch beim Sex, da kommt oh Graus
ja gar kein Samen mehr heraus.

Die Nase, die ist Dir verstopft,
Du stehst dann da, ganz wie bekloppt
mit off'nem Munde so herum,
tja - das ist Neuroleptikum!

Zyprexa nun - die höchste Wonne,
doch Dein Gewicht jetzt eine Tonne.
Risperdal soll auch gut sein -
Frau Doktor kriegt sich nicht mehr ein,
sie jammert nur noch ach und weh:
Was mach ich nur mit dem Budget?

Auch Taxilan nehm ich ganz brav
und daraufhin ich ganz fest schlaf.
Zur Not es Fluanxol auch tut,
der Fuß zwar zuckt - alles wird gut!

(11. Oktober 2000)


Die Krankheit

Durch Schicksals Wende mir zerrinnen
in meynem Kopf die armen Sinnen,
die eig'nen Leut sehn mich verrückt,
meyn Herzgefühl ist ganz zerstückt.

Sie bringen mich ins Krankenhaus,
ich denk bei mir: Jetzt ist es aus!
Ich kriege was auf meyne Mütze,
weil ich nicht will, auch eyne Sprütze.
Die Schwester läszt sich nicht lang bitten
und sticht sie mir in meyne Rippen.

Nach eyn paar Wochen wird mir klar,
es war wohl doch nicht wie es war.
Ich war nicht Jesus auf der Welt,
ich bin kein übergroszer Held.

Jahraus, jahrein - fast wider Willen
musz ich nun schlucken süsze Pillen.
Der Doctor sagt: Vergisz sie nie!
Sonst kriegt er die Schizophrenie!
Nun, Herr Doctor, sey es drum.
Gib mir mein Neuroleptikum!

( 29. September 2000)


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