Lied vom Schwarz und Weiß
von Bodo Bodenstein


Trüber Tag die Nacht erhellt,
der späte Morgen schreiet stumm,
Millionen Menschen schnell gezählt,
es schauet blind das Publikum.
Das Fernsehen schaust du aus der Nähe.
Es spielt das ewig gleiche Stück:
Zeit und Geist in einer Ehe:
Was einmal war, kommt nicht zurück.

Schwarz auf Weiß steht es hier,
ewig rauscht der Blätterwald,
bist der Schöpfung höchstes Tier,
und die Gedanken lassen mich nicht kalt.

Ganz allein in voller Klasse
ist Schulpraxis nur Theorie,
was richtig ist, bestimmt die Masse,
allseits normale Idiotie.
Der Mammon ist des Marktes Gott,
die Wirtschaft folgt dem irren Maß,
doch deine Seele geht Bankrott,
und der Profit riecht nur nach Aas.

Schwarz auf Weiß steht es hier,
ewig rauscht der Blätterwald,
bist der Schöpfung höchstes Tier,
und die Gedanken lassen mich nicht kalt.

Die Supermacht tritt auf der Stelle,
schneller Tod ist überall,
dem Krieger schwimmen weg die Felle,
fliegt er auch schneller als der Schall.
Die Freiheit in der Diktatur,
der Demokratie eig'ner Zwang,
du spielst des Lebens Partitur,
das Stück besteht aus Yin und Yang.

Schwarz auf Weiß steht es hier,
ewig rauscht der Blätterwald,
bist der Schöpfung höchstes Tier,
und die Gedanken lassen mich nicht kalt.

Auf dem Biere schwebt die Blume,
die Leberwerte nicht mehr fein,
dem Alkohol gebührt postume
der Gesellschaft Heil'genschein.
Konsum belebt das Wirtschaftswunder,
kauft Autos, Sprit und Eigenheim!
Der Konzern wird ein gesunder -
der Bank, der gehst du auf den Leim.

Schwarz auf Weiß steht es hier,
ewig rauscht der Blätterwald,
bist der Schöpfung höchstes Tier,
und die Gedanken lassen mich nicht kalt.

Jeder sitzt in diesem Boot,
Kinder werden Eltern mahnen:
Die Luft verbraucht, die Erde tot?
Ach, zur Hölle mit den Ahnen!
Gott! Hilf mir diese Zeilen lesen,
sei meine Kraft auch noch so klein.
Lass mit mir diese Welt genesen,
denn sie ist mein und sie ist dein!

Schwarz auf Weiß steht es hier,
ewig rauscht der Blätterwald,
bist der Schöpfung höchstes Tier,
und die Gedanken lassen mich nicht kalt.


Oktober 2007




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